INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) http://www.insm-oekonomenblog.de Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten - diskutieren Sie mit! Fri, 30 Sep 2016 09:25:44 +0000 de-DE hourly 1 Finger weg vom Preismechanismus! http://www.insm-oekonomenblog.de/14823-finger-weg-vom-preismechanismus/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14823-finger-weg-vom-preismechanismus/#comments Fri, 30 Sep 2016 09:23:37 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14823 weiterlesen]]> Staatlich festgesetzte Preise beeinträchtigen die wichtige Funktion von Preisen, auf Knappheiten hinzuweisen und Anreize zu deren Beseitigung zu setzen. Die Folge: Die Probleme, welche die Politik vorgibt zu lösen, werden häufig verschärft. Es gibt viel besser Wege um Verteilungsergebnisse von Märkten korrigieren.

Der folgende Policy Brief (.pdf) entstand auf Grundlage des Econwatch-Meetings „Richtige und falsche Preise – staatliche Interventionen in den PreismechanismusProf. Dr. Berthold U. Wigger (Karlsruher Institut für Technologie – KIT). Das Video wurde im Vorfeld der Veranstaltung aufgenommen.

Staatliche Eingriffe in den Preismechanismus sind politisch populär: administrierte Höchst- und Mindestpreise haben zum Beispiel im Gesundheitswesen und in der Landwirtschaft eine lange Tradition.

Mit der Mietpreisbremse und dem Mindestlohn hat die aktuelle Bundesregierung in weiteren Bereichen kräftig in den Preismechanismus eingegriffen. Begründet werden solche Maßnahmen oftmals damit, dass ein „gerechtes “ Austauschverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer hergestellt und negativ Betroffene geschützt werden sollen. Dabei werden die unintendierten Nebenwirkungen dieser Eingriffe oft ignoriert oder zumindest billigend in Kauf genommen: staatlich festgesetzte Preise beeinträchtigen die wichtige Funktion von Preisen, auf Knappheiten hinzuweisen und Anreize zu deren Beseitigung zu setzen. So werden die Probleme oft noch verschärft.

Will die Politik gesellschaftlich nicht erwünschte Verteilungsergebnisse von Märkten korrigieren, so sollte dies über das Steuer – und Transfersystem erfolgen, statt in den Preismechanismus einzugreifen.

In Preisen spiegeln sich viele Informationen über Nachfrage und Angebot nach Gütern oder Dienstleistungen wider. Durch den Preismechanismus werden Informationen vermittelt und die Produktions- und Konsumpläne der Individuen koordiniert. So signalisieren hohe Preise, dass ein Gut knapp ist, und geben damit Anreize, weniger davon zu konsumieren und mehr davon zu produzieren.

Umgekehrt zeigen niedrige Preise an, dass das Gut reichlich vorhanden ist. Anbieter reagieren darauf, indem sie die Produktion zurückfahren und Nachfrager konsumieren mehr. Preise sorgen so dafür, dass sich Angebot und Nachfrage angleichen.

Damit der Preismechanismus diese Funktion der Lenkung von Angebot und Nachfrage erfüllen kann, ist ein institutioneller Rahmen nötig, der dafür sorgt, dass sich Preise frei im Wettbewerb bilden. Herrscht auf Märkten hingegen Marktmacht, weil es nur einen oder wenige Anbieter gibt, so sind staatliche Eingriffe nötig, damit Anbieter ihre Marktmacht nicht zum Nachteil der Kunden missbrauchen.

Neben der Lenkung von Angebot und Nachfrage erfüllen Preise auch eine Verteilungsfunktion, indem sie festlegen, welchen Anteil der Tauschgewinne Käufer und Verkäufer erhalten. In der öffentlichen Diskussion dominiert häufig die Frage nach der Verteilung. In Situationen, in denen ein Preis als nicht gerecht empfunden wird, wird gefordert, dass der Staat durch Eingriffe in den Preismechanismus für ein gerechtes Austauschverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer sorgen soll. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, es gäbe einen objektiv gerechten Preis, den staatliche Stellen kennen und entsprechend festsetzen können.

In der Politik sind Eingriffe in den Preismechanismus populär, da damit Umverteilung erreicht werden soll, ohne öffentliche Mittel aufwenden zu müssen. So sollen zum Beispiel durch die Mietpreisbremse junge Familien und weniger Wohlhabende in die Lage versetzt werden, sich Wohnungen in beliebten Innenstadtlagen leisten zu können. Durch Eingriffe in den Preismechanismus wird jedoch die Lenkungsfunktion des Preises außer Kraft gesetzt und der mit dem Eingriff verfolgte Zweck in der Regel nicht erreicht.

Im Gegenteil führt ein unter dem Marktpreis liegender Höchstpreis dazu, dass das Angebot zurückgeht und die Nachfrage steigt. Damit verschärft sich die Knappheitssituation zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt weiter.

Die Signale, die von hohen Preisen ausgehen und normalerweise dafür gesorgt hätten, dass Investitionen getätigt werden, werden durch Höchstpreise unterdrückt. Selbst kurzfristig ist unsicher, ob ein Höchstpreis für Linderung sorgt.

Auch Mindestpreise, die festgelegt werden, um für bestimmte Produzentengruppen zum Beispiel im Agrarsektor ein auskömmliches Einkommen zu sichern, haben negative Auswirkungen, da sie trotz mangelnder Nachfrage zu weiterer Produktion ermuntern. Überschussproduktion, die zum Beispiel bei garantieren Milchpreisen zu „Milchseen “ und „Butterbergen“ führt, ist die Folge.

In Fällen, in denen der Preismechanismus zu gesellschaftlich nicht akzeptierten Verteilungsergebnissen führt, weil sich zum Beispiel bestimmte Bevölkerungsgruppen bestimmte Güter nicht leisten können oder ein unzureichendes Einkommen erzielen, sollte gezielt Hilfe über das Steuer- und Transfersystem geleistet werden. So kann eine gesellschaftlich akzeptable Versorgung der Bürgerinnen und Bürger erreicht werden, ohne die nützlichen Funktionen von Preisen außer Kraft zu setzen.

Staatliche festgelegte Preise beeinträchtigen nicht nur die Lenkungsfunktion des Preismechanismus mit entsprechenden individuellen und gesellschaftlichen Kosten. Zeigt sich der Staat bereit, in immer mehr Märkte einzugreifen, um für „gerechte“ Preise zu sorgen, macht er sich zum Spielball von Gruppeninteressen. Diese werden zunehmend Ressourcen dafür aufwenden, um für sich günstige Preisregulierungen durchzusetzen, anstatt damit produktive Zwecke und damit mehr Wohlstand für alle zu erreichen. Der Staat wiederum wird oftmals den Wünschen nach Preisregulierung nachgeben, insbesondere wenn die Nutznießer klar identifizierbar und gut organisiert sind, während der negativ betroffene Großteil der Bevölkerung häufig keine Lobby hat. Und einmal eingeführte Privilegien sind aus denselben Gründen nur sehr schwer wieder abzuschaffen.
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5 vor 10: Maut, Jobs, Deutsch, Renten, Konjunktur http://www.insm-oekonomenblog.de/14820-5-vor-10-maut-jobs-deutsch-renten-konjunktur/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14820-5-vor-10-maut-jobs-deutsch-renten-konjunktur/#respond Fri, 30 Sep 2016 07:53:09 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14820 weiterlesen]]> In den Linktipps geht es heute um die Pkw-Maut, das deutsche Jobwunder und warum sich Deutsch als Fremdsprache auszahlt. Außerdem: Wie führende Ökonomen die Lage der deutschen Wirtschaft sehen und warum das Rentenniveau bald deutlich sinken könnte.


1. Willkommene Pkw-Maut-Klatsche
(faz.net, Heike Göbel)
Die Klage der EU-Kommission gegen die deutsche Pkw-Maut kommt aus Sicht von Beobachtern wenig überraschend. Das von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgelegte Gesetz habe einen Konflikt mit Brüssel geradezu provoziert. Die Kommission fordert, den kompletten Ansatz zu überarbeiten: “Sinnvoller als Jahres- oder Wochenvignetten ist eine Straßennutzungsgebühr, die Verkehrsströme und Emissionen lenken hilft.”

2. Deutschland erlebt Jobboom wie zu Adenauers Zeiten
(welt.de. Daniel Eckert)
Die Bundesagentur für Arbeit meldet 2,6 Milionen Arbeitslose – seit der Wiedervereinigung war die Zahl noch nie so gering. “Würden Bundeskanzler daran gemessen, wie sich die Jobsituation während ihrer Amtszeit entwickelt, müsste Angela Merkel die beliebteste Regierungschefin der Nachkriegszeit sein”, schreibt Daniel Eckert. Zu Beginn ihrer Amtszeit lag die Arbeitslosenzahl noch bei 4,5 Millionen.

3. Warum Briten Deutsch sprechen sollten
(qz.com, Nikhil Sonnad, englisch)
Eine Fremdsprache zu beherrschen öffnet viele Türen – und hilft auch der Karriere: Sprachkenntnisse können bei Bewerbungen dabei helfen, sich von anderen Kandidaten abzusetzen und bringen zudem oft höhere Einkommen. Dabei ist es jedoch entscheidend, welche Sprache man spricht. In Großbritannien lohnt es sich zum Beispiel am meisten, Deutsch zu sprechen.

4. Rentner müssen nach 2030 noch mehr zurückstecken
(sueddeutsche.de, Thomas Öchsner)
Wie hoch soll künftig die gesetzliche Rente ausfallen? Neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums dürften die Debatte darüber neu entfachen. Die Berechnungen zeigen, dass das Rentenniveau nach 2030 deutlich absinken könnte. Der Trend könnte nur aufgehalten werden, wenn Beitragszahler künftig erheblich stärker zur Kasse gebeten werden.

5. Der Wirtschaft geht es gut – aber es muss vorgesorgt werden
(wiwo.de)
Die Beschäftigungslage ist gut und auch die Wirtschaft wächst moderat weiter. Im laufenden Jahr soll die Wirtschaft um fast zwei Prozent zulegen. Doch trotz der positiven Lage sehen führende Wirtschaftsforscher Handlungsbedarf. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose fordern sie, es müsse verstärkt in Bildung und Sachkapital für mehr Produktivität investiert werden. Spielraum in den Staatskassen dafür gibt es ihrer Meinung nach.

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Politik und Realität: Woran die Rentendebatte krankt http://www.insm-oekonomenblog.de/14809-politik-und-realitaet-woran-die-rentendebatte-krankt/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14809-politik-und-realitaet-woran-die-rentendebatte-krankt/#comments Thu, 29 Sep 2016 14:29:49 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14809 weiterlesen]]> Höhere Renten für alle? Die große Koalition plant nach der Rente mit 63 und der Mütterrente weitere Leistungsausweitungen in der Rente. Dabei unterliegt sie einem großen Missverständnis.

Noch keiner Rentnergeneration ging es besser als der heutigen. Dennoch ist pünktlich vor dem Wahlkampf eine Diskussion um die gesetzliche Rente entbrannt. Der weitere Sinkflug des Rentenniveaus müsse ein Ende haben, so die Forderung aus dem Arbeitsministerium. Regelmäßige Begründung: Es drohe sonst massenhaft Armut im Alter. „Die Rente muss für ein gutes Leben reichen“ proklamiert etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Von den Folgen für die  Beitragszahler einmal abgesehen, die eine Anhebung des Rentenniveaus zur Folge hätte, unterliegt diese Argumentation einem weit verbreiteten Irrtum.

Das Rentenniveau gibt an, wie sich die Renten eines Durchschnittsverdieners zum aktuellen Durchschnittslohn verhalten. Derzeit liegt es etwa bei 47,5 Prozent. Nach neuesten Prognosen sinkt das Rentenniveau – der demografischen Entwicklung geschuldet – bis zum Jahr 2035 unter 43 Prozent. Das klingt dramatischer als es ist: Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet nicht, anders als oft suggeriert wird, dass die Renten sinken, sondern nur, dass die Kaufkraft der Renten langsamer steigt als die Kaufkraft der Löhne.90 Prozent der Rentner werden 2030 sogar besser dastehen als heute, hat der Rentenexperte Prof. Axel Börsch-Supan berechnet. Legt man den aktuellen Rentenversicherungsbericht zu Grunde, wird der Durchschnittsrentner – selbst bei einer angenommenen Inflation von zwei Prozent – im Jahr 2029 mehr Kaufkraft in der Tasche haben, als der Durchschnittsrentner heute.

Gemeinsam mit privater und betrieblicher Vorsorge verhindert die gesetzliche Rente wirkungsvoll Armut im Alter. Heute sind gerade einmal 2,6 Prozent der über 65-jährigen auf Grundsicherung im Alter angewiesen und damit weit weniger, als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (8,9 Prozent). Der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums rechnet unter pessimistischen Annahmen langfristig etwa mit einem Anstieg der Grundsicherungsempfänger auf 5,4 Prozent.

Letztlich entscheidend aber ist: Die Anhebung des Rentenniveaus beseitigt in aller Regel keine Altersarmut, es würden die Falschen profitieren. Grundsicherung im Alter beziehen vor allem ehemalige Selbstständige, die nie rentenversichert waren, Langzeitarbeitslose und Erwerbsunfähige. Ein höheres Rentenniveau hilft diesen Menschen wenig bis gar nicht.

Besser wäre es freilich, das Übel an der Wurzel zu packen. Bei der Vermeidung von Altersarmut spielt der Zugang zum Arbeitsmarkt eine Schlüsselrolle. Bildung und Qualifizierung fördert die Integration in den Arbeitsmarkt. Darüber hinaus wäre eine Vorsorgepflicht für Selbständige ein sinnvoller Beitrag zur Vermeidung von Altersarmut. Wichtig dabei ist, dass es den Selbständigen selbst überlassen bleibt, wie sie dieser Pflicht nachkommen. So bleibt die Rente demografie- und armutsfest zugleich.

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5 vor 10: Öl, Krankenversicherung, Draghi, Grundeinkommen, Trump http://www.insm-oekonomenblog.de/14806-5-vor-10-oel-krankenversicherung-draghi-grundeinkommen-trump/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14806-5-vor-10-oel-krankenversicherung-draghi-grundeinkommen-trump/#respond Thu, 29 Sep 2016 07:53:58 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14806 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Wie sicher ist die Einigung der Opec? Warum werden die Beiträge für Privatversicherte drastisch steigen und wann gibt es wieder höhere Zinsen? Außerdem: Finnland testet das Grundeinkommen und Trump könnte seine Handelspolitik tatsächlich umsetzen.


1. Opec einigt sich auf Fördermengenbegrenzung
(reuters.com, Barani Krishnan)
Nach langem Streit hat sich die Opec vorläufig auf eine Begrenzung der Fördermenge geeinigt. Dem Abkommen zufolge soll die tägliche Fördermenge auf 32,5 bis 33,0 Millionen Barrel am Tag beschränkt werden. Der Markt ist überrascht, der Ölpreis zieht rapide an. Doch wird die Einigung tatsächlich umgesetzt? Analysten sind skeptisch.

2. Beitragsschock für sechs Millionen Krankenversicherte
(faz.net, Andreas Mihm)
Kunden von privaten Krankenversicherungen müssen sich auf massive Tariferhöhungen vorbereiten. Im Durchschnitt werden sich die monatlichen Beiträge wohl zweistellig erhöhen. Die Gründe: Die teurerer werdende medizinische Versorgung sowie die niedrigen Zinsen.

3. Höhere Zinsen nur bei mehr Wachstum
(tagesschau.de, Thomas Roth)
Der Chef der EZB, Mario Draghi, kündigt im Interview mit den Tagesthemen an, dass die Zinsen wohl noch längere Zeit niedrig bleiben werden. Kreditinstitute fordert er dazu auf, ein Geschäftsmodell zu finden, das auch bei niedrigen Zinsen funktioniert.

4. 560 Euro, einfach so
(zeit.de, Zacharias Zacharakis)
Finnland will als erstes Land der Welt ein bedingungsloses Grundeinkommen auf nationaler Ebene testen. 2.000 Menschen sollen im nächsten Jahr Geld von der Regierung bekommen und müssen dafür keine Gegenleistung erbringen. Das ist nicht höher als die eigentliche Sozialhilfe. Der Unterschied ist aber: Jeder Euro, den man dazuverdient wird das Einkommen der Menschen erhöhen.

5. Trumps Drohung sind todernst
(voxeu.org, Gary Hufbauer, Euijin Jung, englisch)
Der Republikaner Donald Trump verspricht immer wieder, die Handelsverträge der USA neu auszuhandeln. Das sind keine leeren Worte: Rechtlich hätte Trump dazu die Möglichkeit, zeigt dieser Beitrag. Die Konsequenzen könnten verheerend sein.

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5 vor 10: Protektionismus, Finanzmärkte, Roboter, Großbanken, Kündigungen http://www.insm-oekonomenblog.de/14804-5-vor-10-protektionismus-finanzmaerkte-roboter-grossbanken-kuendigungen/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14804-5-vor-10-protektionismus-finanzmaerkte-roboter-grossbanken-kuendigungen/#respond Wed, 28 Sep 2016 07:53:50 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14804 weiterlesen]]> Der Welthandel wächst in diesem Jahr so langsam wie seit der Finanzkrise nicht mehr, die Finanzmärkte ignorieren die Möglichkeit, dass Donald Trump Präsident werden könnte und Personaler sollten Kündigungen verhindern – in den Linktipps erklären wir, warum. Zudem: Wer von der Automatisierung profitiert und wie schlimm die Misere der deutschen Großbanken tatsächlich ist.


1. Der aktuelle Protektionismus schadet dem Handel
(washingtonpost.com, Ana Swanson, englisch)
In diesem Jahr wird der Welthandel so langsam wachsen, wie seit der Finanzkrise nicht mehr, hat die Welthandelsorganisation am Dienstag bekannt gegeben. Ana Swanson berichtet über die protektionistischen Bestrebungen etwa in den USA oder in Großbritannien – und wieso Ökonomen weiteres Abkühlen der Weltwirtschaft fürchten.

2. Finanzmärkte ignorieren den Trump-Faktor – warum?
(blog.tagesanzeiger.ch, Andreas Neinhaus)
Donald Trump hat noch immer reelle Chancen im November Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Dass er als “populistischer Außenseiter” Präsident werden könnte, besorgt die Politik, die Finanzmärkte aber haben diese Möglichkeit weitgehend ignoriert. Andreas Neinhaus analysiert, worin dies begründet liegt.

3. Wer von Robotern profitiert – und wer nicht
(robohub.org, englisch)
Konsumenten würden von der Automatisierung profitieren, sagt Alan Manning, Professor für Labour Economics an der London School of Economics (LSE), und verweist darauf, dass beispielsweise Produkte günstiger angeboten werden könnten und somit mehr Geld für anderes übrig bliebe. Im Interview mit Robohub erklärt der Ökonom zudem, wieso er nicht davon ausgeht, dass die Arbeitslosigkeit mit der Automatisierung steigt.

4. Der Abstieg der Deutschen Großbanken
(faz.net, Patrick Bernau)
Der Deutschen Bank und der Commerzbank geht es schlecht. Patrick Bernau hat neun Grafiken zusammengestellt, die zeigen, wie schlimm die Misere tatsächlich ist. Sie dokumentieren zum Beispiel den Börsenwert, die Höhe der anstehenden Strafen oder Schadensersatzzahlungen oder die Kernkapitalquote.

5. Warum Personaler Kündigungen verhindern sollten
(wiwo.de, Jan Guldner)
In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel könne sich kein Unternehmen leisten, die guten Angestellten gehen zu lassen. Jan Guldner erklärt, warum hohe Fluktuation teuer ist und wie Firmen sie senken können.

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5 vor 10: Trump, China, Japan, Wachstum, Baurecht http://www.insm-oekonomenblog.de/14801-5-vor-10-trump-china-japan-wachstum-baurecht/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14801-5-vor-10-trump-china-japan-wachstum-baurecht/#respond Tue, 27 Sep 2016 07:53:28 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14801 weiterlesen]]> Warum ein Sieg Donald Trumps der SPD helfen könnte, die chinesische Bankenkrise unvermeidbar ist und die japanische Notenbank ihr Versagen eingestehen müsste – das lesen Sie heute in den Linktipps. Außerdem: Lateinamerika will seine Handelsbeziehungen auffrischen und das deutsche Baurecht befördert soziale Ausgrenzung.


1. Warum ein Sieg Trumps ausgerechnet der SPD helfen könnte
(welt.de, Torsten Krauel)
Auch wenn die SPD offiziell Hillary Clinton in der US-Präsidentschaftswahl unterstützt, würde die Partei von einem Wahlsieg Donald Trumps profitieren, kommentiert Torsten Krauel. Denn Themen wie TTIP, die Globalisierung oder den Klimaschutz, möchte Trump ohnehin von der Agenda streichen. Für die SPD bedeutet das zum Beispiel: kein Spagat mehr zwischen TTIP-Befürwortern und -Gegnern.

2. Die chinesische Bankenkrise scheint unvermeidbar
(voxeu.org, Edoardo Campanella und Daniel Vernazza, englisch)
China steht an der Spitze jener aufstrebenden Wirtschaften, deren Schuldenberg so viel größer ist als das jährliche Bruttoinlandsprodukt. Die Voxeu-Autoren Edoardo Campanella und Daniel Vernazza erläutern, warum sie eine Bankenkrise für unvermeidbar halten.

3. Geld, immer mehr Geld
(faz.net, Patrick Welter)
Es sei an der Zeit, dass die japanische Notenbank ihr Versagen eingestehen müsse, kommentiert Patrick Welter. Der Kreditzins der Regierung werde durch die Politik der Notenbank bei null gehalten. Das billige Geld solle helfen, die Wirtschaft flott zu bekommen. Doch am Erfolg bestehen Zweifel.

4. Von Wachstum und Globalisierung
(economist.com, englisch)
Die Globalisierung sei auf dem Rückzug, worunter die Wirtschaften Lateinamerikas leiden, analysiert der Economist. Es gelte nun, alte Handelsbeziehungen wieder aufzubauen, die in Zeiten von starken lokalen Währungen und hohen Rohstoffpreisen verloren gingen.

5. Die unsichtbare Wand
(zeit.de, Roman Pletter)
Eine unsichtbare Wand entstehe in den Städten, so Roman Pletter, weil das Baurecht Areale markiere, in denen luftiger und andere, in denen sehr eng und hoch gebaut werden dürfe. So könnten sich die Reichen von den Armen und den Flüchtlingen abschotten. Eine Vermischung könne aber die soziale Mobilität erhöhen, zum Beispiel weil die Kinder aus einkommensschwachen Familien auf bessere Schulen gehen könnten.

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5 vor 10: Mieten, Gründer-Unterstützung, Prognosen, Negativzins, Golf http://www.insm-oekonomenblog.de/14798-5-vor-10-mieten-gruender-unterstuetzung-prognosen-negativzins-golf/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14798-5-vor-10-mieten-gruender-unterstuetzung-prognosen-negativzins-golf/#respond Mon, 26 Sep 2016 07:53:06 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14798 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Was gegen steigende Mieten helfen könnte, warum bei Konzernen das Gründerfieber grassiert und weshalb bekannte Experten häufig schlechte Prognosen abliefern. Weitere Themen: Die Folgen negativer Zinsen und die Krise der Golfklubs.


1. Was hilft gegen den Mietpreiswahnsinn?
(zeit.de, Bastian Brauns und Philip Ziegler)
Die Mieten in den Innenstädten steigen rasant. Doch was kann die Politik wirklich tun, um Verdrängung und soziale Entmischung einzudämmen? Bastian Brauns und Philip Ziegler haben sich sieben mögliche Werkzeuge angesehen, zum Beispiel eine Reform der Grundsteuer oder den sozialen Wohnungsbau, und erklären, was diese Maßnahmen taugen.

2. Bei den Konzernen grassiert das Gründerfieber
(wiwo.de, Nora Jakob und Oliver Voß)
Konzerne betreiben schon seit Jahren Accelerator- und Inkubatorprogramme, um Start-ups an sich zu binden. Der Deal: Sie unterstützen die Jungunternehmer mit Kapital, erhalten im Gegenzug oft Beteiligungen und können von den Innovationen der Start-ups profitieren. Nora Jakob und Oliver Voß erörtern, warum beide Seiten profitieren können und welche Gefahren es gibt.

3. Bekannte Experten – schlechte Prognosen
(blicklog.com, Dirk Elsner)
Je bekannter ein Experte, desto schlechter sind seine Prognosen, das schreiben Philip E. Tetlock und Dan Gardner in ihrem aktuellen Buch. Dirk Elsner hat sich jene Stelle angesehen, die erklärt, wieso berühmte Experten häufiger falsch liegen: Sie geben Zweifeln keinen Raum, sind aber bei den Medien beliebter.

4. Die Folgen negativer Zinsen
(voxeu.org, Carlos Arteta, M. Ayhan Kose, Marc Stocker und Temel Taskin, englisch)
Negative Zinsen können die Konjunktur stimulieren – aber nur, wenn sie für einen kurzen und überschaubaren Zeitraum eingesetzt werden. Andernfalls seien Investoren geneigt ihr Geld zu risikoreich anzulegen, schreiben die Forscher um Carlos Arteta, Ökonom bei der Weltbank.

5. Ausgelocht
(faz.net, Jenni Thier)
Wer heute Geschäfte mit einflussreichen Manager machen möchte, müsse nicht mehr auf den Golfplatz gehen, schreibt Jenni Thier, Redakteurin im Wirtschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Sport habe besonders bei Jungmanagern aus der Start-up-Branche einen schweren Stand, deren Karrieren so ganz anders verlaufen.

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5 vor 10: Flüchtlinge, Lithium, Zuckerberg, Geisterhäfen und Gefühle http://www.insm-oekonomenblog.de/14796-5-vor-10-fluechtlinge-lithium-zuckerberg-geisterhaefen-und-gefuehle/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14796-5-vor-10-fluechtlinge-lithium-zuckerberg-geisterhaefen-und-gefuehle/#respond Fri, 23 Sep 2016 07:53:09 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14796 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Was kosten die Flüchtlinge Deutschland jetzt eigentlich, warum wird Lithium immer teurer und können Zuckerbergs Milliarden die Welt gesund machen? Außerdem: Geisterhäfen werden mit Millionen subventioniert und die EU postfaktisch.


1. Die Haushalte schaffen das
(zeit.de, Philip Ziegler)
Bund, Länder und Kommunen werden 2016 rund 20 Milliarden Euro für Flüchtlinge ausgeben. Angesichts hoher Einnahmen ist die Mehrbelastung verkraftbar. Dennoch bleibt schwer abzusehen, was die Integration langfristig kosten wird.

2. Lithium – ein Rausch in weiß
(manager-magazin.de, Nils-Viktor Sorge)
Die Welt giert nach Lithium. Der Grund: Der Rohstoff ist unverzichtbar für Batterien und könnte damit enorm wichtig für die Elektromobilität werden. Die steigende Nachfrage macht sich bereits bemerkbar: Der Preis für eine Tonne reinen, weißen Lithiumhydroxids ist laut dem Branchendienst Benchmark Mineral Intelligence binnen zwei Jahren von etwa 7.000 auf knapp 20.000 Dollar gestiegen.

3. Zuckerbergs Krankheits-Utopie
(faz.net, Klaus Max Smolka)
Seine Tochter soll noch erleben, dass alle Krankheiten heilbar sind, sagt Mark Zuckerberg. Dafür wollen seine Frau und er drei Milliarden US-Dollar spenden. Das wird allerdings kaum reichen: Derzeit rechnet man in der Pharmabranche für die Entwicklung eines neuen Medikaments mit Kosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

4. Finanzspritzen für Geisterhäfen
(handelsblatt.com, Ruth Berschens)
Der EU-Rechnungshof hat die irrsinnigen Projekte schon einmal kritisiert – geändert hat sich nichts: Die EU-Kommission fördert weiterhin Geisterhäfen, beispielsweise in Italien. “97 Millionen Euro wurden in Infrastrukturen investiert, die in den vergangenen drei Jahren kaum ausgelastet waren oder gar nicht benutzt werden”, heißt es in einem neuen Bericht der Rechnungsprüfer. Teilweise floss das Geld in Häfen, an denen noch nie ein Schiff angelegt hat.

5. Postfaktische Zeiten als kollektive Selbsthypnose
(wiwo.de, Miriam Meckel)
Der US-Wahlkampf sei ein Beispiel für die neue “postfaktische” Politik, in der Gefühle wichtiger sind als die Realität, heißt es oft. Doch man muss nicht über den Atlantik schauen, um postfaktische Debatten zu erleben. Auch die Diskussionen über die Krise der EU werden eher von Gefühlen als tiefen Analysen bestimmt, schreibt WiWo-Chefredakteurin Miriam Meckel.

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Der Mann mit den vielen Listen http://www.insm-oekonomenblog.de/14791-der-mann-mit-den-vielen-listen/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14791-der-mann-mit-den-vielen-listen/#comments Thu, 22 Sep 2016 14:07:33 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14791 weiterlesen]]> Wieder ein Buch von Thilo Sarrazin. Und wieder steht die Frage im Raum, welche angeblich so unbequemen Wahrheiten er jetzt auftischt. Außer viel Belehrung ist nicht so viel Neues drin. Nach der Lektüre auch dieses Sarrazin-Buches steht jedenfalls fest: Man muss nicht seiner Meinung sein – Querdenkertum hilft, den eigenen Gedankenquark zu überwinden. Aber: Sarrazins Eitel- und wohl auch Verletzlichkeit sind nur schwer zu ertragen.

Thilo Sarrazin: Wunschdenken – Europa, Währung, Bildung, Einwanderung- warum Politik so häufig scheitert, DVA, München 2016

Thilo Sarrazin: Wunschdenken – Europa, Währung, Bildung, Einwanderung- warum Politik so häufig scheitert, DVA, München 2016Da holt der Autor in seinem neuen Buch nach, was er in seinem letzten verpasst hat: Thilo Sarrazin feuert in seinem jetzt erschienenen „Wunschdenken“ eine Kanonade von Verbesserungslisten ab, die beschreiben, was der deutsche Politikbetrieb in Sachen Bildung, Umwelt, Europa-, Flüchtlings- und Grenzpolitik in den vergangenen Monaten und Jahren alles hätte besser machen können und sollen. Klar, das ist nicht so schwer, denn die beste Diagnose stellt immer der Pathologe. Das auffälligere Manko ist ein anderes: Mit dem Selbstverständnis eines Mannes, der glaubt, als Baustaatssekretär, Finanzsenator und Bundesbanker nicht nur die Welt gerettet, sondern auch von allen Übeln erlöst zu haben, muss man sich erst einmal anfreunden, um dieses Buch zu lesen. Versuchen wir es also.

Größte politische deutsche Torheit seit dem Zweiten Weltkrieg

Belesen ist er zweifellos. Zunächst liefert Sarrazin einen umfassenden Einblick in das politische Denken und Handeln verschiedener Gesellschaften: Er schildert die Entwicklung demokratischer Staatsformen (von Platon über Augustinus bis Thomas Morus und Karl Marx), debattiert über die „offene Gesellschaft“ und definiert den Aktionsradius von Politik. Der gute Politiker zeichne sich vor allem dadurch aus, dass er willens und in der Lage ist, komplex und in großen Zeiträumen zu denken. Frankreichs Hollande gehört für ihn nicht dazu, die deutschen Regierungspolitiker auch nicht und schon gar nicht die Bundeskanzlerin, die sich für Sarrazin mit ihrer Flüchtlingspolitik die „größte politische Torheit, die ein deutscher Regierungschef seit dem Zweiten Weltkrieg beging“, geleistet hat – ein Superlativ, der wohl mehr verletzen als sachlich überzeugen soll. Dass die Flüchtlingspolitik „moralisch begründet“ wird, ist für den Autor der politische Sündenfall schlechthin. Er glaubt: „Soll Politik aber erfolgreich sein, reichen moralische Maßstäbe nicht aus.“ Dass er da mal nicht irrt. Moral pur und nur reicht als Maßstab bestimmt nicht aus. Denn Moral und Gutmenschentum haben in der Politik nicht selten zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen geführt. Vernunft und Verstand sind also vonnöten. Doch gleichzeitig ist Moral immer auch ein wichtiges Korrektiv gewesen, um selbstgefälliger Politik das Handwerk zu legen. Auch wenn sich Sarrazin für das Staatswesen eine „Kombination von Freiheit und Sicherheit“ wünscht, wird sein Idealbild eines Staates von knallharter Überwachung geleitet – sowohl der Bürger als auch der Machthaber. Er schreibt: „Ein Staat, der beides gewährleistet, kann nur ein starker Staat sein, denn er muss die Freiheit und Sicherheit des Individuums garantieren und zugleich alle Mitglieder der Gesellschaft dahingehend überwachen, dass niemand durch Übergriffe die Freiheit und Sicherheit anderer gefährdet.“

Der Retter von Banken und Bauvorhaben
Was dann folgt, sind zahlreiche Listen für eine bessere Politik: Seine zehn Regeln „für den guten Regenten“ wirken allerdings wie aus einem Management-Reader für Führungskräfte. Auch seine „Prinzipien einer guten Regierung“ lassen sich wohl in jedem Grundkurs für politische Bildung erlernen. Interessant ist da noch eher seine Darstellung über die Rolle der staatlichen Bürokratie – doch auch an dieser Stelle gibt er dem Leser gleich eine Liste mit sieben goldenen Regeln mit, „was man tun muss, um eine gute staatliche Verfassung aufzubauen, abzusichern und weiterzuentwickeln“.

Trotz aller Kritik – auch mit Lob geizt er nicht. Allerdings nur für sich. Seine Verdienste um die Rettung der Berliner Bankgesellschaft finden in diesem Buch genauso Erwähnung wie die Einsicht, dass „grundsätzlich der Bau eines neuen Flughafens kein Hexenwerk [ist]. Es kann eigentlich gar nichts schiefgehen, wenn man sich nur an die folgenden Regeln hält.“ Seine Liste mit 16 Anweisungen für erfolgreichen Airport-Bau und sein Verweis auf die Inkompetenz seiner ehemaligen Berliner Polit-Kollegen spare ich an dieser Stelle aus. Allerdings nicht das Eigenlob des Autors: „Die Liste ist übrigens kein theoretisches Konstrukt. Sie gilt für jedes größere Bauvorhaben. Ich habe […] Hunderte größere und großer Bauvorhaben betreut. Nicht eines davon ging schief.“

Deutsche Splendid Isolation?

Als erklärter Gegner der aktuellen Flüchtlingspolitik wünscht er sich eine wirksamere Kontrolle der EU-Außengrenzen [welche Überraschung], eine Wiederherstellung des Schengen-Abkommens und ein Ende des „verkitschten Weltbildes,“, das entsteht, „wenn man irgendeine staatliche Entität, sei es Deutschland, sei es Europa, für die Behebung von Unglück und Misswirtschaft im Rest der Welt verantwortlich machen will“. Denn – so die Logik des Sarrazin: „Staaten haben vor allem den Interessen ihrer eigenen Bürger zu dienen. Sie leisten viel, wenn sie dabei andere Länder und Völker nicht beschädigen. Man kann sie nicht verantwortlich machen für die Nöte und ungelösten Probleme anderer.“ Der Mann sollte es wirklich besser wissen. Sind wir zurück in Zeiten von „splendid Isolation“? Deutschland, das angesichts einer immer komplexeren Weltlage seine Hände in Unschuld waschen soll? Draußen fallen die Bomben und drinnen wird gefeiert? Zu ignorieren, dass beispielsweise deutsche Wirtschaftsinteressen sich erheblich mit internationaler Politik und deren Folgen überschneiden und die deutsche Politik dafür auch Verantwortung zu tragen hat, ist schon unglaublich borniert.

Ist der Mann vielleicht nur besonders listig? Oder doch eher eine Last? Egal wie – von unbequemen Wahrheiten kann in diesem Buch jedenfalls nicht die Rede sein. Es sind vielmehr eigene Wahrheiten.

Fazit: Nur zu empfehlen für Sarrazin-Jünger.

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5 vor 10: Wirtschaftsministerium, Notenbanken, Robert Shiller, Banking, Brexit http://www.insm-oekonomenblog.de/14787-5-vor-10-wirtschaftsministerium-notenbanken-robert-shiller-banking-brexit/ http://www.insm-oekonomenblog.de/14787-5-vor-10-wirtschaftsministerium-notenbanken-robert-shiller-banking-brexit/#respond Thu, 22 Sep 2016 07:53:45 +0000 http://www.insm-oekonomenblog.de/?p=14787 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Im Wirtschaftsministerium wird offenbar gemauschelt, in den Notenbanken experimentiert und der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller warnt vor alltäglicher Abzocke. Außerdem: Mobile Banking könnte ein Quantensprung für Entwicklungsländer sein und der Brexit ist bisher überraschend harmlos.


1. Mauschelei in Sigmar Gabriels Ministerium
(faz.net, Patrick Bernau, Manfred Schäfers)
Bei der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute kamen plötzlich nicht nur nur vier, sondern fünf Think Tanks zum Zuge. Kurzfristig nachgerutscht ist nach FAZ-Recherche das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). “Nun ist das DIW nicht irgendein Institut. Sein Präsident Marcel Fratzscher gilt als Gabriels heimlicher Hausökonom”, merkt die Zeitung an.

2. Von der Angst getrieben
(handelsblatt.com, Frank Wiebe)
Die japanische Notenbank probiert wieder ein neues geldpolitisches Instrument aus, während in den USA über negative Zinsen und neue Entscheidungskriterien für die Geldpolitik diskutiert wird – angesichts von Rezessions- und Deflationsängsten greifen die Währungshüter zu immer gewagteren Mitteln. Das ist nicht ungefährlich: “Heute, wo Notenbanken die Bürger mit Niedrig- oder sogar Minuszinsen traktieren und mit gigantischen Summen am Kapitalmarkt jonglieren, besteht die Gefahr, dass sie sich immer mehr der Bevölkerung entfremden”, schreibt Frank Wiebe.

3. “Viele Firmen kalkulieren damit, dass ein Teil der Bürger dumm handelt”
(wiwo.de, Tim Rahmann)
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller glaubt an den Markt. Aber er sieht in ihm auch Schwächen: Firmen, welche im Umgang mit dem Kunden nicht ganz ehrlich sind, haben einen Wettbewerbsvorteil, glaubt er. Die Lösung sieht er nicht nur in Regulierung, sondern vor allem in Aufklärung: durch Medien, Nichtregierungsorganisationen, Behörden und Politik.

4. Was mobiles Banking für Entwicklungsländer bedeuten könnte
(qz.com, Eshe Nelson, englisch)
Noch immer haben rund die Hälfte der Erwachsenen in Schwellen- und Entwicklungsländern kein Konto. Viele müssen außerdem lange Reisen auf sich nehmen, weil sie keine Filiale in der Nähe haben. Mobile Banking könnte ein Quantensprung für diese Länder sein. Einer neuen McKinsey-Studie zufolge könnten die Staaten bis 2025 um 3,7 Billionen US-Dollar reicher sein, wenn ihre Bürger Zugang zu Finanzdienstleistungen über Mobiltelefone hätten.

5. Britische Wirtschaft verträgt Brexit besser als erwartet
(theguardian.com, Katie Allen, englisch)
Die Brexit-Prognosen waren düster. Eine Analyse des Guardian zeigt jetzt: Die Britische Wirtschaft schlägt sich deutlich besser als erwartet. Die Konsumenten geben weiterhin viel aus, die Arbeitslosigkeit bleibt gering und der Immobilienmarkt stabil. Dennoch könnten viele Schwierigkeiten erst noch auftauchen. Ein Risiko bleibt das schwache Pfund, das Importe massiv verteuert.

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