Reform ohne Entlastung
Globalisierung heißt auch: harter internationaler Wettbewerb um die attraktivsten Rahmenbedingungen. Nicht zuletzt die steuerliche Belastung für Unternehmen entscheidet darüber, an welchen Standorten sie sich ansiedeln. Mit einer Steuerbelastung bei Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften und GmbHs) von 39,5 Prozent lag Deutschland 2008 an dritter Stelle der Höchststeuerländer. Und auch bei der steuerlichen Belastung für Personengesellschaften – zu ihnen zählen u. a. die offenen Handelsgesellschaften (oHG) sowie die Kommanditgesellschaften (KG) – konnte Deutschland keine bessere Platzierung aufweisen. Insoweit war Deutschland nicht gerade sehr attraktiv.
Im letzten Jahr kam dann die große Unternehmenssteuerreform – die Bilanz ist aber höchstens ambivalent. Die tarifliche Besteuerung von Kapitalgesellschaften ist von 39,5 Prozent auf unter 31 Prozent gesunken. Damit ist das vorgegeben Ziel der Finanzpolitiker von 30 Prozent knapp verfehlt worden. Jetzt müssen deutsche Kapitalgesellschaften „nur“ noch die sechshöchste Steuerbelastung schultern. Nicht besonders gut, aber auf dem richtigen Weg.
Weniger erfreulich ist die Entwicklung bei den Personengesellschaften. Auch hier sollte es zu einer steuerlichen Entlastung auf 30 Prozent kommen. In der Praxis kommt es bei der recht komplizierten „Thesaurierungsbegünstigung“ zu einer steuerlichen Belastung von 37,6 Prozent – inkl. Soli und Gewerbesteuer. Damit sind die Personenunternehmen – das Rückgrad unserer Wirtschaft – eindeutige Verlierer der Unternehmensreform von 2008. Keine gute Nachricht.
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Am 13. August 2009 um 09:33 Uhr
“Nicht zuletzt die steuerliche Belastung für Unternehmen entscheidet darüber, an welchen Standorten sie sich ansiedeln.”
Dann frage ich mich, warum der Osten Europas nicht blüht, oder Afrika. Faktisch keine Steuern, keine Sozialabgaben, etc.
Scheinbar sind mehr Dinge verantwortlich für eine Standortentscheidung. Wer die Steuern immer weiter senkt zerstört mittelfristig die Infrastruktur eines Landes. Wer soll denn ihrer Meinung nach die Bildung, die gesetzliche Überwachung, Straßen, etc. bezahlen? Firmen die dies in anspruch nehmen haben dafür zu zahlen. In Ländern in denen dieses Angebot gut ist eben mehr als in jenen wo es schlecht ist. Letztlich verkauft der deutsche Staat den Firmen diese Dienstleistungen. Wie man da jubeln kann, dass diese zwangläufig reduziert werden müssen verstehe ich nicht. Das ist sehr kurzfristig gedacht. Zwar wird immer von Bildung und Infrastrukurausbau geredet, aber wer soll das Finanzieren? Bevor auch wieder einmal die Löhne in den Blickpunkt kommen.
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/100473/09-33-1.pdf
Was man über die Wirtschaftsforscher in Köln sagen kann ist folgendes, sie haben gute vorhersagen. immerhin haben sie zu 50% eine Krise vorhergesehen 2008
“Auch für das Jahr 2009 wird von einer weiteren
Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft ausgegangen.”
http://www.iwkoeln.de/Portals/0/pdf/trends02_08_1.pdf
S.16
Am 13. August 2009 um 23:22 Uhr
“Reformieren” bis der Wirtschaftsniedergang uns scheidet! ;-)
Am 17. August 2009 um 17:50 Uhr
Auch hier wieder nur die halbe Wahrheit – wieso erwähnt der Autor nicht die TATSÄCHLICH gezahlten Steuerleistungen, sondern nur die, die auf dem Papier verlangt werden.
Ganz so, als würden große Konzerne die zahllosen Abschreibungsmöglichkeiten etc. gar nicht nutzen.