Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Beteiligungen, Gold und Grundstücke dazu. Danny Kaye, 1913-1987, amerikanischer Filmschauspieler

4 Europa

Wohin führt die Geldschwemme?

Wie angekündigt schwemmt die EZB die Märkte mit Geld. Diese Maßnahme ist aus meiner Sicht nicht notwendig, aber sie muss nicht schädlich sein und bietet auch Chancen. Um diese zu nutzen, bedarf es weiterer Reformen und zwar nicht nur im Süden Europas sondern auch in Deutschland.

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Begründet wird die Geldschwemme mit der Deflationsgefahr, die sich aus den derzeit sehr geringen Inflationsraten im Euroraum ergibt. Ich halte diese Gefahr für ausgesprochen gering, da die niedrigen Inflationsraten zum Teil auf zurückgehende Energiepreise zurückzuführen sind und zum Teil aus erwünschten Preisrückgängen, die aus Anpassungsmaßnahmen in Südeuropa folgen. Insofern glaube ich nicht, dass die Maßnahmen notwendig war, dies bedeutet aber nicht, dass sie notwendig negative Konsequenzen hat.

Betrachten wir die Länder, die schon Erfahrungen mit der exzessiven Geldpolitik haben. Blickt man auf Japan, auf das bei Deflationsgefahren immer wieder verwiesen wird, so muss man deutlich feststellen, dass die ausgeprägte Geldschwemme dort nichts Positives bewirkt hat. Betrachtet man die USA, so ist es dort gelungen die Krise zu überwinden und wieder beachtliches Wachstum zu generieren. Was ist der Unterschied zwischen den USA und Japan? Ich glaube, der große Unterschied liegt in Wirtschaftsstrukturen und langfristigen Perspektiven. Die USA haben flexible Arbeitsmärkte: In der Krise hat es einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben, der zu erheblichen Lohnanpassungen geführt hat. Viele Unternehmen wurden geschlossen, andere konnten entstehen und die Beschäftigung wurde zwischen Unternehmen, Sektoren und Regionen verlagert. So etwas generiert langfristige Wachstumsperspektiven, die durch eine wachsende und jung-bleibende Bevölkerung verstärkt wird. Ganz anders in Japan: Dort altert die Bevölkerung, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und es fehlt an Dynamik.

Der Vergleich zwischen den USA und Japan macht auch deutlich, dass die Heterogenität des Wirtschaftsraums kein Problem für die Geldpolitik sein muss und Homogenität kein Garant für eine effektive Geldpolitik ist. In Japan ist der Wirtschaftsraum sehr homogen, wohingegen es in den USA im Jahr 2013 Staaten gab, deren Bruttoinlandsprodukt zurückgegangen ist während es in anderen Staaten mit fast 10 Prozent gewachsen ist.

Wird der Euroraum sich eher wie die USA und eher wie Japan entwickeln? Ich halte dies für eine offene Frage. Einerseits hat es im Euroraum erhebliche Reformen gegeben – in Deutschland in den Jahren vor der Krise, in anderen Länder in und nach der Krise. Positiv ist auch festzuhalten, dass die Mobilität der Arbeitskräfte in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Andererseits kommen insbesondere Frankreich und Italien mit ihren Reformen nicht richtig voran und in Deutschland werden diese zum Teil zurückgedreht. Dabei besteht auch in Deutschland kein Grund sich zurückzulehnen. Angesichts der niedrigen Zinsen, der niedrigen Ölpreise und des schwachen Euros sind Wachstumsperspektiven zwischen einem und zwei Prozent ausgesprochen mau. Um auch in Deutschland Wachstumsraten wie in den USA möglich zu machen, braucht es mehr Zuwanderung und höhere Erwerbsquoten. Insofern kommt es darauf an den Schub durch die Geldpolitik für weitere Reformen zu nutzen – dann kann er langfristig Wachstum generieren.

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Bräuninger

    ist als Professor an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und als freier Autor und Berater im Bereich Economic Trend Research tätig.

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