Für eine freie Marktwirtschaft - auch mit dem Adjektiv sozial davor - gehört es sich, einen liberalisierten Arbeitsmarkt zu haben. Hans-Olaf Henkel, *1940, ehem. BDI-Präsident

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Rettung geglückt? Das sagen die Experten zum Griechenland Gipfel

Am Montagmorgen einigten sich die 19 Euroländer in der Griechenland-Frage. Wie bewerten Ökonomen das Verhandlungsergebnis? Die ÖkonomenBlog-Redaktion hat einige Stimmen zusammengetragen.

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Der Freiburger Finanzwissenschaftler Lars Feld ist skeptisch: „Der Vertrauensverlust war so groß, dass wir jetzt abwarten müssen, was in Griechenland bis Mittwoch im Parlament beschlossen wird“ sagte Feld der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Optimistischer zeigt sich DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Er spricht von einem „guten Resultat für Europa und für Deutschland“. Es sei jedoch verfrüht, die Einigung als einen Erfolg anzusehen. „Es ist lediglich ein erster Schritt, die wirtschaftliche Abwärtsspirale Griechenlands aufzuhalten“, sagte Fratzscher.

Auch Prof. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt sich vorsichtig optimistisch. In einem Interview bei n-tv sagt er: „Griechenland hat eine große Chance.“ Er warnt und zeigt sich gleichzeitig optimistisch: “Die Griechen haben jetzt wieder ein Stück zur Vernunft zurückgefunden. Jetzt muss es gelingen – das wissen auch die Griechen.“

Der Vorsitzende  Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Prof. Christoph Schmidt warnt vor verfrühter Euphorie: „Die Wahrheit liegt aber auf dem Platz: Es muss sich erst erweisen, dass all die Sicherungsmechanismen auch funktionieren, die auf dem Papier stehen“, sagt Schmidt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Man darf durchaus skeptisch sein, ob die Regierung in Athen nun tatsächlich die Chance, das Land fit für die Zukunft zu machen, zu nutzen bereit ist“.

Der Chef des Münchener ifo-Instituts Prof. Hans-Werner Sinn fürchtet, dass Griechenland auch mit dem dritten Hilfspaket nicht wettbewerbsfähig wird. „Eine Gesundung Griechenlands ist nur mit einem Grexit möglich“, sagte Sinn in einem Interview.

Ebenfalls mit den Ergebnissen unzufrieden ist der Vorstand des Centrum für europäische Wirtschaftsforschung Lüder Gerken. Er rechnet nicht damit, dass die Griechenland-Frage jetzt gelöst ist. Es sei ungewiss, ob sich die griechische Regierung an die Vereinbarungen hält. „Die Erfahrungen mit dem ersten und dem zweiten Hilfsprogramm lassen daran zweifeln. Die Griechenland-Tragödie wird also noch weiter gehen“, so Gerken.