Kernkraft macht schlau
Deutschland steht vor einem Energiedilemma. Auf der einen Seite ist die Akzeptanz für eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken in der Bevölkerung gering. Andererseits strebt die Bundesregierung aufgrund des Klimawandels eine Reduktion der deutschen CO2-Emmissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 an. Nun liegt aber der Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung derzeit bei rund 23 Prozent. Es ist mehr als fraglich, ob der Anteil aus Atomstrom überhaupt so schnell durch regenerative Energien kompensiert werden kann. Ganz zu schweigen von dem daraus resultierenden Anstieg des Strompreises – für Wirtschaft und Privathaushalte. Somit ist das Thema noch lange nicht vom Tisch.
Ehrlicherweise muss aber erwähnt werden, dass von einer Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke insbesondere die Betreiber profitieren würden. Schließlich sind die Investitionskosten längst amortisiert und auch unter Berücksichtigung der notwendigen Instandhaltungskosten dürften sich die Gewinne im Falle einer vollen Ausschöpfung der technischen Lebensdauer der AKWs auf zwei- oder gar dreistellige Milliardenbeträge summieren. Wie wäre es, wenn die Bevölkerung großzügig an diesem Zusatzgewinn partizipieren würde? Würde dies nicht ihre Akzeptanz zu einer Verlängerung der Laufzeit erhöhen? Ein möglicher Weg: Die Bundesregierung würde Lizenzen zum Weiterbetrieb von Atomkraftwerken versteigern. Mit den zusätzlichen Einnahmen könnte sie dann endlich ihr Versprechen einlösen, die Investitionen in Bildung, Forschung und Innovationen zu erhöhen.
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Gelesen und gelacht ! Gute Realsatire !
Gute Idee. Erst unter Berücksichtigung der der technischen Gegebenheiten die maximal vertretbare Laufzeit der einzelnen Reaktoren bestimmen, anschließend die kummulierte Gesamtlaufzeit versteigern. Die Betreiber müssen das ersteigerte Laufzeitkontingent anschließend auf ihre Kraftwerke verteilen und dabei die maximal zulässige Laufzeitverlängerung für jeden einzelnen Meiler beachten.
Das Problem: Wie will der Staat Kartellabsprachen zwischen den wenigen deutschen Atomkraftswerksbetreibern verhindern? Denn wenn vorher schon Absprachen über den Wert eines Laufzeitjahres getroffen werden, werden wir alle schön über den Tisch gezogen…
@ Prof. Dr. Haucap: Haben Sie eventuell eine praktikable Lösung für das Problem?
@Volkswirt: In der Tat besteht eine Gefahr darin, dass es bei einer Auktion mit nur vier Teilnehmern zu mehr oder minder expliziten ode impliziten Absprachen kommt. Das Auktionsdesign ist daher entscheidend. Eine Möglichkeit wäre von vornherein festzulegen, dass nur 3 der 4 Anbieter zum Zuge kommen – nämlich die drei, die insgesamt am meisten bieten für die zu ersteigernde Atomstrommenge. Da vermutlich keiner hinten runter fallen will, würde dies den Wettbewerb in der Auktion erhöhen. Möglich wäre auch Bieter wie Gazprom oder Greenpeace oder Solar XY zuzulassen, die selbst keine Kernkraftwerke betreiben, aber – aus ganz verschiedenen Motiven heraus – ein Interesse daran haben, dass kein Atomstrom bei uns produziert wird. Die könnten dann Lizenzen kaufen, gerade damit diese dann nicht von Anderen genutzt werden.
Wenn ich sie richtig verstehe sollen die Umweltorganisationen für den Ausstieg mitbieten? Das werden sie bestimmt tun, denn hinterher verdienen sie keinen Cent mit den Linzensen. Das Hauptproblem der Atomkraft liegt in der Lagerung des Mülls. Wenn dies nicht geklärt ist und das ist es immer noch nicht, bürden wir der nachfolgenden Generation mehr als Geldprobleme auf. Auch ist das Diagramm nur bedingt richtig. Es zeigt die Stromerzeugung. Das wird Stromexporteur sind wird dabei verschwiegen. Auch sehe ich das technologische Problem nicht. Bis 2020 müssen die Meiler runtergefahren werden. Wenn das alle wissen tut sich doch ein Wettbewerb für die Entwicklung neuer Technologien auf. Schließlich winkt ein großer neuer Markt. Atomkraft ist nicht notwendig, auch nicht aus wirtschaftspolitischer Sicht.
“Würde dies nicht ihre Akzeptanz zu einer Verlängerung der Laufzeit erhöhen? ”
Neben ungelöster Endlagerfrage, mangelnden Uranressourcen, teurem und umweltbelastenden Abbau von Uran, sowie der bei anderen Energieträgern auszuschließenden Möglichkeit eines ganz Deutschland verseuchenden Super-GAUs lassen sich die Deutschen auch so nicht für dumm verkaufen, Herr Lobbyist! Die Lösung ist nur die vollständige Internalisierung externer Kosten, z.B. auch die vollständige Finanzierung der Herstellung eines Endlagers.
Progressiv auf die 1998 vereinbarten Reststrommengen. Wenn man heute damit anfängt, wäre der Aufschlag für die letzte Kilowattstunde sicher allein über 30 Cent. Atomstrom wäre auch teurer, wenn die Versicherungssummen für Kernkraftunfälle nicht so lächerlich klein wären.