Wettbewerb macht mobil
Im Dezember des letzten Jahres war es die Kälte, die der Bahn zusetzte und für Zugausfälle sorgte. Ein gutes halbes Jahr später ist es die Hitze, die Klimaanlagen und Menschen in den Waggons kollabieren lässt. Man fragt sich zu Recht, ob der reibungslose Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn nur in einem bestimmten Temperaturfenster gewährleistet werden kann.
Die eigentliche Ursache für die Qualitätsprobleme der Bahn sind weder Kälte noch Hitze. Was der Bahn fehlt sind Anreize es besser zu machen. Denn trotz allem Ärger bleiben den Bahnkunden mangels Alternativen dem Unternehmen treu. Sie sind dem Monopolisten ausgeliefert und können nicht damit drohen, zur Konkurrenz zu wechseln. Der wichtigste Hebel zu mehr Wettbewerb liegt in der Trennung von Infrastruktur und Transport. Denn so lange die Bahn selbst bestimmen kann, wer zu welchen Konditionen die Infrastruktur nutzen darf, kann lästige Konkurrenz ferngehalten werden. Der Verlierer ist der Kunde. Er zahlt für Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit einen wahrscheinlich zu teuren Preis. Wettbewerb verleiht dem Kunden Macht und ist letztlich der beste Verbraucherschutz.
Hier finden Sie das Sondergutachten “Bahn 2009: Wettbewerb erfordert Weichenstellung” der Monopolkommission.
Tags: Märkte, Unternehmer, Wettbewerb


Am 15. Juli 2010 um 13:49 Uhr
“Wettbewerb verleiht dem Kunden Macht und ist letztlich der beste Verbraucherschutz.”
Wie man bei den Banken und Versicherern immer wieder praktisch zu sehen bekommt. Dort herrscht echter Wettbewerb und dennoch sind die Beratungen teilweise unterirdisch. Wechselt man die Bank, dann bekommt man eine ähnlich schlechte Beratung. Wettbewerb hat nichts mit Verbraucherschutz zu tun. Vor allem dann nicht, wenn die Chefs des Unternehmens nur in Quartalslängen denken. Denn dann ist es ihnen egal, ob ein Unternehmen mittelfristig daran zu Grunde geht.
Am 15. Juli 2010 um 15:25 Uhr
Man könnte auch die Bundeswehr privatisieren!
Nein, es muß nicht alles privatisiert sein, bei der Bahn gibt es auch gute Gründe, die dagegen sprechen. Es ist eine Infrastrukturmaßnahme. Es hängt davon ab ob man die Bahn der Profutmaximierung unterwerfen will oder Ziele verfolgt, bei denen eine Profitmaximierung kontraproduktiv wäre.
Wie man an den Banken gesehen hat ist grundsätzlich weder Staat noch privat generell pauschal besser. Aber dazu müßte man Dinge ideologiefrei betrachten können. Neuseeland hat übrigens die Bahn mit gigantischen Verlusten wieder reverstaatlicht mit weil sie erst privatisiert und so dann ruiniert wurde.
Am 16. Juli 2010 um 16:19 Uhr
Immer wieder erstaunlich, wieviele Professoren die INSM findet, die sich keiner noch so dümmlichen Aussage schämen. Die offenbar qualitativ eher minderwertigen Klimaanlagen werden also nicht etwa den – für den ach so dringend notwendigen Börsengang angeblich erforderlichen – Sparmaßnahmen, Kostendruck aufgrund steigendem Wettbewerb oder staatlichen Kürzungsmaßnahmen angelastet. Nein, es ist natürlich der fehlende Wettbewerb, der doch auch in anderen Ländern zu supertollen Ergebnissen nach der Bahnprivatsierung geführt hat.
Am 20. Juli 2010 um 23:17 Uhr
Irgendwie merkwürdig ist es doch, daß derartige Störungen nur bei der “Börsenbahn” vorkommen, aber bei der “Beamtenbahn” nicht vorkamen.
Auch sollte das gescheiterte Privatisierungsexperiment (inzwischen wiederrückgängig gemacht) der Bahn in GB zu denken geben.