EZB: Unabhängigkeit in Gefahr
Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Geldstabilität zu wahren. So steht es im Gründungsvertrag der Europäischen Gemeinschaft. Nie wieder Inflation hat man sich nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank auf die Fahnen geschrieben. Anders als bei der amerikanischen Schwester, der FED, stehen politische Ziele – wie ein hohes Beschäftigungsniveau – nicht ganz oben auf der Agenda der EZB. Aus gutem Grund: denn niedrige Inflation und hohe Beschäftigung provozieren einen Interessenskonflikt.
Aber die Griechenland-Krise zeigt: Wenn es ernst wird, verfolgt die EZB lieber politische Ziele. Der EZB-Präsident Trichet will Griechenland retten. Er will die Wirtschaft ankurbeln und beugt sich damit dem Druck der Politik. Hochriskante griechische Staatsanleihen werden weiterhin als Sicherheit akzeptiert. Und künstliche Geldspritzen des IWF – vor kurzem noch undenkbar – werden als Segen betrachtet. Die dadurch entstehenden Inflationsgefahren werden heruntergespielt und in Kauf genommen. Die politische Unabhängigkeit der EZB ist in Gefahr – und der Euro droht weiter aufzuweichen.
Weitere Informationen zur drohenden Staatspleite Griechenlands finden Sie hier
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Das primäre Ziel der EZB wird derzeit in der Tat in den Hintergrund gerückt. Allerdings muss man sich fragen, welche langfristigen Auswirkungen es hätte, wenn man Griechenland in der aktuellen Lage nicht unter die Arme greifen würde.
Und man muss sich Fragen, welche Zweitrundeneffekte von einer Hilfe für Griechenland ausgehen. Die Entwicklung der EWU zu einer faktischen Haftungsgemeinschaft – die bisher zudem quasi unkündbar ist, weil es weder Ausstiegsrechte noch Ausschlussklauseln gibt – entstehen jedenfalls ungewollte Anreizstrukturen, welche die Stabilität der Euro-Zone unterminieren, anstatt sie zu festigen.
@ student
Wo wir schon bei falschen Anreizen sind:
Welches Signal haben denn die Maastrichtkriterien für die Anleger gegeben ?
Ganz einfach: Man hat die griechischen und deutschen Schulden de facto als qualitativ gleich betrachtet. Die Nominalzinsen der griechischen und deutschen Anleihen waren zwischen ’01 und ’09 am kurzen Ende gleich (!!!), am langen Ende mussten die Griechen gerademal 0,5% drauflegen. Notabene: bei stark unterschiedlichen Inflations- und Wachstumsraten.
hinzu kommt, dass der IWF die Stütze mit Kunstgeld, nämlich mit Sonderziehungsrechten finanziert. Dies kann nur in Inflation enden. Ein weiterer Schritt in Richtung Zusammenbruch der Währung
Inflationsgefahren bei 0.4%? Auch einfach mal in die USA schauen, dort wurden Milliardenprogramme für die Konjunktur angesetzt und dort herrscht ein Inflationsminus. Die Geldmenge ist nur einer von vielen Faktoren für die Inflation.
Ein Teil der Finankrise entstand auch dadurch, dass die ganze Welt die Meinung von drei Ratingagenturen als vollkommen unfehlbar ansah. Es gab aus dem Hause EZB auch schon Äußerungen, dass es sinnvoll wäre, die Allmacht der Ratingagenturen zu brechen. Wie könnte man sowas eindrucksvoller demonstrieren, als mit einer eigenen Meinung zur Zahlungsfähigkeit Griechenlands ?
Zudem wird die Hilfe von den Staaten und nicht von der Zentralbank geleistet. Solange sich die Zentralbank neutral verhält, kann aus Staatsverschuldung eigentlich keine Inflation entstehen.
@ bommel
Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Mein Kommentar sollte auch nicht sagen “Vorher war alles prima und jetzt kommen die bösen Hilfen für Griechenland”. Aber unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen der EWU bringt der quasi-bail-out Griechenlands doch den eh nicht optimalen Maastricht-Vertrag noch mehr ins schlingern. Und man darf sich da schon fragen, ob den alle Verantwortlichen ihre Entscheidung bis zum Ende durchdacht haben oder ob sie einfach nur die Diskussion um und die Konsequenzen einer strukturellen Anpassungen der EWU vermeiden wollten. Meine Meinung…
@ student @ bommel
m.E. nach wusste Merkel u. Co bereits in der ersten Verhandlungsrunde, in der noch ausgeschlossen wurde, dass Griechenland EU Hilfen erhält bereits ganz genau was kommt. Nur den Wählern das zu erklären fällt leichter, wenn die Betroffenen mit dem Rücken an der Wand stehen.
meine kleine Empfehlung: ein Blick in die deutschspachige Zeitung Griechlands von dieser Woche, Seite 2 : http://www.griechenland.net
….der griechische Kommentator ist der festen Meinung – schon mittelfristig ist der Staatsbankrott Griechenlands wg. der Unwilligkeit der die griechische Regierung bestimmenden Interessengruppen der griechischen Staatsbeschäftigten, die j e d e n “spürbaren und damit wirksamen ” Eingriff in ihre parasitären Bezahlungsstrukturen ( mit 50 in Pension, Pension von > 100 % des letzten Salärs , volles Streikrecht, prakt. keine Verfolgung der Korruption … ) – wie all die Jahre zuvor – sicher verhindern werden,
nicht zu verhindern.
Und dann ? … ist die europäische Knete weg: da freut sich SOROS,
denn der Hebel sind sooo viele: Portugal, Spanien ( da wird es ernst ) … … am Schluss die BRD als EU Supergläubiger und damit den Euro als Währung.
Ich jedenfalls habe heute meine spekulativen griechischen Staatsanleihen verkauft, denn gg. SOROS und Koll. hat die EU nichts gegenzusetzen ..
jetzt stellt sich nur noch die Frage für mich: was mache ich mit den Euro ?
Griechenland ist jetzt pleite. Deutschland wird wieder einmal mehr der Zahlmeister Europas. Jetzt fließen die Milliarden in ein Fass ohne Boden. Italien, Portugal und Spanien freuen sich. Budgetdisziplin adé