Die moderne Gesellschaft mit marktwirtschaftlicher Ordnung ist ein Positivsummenspiel, was Eigennutzstreben rechtfertigt. Karl Homann, *19. April 1943, deutscher Ökonom

6 Soziales

Die Rente mit 63 ist absurd

Seit 1960 hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer verdoppelt.Obwohl die Lebenserwartung stetig steigt, können Menschen dank der Rente mit 63 abschlagsfrei früher in Rente. Das torpediert nicht nur die Nachhaltigkeit der Rentenkasse, sondern ist auch zutiefst unsozial.

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Die Bundesbürger leben immer länger und bekommen deshalb auch immer länger Rente. Dies verdeutlichen aktuelle Zahlen der deutschen Rentenversicherung. Seit 1960 hat sich die Rentenbezugsdauer in Deutschland etwa verdoppelt. Damit das Verhältnis von Rentenbezugszeit zu Beitragszeit heute jenem von früher entspräche, müssten wir eigentlich schon heute bis 69 arbeiten. Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 ist somit die logische Folge und trägt dazu bei, dass die Rentenbeiträge auch in Zukunft bezahlbar bleiben. Doch auf Dauer wird nicht einmal die Rente mit 67 reichen, um Rentenbeiträge und das Rentenniveau nachhaltig zu stabilisieren. Pro Generation, also alle 30 Jahre, steigt die Lebenserwartung um fünf Jahre. Entsprechend muss sich die Lebensarbeitszeit erhöhen. Perspektivisch muss die Politik sogar die Rente mit 70 ins Visier nehmen.

Es ist daher gerade zu absurd, dass die Große Koalition mit der Rente 63 das Reformrad wieder zurückdreht. Die Rente mit 63 ist zutiefst unsozial. Sie privilegiert die Privilegierten. Der typische Arbeitnehmer, der die Rente mit 63 beanspruchen kann, ist männlich, Facharbeiter und mit einer guten Betriebsrente ausgestattet. Diesen Rentnern gibt der Staat nun noch etwas oben drauf, was andere bezahlen müssen. Frauen hingegen kommen wegen der Kinder seltener auf die erforderlichen 45 Beitragsjahre, genauso wenig wie der vielzitierte Dachdecker, weil es beim konjunkturanfälligen Baugeschäft häufig Phasen von Arbeitslosigkeit gibt.

Die Zeche dafür zahlen einseitig die Jungen. Die Rente mit 63 kostet bis 2050 immerhin 61 Milliarden Euro. Die Mütterrente schlägt nochmal mit 115 Milliarden zu Buche. Gewinner des Rentenpakets sind die Jahrgänge, die vor 1964 geboren wurden. Die Jahrgänge ab 1965 werden dagegen belastet. Bis 2040 könnte der Rentenbeitrag nun sogar auf über 26 Prozent steigen. Da auch Betriebe und Unternehmen Rentenbeiträge zahlen, setzt die große Koalition mit dem Rentenpaket auch noch Arbeitsplätze aufs Spiel. Mit generationengerechter Politik hat dies alles rein gar nichts zu tun.

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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