INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Nein – weil´s nicht hilft

Griechenland hat auch in den kommenden Jahren einen enormen Kapitalbedarf. Insgeesamt wird sich die Summe aus fälligen Anleihen, Zinszahlungen und fälligen Schulden auf etwa 274 Milliarden Euro bis 2015 belaufen.

Dem so genannten Rettungspaket für Griechenland werde ich am Freitag nicht zustimmen können. Wieso? Weil wir mit dieser Art der Finanzhilfe fundamental gegen die marktwirtschaftliche Ordnung in Deutschland verstoßen. Ein wichtiger Grundsatz der Sozialen Marktwirtschaft ist: wer Risiken eingeht, muss im Zweifel für Risiken auch selber haften. Und wer in diesem Fall griechische Anleihen gekauft hat, der darf jetzt auch nicht rausgeboxt werden vom Steuerzahler. Aber genau dies soll nun geschehen. Ich halte das für falsch – auch deshalb, weil das Rettungspaket im Ergebnis nicht helfen wird. Die Vereinbarungen zwischen Griechenland und der Eurozone bzw. dem IWF werden nicht dazu beitragen, dass die Hellenische Republik ihr Hauptproblem löst. Die Ursache der Krise liegt in der hohen Verschuldung. Mit dem beabsichtigten Rettungspaket wird die Verschuldung Griechenlands bis ins Jahr 2014 aber nochmals deutlich steigen. Das Problem der Staatsverschuldung wird also nicht kleiner, sondern größer. Um künftige Krisen dieser Art verhindern zu können, müssen die Sanktionsmechanismen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes endlich konsequent angewendet werden – Solidarität bewährt sich in der Solidität. Der Euro bleibt nur dann nachhaltig stabil, wenn sich alle an diesen Grundsatz halten.


Hier finden Sie ein ausführliches Interview mit Frank Schäffler auf WDR 2
Hier finden Sie den Entwurf des Währungsunion- und Finanzstabilitätsgesetz der Bundesregierung

4 Kommentare zu “Nein – weil´s nicht hilft”

  1. Andreas Freytag sagt:

    Lieber Herr Schäffler,

    es ist gut zu lesen, dass es Bundestagsabgeordnete mit eigenem Gewissen gibt. Es wird kurzfristig nicht viel nützen, aber in der nächsten Runde (die – so fürchte ich – sicher ist) einen Pflock bilden, an dem sich andere aufrichten können.

    AF

  2. Kammerjäger sagt:

    Aber Frau Kanzlerin hat doch gesagt, die Beihilfen für Griechenland wären alternativlos??

  3. Markus sagt:

    Hat Gysi heute im Bundestag nicht etwas ähnliches gesagt?

    “Kein Steuerzahlergeld für Banken und Spekulanten!”

    Ob sich hier wohl eine ungeahnte Liaison zwischen einem Liberalen und einem Linken anbahnt? ;-)

    Oder sollte es doch etwa eine inhaltliche Nähe zur SPD sein?

    http://www.vorwaerts.de/blogs/banken-zur-kasse

    Hauptsache die politische und ökonomische Vernunft obsiegt!

  4. Ohne finanzielle Vernunft kommt man aus dem Dilemma wohl nicht mehr heraus.

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Frank Schäffler MdB

ist seit 2009 Abgeordneter der FDP-Fraktion im 17. Deutschen Bundestag und Mitglied im Finanzausschuss.

Alle Beiträge von