Bologna-Reform war notwendig
Von Prof. Dr. Michael Hüther
Seit einigen Wochen streiken wieder Studenten an den deutschen Universitäten für bessere Bildung und gegen die Verschulung des Studiums. Angesichts des schlechten Abschneidens bei internationalen Vergleichen sowie der demografischen Entwicklung, die höhere Erfolgsquoten auf allen Bildungsstufen fordert, wird niemand bestreiten wollen, dass unser Bildungssystem reformbedürftig ist. Auch die europäische Perspektive, Transparenz und Mobilität durch mehr Vergleichbarkeit und gegenseitige Anerkennung zu verbessern, ist überzeugend.
Dank verkürzter Studienzeiten sollten unsere Absolventen dem Arbeitsmarkt nicht mehr mit Ende, sondern bereits mit Anfang 20 zur Verfügung stehen. Aus demographischer Sicht ist dies zu begrüßen. Denn so können wir durch eine Verlängerung der Erwerbsdauer den Folgen der Bevölkerungsschrumpfung entgegenwirken. So weit, so gut. Aber: Wer eine solche fundamentale Reform einleitet, der muss wissen, dass dies ohne eine entsprechende Aufstockung und Umschichtung der finanziellen Mittel sowie einer Entschlackung der Curricula nicht zu bewältigen ist. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Reform im Grundsatz richtig war.
Tags: Arbeitsmarkt, Bildung, Einkommen, Gesellschaft, Professoren, Reformen

Am 30. November 2009 um 12:21 Uhr
aber wem nützt eine, dem grundsatz nach, richtige reform, die total mies umgesetzt wird?!
Am 1. Dezember 2009 um 10:14 Uhr
Diesem Beitrag kann ich ausnahmsweise vorbehaltlos zustimmen. Im Grundsatz ist der Gedanke der Vergleichbarkeit von Studienleistungen absolut richtig. Und auch das Ziel, Absolventen früher in die Erwerbstätigkeit zu schicken, ist vollkommen richtig.
Die Probleme sind zudem richtig erkannt: Die Politik lässt ein ehrliches Engagement für Bildung vermissen. Geld ist dabei nicht das einizige, das fehlt. Es fehlt vor allem an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Forderungen der Protestierenden. Antworten wie “Früher wurde auch zügig studiert” gehen daran nämlich völlig vorbei. Studierende wollen keine langen Studienzeiten erwirken. Sondern vielmehr erreichen, dass sie in der verkürzten Studienzeit eine Stoffmenge vorgesetzt bekommen, die sie auch bewältigen können. Studienzeiten verkürzen, Stoffmenge erhöhen – das kann nicht funktionieren.
Am 2. Dezember 2009 um 16:05 Uhr
Es wird leider in dem Beitrag keinerlei Bezug auf die Qualität des Studiums oder Absolventen genommen. Es ist klar, dass das Durchschnittsalter sinkt, wenn ich Studiengänge anbiete in denen ich nach drei Jahren fertig bin. Habe ich die gleich Qualifikation wie nach fünf Jahren? Wohl kaum. Somit ist das Diagramm von Herrn Prof. Dr. Michael Hüther Augenwischerei. Bestenfalls ließen sich Masterstudiengänge mit Diplomstudiengängen vergleichen, aber auch dort nur bedingt, da die schlechteren Studenten eventuell schon mit dem Bachelor abschließen.
Ein weiteren Punkt ist, dass die Abschlüsse leider nicht vergleichbar sind. Die Idee war es, aber die Wirklichkeit hinkt hinterher. Kurse werden nicht anerkannt, etc. . Die wesentlichen Ideen wurden nicht mal in Deutschland realisiert. In einer Uni studiert man genau den selben Studiengang mit unterschiedlichen Semestereinteilungen Bachlor/Master. So richtig durchdacht wurde das Ganze nicht.