„Regulierungsillusion“ gegen die Krise?
Was lernen wir aus der Finanzkrise? Fehlt es dem internationalen Finanzmarkt an strikten Regeln? Ist das Modell der Sozialen Marktwirtschaft am Ende? Oder haben nicht sogar staatliche Entscheidungen erheblichen Anteil an den gegenwärtigen Verwerfungen? Thomas Straubhaar meint zum Beispiel: „Wer glaubt, der Staat brauche nur genügend Kompetenzen, dann ließen sich Krisen verhindern, unterliegt einer Regulierungsillusion.“
Was sind die Gründe und Ursachen der Finanzkrise?
„Die Finanzkrise ist klar durch Anreizstrukturen und falsche Regeln entstanden. (…) Diese Krise ist durch Aktionäre verursacht, die Manager wollten, die sich für sie am Glücksspiel beteiligten. Viele Jahre flossen enorme Gewinne, die ausgeschüttet wurden. Das Problem ist, dass der Gesetzgeber zugelassen hat, dass die Gelder aus den Unternehmen herausgeholt wurden, in dem er zu geringe Eigenkapitalanforderungen für das Geschäft gesetzt hat.“
sagt Prof. Dr. Hans Werner Sinn in einem Interview mit „Die Welt“ am 18. Oktober 2008.
„Es gibt keine Industrie, die nicht im Laufe von Jahrzehnten in elementare Schwierigkeiten geraten wäre, und die Finanzindustrie ist keine Ausnahme. (…) Märkte sind nie perfekt, Aufstieg und Fall vorprogrammiert, genau so wie bei Politikern und staatlichen Ordnungen. Für alle gibt es einen Zyklus.“
schreibt Erwin Grandinger in einer Kolumne in „Die Welt“ am 25. Oktober 2008.
Ist die Marktwirtschaft an allem Schuld?
„Staat und Markt sind nicht die unversöhnlichen Gegensätze, zu denen sie vorschnell gemacht werden, gerade auch in der Suche nach Schuldigen der Finanzmarktkrise. Im Gegenteil: Ein freier Markt bedarf eines starken Staates. Er muss durch eine regulierende Rahmengesetzgebung mit Aufsicht und Sanktion die Tätigkeiten privater Marktakteure überwachen und kontrollieren. Das gilt selbstredend auch für die Finanzmärkte.“
schreibt Prof. Dr. Thomas Straubhaar in einem Essay in „Die Welt“ am 18. Oktober 2008.
„Marktwirtschaft ist keine Anarchie. Sie ist vielmehr ein System, das strikte Spielregeln braucht, die von einem Schiedsrichter kontrolliert werden. Der Schiedsrichter passt nur auf, dass die Spielregeln eingehalten werden, spielt aber nicht selbst mit und ordnet auch keine Spielzüge an.“
sagt Prof. Dr. Hans Werner Sinn in einem Interview mit „Die Welt“ am 18. Oktober 2008.
Brauchen wir jetzt mehr staatliche Regulierung?
„Wer glaubt, der Staat brauche nur genügend Kompetenzen, dann ließen sich Krisen verhindern, unterliegt einer Regulierungsillusion. Krisen hat es immer gegeben, und es wird sie immer geben. Sie sind untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden. Krisen lassen sich nicht verhindern – nicht durch Gesetze und auch nicht durch die Politik. Krisen gehören zu Märkten. Sie sind Bausteine auf dem Weg des Fortschritts von guten und besseren Lösungen. Sie helfen, aus Fehlern zu lernen und klüger zu handeln.“
schreibt Prof. Dr. Thomas Straubhaar in einem Essay in „Die Welt“ am 18. Oktober 2008.
„Am besten sind einfache Regulierungen, die Innovationen offen halten, keine Überregulierung. (…) Wir haben jetzt die Chancen, den Rechnungslegungsvorschriften der Amerikaner etwas entgegenzusetzen. Auch mit unserem dreisäuligen Bankensystem sind wir gut gefahren.“
sagt Prof. Dr. Karl Homann in der „FTD“ am 14. Oktober 2008.
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