Ich habe hart für mein Geld gearbeitet, indem ich Sachen produziert habe, die die Leute brauchen. Ich glaube, dass der fähige Unternehmer, der Wohlstand und Arbeitsplätze schafft, mehr historische Bedeutung verdient als Politiker und Soldaten. John Paul Getty, 1892-1976, US-amerikanischer Industrieller

14 Ordnungspolitik

Warum die Energiewende nachhaltig auf dem Holzweg ist

Erneuerbare Energien verursachen rund 30 Prozent der Stromkosten bei Privatkunden in Deutschland. Ein Großteil davon entfällt auf die EEG-Umlage. Dazu kommen weitere Umlagen sowie der entsprechende Anteil der Mehrwertsteuer und ein Anteil am Netzentgelt, welches aufgrund der Volatilität von Wind- und Sonnenstrom steigt. Steuern und Abgaben sind mittlerweile für über 50 Prozent des Strompreises verantwortlich. Dieser Anteil steigt von Jahr zu Jahr. Und das alles bei einem Klimaeffekt von Null. 

(mehr …)

Allein die EEG-Umlage belastet die deutschen Verbraucher im laufenden Jahr mit 22 Milliarden Euro. Berücksichtigen wir die oben genannten Preisanteile, so betragen die jährlichen Kosten rund 30 Milliarden Euro – 30 Milliarden Euro, die den Verbrauchern, der Volkswirtschaft an anderer Stelle fehlen.

Dazu kommt, dass die Netzstabilität immer dann, wenn besonders viel Solar- oder Windstrom produziert wird, in Gefahr ist. Steht wenig erneuerbare Energie zur Verfügung, ist Deutschland zur Bedarfsdeckung jedoch massiv auf teure Stromimporte aus dem Ausland (oft aus Atomkraftwerken) angewiesen. Die Volatilität der erneuerbaren Stromerzeugung destabilisiert also nicht nur den Netzbetrieb, sondern kostet die Verbraucher auch noch Millionen.

Deutschland hat europaweit mit die höchsten Stromkosten. Dies hat negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Nebenbei sorgt das EEG für einen unerwünschten Umverteilungseffekt zwischen den Bundesländern und Eigenheimbesitzer mit Solarzellen auf dem Dach werden von den weniger Wohlhabenden quersubventioniert.

Die Klimawirkung des EEG ist bekanntermaßen gleich null. Für die volatile Stromerzeugung müssen genug Backupkapazitäten durch konventionelle Kraftwerke bereitgestellt werden. Durch die zunehmende Ungleichverteilung der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs müssen die Stromnetze erheblich ausgebaut und Stromtrassen quer durch das Land geschlagen werden. Die ehedem erfolgreichen Energiekonzerne wie RWE und Eon kämpfen mittlerweile um ihr Überleben und haben mit hohen Verlusten umzugehen.

Der Vorrang der erneuerbaren Energien hat zusätzlich den absurden Effekt, dass sich eigentlich dringend benötigte Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr rechnen und daher stillgelegt werden. Auch moderne Gaskraftwerke ereilt dieses Schicksal, da sie nicht mehr rentabel sind.

Keine Frage: Die Energiewende kann Vorteile haben, aber der eingeschlagene Weg bleibt ineffizient und schädlich. Die Politik sollte aus der vielfach geäußerten Kritik lernen und die Energiewende auf ein gesundes Fundament stellen.

Keinen Ökonomen-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter, abonnieren Sie unseren RSS-Feed oder unseren Newsletter.

  • Autor

    Dr. Markus A. Hessler

    studierte, lehrte und forschte in Bochum, Hagen und Hamburg. Er arbeitet aktuell als Strategieberater für Digitalisierung, Strategieentwicklung, Marketing-Management, Finance und Projektmanagement und lehrt in betriebs- und volkswirtschaftlichen Schwerpunkten an verschiedenen Hochschulen.

    Alle Beiträge