Wachstum – INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) http://www.insm-oekonomenblog.de Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten - diskutieren Sie mit! Thu, 25 Aug 2016 07:53:46 +0000 de-DE hourly 1 Die willigen Helfer der Wachstumsprediger http://www.insm-oekonomenblog.de/14627-buchkritik-ferdinand-knauss-die-willigen-helfer-der-wachstumsprediger/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14627-buchkritik-ferdinand-knauss-die-willigen-helfer-der-wachstumsprediger/#comments Thu, 11 Aug 2016 07:46:48 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14627 weiterlesen]]> Der Glaube an endloses Wirtschaftswachstum ist genauso sinnvoll wie der Glaube an Unsinn. Warum sich dennoch über Jahrzehnte die Idee eines steten Wirtschaftswachstums tief in unsere Köpfe eingebrannt hat, beantwortet Ferdinand Knauß in seinem nun erschienenen Buch „Wachstum über alles?“ – und entlarvt die deutsche Wirtschaftspresse als allzu unkritische Steigbügelhalter von Politikern und Ökonomen.

Ferdinand Knauß: Wachstum über alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr für Ökonomen wurde, oekom-Verlag, München 2016

Titel_Knauss_Wirtschaftsjournalismus_CMYKDer Vorwurf, dass Ökonomen für wirtschaftliche Fehlentwicklungen mitverantwortlich sind, ist ein alter Hut. Und dass auch Politiker ständig ihren Teil zum Unheil leisten, ist sowieso klar. Dass nun aber auch Zeitungsjournalisten maßgeblich dazu beigetragen haben, den Glauben an ein endloses und kontinuierliches Wirtschaftswachstum in Deutschland zu festigen – das ist neu. Und die These ist überlegenswert. Mit seinem nun erschienenen Buch „Wachstum über alles? – wie der Journalismus zum Sprachrohr für Ökonomen wurde“ legt der Wirtschaftsjournalist Ferdinand Knauß eine bisher einzigartige Untersuchung vor. Seine Grundfrage lautet: Wie kam es dazu, dass stetiges Wirtschaftswachstum eine bis heute beherrschende Stellung in unserer Gesellschaft einnehmen konnte?

In dem Dreiecksverhältnis von Wirtschaftswissenschaft, Politik und Medien sieht der Autor die Voraussetzung für diese Macht des von ihm so genannten Wachstumsparadigmas. Knauß analysiert in großer Fleißarbeit die Kommentare, Artikel und Berichte in der Vossischen Zeitung (1918 bis 1934), der Frankfurter Allgemeine Zeitung, im Spiegel und in der Zeit – angefangen von ihrer Gründung bis heute. Ergebnis: Der Journalismus nimmt in der Entwicklung der Wachstumsgläubigkeit eine Schlüsselrolle ein. Die Zeitungsjournalisten haben den Anspruch der Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum weitgehend beglaubigt. Sie legitimierten damit zudem Ökonomen als scheinbar objektive Berater der Politik – und tun dies zum großen Teil bis heute. Die Selbstkritik an seiner Zunft nimmt Knauß bewusst hin. Ihm geht es nicht um Kollegenschelte, sondern er wünscht sich einen erneuerten Wirtschaftsjournalismus, der nicht nur distanzvoller, unabhängiger und kritischer arbeitet, sondern auch interdisziplinärer und philosophischer ausgerichtet ist.

Was immer wächst, wird irgendwann fallen

Knauß zufolge hält das „Wirtschaftsparadigma“ für seine Jünger vier Glaubensthesen bereit: erstens, dass das Wirtschaftswachstum ein Allheilmittel für gesellschaftliche, politische und letztlich ökologische Probleme jeder Art ist; zweitens, dass dieses Wachstum bei ökonomisch rationaler Politik unbegrenzt möglich ist; drittens, dass es ein Indiz für gesellschaftlichen Fortschritt und nationale Bedeutung ist; und viertens, dass das Bruttosozialprodukt dafür ein angemessener Maßstab ist. Für Knauß ist diese Glaubenshaltung ein Irrweg: „Etwas immerzu Wachsendes kann nicht dauerhaft stabil sein, sondern muss zur Instabilität eines Systems führen, dessen Ressourcen begrenzt sind. Langfristig bleibt jedes natürlich Wachstum im Gleichgewicht mit den Gegenkräften Verfall und Tod“, schreibt der Autor. In den von ihm analysierten Artikeln werden kaum „Fragen nach dem Sinn des Wirtschaftens jenseits der Steigerungslogik der Mainstreamökonomie“ gestellt. Wer in dem Dreieck von Politik, Ökonomie und Journalismus wen am stärksten beeinflusst, ist zwar nur schwer nachweisbar. Aber es liegt „in der Natur der Sache, dass die Ökonomen wohl diejenigen sind, die das theoretische Fundament für wirtschaftspolitische Positionen bereitstellen“, schreibt Knauß.

Was richtig war, wird schnell verdrängt

Wachstum zu stimulieren erscheint in den Zeitungsartikeln als völlig selbstverständliche und alternativlose Aufgabe der Politik. Allerdings gibt es in den verschiedenen Printmedien kleine Unterschiede: Während „Spiegel“ und „Zeit“ mit zunehmenden Eifer eine keynesianische planende Wachstumspolitik fordern, setzt in der FAZ um 1960 ein leichter Reflexionsprozess über die Bedeutung der Wachstumsraten ein, an dem sowohl eigene Redakteure als auch „fremde Federn“ teilnehmen. Einen Höhepunkt in der medialen Geschichte des Wachstumsparadigmas sieht der Autor in dem „Angriff auf das Wachstumsparadigma in den früher 70er Jahren“, vor allem durch den Club of Rome und seine Studie „Die Grenzen des Wachstums“. Die Thesen setzten sich jedoch politisch kaum durch. Helmut Schmidt nennt die Grenzen des Wachstums eine Gespensterdebatte. Angesichts des „Hungers in der Welt“ lehnten führende Politiker die gesamte Diskussion ab und halten sie gar für doppelmoralisch – ein Thema allein für Leute, „die Wasser predigen und selbst Wein trinken.“ Tatsächlich war der Schwachpunkt der Club-of-Rome-Vertreter ihre politische Einfältigkeit. Knauß: „Ihnen fehlte ein positives politisches Konzept, das über das Aufrütteln hinausging.“

Dass die „Grenzen des Wachstums“ dann bald auch in der Presse in Vergessenheit gerieten, liegt für Knauß in der „Geschichtsvergessenheit“: „Diese Ignoranz betrifft nicht nur die Geschichte der Wirtschaft, sondern vor allem die historische Bedingtheit der eigenen Überzeugungen.“

Feuilletonistischer Wirtschaftsjournalismus hilft beim Denken

Ob das Wachstumsparadigma eines Tages aus den Medien wieder verschwindet? Ja, meint der Autor, allerdings sei dazu ein erwachtes und gestärktes Geschichtsbewusstsein des Wirtschaftsjournalismus‘ als Voraussetzung notwendig. Das Knauß‘sche Rezept: „Ein erneuter zeitgemäßer Wirtschaftsjournalismus könnte kritische Kraft zur Analyse und Meinungsbildung schöpfen aus Quellen der Erkenntnis, die die  tonangebenden Ökonomen in selbst gewählter Unmündigkeit seit einigen Jahrzehnten verschmähen.“ Zu diesen Quellen zählen für den Autor Geschichte, Soziologie, Philosophie, Religionswissenschaften und „warum nicht auch Dichtung und bildende Kunst?“

Sicherlich geht es jetzt nicht darum, eine geistesgeschichtlich orientierte Haltung, in der die lebensphilosophisch orientierte Erfassung eines Dichters oder Künstlers im Mittelpunkt steht, zum Non-Plus-Ultra ökonomischer Vernunft und wirtschaftlichen Handelns zu erklären. Aber es geht darum, stärker interdisziplinär zu denken und zu analysieren. Die Ökonomie hatte für diese Haltung einst einen großen Vordenker, Adam Smith. Er war bekanntlich Professor für Philosophie. Auch wenn damals gerade erst die Dampfmaschine erfunden wurde, schadet es sicherlich nicht, wenn sich auch heute wieder mehr von der Sorte Smith am Wachstumsdiskurs beteiligen.

Fazit

Aufschlussreich und lesenswert – ein gelungener Wurf, der zeigt, dass auch beim Thema „Wachstumskritik“ gilt: Ständiges Wiederholen von falschen Ansichten macht die Welt nicht besser. Zugleich offenbart das Buch die etwas betrübliche Erkenntnis, dass Journalisten nicht immer so unabhängig berichten und kommentieren, wie es sich das Bundesverfassungsgericht wünscht. Gut, dass unsere Demokratie diese Schieflage dennoch aushält.

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Giantgrafik: Warum wir eine starke Wirtschaft brauchen http://www.insm-oekonomenblog.de/14275-giantgrafik-warum-wir-eine-starke-wirtschaft-brauchen/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14275-giantgrafik-warum-wir-eine-starke-wirtschaft-brauchen/#comments Fri, 10 Jun 2016 12:03:57 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14275 weiterlesen]]> Große Aufgaben brauchen eine starke Wirtschaft. Wie sehr diese starke Wirtschaft hilft unser aller Leben zu verbessern, haben wir in einer Giantgrafik zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen!

Giantgrafik Starke Wirtschaft

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China braucht mehr Freiheit http://www.insm-oekonomenblog.de/13877-china-braucht-mehr-freiheit/ http://www.insm-oekonomenblog.de/13877-china-braucht-mehr-freiheit/#comments Fri, 11 Mar 2016 09:28:12 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=13877 weiterlesen]]> Die Regierung in Peking sucht nach einem neuen Wachstumsmodell und will deshalb Innovationen fördern. Dafür muss sie unternehmerischen Geist freilassen – und ihren Führungsstil ändern.

Dass Chinas Wirtschaft Schwierigkeiten hat, ist auch der Führung in Peking klar. Auf seiner Eröffnungsrede des Nationalen Volkskongresses sprach Ministerpräsident Li Keqiang Anfang März von zunehmenden Herausforderungen, vor denen sein Land stehe. Er kündigte einen “schweren Kampf” an. Mit einem Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent war Chinas Konjunktur bereits im vergangenen Jahr so schwach wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. In diesem Jahr könnte die Wachstumsrate laut Regierung noch weiter absinken.

Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Einbruch, sondern Ausdruck struktureller Defizite. Natürlich kann keine Volkswirtschaft ewig um zehn Prozent wachsen. Aber Chinas Probleme sind auch hausgemacht. Die politische und wirtschaftliche Ordnung, die in den vergangenen 30 Jahren explosionsartiges Wachstum gefördert hat, bremst das Land inzwischen.

In der Vergangenheit war China erfolgreich, weil es billig war, dort zu produzieren. Inzwischen ist der Wohlstand – und damit auch das Niveau der Gehälter – so stark gestiegen, dass ein neues Wachstumsmodell nötig ist. Die Führung in Peking will deshalb den Konsum stärken und Unternehmen innovativer machen. Doch wer mehr Innovationen will, muss mehr unternehmerischen Geist freilassen.

Derzeit ist die Dominanz des Staates immer noch zu groß, das Verhalten der Regierung zu autoritär. Der Führungsstil muss sich ändern, um die 1,4 Milliarden Chinesen gleichermaßen einzubinden. Denn ohne politische Freiheiten, Rechtsstaatlichkeit und eine verlässliche Justiz kann es keine dauerhaft funktionierende Marktwirtschaft geben.

Es ist zweifelhaft, ob die chinesische Regierung den Wandel wirklich will. Behält sie ihren Kurs bei, wäre das eine schlechte Nachricht für die Menschen und Unternehmen in China. Denn solange die Reformen ausbleiben, wird auch die wirtschaftliche Entwicklung immer wieder stocken. Deutsche Firmen müssen sich deshalb neue Kunden im Ausland suchen. Wer eine zu große Abhängigkeit von China von Anfang an vermieden hat, war gut beraten.

Lesen Sie dazu auch ein Interview auf welt.de

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Lohnstückkosten: Deutschland ist nicht das böse Musterländle http://www.insm-oekonomenblog.de/13693-lohnstueckkosten-deutschland-ist-nicht-das-boese-musterlaendle/ http://www.insm-oekonomenblog.de/13693-lohnstueckkosten-deutschland-ist-nicht-das-boese-musterlaendle/#comments Thu, 28 Jan 2016 10:18:25 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=13693 weiterlesen]]> Im Ausland heißt es oft: Das böse Deutschland verstärkt durch eine besonders hohe Wettbewerbsfähigkeit die Ungleichgewichte im Euroraum. Die Zahlen und eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigen jedoch ein ganz anderes Bild: Das Lohnstückkostenniveau ist hierzulande überdurchschnittlich hoch und auch bei der Lohnstückkostendynamik ist Deutschland keineswegs zurückhaltend. Seit 1991 sind die Lohnstückkosten in Deutschland stärker gestiegen als bei der ausländischen Konkurrenz.

Lohnstückkosten: Deutschland teurer als der DurchschnittJa, es stimmt – Deutschlands Industrie ist deutlich produktiver pro Arbeitsstunde als die ausländische Konkurrenz. Durchschnittlich waren die wichtigsten EU-Länder zusammen mit Norwegen, den USA, Japan und Kanada im Jahr 2014 insgesamt 12 Prozent weniger produktiv als die deutsche Industrie, der Euroraum lag sogar 14 Prozent zurück. Aber dieser Vorsprung reicht nicht aus, um den Nachteil der hohen Arbeitskosten in Deutschland wettzumachen. Die Lohnstückkosten – also das Verhältnis von Arbeitskosten zur Produktivität – in den anderen Ländern waren 2014 durchschnittlich um 11 Prozent günstiger als in der Bundesrepublik.

Ungünstige Entwicklung führt zu steigenden Lohnstückkosten

Die angeblich überbordende Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wird vor allem mit einem angeblich sehr geringen Anstieg der Löhne begründet. Dies galt aber nur temporär und zudem steht dem auch eine schwache Produktivitätsdynamik gegenüber. Langfristig haben sich die industriellen Lohnstückkosten hierzulande ungünstiger entwickelt als bei der Konkurrenz: Im Durchschnitt stiegen die Lohnstückkosten in Deutschland zwischen 1991 und 2014 jährlich um 0,5 Prozent. Bei der ausländischen Konkurrenz blieben diese Kosten dagegen – in heimischer Währung gerechnet – in etwa konstant, auf Euro-Basis gaben sie sogar leicht nach. Auch die anderen Euro-Länder schnitten in diesem Zeitraum nicht schlechter ab als Deutschland.

Kein Anlass für expansive Lohnpolitik

Wenn überhaupt von einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesprochen werden kann, betrifft dies die Jahre 1999 bis 2007 – und nur den Vergleich zu den Partnerländern des Euroraums. Die expansive Lohnpolitik der vergangenen Jahre hat diesen Kostenvorteil allerdings teilweise wieder aufgezehrt. Und auch als Handelspartner ist Deutschland genauso stark in den Euroraum eingebunden wie zu Zeiten der Euroeinführung, die Handelsbilanzüberschüsse sind nicht ausgeprägter als 1999. Für eine expansive Lohnpolitik mit weiteren Lohnerhöhungen gibt es also keinen Anlass. Zu hohe Lohnabschlüsse, die beschäftigungsfeindlich wirken, würden den Konsum und damit die Konjunktur in Deutschland schwächen. Und letztlich würde das auch dem Euroraum schaden, weil Deutschland als Absatzmarkt an Gewicht verlöre.

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Wohlstand entsteht aus Wirtschaftskraft http://www.insm-oekonomenblog.de/12798-wohlstand-entsteht-aus-wirtschaftskraft/ http://www.insm-oekonomenblog.de/12798-wohlstand-entsteht-aus-wirtschaftskraft/#comments Mon, 13 Jul 2015 11:04:05 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=12798 weiterlesen]]> Nie waren die Deutschen reicher: Die Einkommen steigen, die Wohnungen werden größer und das Bildungsniveau steigt. Voraussetzung dafür war eine fast kontinuierlich steigende Wirtschaftskraft.

Folgender Blogpost ist die Kurfassung der Studie “Mit mehr Wirtschaftskraft zu mehr Wohlstand” (.pdf). Eine Grafik mit den zentralen Aussagen findet sich hier.

Wirtschaftskraft ist die Voraussetzung von Wohlstand. Ob Kultur, Forschung, Bildung oder Umweltschutz – dies alles können wir uns nur leisten, wenn die Wirtschaft auf einem gesunden Fundament steht. Um den Standort Deutschland scheint es im Lauf der vergangenen Jahrzehnte immer besser bestellt zu sein. So hat Deutschland sich in den vergangenen Jahrzehnten zum wirtschaftsstärksten europäischen Land entwickelt. Die Wirtschaftsleistung ist seit 1991 um knapp 30 Prozent gestiegen. Und die gestiegene Wirtschaftskraft kommt bei den Menschen an. Was heute als Selbstverständlichkeit und zur existenziellen Grundausstattung zählt, war früher Luxus.

Steigende Einkommen ermöglichen beispielsweise, dass die Deutschen heute immer größere Wohnungen bewohnen. Um über 10qm ist die durchschnittliche Wohnfläche angewachsen. Gleichzeitig können sich immer mehr Haushalte Waschmaschine, Spülmaschine oder einen Computer leisten.

Darüber hinaus gibt es Wohlstandsfaktoren, die sich nicht mit harter Währung kaufen oder bemessen lassen. Es hilft der Wirtschaft wie der gesamten Gesellschaft wenig, wenn eine höhere Wirtschaftskraft durch Einbußen etwa bei der Gesundheit, der Lebenserwartung oder durch eine stärkere Umweltbelastung erkauft wird.

Doch auch in diesen Punkten hat sich Deutschland nach vorne bewegt. Unser höchstes Gut ist Gesundheit und die lassen wir uns einiges kosten. 315 Milliarden Euro haben die privaten Haushalte, Krankenversicherungen oder der Staat 2013 dafür ausgegeben und damit fast doppelt so viel wie noch 20 Jahre zuvor. Dass das Geld gut angelegt ist, zeigt die gleichzeitig durchschnittlich um vier Jahre gestiegene Lebenserwartung.

Die gewonnenen Lebensjahre können die Menschen in einer intakten Umwelt genießen. Denn es ist keinesfalls so, dass die Wirtschaftskraft zwangsläufig die Umwelt in Mitleidenschaft zieht. Neue Technologien und mehr Geld für Umweltschutz machen es möglich, dass heute in Deutschland so effizient gewirtschaftet wird, wie nie zuvor. Der Energieeinsatz pro produzierte BIP-Einheit ist in 20 Jahren um etwa 25 Prozent gefallen. Die Emissionen von Luftschadstoffen konnten seit 1990 deutlich verringert werden. Atemmasken und Fahrverbote wegen unzumutbarer Smog-Belastung sind in Deutschland kein Thema. Von Schwefeldioxid wird heute nur noch gut ein Zehntel der Menge emittiert, die Anfang der 1990er ausgestoßen wurde und die Emission von Kohlendioxid sank um fast ein Fünftel.

Höhere Gesundheitsstandards, mehr Bildung, mehr Konsum in einer intakten Umwelt – dies alles können wir uns nur leisten, weil wir die finanziellen Voraussetzungen durch eine starke Wirtschaft erarbeitet haben. Die teilweise angejahrte Infrastruktur einerseits und Rentengeschenke andererseits zeigen aber, dass der Staat seine Balance aus sozialen Wohltaten und Zukunftsfürsorge durchaus überdenken könnte.

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Studie: Hohe Mieten schwächen Wachstum http://www.insm-oekonomenblog.de/12752-studie-hohe-mieten-schwaechen-wachstum/ http://www.insm-oekonomenblog.de/12752-studie-hohe-mieten-schwaechen-wachstum/#comments Tue, 07 Jul 2015 15:47:17 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=12752 weiterlesen]]> Mindestens Mieter mögen keine hohen Mieten. Ganz besonders nicht, wer in Städten wie Hamburg oder München wohnt. Dürfen sich dann wenigstens die Bewohner günstigerer Städte freuen? So einfach ist das nicht, zeigt eine Studie. Nicht nur die Bewohner teurer Städte leiden unter hohen Mieten, auch der Rest Landes.

Es klingt auf den ersten Blick kontraintuitiv: Was interessiert es einen Dortmunder, wenn es Münchner schwer haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden? Sehr viel sogar, wie eine neue Studie der Ökonomen Enrico Moretti (University of California, Berkeley) und Chang-Tai Hsieh (University of Chicago) zeigt.

Denn die Probleme der Münchner Wohnungssuchenden sind ein Problem für das Wachstum der deutschen Wirtschaft und schaden damit indirekt auch der Dortmunder Wirtschaft. Zu diesem Schluss kommt man jedenfalls, wenn man die Ergebnisse der beiden Ökonomen vom US-amerikanischen Immobilienmarkt auf Deutschland überträgt.

Die Erklärung dafür ist eigentlich relativ simpel: In den USA gehören Städte wie New York, San Francisco und San Jose zu den produktivsten Wirtschaftsstandorten des ganzen Landes. Kein Wunder, schließlich sitzen in New York die größten Banken des Landes und zwischen San Francisco und San Jose liegt das Silicon Valley. Diese Städte haben jedoch auch einen sehr schwierigen Immobilienmarkt. Strenge Bauvorschriften und Mieten auf dem Niveau der 70er verhindern, dass dort bezahlbarer Wohnraum entsteht. Obwohl es in diesen Städten also die attraktivsten Jobs des Landes gibt, können es sich nur wenige Menschen leisten, dorthin zu ziehen.

In anderen Städten wie zum Beispiel Phoenix, Las Vegas oder Riverside dagegen ist der Wohnraum billig. Das zieht viele Menschen an. Solche Städte beherbergen allerdings keine sonderlich produktive Wirtschaft. Las Vegas beispielsweise, das stadtgewordene Kasino mitten in der Wüste Nevadas, ist nicht gerade bekannt für wertvolle Dienstleistungen oder innovative Produkte.

Jobs in Las Vegas oder Phoenix sind deshalb weit weniger produktiv als ein vergleichbarer Job in San Francisco oder New York. Hohe Mieten und Wohnungspreise schrecken jedoch viele Menschen ab und treibt sie in billigere, aber unproduktivere Städte. Der Anteil der US-Bevölkerung in vergleichsweise unproduktiven Städten nimmt also zu. Auch wenn es für den einzelnen Amerikaner natürlich angenehmer ist, bei schönem Wetter ein billiges Haus in Las Vegas zu besitzen, reduziert er damit indirekt das Wirtschaftswachstum in ganz Amerika.

Moretti und Hsieh versuchen diese Entwicklung empirisch nachzuweisen. Sie rekonstruieren den Anteil der 220 größten Städte am Wirtschaftswachstum der gesamten U.S.A. zwischen 1969 und 2009 und beziehen dabei die lokalen Löhne und Immobilienpreise ein. Sie zeigen, dass obwohl in New York, San Francisco und San Jose die Nachfrage nach Arbeit am stärksten gewachsen ist, der Anteil der drei Städte am gesamten Wirtschaftswachstum der USA nur gering war – genauso hoch wie Anteil der darbenden Städte des Rustbelts.

Das liegt daran, dass sich das Wachstum in San Francisco zwar in höheren Löhnen niedergeschlagen hat, die aber wurden zu einem Großteil von höheren Immobilienpreisen aufgezehrt. Das Wachstum führte wegen der hohen Immobilienpreise aber nicht zu höherer Beschäftigung. Neue Stellen wurden hauptsächlich in anderen Städten geschaffen. Übertragen auf Deutschland würde das bedeuten: Städte wie Duisburg, Oberhausen oder Rostock tragen genauso viel zum Wirtschaftswachstum bei wie München und Stuttgart.

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Wenn die Vorschriften und Verbote auf den Immobilienmärkten in New York oder San Francisco gelockert werden würden, könnte – so die Studie weiter – die jährliche Wirtschaftsleistung der USA um bis zu 10 Prozent (also fast 2 Billionen Dollar) höher sein. Das würde aber nur funktionieren, wenn etwa die heute Bevölkerung New York’s (8,5 Millionen) sich verachtfachen würde – ein zugegeben recht unrealistisches Szenario.

Auch deshalb lässt sich diese Studie nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Ein interessanter Denkanstoß ist sie allemal, denn die Kernaussage bleibt unverändert: Hohe Mieten verringern die Mobilität von Arbeitern und schaden damit dem Wirtschaftswachstum.

Auch in Deutschland “glänzen” nämlich die stärksten Wirtschaftsstandorte des Landes mit den höchsten Mieten des Landes. Wenn es also möglich wäre, in Städten wie München oder Stuttgart für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, würde Deutschland als ganzes davon profitieren, sogar das gebeutelte Ruhrgebiet.

Soll das jetzt heißen, dass München seine alte Innenstadt durch Hochhäuser ersetzen soll, damit mehr Menschen bei BMW oder Siemens arbeiten können? Natürlich nicht, denn solche historischen Stadtkerne machen Städte wie München überhaupt erst attraktiv und sind von unschätzbarem Wert.

Viel wäre aber schon damit getan, wenn die Anbindung der Innenstädte zum Umland verbessert werden würde. So könnte der meist günstigere Wohnraum im Umland wichtiger Wirtschaftsstandorte besser erschlossen werden und mehr Menschen Zugang zu den besten Arbeitsmärkten des Landes verschaffen.

Leider scheint die Politik jedoch alles zu versuchen, um das Gegenteil zu erreichen: Seit der Jahrtausendwende sind die Baukosten pro Quadratmeter bundesweit um 40 Prozent gestiegen. Mehr als ein Viertel des Anstiegs, 13 Prozentpunkte, geht dabei auf das Konto der bundesdeutschen Bürokratie. Darunter leiden nicht nur der Bewohner Hamburgs, und das ist die Botschaft von Hsieh und Moretti, sondern auch der Rest des Landes.

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TTIP: Eine kritische Empfehlung http://www.insm-oekonomenblog.de/12613-ttip-eine-kritische-empfehlung/ http://www.insm-oekonomenblog.de/12613-ttip-eine-kritische-empfehlung/#respond Mon, 15 Jun 2015 10:03:40 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=12613 weiterlesen]]> Über kaum ein anderes Thema wird derzeit in Wirtschaftskreisen mehr diskutiert als über das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa. TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) wird von vielen skeptisch beäugt. Zum Teil ist die Kritik durchaus gerechtfertigt, doch wäre ein Scheitern der Verhandlungen bedauerlich – besonders im Hinblick auf die Rolle der EU in der Welthandelsordnung.

Protektionismus der G20-StaatenIn einem Punkt sind sich fast alle Studien einig: TTIP wird höchstwahrscheinlich mehr Wohlstand sowie Vorteile für den Verbraucher bringen. Offene Märkte, freierer Handel, Größenvorteile in der Produktion, dazu eine höhere Wettbewerbsintensität, die Anreize zu mehr Effizienz, Innovation und Kundenorientierung setzt. Aus Sicht der Verbraucher senkt eine Handelsliberalisierung daher die Preise und erhöht die Produktvielfalt.

Zölle im transatlantischen Handel? Geschichte!

Durch TTIP dürften die Zölle im transatlantischen Handel nahezu komplett gestrichen werden, allein im Industriewarenhandel zwischen Deutschland und den USA lassen sich so schätzungsweise 3,5 Milliarden Euro einsparen – zugunsten von Verbrauchern und Unternehmen. Um den Handel noch weiter zu vereinfachen und Kosten zu senken, müssten vor allem nicht-tarifäre Barrieren abgebaut werden, die auf unterschiedlichen Regulierungen, Standards und Zulassungsverfahren für viele technische Geräte beruhen. Während die Zölle für einen Preisaufschlag von drei bis vier Prozent sorgen, machen nicht-tarifäre Handelshemmnisse die Waren beim Export in die USA um rund 20 Prozent teurer. Derzeit sehen vor allem mittelständische Unternehmen zu oft vom Export in die USA ab, da sie vor den technischen und rechtlichen Herausforderungen durch die unterschiedlichen Regulierungen für ihre Produkte zurückschrecken.

Risiken und Nachteile sind verkraftbar

Der Bereich des Verbraucher-, Gesundheits- und Umweltschutzes ist ein sensibles Thema: In den USA gilt generell nicht das Vorsichtsprinzip wie in der EU. Das heißt, dass in den Vereinigten Staaten die Beweislast beim Staat liegt, der die gesundheitliche Schädlichkeit von Produkten erst belegen muss. Für die EU-Kommission ist das Vorsichtsprinzip Verhandlungsgrundlage. Sie will sicherstellen, dass TTIP die EU-Standards nicht senkt. Die Verhandlungsführer und verschiedene hohe Politiker haben dies fest zugesichert. Die Kritik der TTIP-Skeptiker ist daher weitgehend in diesem Punkt überzogen. Dies gilt besonders für das sogenannte Chlorhühnchen, dessen gesundheitliche Unschädlichkeit nachgewiesen ist.

Große Sorge herrscht auch in den Bereichen der kommunalen Dienstleistungen (vor allem öffentliche Daseinsvorsorge) und europäischen Arbeitsstandards (Stichwort Mindestlohn). Die TTIP-Kritiker befürchten, dass die staatlichen Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt werden könnten. Doch die öffentliche Daseinsvorsorge soll von TTIP gar nicht berührt und keine Regelungen getroffen werden, die über das WTO-Dienstleistungsabkommen GATS (General Agreement on Trade in Services) hinausgehen. Auch die Arbeitnehmerrechte sollen durch eine sogenannte Arbeitsmarktklausel unangetastet bleiben.

Besonders kritisch wird über den Investitionsschutz und die Investor-Staat-Streitschlichtung diskutiert. Die bestehenden Verfahren von internationalen Investor-Staat-Streitschlichtungen (ISDS) sind in der Tat verbesserungswürdig. Doch mit TTIP besteht die Chance, genau dies zu tun und den ISDS eine sachgerechtere und zukunftsfähigere Form zu geben, die unter Umständen sogar international zum Standard werden könnte. Mit dem kürzlich ausgehandelten CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) zwischen EU und Kanada hat die EU-Kommission bereits deutliche Verbesserungen erreicht, so ist nun beispielsweise das Regulierungsrecht des Staates festgeschrieben.

Nicht zuletzt wird zudem immer wieder die Frage gestellt: Wird TTIP anderen Staaten schaden oder nutzen? Da unterscheiden sich die Meinungen der Experten, Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Effekte auf Drittländer werden umso weniger negativ und gegebenenfalls auch positiv sein, je mehr Wachstum TTIP generiert, je mehr andere Staaten ihrerseits als Reaktion auf TTIP Handelsbarrieren abbauen und je offener TTIP gestaltet wird. EU und USA können und müssen TTIP hier so gestalten, dass negative Auswirkungen auf Drittländer so weit wie möglich vermieden werden.

Fazit: TTIP mit hohen Standards ist ein Gewinn für alle

TTIP muss die in der EU gewohnt hohen Standards gewährleisten und eine ISDS schaffen, die modernen Ansprüchen genügt. Außerdem müssen die Verhandlungen transparenter gestaltet werden. Dann kann das neue Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa zum wichtigen ökonomischen und politischen Signal werden – für die Förderung des Wachstums, für die Handlungsfähigkeit der EU und gegen Protektionismus. Und es sollte nicht vergessen werden: Die Debatte über TTIP ist auch eine Diskussion über das Pro und Kontra von Globalisierung und Marktwirtschaft. Diesen Fundamenten verdankt Deutschland als offene Volkswirtschaft seinen hohen Lebensstandard. Die USA fokussieren sich wirtschaftlich schon lange nicht mehr nur auf Europa, sondern blicken vermehrt auf den schnell wachsenden asiatisch-pazifischen Raum. Ein Transpazifisches Partnerschaftsabkommen (TPP) wird bereits verhandelt. Wenn ein guter TTIP-Vertrag letztlich aufgrund wenig nachvollziehbarer Widerstände in Deutschland scheitern sollte, wäre das für die deutsche und europäische Außenpolitik ein fatales Signal.

Weitere Informationen:
Jürgen Matthes (IW Köln): Erfolgsfaktor offene Märkte – Gefahren durch Protektionismus und TTIP Debatte. Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

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Vorsicht vor der Demografie-Falle! http://www.insm-oekonomenblog.de/12581-vorsicht-vor-der-demografie-falle/ http://www.insm-oekonomenblog.de/12581-vorsicht-vor-der-demografie-falle/#comments Thu, 11 Jun 2015 11:24:55 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=12581 weiterlesen]]> Die schnelle Alterung der Gesellschaft bedroht den Wohlstand in Deutschland. Nur wenn der Staat Unternehmertum und technischen Fortschritt durch gründerfreundliche Regeln unterstützt, kann die Wirtschaft weiter wachsen.

Angesichts von Beschäftigungsrekord und robuster Konjunktur wollen es viele nicht wahrhaben – doch Deutschlands Wohlstand ist bedroht. Die aktuellen Erfolge werden nicht helfen, die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern. Vor allem, wenn die Politik weiterhin so kurzsichtig reagiert.

Bis jetzt beschränkt sich die Debatte auf Fachkräftemangel und die Finanzierung der Sozialversicherungssysteme. Doch weit größer ist die Gefahr einer sich abbremsenden Dynamik in der Gesellschaft. Ältere Menschen sind zögerlicher. Sie vermeiden riskante Investitionen und haben weniger Anreize für Fortbildungen. Besitzstandswahrung verdrängt den Mut zu Neuem. Schon heute stecken die Deutschen ihre Ersparnisse lieber in Immobilien anstatt in innovative Start-ups.

Das mag für den Einzelnen sinnvoll sein. Doch für die Gesellschaft ist diese Zurückhaltung gefährlich. Die Innovationsfähigkeit leidet und der technische Fortschritt wird langsamer. Das gefährdet Produktivitätssteigerungen, den wichtigsten Faktor für Wachstum. Besonders bedrohlich ist diese Entwicklung, weil die Republik träge wird, während sich die Welt durch die Digitalisierung beschleunigt. Deutschlands Wohlstand fußt noch auf der Wettbewerbsfähigkeit der alten Industrie. Doch die Zukunft der Produktion ist digital. Gerade jetzt braucht Deutschland also Innovation.

Zwei Instrumente stehen Regierungen zur Verfügung, um eine alte Gesellschaft fit zu halten: Zum einen sollte der Staat in moderne Infrastruktur, Bildung und Forschung investieren, um private Folgeinvestitionen auszulösen. Indem die Regierung den Zugang zu Bildung erleichtert, steigert sie auch die Chancengleichheit und damit die Dynamik einer Gesellschaft. Dabei sollte der Staat lieber jetzt investieren als später. Denn mit einer älteren Gesellschaft steigt auch die Umverteilungslast und finanzielle Spielräume werden knapper.

Zum anderen sollte die Politik durch gründerfreundliche Regeln das Unternehmertum fördern und helfen, eine Gründerklima zu schaffen. Dies gilt besonders für Zukunftsbranchen wie die IT. Noch macht der Staat aber zu viele Fehler: Statt Gründungen und lebenslanges Lernen zu unterstützen, schickt er die Menschen mit 63 in Rente. Wachstum entsteht nicht automatisch, sondern nur bei entsprechenden Rahmenbedingungen. In einer alternden Gesellschaft gilt das ganz besonders.

Lesen Sie dazu auch den HWWI Standpunkt aus dem Juni 2015

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Handel unterstützt Frieden und Wohlstand http://www.insm-oekonomenblog.de/12450-handel-unterstuetzt-frieden-und-wohlstand/ http://www.insm-oekonomenblog.de/12450-handel-unterstuetzt-frieden-und-wohlstand/#respond Wed, 20 May 2015 12:31:38 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=12450 weiterlesen]]> Auf das Ende von Nazi-Deutschland am 8. Mai 1945 folgten Jahrzehnte in Freiheit und Wohlstand. Was dabei allerdings oft vergessen wird, ist der Beitrag des internationalen Handels.

Als Deutschland vor kurzem dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren gedachte, blieb ein Friedensaspekt in den Gedenkveranstaltungen weitestgehend unbeachtet: der internationale Handel. Dabei hat gerade die Wiedereingliederung der westdeutschen Wirtschaft in die Weltwirtschaft wesentlich zur heutigen Rolle der Bundesrepublik als außenpolitischer Akteur in vorderster Reihe beigetragen.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Länder, die oft und viele Waren und Dienstleistungen miteinander handeln, versuchen, Konflikte untereinander zu vermeiden oder sie auf zivilisierte Weise lösen. Außenhandel bedeutet also nicht nur Exportweltmeisterschaften, Wohlstand, Beschäftigung und Wachstum. Es geht vor allem auch um Frieden und Völkerverständigung. Außenhandel bildet Vertrauen, schon weil die Beteiligten auf die Durchsetzung ihrer Absprachen und Verträge angewiesen sind.

Im achten Nachkriegs-Jahrzehnt gilt es, die Errungenschaften der vergangenen 70 Jahre auszubauen und zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund ist die Doha-Runde endlich abzuschließen. Außerdem sollten die Verhandlungen über das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) fortgeführt werden. Denn trotz berechtigter Kritik an einigen Details muss in der Diskussion wieder klar werden, dass es um weit mehr geht als um die Frage, wie Lebensmittel haltbar gemacht werden: Es geht um die Sicherung des Friedens und des Wohlstands in der westlichen Welt. Beides sehen wir heute als gegeben an und vergessen gelegentlich, dass man dafür etwas tun muss. Gute Handelsbeziehungen sind nicht das einzige Instrument zur Friedenssicherung – aber sie sind ein wichtiger Baustein. Jetzt ist eine gute Gelegenheit, sich daran zu erinnern.


Eine ausführliche Fassung dieses Beitrags ist auf wiwo.de erschienen.

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Eine „Produktivitätskeule“ fehlt http://www.insm-oekonomenblog.de/12426-eine-produktivitaetskeule-fehlt/ http://www.insm-oekonomenblog.de/12426-eine-produktivitaetskeule-fehlt/#comments Fri, 15 May 2015 08:34:14 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=12426 weiterlesen]]> Wer sich in der Nachrichtenflut vorgeblicher ökonomischer „Fakten“ zurechtfinden will, sieht ganz schnell den berühmten Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Laut ifo-Geschäftsklimaindex wachsen die aktuellen Geschäftserwartungen , weil der Optimismus der befragten Unternehmen steigt. Fast zeitgleich verkündet das Statistische Bundesamt ein nur verhaltenes tatsächliches BIP-Wachstum im I. Quartal 2015. Die einen verteidigen noch die exzessive Geldpolitik der EZB und den Anleihekauf der Notenbank, weil sie die Mär von der drohenden Deflation geglaubt haben. Die anderen beschreiben bereits (und zu Recht) die Trendumkehr bei den Inflationserwartungen, die sich in deutlich steigenden Kursen am langen Ende des Anleihenmarktes widerspiegelt. Über die irrlichternde Informationsflut zum Thema „Grexit“ erübrigt sich jedes weitere Wort.

Die entscheidenden Grundsatzfragen werden in unseren Tagen kaum noch gestellt:

  • Worauf gründet der Wohlstand Deutschlands?
  • Was hielt die deutsche Volkswirtschaft trotz hoher Kosten über viele Jahre wettbewerbsfähig?

Die Antwort auf beide Fragen passt so gar nicht zu dem die deutsche Exportwirtschaft angeblich so begünstigenden gesunkenen Euro-Kurs, den die Europäische Zentralbank mit ihrer Politik sehr bewusst provoziert. Ganz im Gegenteil: Eine starke Währung war über viele Jahrzehnte hinweg die entscheidende Produktivitätskeule in Deutschland! Wollten wir Güter und Dienstleistungen in alle Welt verkaufen und trotz höherer Preise wettbewerbsfähig sein, dann mussten unsere Unternehmen mit ihren Mitarbeitern besser und innovativer sein. Das gelang über viele Jahrzehnte mehr als überzeugend. Während andere europäische Volkswirtschaften, die heute im Euroraum mit einer Währung fest verknüpft sind, lange Zeit ihre preisliche „Konkurrenzfähigkeit“ immer wieder durch Abwertung nachjustieren mussten, entwickelte sich Deutschland zu einem Hort der Stabilität und Leistungsfähigkeit. Dazu trug auch die starke Marktposition der vielen mittelständischen Unternehmen bei, von denen fast eineinhalbtausend zu den „hidden champions“ im Weltmarkt-Unternehmensranking gehören.

In den aktuellen Lohnrunden wird weit mehr verteilt, als über den Produktivitätsfortschritt erwirtschaftet wird. Die Lohnkosten entkoppeln sich in Deutschland von der Produktivität auch durch eine immer stärker branchenpartikular operierende Gewerkschaftslandschaft, die keinen Blick mehr für die ganze Volkswirtschaft hat. Gleichzeitig mischt sich die Politik immer stärker in die Lohnfindung ein – durch gesetzliche Mindestlöhne, aber auch durch das beifällige Begleiten hoher Lohnforderungen. Zusätzlich treibt die Politik auf zwei Großbaustellen die Preise: Zum einen führen die bereits beschlossenen teuren Projekte in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung mit Sicherheit noch in diesem Jahrzehnt zu deutlich steigenden Beitragssätzen. Obwohl die Alterung unserer Gesellschaft die Sozialkosten ohnehin erhöht, bleibt die Große Koalition ohne Rücksicht auf Verluste spendierfreudig. Zum anderen spottet der immer stärkere Markteingriff des Staates in der Energiepolitik jeder marktwirtschaftlichen Vernunft. In ihrer ganzen Widersprüchlichkeit steht die deutsche Energiepolitik weder für ökonomische noch für ökologische Kompetenz.

Wer diese Alarmzeichen nicht sehen will, die sich bereits augenfällig in den Investitionsentscheidungen der Unternehmen niederschlagen, der wird bald aufwachen müssen. Denn der Euro als Währung wird als Produktivitätskeule ausfallen. Also braucht es politische Reformanstrengungen, die aber erst in der nächsten Krise mehrheitsfähig werden dürften: Eine Agenda 2030 muss es dann richten!

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