INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) http://www.insm-oekonomenblog.de Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten - diskutieren Sie mit! Fri, 02 Dec 2016 15:29:23 +0000 de-DE hourly 1 Dr. Jürgen Stark: „Der Wirtschaftspolitik fehlt es an Konsistenz und Verlässlichkeit“ http://www.insm-oekonomenblog.de/15149-dr-juergen-stark-der-wirtschaftspolitik-fehlt-es-an-konsistenz-und-verlaesslichkeit/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15149-dr-juergen-stark-der-wirtschaftspolitik-fehlt-es-an-konsistenz-und-verlaesslichkeit/#respond Fri, 02 Dec 2016 15:29:23 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15149 weiterlesen]]> Die Botschafter der INSM verbreiten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement die Botschaft der Sozialen Marktwirtschaft. In der Serie „Vier Fragen an…“ beantworten sie Fragen rund um die Marktwirtschaft. In diesem Post: Jürgen Stark.

INSM-Botschafter Jürgen Stark

1) Herr Stark, warum setzen Sie sich für die Soziale Marktwirtschaft ein?

Die Soziale Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsordnung, die dem Einzelnen Freiheit und Selbstverantwortung einräumt. Diese sind Voraussetzung für eine offene Gesellschaft. Es lohnt sich dafür einzutreten und der Versuchung weiterer staatlicher Fürsorge zu widerstehen. Unsere Wirtschaftsordnung verknüpft wirtschaftliche Effizienz, Prosperität und sozialen Ausgleich. Sie ist historisch gesehen eine klare Absage an „laissez-faire“. Die jüngste Finanzkrise hat wieder gezeigt, dass die Märkte Regeln benötigen, sonst funktionieren sie nicht und drohen sich selbst zu zerstören. Die Soziale Marktwirtschaft ist auch eine Absage an eine allgegenwärtige und aktivistisch-interventionistische Rolle des Staates in der Wirtschaft. Das Scheitern der Planwirtschaft ist Beweis für Ineffizienz, Mangel und die Begrenzung der Entfaltungsmöglichkeiten des Einzelnen.

2) In welcher Verfassung befindet sich aktuell die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland?

Insbesondere mit dem Ausbau des Wohlfahrtsstaates seit den 1970er Jahren hat unsere bis dahin so erfolgreiche Wirtschaftsordnung eine fundamentale Neuausrichtung erfahren. Das Konzept wurde deformiert – und das gilt bis in die jüngste Vergangenheit hinein. Umverteilung hat wieder Vorrang vor wirtschaftlicher Leistung. Damit werden falsche Anreize gesetzt, die Innovationen und Wohlstand untergraben. Der Wirtschaftspolitik fehlt es an Konsistenz, Kontinuität und Verlässlichkeit. Wirtschaftsreformen wurden zurück genommen und politische Prioritäten gesetzt, mit denen man nicht die Zukunft gewinnen kann. Der Staat greift mehr und mehr in die freie Preisbildung ein und verzerrt damit das Preissystem. Dies gilt zum Beispiel für die sogenannte „Mietpreisbremse“. Es gilt zum Beispiel auch für die Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes, mit dem die Tarifautonomie ausgehebelt wurde und individuelle und betriebliche Besonderheiten bei der Entlohnung außer Acht gelassen werden.

3) Wenn Sie den Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft ändern könnten: Was würden Sie konkret tun?

Vor einer Veränderung muss die Rückbesinnung auf die Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft stehen. Das heißt insbesondere ein stärkeres Denken in Ordnungen und Institutionen. Die Marktwirtschaft braucht einen starken Staat, der Regeln setzt und deren Einhaltung gewährleistet. Selbstverständlich ist eine Wirtschaftsordnung nichts Statisches. Sie ist Teil der Gesellschaft und Gesellschaftsordnung. Heute haben ökologische Fragen ein stärkeres Gewicht als in den 1950er und 1960er Jahren. Auch spielen Wirkungen der europäischen Integration und der Globalisierung eine große Rolle. Aber sowohl auf europäischer wie auf internationaler Ebene ist im Zweifel immer auf gemeinsame Regeln als auf staatlich-bürokratischen Aktivismus und Interventionismus zu setzen.

4) Welche drei Bücher über die Soziale Marktwirtschaft empfehlen Sie?

Außer Ludwig Erhards „Wohlstand für alle“ möchte ich folgende drei Bücher nennen

Alle Beiträge “4 Fragen an…” lesen

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5 vor 10: Energiepolitik, Brexit, Grundeinkommen, Staatsausgaben, Handel http://www.insm-oekonomenblog.de/15146-5-vor-10-energiepolitik-brexit-grundeinkommen-staatsausgaben-handel/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15146-5-vor-10-energiepolitik-brexit-grundeinkommen-staatsausgaben-handel/#respond Fri, 02 Dec 2016 08:53:42 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15146 weiterlesen]]> In den Linktipps geht es heute um die Energiepolitik der EU, die Folgen des Brexit und die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Außerdem werfen wir einen Blick auf Deutschlands steigende Staatsausgaben und die Handelspolitk Donald Trumps.


1. Im EU-Energiepaket gilt auch Atomstrom als sauber
(sueddeutsche.de, Michael Bauchmüller)
Die Europäische Kommission hat einen EU-Klimaplan vorgelegt und verspricht darin „Saubere Energie für alle Europäer“. Die Frage was als sauber gilt, bleibt unbeantwortet: Während die Deutschen darunter vor allem Wind- und Solarkraft verstehen, leisten aus Sicht der Franzosen auch Atomkraftwerke einen Beitrag zum Klimaschutz. In Polen gingen sogar Kohlekraftwerke als sauber durch, schreibt Michael Bauchmüller. An den extrem unterschiedlichen Sichtweisen ändere auch das neue Klimapaket nichts: „In der Energiepolitik bleibt Europa unvollendet.“

2. Brexit-Kompromisse
(faz.net, Marcus Theurer)
Von der EU haben die Briten genug, doch der Zugang zum Europäischen Binnenmarkt ist für die Wirtschaft des Königreichs noch immer viel Wert. Die Regierung deutet nun an, dass sie möglicherweise sogar bereit wäre, dafür zu bezahlen. Ein solches Arrangement den Bürgern auf der Insel zu verkaufen, wäre eine Herausforderung, schreibt Marcus Theurer, denn „dies entlarvte vollmundige Behauptungen führender Brexit-Befürworter vor dem Referendum als Wahlkampflüge“.

3. Das bedingungslose Grundeinkommen und die soziale Marktwirtschaft
(businessinsider.de, Christoph Damm)
Siemens-Chef Joe Kaeser sorgte kürzlich für Aufregung, als er verkündete, dass mit Blick auf die Digitalisierung „eine Art Grundeinkommen völlig unvermeidlich“ sei. Andere Unternehmer wie dm-Gründer Götz Werner sprechen sich bereits seit Jahren für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens aus. Einer von Deutschlands führenden Ökonomen widerspricht nun lautstark: „Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist mit einer sozialen Marktwirtschaft nicht vereinbar“, sagt der Chef des Ifo-Instituts Clemens Fuest.

4. Der Staat gibt Gas
(blog.zeit.de, Dieter Wermuth)
Die Steuereinnahmen sind hoch, gleichzeitig sorgen niedrige Zinsen dafür, dass der Staat weniger für den Schuldendienst ausgeben muss. In der Folge sind die öffentlichen Haushalte gut gefüllt – und das lässt den Staat hierzulande wieder mehr Geld ausgeben. Die staatlichen Konsumausgaben stiegen in den ersten drei Quartalen inflationsbereinigt um 4,5 Prozent. Dieter Wermuth analysiert, was das für die Konjunktur bedeutet.

5. Wie sich Trumps Handelspolitik umsetzen lässt
(bloomberg.com, Justin Fox, englisch)
Die meisten Ökonomen halten Handel für nützlich: Je intensiver er betrieben wird, umso größer wird der Wohlstand. Defizite in der Handelsbilanz sind aus dieser Sichtweise weder gut noch schlecht. Das große Handelsbilanzdefizit der USA ist aber zunehmend in die Kritik geraten – unter anderem durch den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Justin Fox erklärt, wie Trump dieses Defizit tatsächlich verringern könnte, hält es aber für unrealistisch, dass der Republikaner diesen Weg wirklich gehen wird.

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Keine Angst vor Kollege Roboter und Kollegin Cloudy http://www.insm-oekonomenblog.de/15141-keine-angst-vor-kollege-roboter-und-kollegin-cloudy/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15141-keine-angst-vor-kollege-roboter-und-kollegin-cloudy/#respond Thu, 01 Dec 2016 13:06:48 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15141 weiterlesen]]> Die Digitalisierung der Wirtschaftswelt lässt sich nicht aufhalten – und viele Menschen fragen sich, ob zukünftig Roboter und Algorithmen ihre Aufgaben übernehmen. Dass die Politik sich in diese Entwicklung einmischen will, hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vor kurzem mit der Veröffentlichung ihres Weißbuchs Arbeiten 4.0 signalisiert. Annehmen müssen die Herausforderung jedoch in erster Linie die Unternehmen, ihre Beschäftigten und alle künftigen Erwerbstätigen. Grund zur Sorge haben sie nach derzeitigem Erkenntnisstand aber nicht.

Automatisierung verursacht Arbeitslosigkeit – das hat fast jeder Bundesbürger in der Schule gelernt. Wenn bestimmte Aufgaben von Maschinen günstiger erledigt werden können, hieß und heißt es in vielen Schulbüchern, werde der Mensch nicht mehr gebraucht und stehe früher oder später ohne Lohn und Brot auf der Straße. Als Belege für dieses Phänomen dienen die Dampfmaschine, das Fließband und die später folgende computergestützte Produktion. Kein Wunder also, dass die Menschen Angst vor dem Schreckgespenst der Automatisierung haben, das sie heute in Verbindung mit der Digitalisierung bringen. Hinter diesem Schlagwort stecken Entwicklungen wie das Internet der Dinge, Beispiel „Smartwatch“, sogenannte cyber-physische Systeme wie intelligente Stromnetze oder die von Maschinen und Robotern selbstorganisierte Produktion, kurz Industrie 4.0, die Auswertung riesiger digitaler Datenmengen, genannt Big Data, und das ortsungebundene Arbeiten via Rechnerleistung aus der „Cloud“.

Doch obwohl es Phasen in der Wirtschaftsentwicklung der Industrieländer gab, in denen die Automatisierung Entlassungen und Arbeitslosigkeit zur Folge hatte, erfreut sich Deutschland heute einer Arbeitslosenquote auf historisch niedrigem Niveau sowie einer Rekordzahl von Erwerbstätigen. Welche Auswirkungen der aktuelle Wandel der Industrieproduktion und der Arbeitswelt für die Beschäftigten in Zukunft haben wird, kann noch niemand seriös abschätzen. Trotzdem versucht die Politik immer wieder die Arbeit 4.0 in Bahnen zu lenken. Nötig scheint dies bisher nicht: Weder haben sich die Formen der Beschäftigung verändert noch die Arbeitsbedingungen verschlechtert.

Keine Zunahme von prekärer Arbeit

Für die Sorge, dass klassische Beschäftigungsverhältnisse – unbefristet, in Vollzeit, sozialversicherungspflichtig – an Bedeutung verlieren, finden sich derzeit keine Hinweise: Weniger als jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland hat einen befristeten Arbeitsvertrag, Auszubildende einmal ausgeklammert. Und das ist schon seit fast 20 Jahren so.

Branchen, die stark vom digitalen Wandel betroffen sind, haben sogar vergleichsweise wenige befristet Beschäftigte: In der Verkehrs- und Kommunikationsbranche trifft dies auf nur 8 Prozent der Arbeitnehmer zu, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern auf weniger als 4 Prozent. Der Bereich Öffentliche und Private Dienstleistungen dagegen, zu dem unter anderem Gesundheits- und soziale Dienste gehören, weist mit 13 Prozent den höchsten Wert auf.

Befristete Beschäftigung und Zeitarbeit haben sich schon vor geraumer Zeit als wichtige Instrumente der betrieblichen Flexibilisierung etabliert. Es existieren aber keine Anzeichen dafür, dass die Digitalisierung die Verbreitung dieser beiden Beschäftigungsformen begünstigt.

Gleiches gilt auch für Teilzeitbeschäftigung und neue Formen der Selbstständigkeit wie zum Beispiel Crowdworking, also über Web-Plattformen vermittelte Kleinstaufträge. Eine Teilzeittätigkeit ist ohnehin meist vom Wunsch der Arbeitnehmer getrieben und dient der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier eröffnet Digitalisierung sogar Chancen: Mütter zum Beispiel können früher wieder in den Beruf einsteigen und beide Elternteile eine bestehende Teilzeitbeschäftigung ausweiten. Crowdworking dagegen wird selbst in den Vorreiterbranchen der Digitalisierung kaum genutzt. Auch die Zahl der Solo-Selbstständigen ist seit Jahren nahezu konstant.

Stress und Chancen halten sich die Waage

Durch die Digitalisierung wird Arbeit zeitlich und räumlich flexibler. Den Arbeitnehmern bietet dies die Chance, ihr Arbeitsleben besser ans Privatleben anzupassen. Doch auch Unternehmen ziehen aus der Dezentralisierung von Aufgaben- und Ergebnisverantwortung Vorteile. Immerhin ist mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland überzeugt, dass sich seine Leistung durch den Einsatz neuer Technologien erhöht hat.

Das alles birgt aber auch Risiken: So legen Aussagen von Beschäftigten nahe, dass Termin- und Leistungsdruck und die Anforderungen an Multitasking in einem digitalisierten Arbeitsumfeld relativ hoch sind. Doch in einem solchen Umfeld sind oftmals auch die Handlungs- und Entscheidungsspielräume größer. Und dieser Umstand erleichtert es vielen Arbeitnehmern Studien zufolge spürbar, die höheren Anforderungen zu bewältigen. Empirische Evidenz für eine stärkere psychische Belastungssituation durch die Digitalisierung findet sich derzeit nicht.

Ähnlich ist auch die Frage zu beantworten, ob die Beschäftigten infolge der neuen digitalen Möglichkeiten in ihrer Freizeit permanent und auf unzumutbare Weise für dienstliche Belange erreichbar zu sein haben. Es wird jedoch nur eine Minderheit der Beschäftigten mehrmals in der Woche kontaktiert und nur wenige von ihnen empfinden dies als belastend. Am Ende hängt es vom Verhalten und von der Einstellung der Führungskräfte und Mitarbeiter ab, wie sich das Flexibilisierungspotenzial der digitalen Technologien auf das Miteinander und damit auf die Arbeitsbedingungen auswirkt.

Was folgt daraus für Politik, Unternehmen und Beschäftigte?

Auch wenn im Zuge der Digitalisierung und der damit verbundenen Automatisierung bisher kein Abbau von Arbeitsplätzen stattgefunden hat – und zwar in der Regel nicht einmal in jenen Bereichen, die potenziell automatisierbar wären, so werden die Betriebe künftig doch höhere Anforderungen an die Kompetenzen ihrer Beschäftigten stellen. Dies gilt gleichermaßen für die sogenannten Soft-Skills wie die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit und die Selbstorganisation als auch für IT- und berufsbezogenes Know-how.

Doch nicht nur die Arbeitnehmer von heute und morgen müssen sich um Qualifizierung bemühen, es wird auch für die Unternehmen zu einer zentralen personalpolitischen Aufgabe, die Kompetenzprofile ihrer alternden Belegschaften an die veränderten Anforderungen anzupassen. Untersuchungen zeigen, dass gerade jene Firmen gut in der Personalentwicklung aufgestellt sind, in denen die Digitalisierung schon heute im Fokus steht.

Grundsätzlich ist es jedes Unternehmen gut beraten, sich damit auseinanderzusetzen, welche Chancen und Herausforderungen die Digitalisierung für das eigene Geschäftsmodell bietet, welche Konsequenzen sie für die Organisation der Arbeits- und Wertschöpfungsprozesse haben kann und welche Anforderungen daraus für die Beschäftigten erwachsen. Zu entscheiden, welche Szenarien für die Zukunft relevant werden, liegt aber in der Verantwortung und Freiheit jeder einzelnen Geschäftsführung. Auf dieser Basis können Unternehmen Neues ausprobieren, sich als ungeeignet Erweisendes fallen lassen und sich Bewährendes weiterentwickeln. Dies ist im Prinzip nichts Neues, sondern war schon immer Kernaufgabe unternehmerischen Handelns.

Dies wiederum gilt nicht für die Politik. Es ist zwar legitim und angemessen, dass sie prüft, ob der Ordnungsrahmen den Anforderungen einer digitalisierten Wirtschaft und Arbeitswelt genügt. Die politisch Verantwortlichen sollten sich dabei aber weniger von ihren Erwartungen und Prognosen leiten lassen, sondern vielmehr von tatsächlich zu beobachtenden Entwicklungen. Voreilige Regulierungen können die Anpassungsfähigkeit und -bereitschaft von Unternehmen und ihren Beschäftigten auch negativ beeinflussen. Derzeit ist in jedem Fall eher Zurückhaltung angebracht, denn es finden sich kaum empirische Spuren der Digitalisierung in der Arbeitswelt, aus denen ein konkreter Handlungsbedarf für die Politik abgeleitet werden könnte.

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5 vor 10: Opec, Integration, Trump, Geschenke, Fachkräfte http://www.insm-oekonomenblog.de/15136-5-vor-10-opec-integration-trump-geschenke-fachkraefte/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15136-5-vor-10-opec-integration-trump-geschenke-fachkraefte/#respond Thu, 01 Dec 2016 08:53:29 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15136 weiterlesen]]> Die Themen in den Linktipps: Weniger Öl, Konjunkturschub durch Flüchtlinge, die Trump-Blase an den Finanzmärkten und wirklich lohnende Geschenke. Außerdem: Deutschland verliert bei Fachkräften an Attraktivität.


1. Ein kleiner Durchbruch mit Verfallsdatum
(handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar und Matthias Streit)
Erstmals seit acht Jahren hat sich das Ölkartell Opec auf eine Kürzung der Fördermenge verständigt. Die Mitgliedstaaten wollen vom kommenden Jahr an 1,2 Millionen Barrel pro Tag weniger aus dem Boden holen. Wird Erdöl jetzt wieder wesentlich teurer? Nicht unbedingt, analysieren Hans-Peter Siebenhaar und Matthias Streit. Denn der Rückzug der Opec-Staaten könnte nun die Förderung in Amerika wieder attraktiver machen.

2, Integration zahlt sich ökonomisch aus
(zeit.de)
Die Aufnahme von Flüchtlingen kostet den Staat Geld – Angst vor einer Überlastung scheint mit Blick auf die langfristige Wirkung des Zuzugs jedoch übertrieben: Eine neue McKinsey-Studie legt vielmehr nahe, dass die Flüchtlinge in Europa zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor werden könnten. Der Untersuchung zufolge könnten sie bereits ab 2025 zwischen 60 und 70 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern.

3. Nobelpreisträger warnt Anleger vor „Trump-Blase“
(welt.de, Tobias Kaiser)
Nach der Wahl des Republikaners Donald Trump zum neuen US-Präsidenten waren die Börsen in den Vereinigten Staaten in Feierlaune. Der Ökonom Robert Shiller erklärt, weshalb der Immobilienmilliardär bei den Anlegern so gut ankommt. Er richtet gleichzeitig eine Warnung an die Finanzprofis. Trump könnte seiner Meinung nach an den Märkten „eine richtige Blase schaffen, eine Trump-Blase“.

4. Erlebnisse sind bessere Geschenke als Dinge
(qz.com, Cathrine Jansson-Boyd)
Machen Geschenke wirklich glücklich? Kurz vor Weihnachten lohnt es sich, kurz innezuhalten und über diese Frage nachzudenken. Denn Glücksforschern zufolge tragen immer mehr Besitztümer nicht unbedingt dazu bei, dass wir uns besser fühlen. Sollte man auf Konsum deshalb ganz verzichten? Nein. Denn Geld für Erlebnisse wie zum Beispiel Reisen auszugeben kann die Zufriedenheit durchaus deutlich steigern.

5. Deutschland weniger attraktiv für Talente
(capital.de)
Im internationalen Vergleich verliert Deutschland an Attraktivität bei gut ausgebildeten Nachwuchskräften. Laut der Rangliste IMD World Talent Report fällt die Bundesrepublik in diesem Jahr aus den Top Ten heraus. Im Wettbewerb um Fachkräfte können sich hingegen mehrere kleine europäische Länder positionieren. Nur eine asiatische Volkswirtschaft schafft es auf einen der Spitzenplätze.

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5 vor 10: Brexit, Venezuela, Bargeld, Italien, Geisterstadt http://www.insm-oekonomenblog.de/15134-5-vor-10-brexit-venezuela-bargeld-italien-geisterstadt/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15134-5-vor-10-brexit-venezuela-bargeld-italien-geisterstadt/#respond Wed, 30 Nov 2016 08:53:33 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15134 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Die britische Geheimniskrämerei beim Thema Brexit, in Venezuela muss das Geld nun gewogen werden und anderswo bleibt Bargeld an der Kasse weiter beliebt. Außerdem: Was bei einer Ablehnung des italienischen Referendums droht und warum direkt neben Singapur eine Geisterstadt entsteht.


1. Der ungestillte Hunger nach Informationen
(faz.net, Jochen Buchsteiner)
Die britische Regierung lässt sich in ihrer Brexit-Strategie nicht in die Karten schauen, vielleicht weiß sie selbst noch nicht so genau, wie sie vorgehen will. Entsprechend stürzen sich Beobachter auf jede noch so kleine Information. Jetzt sorgt ein aus der Ferne abfotografierter Notizblock für Aufregung.

2. In Venezuela wird das Geld jetzt gewogen
(independant.co.uk, Charlotte England, english)
Die Inflation in Venezuela nimmt weiter zu, dieses Jahr dürfte sie rund 720 Prozent betragen. Scheine haben kommen noch einen Wert: Die teuerste Note kostet nur noch rund fünf Euro-Cent. Medienberichten zufolge gehen einige Läden nun dazu über, das Bargeld bei der Bezahlung zu wiegen.

3. Warum Bargeld unschlagbar bleibt
(wiwo.de, Jakob Blume)
Immer mehr Experten rechnen mit einer bargeldlosen Zukunft. Doch trotz aller technischen Neuerungen geht das Bezahlen mit Bargeld an der Kasse noch immer deutlich schneller. Die Zahlung per Bargeld dauert im Schnitt 15 bis 24 Sekunden, hat Horst Rüter vom Kölner Marktforschungsinstitut EHI gemessen. Beim elektronischen Lastschriftverfahren mit Unterschrift brauchen die Kunden etwa 28 Sekunden, wenn sie mit Kreditkarte bezahlen dauert es rund 30 Sekunden. Fraglich bleibt, ob das Bezahlen mit dem Handy deutlich schneller gehen wird.

4. Was Sie über Italiens Banken-Krise wissen müssen
(manager-magazin.de, Arvid Kaiser)
An diesem Sonntag stimmen die Italiener über eine Verfassungsreform ab. Eine Ablehnung könnte das Ende der Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi einläuten – und die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone noch tiefer in die Krise stürzen. Bis zu acht Banken gelten als Kandidaten für eine Notverstaatlichung.

5. Entsteht neben Singapur eine riesige Geisterstadt?
(bloomberg.com, Pooja Thakur Mahrotri , En Han Choong, englisch)
Nur wenige Kilometer entfernt von Singapur wird mithilfe chinesischer Investoren eine riesige künstliche Stadt gebaut. Vor allem Appartements werden hochgezogen – doch eine Frage bleibt offen: Wer soll diese Wohnungen eigentlich alle kaufen?

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5 vor 10: US-Wahlfolgen, Freihandelsabkommen, Gesellschaftswandel, Macht, Luxus http://www.insm-oekonomenblog.de/15124-5-vor-10-us-wahlfolgen-freihandelsabkommen-gesellschaftswandel-macht-luxus/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15124-5-vor-10-us-wahlfolgen-freihandelsabkommen-gesellschaftswandel-macht-luxus/#respond Tue, 29 Nov 2016 08:53:15 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15124 weiterlesen]]> Donald Trump dominiert die Linktipps von heute: Es geht um die Profiteure seiner Wahl, ein TPP ohne die USA und die Verlierer des technischen Fortschritts. Außerdem: Wieso sich immer mehr Leute ein Jetset-Leben leisten können.


1. Was sich durch Trump verändert
(nytimes.com, Peter Baker, englisch)
Obwohl es noch sieben Wochen sind, bis Donald Trump das Amt des US-Präsidenten offiziell bekleidet, zeige seine Wahl erste Auswirkungen auf globale Ereignisse, beobachtet Peter Baker. Er hat sich zum Beispiel Aktienkurse, Devisenkurse oder Inflationsraten angeschaut, um zu analysieren, wer künftig von Trump profitieren könnte.

2. Was bringt TPP ohne die USA?
(bloomberg.com, englisch)
Eine der ersten Amtshandlungen Donald Trumps wird es sein, aus der transpazifischen Partnerschaft TPP auszusteigen. Das Abkommen sollte 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung umfassen. Doch selbst ohne die USA könnten Mitgliedstaaten wie Vietnam oder Japan profitieren, erklären die Autoren von Bloomberg View – etwa durch einheitliche Standards oder Umweltvereinbarungen.

3. It’s the economy, stupid!
(blogs.faz.net/fazit, David Kunst)
Für den Brexit und die Wahl Donald Trumps sei eine Entwicklung verantwortlich, die vor rund 35 Jahren begonnen habe, schreibt der Volkswirt David Kunst: Der technologische Wandel, die Globalisierung und die Schwächung von Arbeitnehmerrechten hätten jene Wähler benachteiligt, die für die „politischen Erschütterungen“ in diesem Jahr verantwortlich seien. Er erklärt, an welchen Stellen die Politik künftig ansetzen sollte.

4. Worauf es künftig ankommt
(project-syndicate.org, J. Bradford DeLong, englisch)
In den vergangenen 30 Jahren hätte sich eine sogenannte „overclass“ etabliert, eine Klasse also, die noch mehr Macht habe als die Magnate des Goldenen Zeitalters im 19. Jahrhundert. J. Bradford DeLong, Professor für Economics an der University of California in Berkeley beschreibt, wie künftig alle vom technologischen Fortschritt profitieren könnten.

5. Jetset für alle
(economist.com, englisch)
Privatjets, Jachten oder Häuser voller Designermöbel – heute können sich auch weniger Reiche solchen Luxus leisten, zumindest auf Zeit: Unternehmen der Sharing-Economy wie NetJets, GetMyBoat and ThirdHome.com machen den Lifestyle auch für sie verfügbar. Der Economist analysiert, wie das die Gesellschaft verändert.

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5 vor 10: Digitalisierung, Indien, Mittelstand, Gig Economy, Brexit http://www.insm-oekonomenblog.de/15117-5-vor-10-digitalisierung-indien-mittelstand-gig-economy-brexit/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15117-5-vor-10-digitalisierung-indien-mittelstand-gig-economy-brexit/#respond Mon, 28 Nov 2016 08:54:06 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15117 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: die philippinische Dienstleistungsgesellschaft, die indische Währungsreform, die Digitalisierung als Herausforderung für den Mittelstand und die Verzögerung des Brexit. Außerdem beschäftigen wir uns mit digital vermittelten Kurzzeitjobs etwa über Airbnb oder Uber.


1. Armeen der Nacht
(zeit.de, Fritz Schaap)
Die Bevölkerung auf den Philippinen spricht sehr gut Englisch, der Bildungsstand ist hoch. Sie erledigen heute zahlreiche outgesourcte Dienstleistungsjobs wie die Arbeit im Callcenter oder juristische Beratung, hauptsächlich aus den USA. Fritz Schaap beschreibt, wie die Digitalisierung selbst die Arbeit der billigen philippinischen Arbeiter gefährdet. Einen Callcenter-Job etwa könne ein Software-Roboter heute auch. Lesen Sie, warum sich das Geschäftsmodell des Landes verändern muss.

2. Chaos in Indien
(economist.com, englisch)
Die Währungsreform in Indien im Kampf gegen Schwarzgeld, bei der rund 80 Prozent des Bargeldes ihren Wert verlieren, stürzt das Land ins Chaos. So hätten etwa sieben von zehn kleinen Lebensmittelgeschäften laut Nielsen mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Der Economist hat sich mit den Chancen und den Gefahren beschäftigt.

3. Synergetische Prozessabläufe für den Mittelstand
(wirtschaftlichefreiheit.de, Rainer Thomé)
Gerade weil mittelständische Unternehmen im Vergleich zu den Konzernen geringe Stückzahlen produzieren, sei es für sie schwieriger, die Kosten der Digitalisierung umzulegen. Rainer Thomé, Professor für Digital Business Synergy an der Universität Würzburg, erklärt, warum Mittelständler dennoch zu Gewinnern der Digitalisierung werden können.

4. Geldverdienen mit Airbnb oder Uber
(voxeu.org, Jacques Bughin und Jan Mischke, englisch)
Digital vermittelte Kurzzeitjobs wie die Vermietung eines Zimmers über Airbnb oder eine Fahrt über den Anbieter Uber sind verbreiteter als angenommen, schreiben Jacques Bughin und Jan Mischke vom McKinsey Global Institute. So hätten bereits 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung mit der sogenannten Gig Economy Geld verdient. Wer verdingt sich mit solchen Jobs und wie lange? Das erklären die Wissenschaftler in ihrem Beitrag auf Voxeu.

5. Brexit könnte auf die lange Bank geschoben werden
(faz.net, Marcus Theurer)
Weil der Ausstieg Großbritanniens aus der EU für die britische Wirtschaft gefährlich werden könnte – zum Beispiel, weil das Land die Hälfte seines Außenhandels mit anderen EU-Staaten betreibt – wollen nun offenbar britische Notenbanker sowie der irische Ministerpräsident Enda Kenny den Brexit hinauszögern. Marcus Theurer analysiert, wie das funktionieren kann.

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Juergen B. Donges: „Die Soziale Marktwirtschaft ist in keiner guten Verfassung“ http://www.insm-oekonomenblog.de/15041-juergen-b-donges-die-soziale-marktwirtschaft-ist-in-keiner-guten-verfassung/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15041-juergen-b-donges-die-soziale-marktwirtschaft-ist-in-keiner-guten-verfassung/#comments Fri, 25 Nov 2016 15:48:52 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15041 weiterlesen]]> Die Botschafter der INSM verbreiten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement die Botschaft der Sozialen Marktwirtschaft. In der Serie „Vier Fragen an…“ beantworten sie Fragen rund um die Marktwirtschaft. In diesem Post: Juergen B. Donges.

INSM Botschafter Juergen Donges

1) Herr Donges, warum setzen Sie sich für die Soziale Marktwirtschaft ein?

In dieser Wirtschaftsordnung lässt sich am besten verwirklichen, was ich als Bürger und Ökonom über alle Maßen schätze: die individuelle Handlungsfreiheit mit der Möglichkeit, eigenverantwortlich nach den Zielen zu streben, die man sich selbst setzt.

Ich vertraue darauf, dass unter marktwirtschaftlichen Bedingungen unternehmerisches Können, Kreativität und Innovation sich Bahn brechen, viele produktive Eigeninitiativen freigesetzt werden und genügend Effizienzdruck erzeugt wird, um gute Erwerbschancen in der Breite zu eröffnen. Gleichzeitig wächst mit der Wirtschaftsdynamik der Verteilungsspielraum für sozialpolitische Aufgaben. Und der Umweltschutz kann bestmöglich betrieben werden, weil die damit nun einmal einhergehenden Kosten für die Wirtschaft und die Bürger einigermaßen gut zu verkraften sind.

Natürlich ist die Soziale Marktwirtschaft kein System zur Verhinderung von Konjunkturschwankungen und zur Abschottung gegenüber exogenen angebots- und nachfrageseitigen Schocks. Auf solche Problemlagen muss und kann die Wirtschaftspolitik die adäquaten Antworten geben.

2) In welcher Verfassung befindet sich aktuell die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland?

In keiner guten. Die wirtschaftspolitische Praxis steht oft leider nicht im Einklang mit der Sozialen Marktwirtschaft. Statt Vertrauen in den Markt und den Wettbewerb zu zeigen, auch bei zentralen Herausforderungen, säen viele politische Akteure Skepsis. Gemeinsam mit einer regulierungswütigen Bürokratie maßen sie sich eine Fähigkeit zur Gestaltung von Wirtschaftsabläufen an, die der Staat nicht hat (aktuell: Energiewende). Außerdem bedienen sie mit interventionistischen, marktwidrigen Maßnahmen allzu schnell partikulare Interessen von Verbänden und Gewerkschaften (aktuell: Mietpreisgrenze, flächendeckender Mindestlohn, Ausweitung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen, Frauenquote für Aufsichtsräte in börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen). Und bei der Gestaltung der sozialen Sicherung wird häufig über das Ziel hinausgeschossen (aktuell: Mütterrente, abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren) und die Finanzierungsseite ausgeblendet.

Begründet wird all dies gerne mit Gemeinwohlpflichten, aber in Wahrheit geht es um Wählerstimmen und Spenden. In turbulenten Zeiten wie die der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und der Staatsschuldenkrise im Euroraum sind viele Politiker schnell mit Schuldzuweisungen an private Akteure (Banken) bei der Hand in der Erwartung, dass die Menschen dies glauben und das Staatsversagen, das auch im Spiel ist, nicht erkennen.

Für die Soziale Marktwirtschaft ist das gefährlich. Sie steht nämlich auf tönernen Füßen, wenn der Staat dem Anspruchsdenken in der Gesellschaft samt einem Moral-Hazard-Verhalten Vorschub leistet, wenn er Schutzzäune für Unternehmen, die den Wettbewerb nicht mögen oder ihm nicht gewachsen sind, errichtet, wenn er zulässt, dass die Arbeitsmarktordnung die Arbeithabenden zu Lasten der Arbeitsuchenden begünstigt, wenn er beim Einzelnen die Anreize schwächt, sich produktiv in das Erwerbsleben einzubringen und Leistungseinkommen zu erzielen, und wenn er antikapitalistische Stimmungen in der Öffentlichkeit einfach hinnimmt.

3) Wenn Sie den Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft ändern könnten: Was würden Sie konkret tun?

Drei ordnungspolitische Punkte sind mir wesentlich:

  1. Es muss das Euckensche Prinzip der Einheit von Handlung und Haftung uneingeschränkt gelten (vulgo: wer den Nutzen hat, der muss auch den Schaden tragen). Die Informations- und Lenkungsfunktion des Marktpreissystems ist von zentraler Bedeutung, auch mit Blick auf die Notwendigkeit unverfälschter Verhaltensanreize. Sämtliche spezifischen Subventionen und speziellen Marktregulierungen müssen auf den Prüfstand kommen; sie sind abzuschaffen, sofern sie nicht ausreichend begründet werden können und nachweislich die Vertragsfreiheit und privaten Eigentumsrechte einschränken sowie den Wettbewerb unterdrücken.
  2. Der Staat soll ständig, entschlossen und glaubwürdig daran arbeiten, dass im Land stabile und gute gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen für unternehmerische Investitionen und Innovationen sowie für die individuelle Bildung und Qualifizierung unabhängig von der sozialen Herkunft des Einzelnen herrschen. Sicherzustellen ist die Chancengleichheit, nicht eine Ergebnisgleichheit. Das erfordert von den wirtschaftspolitisch Verantwortlichen Langfristdenken und Kohärenz zwischen den einzelnen Politikbereichen und eine Abkehr von punktuellem, ökonomisch dilettantischem Aktionismus.
  3. Der Sozialstaat muss sich auf das zurücknehmen, was unter Beachtung der Grenzen der Steuer- und Abgabenbelastung langfristig finanzierbar ist. Dem demographischen Wandel muss dabei Rechnung getragen werden. Das Verhältnis zwischen individueller Eigenverantwortung (auch für die Zukunftsvorsorge) und dem staatlichen Schutz vor Einkommens- und Beschäftigungsrisiken (einschließlich Armut) muss neu austariert werden. Die Leitvorstellung sollte sein, soziale Hilfen so zielgenau wie nur irgendwie möglich zu gestalten, das heißt die staatlichen Leistungen an der Bedürftigkeit des Einzelnen (und der Familie) zu orientieren.

4) Welche drei Bücher über die Soziale Marktwirtschaft empfehlen Sie?

Neben den grundlegenden Werken von Walter Eucken („Grundsätze der Wirtschaftspolitik“) und Ludwig Erhard („Wohlstand für alle“) sind aus der jüngeren Zeit folgende Bücher zu nennen:

Alle Beiträge “4 Fragen an…” lesen

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Gestern, heute, morgen: Fakten und Prognosen zur gesetzlichen Rente http://www.insm-oekonomenblog.de/15101-gestern-heute-morgen-fakten-und-prognosen-zur-gesetzlichen-rente/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15101-gestern-heute-morgen-fakten-und-prognosen-zur-gesetzlichen-rente/#comments Fri, 25 Nov 2016 09:20:19 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15101 weiterlesen]]> An der gesetzlichen Rente wird herum geschraubt, seit es die gesetzliche Rente gibt. Der Blick zurück lehrt: Mit kluger Politik ist eine verlässliche Rente möglich. Denn mit dem Wohlstandsfortschritt wächst auch die Rente. Eine Giantgrafik über vier Generationen zeigt den Stand und gibt einen Ausblick über die Zukunft der gesetzlichen Rente.

Giantgrafik zur gesetzlichen Rente
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5 vor 10: Dollar, Thanksgiving, Streiks, Ökonomen, Champagner http://www.insm-oekonomenblog.de/15099-5-vor-10-dollar-thanksgiving-streiks-oekonomen-champagner/ http://www.insm-oekonomenblog.de/15099-5-vor-10-dollar-thanksgiving-streiks-oekonomen-champagner/#respond Fri, 25 Nov 2016 08:53:07 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=15099 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Die starke Aufwertung des Dollars, die Thanksgiving-Ökonomie und Deutschland im internationalen Streikvergleich. Außerdem: Was macht einen Ökonomen zum Ökonomen und warum ist der Champagner so teuer?


1. Geht es mit der Dollar-Aufwertung weiter?
(makronom.de, Philipp Stachelsky)
Seit der Wahl Donald Trumps zum künftigen US-Präsidenten gewinnt der US-Dollar massiv an Wert. Analysten sehen unter anderem die von dem Republikaner versprochenen Steuersenkungen und die geplanten Infrastrukturausgaben als Grund. Viele Bankhäuser erwarten in der Folge, dass ein Euro bald nur noch einen Dollar Wert ist. Sollte sich der Trend fortsetzen wäre das vor allem für Schwellenländer ein Problem.

2. Warum ist Truthahn zu Thanksgiving so billig?
(marginalrevolution.com, Alex Tabarrok, englisch)
Millionen von Amerikanern haben am Donnerstagabend das Thanksgiving-Fest mit einem Truthahnbraten gefeiert. Die Nachfrage nach den Tieren ist an keinem Tag im Jahr so groß, gleichzeitig sind aber auch die Truthahnpreise nie so niedrig wie rund um den Feiertag. Woran liegt das? Die Leser des Wirtschaftsblogs Marginal Revolution haben mehrere Erklärungen parat. Eine davon: Nur im Thanksgiving-Monat lassen sich mit Truthähnen extreme Skalenerträge erzielen.

3. Wo wird am meisten gestreikt?
(faz.net)
Bei der Lufthansa wird wieder seit Tagen gestreikt – die Arbeitsniederlegungen sollen auch noch am Samstag weitergehen. Die Tarifkonflikte in Deutschland sind im internationalen Vergleich aber noch harmlos. Pro 1.000 Arbeitnehmern fallen in Deutschland im Jahr durchschnittlich zwar immerhin sieben Arbeitstage aus, in Dänemark etwa ist die Zahl aber fast 20 Mal höher. Allerdings war auch in Deutschland zuletzt ein starker Anstieg bemerkbar.

4. Ökonomen-Streit in Österreich
(diepresse.com)
Was macht einen Ökonomen zum Ökonomen? In Österreich ist um diese Frage ein öffentlicher Streit entbrannt. Auslöser war ein Schulbuch für Gymnasien, das einen ehemaligen Attac-Sprecher in eine Ökonomenliste aufnahm. Dagegen gab es Protest von über 100 Wirtschaftswissenschaftlern. Sie beschwerten sich darüber, dass der Mann über keine formale ökonomische Ausbildung verfüge. Jetzt wird sein Name aus dem Buch gestrichen.

5. Kampf gegen das Champagner-Kartell
(fee.org, Jeffrey Tucker, englisch)
Champagner ist ein teures Luxusgut. Das liegt aber nicht nur an der hohen Qualität des französischen Nationalgetränks, sondern auch an dem Monopol, das die Schaumweinproduzenten aus der Champagne weltweit erfolgreich verteidigen. Die Vorschrift, dass nur die Weinbauern aus der Region den populären Namen nutzen dürfen, ermöglicht es ihnen, die hohen Preise durchzusetzen. Jeffrey Tucker versucht die Monopolpreise zu umgehen – und findet im Prosecco einen Ausweg.

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