Tag Archives: Ökonomen-Bücher

Deutschland ist in Europa zu mächtig, um nicht zu führen, und zugleich zu schwach, um Europa zu reformieren. Und wenn es nicht aufpasst, verabschiedet es sich langsam auch aus seiner West-Anbindung – der Autor Hans Kundnani  zeichnet ein pointiertes Psychogramm der deutschen Befindlichkeit – ein strenges, starkes, sensibles und auch verzagtes Land. Nur wenn es um seine ökonomischen Interessen geht, ist Deutschland in Europa die unangefochtene „geoökonomische“ Nummer Eins.

Hans Kundnani: German Power – Das Paradox der deutschen Stärke,  C.H. Beck, München 2016

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Der real existierende Kapitalismus taugt nichts. Sahra Wagenknecht fordert eine neue Wirtschaftsordnung, in der Eigentum nur noch durch eigene Arbeit und nicht beispielsweise durch Erbe oder Investment-Abzocke entstehen kann. Ein staatlicher Wagniskapitalfonds soll den Zugang zu unternehmerischem Kapital für alle öffnen. Das Ziel ihres Wirtschaftsmodell: eine gerechtere soziale Marktwirtschaft – freilich schön links eingefärbt.

Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier – wie wir uns vor dem Kapitalismus retten; Campus-Verlag, München 2016

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Buchkritik: John Lanchester: Die Sprache des Geldes – und warum wir sie nicht verstehen (sollen), Klett-Cotta, Stuttgart 2015

Das wichtigste Werkzeug der Ökonomie ist die Sprache – die Insider-Sprache. Doch leider versteht sie nicht jeder. Auch dem britischen Bestsellerautor und Wirtschaftsjournalisten John Lanchester erging es so – bis er die Nase voll von all dem Fachchinesisch und der Geheimniskrämerei der Finanzexperten hatte. Er begann die Sprache des Geldes zu lernen – und damit auch ein Gespür zu entwickeln für die wirkliche Bedeutung vieler Aussagen, aber auch für die Schurkereien auf den Finanzmärkten. Sein nun erschienenes „Geldlexikon“ ist eine Bereicherung für jeden.

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Die grüne Ökonomie ist zu einem Streitthema geworden. Nicht erst seitdem Autokonzerne mit ihrer CO2-Vermeidungssoftware zum Himmel stinken stehen die Mainstream-Konzepte einer nachhaltigen Wirtschaft in der Kritik. Überhaupt ist eine Antwort auf die Frage, wie die grüne Transformation gelingen soll, noch lange nicht gefunden. Klar scheint nur: Umweltschutz mit Wachstum zu versöhnen, bleibt ein schönes Märchen.

Thomas Fatheuer, Lili Fuhr, Barbara Unmüßig: Kritik der grünen Ökonomie, oekom Verlag, München 2015

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Die Angst geht um – Angst vor Überfremdung, Angst vor finanzieller Überforderung, Angst vor islamischem Fundamentalismus, Angst vor Terror und auch Angst vor russischem oder chinesischem Kapital. Doch wer Angst hat, sollte sich zunächst einmal auf seine eigenen Stärken besinnen. Larry Siedentops neues Buch ist darauf eine Antwort: Wer sind wir Europäer, welche Werte machen uns aus und wohin geht unsere Reise. Als wichtigsten Bezugspunkt unserer kulturellen Kraft und gesellschaftlichen Stärke nennt er eine Größe, die für viele im Wettbewerb der Weltanschauungen keine allzu bedeutende Rolle mehr zu spielen scheint: das Christentum.

Larry Siedentop: Die Erfindung des Individuums. Der Liberalismus und die westliche Welt. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2015.

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Dass der Westen mit seinem Lebensmodell in der Krise steckt, ist schon länger ausgemachte Sache. Da helfen weder ein paar politische Schönheitsoperationen noch großzügig verordnete Finanzspritzen – der Westen muss sich endlich neu erfinden, fordert jetzt auch Udo di Fabio. Ökonomische, wissenschaftliche, technische und militärische Kraft kann sich auf Dauer nur entfalten, wenn sie auf gemeinsamen sittlichen und ideellen Werten beruht. Daran mangelt es dem Westen inzwischen jedoch erheblich.

Udo di Fabio: Schwankender Westen – wie sich ein Gesellschaftsmodell neu erfinden muss, C.H. Beck, München 2015

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Ein Historiker will uns die aktuelle Politik, die Verwirrung der Finanzmärkte und den gesellschaftlichen Wandel erklären. Das klingt nach wissenschaftlicher Vorlesung, getränkt in Formaldehyd. Doch Rödder ist anders. Wer sein neues Buch liest, erhält eine Turbokurs durch die Gegenwart, facettenreich und leichtfüßig erzählt. Und nach der Lektüre ist jedem gewiss, dass unsere Zeit kaum aufregender sein könnte.

Andreas Rödder: 21.0 – eine kurze Geschichte der Gegenwart, C.H. Beck, München 2015

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Wer erbt, hat es nicht verdient; oder er hat Schwein gehabt; oder wird bald zu einem Schwein, denn Geld versaut – solche und ähnliche Anfeindungen gegen Erben gehen Gerd Maas gehörig auf die Nerven. In seinem neuen Buch beschäftigt er sich ausführlich mit Fragen, warum Erben gerade nicht ungerecht ist. Sein Werk ist ein kräftiger Schuss gegen alle, die auf Teufel komm raus staatliche Umverteilung wollen.

Gerd Maas: Warum Erben gerecht ist – Schluss mit der Neiddebatte, Finanzbuchverlag, München 2015

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Lange galt der US-Vermögensverwalter Blackrock in der Finanzbranche als Vorbild. Doch nun hagelt es Kritik. Der US-Investor Carl Icahn bezeichnet die Firma als „extrem gefährlich“. Da kommt Heike Buchters Buch gerade richtig. Sie schaut hinter die Kulissen dieser „unheimlichen Weltmacht, die nach unserem Geld greift“. Und findet so einige Ungereimtheiten.

Heike Buchter: Black Rock – eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld, Campus-Verlag 2015, Frankfurt Main 2015

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Die Welt braucht eine wirkungsvolle Neuausrichtung der Finanzsysteme. Davon sind die Autoren überzeugt. Die Mittel dazu: Empathie, Mitgefühl, Altruismus. Was wie ein frommer Wunsch klingt, ist ernst gemeint: Uneigennützigkeit stimuliert nicht nur die Seele, sondern auch unser wirtschaftliches Handeln.

Tania Singer, Matthieu Ricard: Mitgefühl in der Wirtschaft – ein bahnbrechender Forschungsbericht, Knaus-Verlag, München 2015

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Mit dem Klimawandel ist es wie mit der Vormacht von Bayern München in der Fußball-Bundesliga: Denjenigen, die beides nicht wahrhaben wollen, gehen immer mehr die Argumente aus. Umso wichtiger sind die UN-Klimakonferenzen. Dass die dort teilnehmenden Klimadiplomaten allerdings ständig nur heiße Luft erzeugen, ist nicht richtig. Da ist sich Nick Reimer sicher. Allerdings bezweifelt er die Ernsthaftigkeit der Politik und fordert, dass Bürgerbewegungen weltweit den Klimawandel zu ihrem Thema machen.

Nick Reimer: Schlusskonferenz –Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie, Oekom-Verlag, München 2015

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Europa ist mehr als ein Verwaltungsakt, mehr als Brüssel, mehr als die Idee des Euros. Nur kaum einer nimmt das noch so wahr. Dass Europas Chance in seinem kulturellen Erbe liegt, kann auch kaum noch einer mehr hören – zu stark lastet die Schuldenkrise auf den Schultern aller. Aber was macht dann den alten Kontinent aus? Experten aus ganz Europa geben Antwort. weiterlesen

Der Journalist Joris Luyendijk nimmt den Londoner Finanzdistrikt aufs Korn. In zahllosen Interviews mit Investmentbankern, Managern, Headhuntern und Programmierern versucht er zu ergründen, was wirklich zum großen Finanzcrash 2008 geführt hat. Sein Fazit: Weniger der Mensch und seine reine Gier sind schuld, sondern ein auf Profit orientiertes Finanzsystem, in dem nichts anderes herrschen als Druck, Angst, kurzfristiges Denken und Geltungsdrang. weiterlesen