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Inflation: Gewinner ist immer der Staat

Während die Inflationsrate für den Euroraum recht stabil bei etwa 2 Prozent gehalten werden konnte, war die Preisteuerungsrate in Griechenland mit etwa 4 Prozent fast doppelt so hoch.

Griechenland hält Europa in Atem. Die Haushaltslage der Helenen ist nicht nur ein Regelverstoß gegen die Fiskalkriterien der Europäischen Währungsunion, sie kommt einem Offenbarungseid gleich. In einer solchen fundamentalen Krise ist der Versuch nicht weiter überraschend, die anfallenden Lasten zu externalisieren. Überraschend sind dagegen Vorschläge und Diskussionsbeiträge aus internationalen Institutionen sowie von Ökonomen, die direkt oder indirekt die griechische Neigung zur Verdrängung des Problems unterstützen.

Kein geringerer als der IWF hat die Idee propagiert, die gegenwärtigen Probleme mittels Inflation „zu lösen“. Inflation ist aber der Versuch, einen akuten Verteilungskonflikt zu vertagen und ihn damit künftigen Generationen aufzubürden. Dem politischen Zeitgewinn stehen hohe gesamtwirtschaftliche Kosten gegenüber. Während der Staat als Inflationsgewinner für seine Verfehlungen auch noch prämiert würde, käme die Europäische Währungsunion durch die Finanz- und Geldpolitik unter Druck. Ein fundamentaler Vertrauensverlust wäre die Folge – denn die Verlierer sind die Sparer.

5 Kommentare zu “Inflation: Gewinner ist immer der Staat”

  1. chriwi sagt:

    “Inflation: Gewinner ist immer der Staat”
    Was ist mit den restlichen Schuldnern? Eine etwas einseitige Sicht, dass nur der boese Staat gewinnt, waehrend die armen Sparer bluten muessen. Da ueber die Haelfte der Menschen in Deutschland faktisch nichts gepart haben (oder eben sehr wenig), schadet man eigentlich nur einer Minderheit. Die Spareinlagen liegen doch gerade bei den obersten 20%. In einer Demokratie eigentlich machbar, aber fuer die Verteidiger des freien ungezuegleten und verlustsubventionierten Marktes natuerlich nicht.

  2. Inflation bedeutet, dass Realzinsen negativ werden können. Mehr Inflation bedeutet, dass sie noch tiefer negativ werden können. Denn niemand verleiht Geld zu weniger Realzins als der auf Geld – welcher eben von der Inflation abhängt.

    Was aber, wenn der Gleichgewichtszins negativ ist und die Inflation dafür nicht hoch genug ist? Dann haben wir faktisch einen Mindestpreis für Kapital. Warum sind Minestlöhne böse (der Meinung bin ich auch), aber ein Mindestzins soll gut sein? Wieso sollte eine solche Preisregulierung überhaupt marktkonform sein?

    Natürlich kommt es darauf an, WIE die Inflation “gemacht” wird. Auf dem bisherigen Wege wird es kaum gehen. Denn bisher hatten wir immer im Boom hohe Inflation und in der Rezession – wenn wir eigentlich Inflation bräuchten, um den negativen Gleichgewichtszins erreichbar zu machen – dann fehlt sie!

    Versucht man es dann doch auf dem herkömmlichen Wege, dann endet es nur allzu leicht in Hyperinflation. Also: Nicht die Inflation an sich ist böse, sondern wie sie bisher gemacht wurde – nämlich über Neuverschuldung.

  3. Stephan sagt:

    “Kein geringerer als der IWF hat die Idee propagiert, die gegenwärtigen Probleme mittels Inflation ‘zu lösen’.”

    Das ist eine glatte Lüge. Blanchard schreibt in dem Paper: “Higher average inflation, and thus higher nominal interest rates to start with, would have made it possible to cut interest rates more, thereby probably reducing the drop in output and the deterioration of fiscal positions,”

    Falls sie’s noch nicht bemerkt haben Herr Hüther, weil sie immer noch an ihren primitiven RBC-Modellen herumbasteln, wir haben gerade die grösste Rezession seit den 30ern “noch nicht” hinter uns. Da brauchen wir keinen 2ten Andrew Mellon der nach Austerität schreit.

  4. Keynesianer sagt:

    Herr Prof. Hüther, dann soll der Staat sich doch weiter kräftig verschulden. Uns betrifft es doch gar nicht, es ist ja der Staat!

    Da ist wohl jemand dogmatisch im Uralt-Liberalismus stecken geblieben!

    Das ist aber ein “religiöses” Problem!

    @ Chriwi

    Wenigstens einer, der abseit von Ideologie die Fakten richtig erklärt!
    Danke! Vermutlich glaubt Herr Prof. Hüther auch noch an den Homo Oekonomicus!

  5. Markus sagt:

    @ Keynesianer

    Nicht, was Hüther sagt, zählt, sondern das, was Stiglitz weiß ;-)

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:gastkommentar-stiglitz-die-gefahren-des-sparens/50085980.html
    Gastkommentar: Stiglitz – Die Gefahren des Sparens | FTD.de

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Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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