Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. Ganz salopp gesagt: Wo ein Krankenhaus ist, liegt auch ein Kranker drin. Norbert Blüm, *1935, deutscher Politiker

15 Wachstum

Den Kleinen gehört die Zukunft

Groß sein wird in der Unternehmenswelt gern mit Erfolg gleichgesetzt. Doch je größer ein Unternehmen, umso größer die Führungsprobleme. Kleine, wendige Firmen haben es da leichter. Außerdem sind sie näher am Kunden. Mit innovativen Ideen gehört ihnen die Zukunft.

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Am besten ist die Gigantonomie auf See und in der Luft erkennbar. Die Fixkosten sollen auf möglichst viele Tonnen- oder Passagierkilometer verteilt werden, so lautet die Argumentation hinter dem Bestreben, immer mehr Menschen oder Güter mit immer größeren Schiffen oder Fliegern zu transportieren,. So kann man billiger als die Konkurrenz sein. Die Kleinen können da nicht mithalten und müssen aufgeben. Die Großen übernehmen ihre Marktanteile und wachsen, bis nur noch einige wenige Riesenkonzerne übrig bleiben.

Deren Gewinnentwicklung scheint keine Grenze nach oben zu kennen: Der addierte Umsatz der weltgrößten Börsenkonzerne hat sich zwischen 2003 und 2013 von 19 auf 38 Billionen Dollar nahezu verdoppelt, der Gewinn vervierfacht. Das macht diese Konzerne auch für Berufsanfänger attraktiv. Sie vermuten dort bessere Aufstiegs- und Verdienstchancen und andere attraktive Angebote, die ein Mittelständler nicht leisten kann.

Offenbar gibt es also viele gute Gründe für das Streben nach Größe. Doch eine genauere Analyse zeigt, dass eine Riesenfirma auch Riesenprobleme bei Organisation und Führung mit sich bringt. Die Finanzmarktkrise ist ein Beispiel dafür, denn sie war vor allem eine Großbankenkrise. Riesenschiffe sind ein weiteres: Sie lassen sich immer schwerer versichern, weil im Schadensfall auch die Entschädigungen unverhältnismäßig teuer sind. Passagierflugzeuge der Dimension eines A 380 können nur von den großen Drehscheibenflughäfen starten – was die Passagiere wiederum Anreise- und Wartezeiten kostet. Neben die ökonomischen Größenvorteile treten zunehmend Kosten der Größe.

Gute Chancen, dem Strukturwandel von morgen voraus zu sein, haben dagegen die Kleinen. Sie sind nah am Kunden, den Mitarbeitern und der Lebenswirklichkeit. Sie können ihr Angebot flexibel an die Nachfrage anpassen. Kleinen Firmen mit innovativen Ideen gehört die Zukunft. Die Politik ist deshalb gut beraten, sich vor allem um sie und weniger um die Großen zu kümmern.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung auf Welt.de

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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