Was Wachstum schafft, darf sehr wohl mit Schulden finanziert werden. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

10 Soziales

Die fetten Jahre sind vorbei

Die gesetzliche Rentenversicherung schreibt nach jahrelangen Überschüssen wieder rote Zahlen. Und die Ausgaben werden noch weiter steigen.
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Bereits in diesem Jahr könnte die Rentenversicherung in die roten Zahlen rutschen.Das Rentenpaket war ein üppiges Wahlgeschenk der großen Koalition. Mit 9 Milliarden Mehrausgaben rechnet die Bundesregierung. Andere Berechnungen kommen auf deutlich höhere Kosten. Allein auf die gute Lage am Arbeitsmarkt und auf das üppige Finanzpolster ist es zurückzuführen, dass das Rentenpaket bisher nicht zu steigenden Rentenbeiträgen geführt hat.

In diesem Jahr dürfte die gesetzliche Rentenversicherung in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen trotz steigender Einnahmen ein Defizit von rund 2,4 Milliarden Euro aufweisen. Die kräftigen Lohnsteigerungen und die zunehmende Beschäftigung können die größere Zahl an Rentnern und die zusätzlichen Ausgaben für das Rentenpaket nicht ausgleichen. Während das Beitragsaufkommen um 5,5 Milliarden Euro steigt, nehmen die Ausgaben um 12 Milliarden Euro zu und erreichen damit rund 282 Milliarden Euro.

Im nächsten Jahr sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil: Mit fast vier Milliarden Euro dürfte das Defizit sogar noch größer ausfallen als im Jahr 2015.

Noch kann die Rentenversicherung auf üppige Rücklagen zurückgreifen. Ein höherer Beitragssatz ist nicht erforderlich. Doch damit wird bald Schluss sein. Schon heute steht fest, dass mit Renteneintritt der Babyboomer die Rentenausgaben stark steigen werden. Laut Planungen der Bundesregierung muss der Beitragssatz Anfang 2019 angehoben werden. Allerdings wird im Jahr 2017 ein neuer Bundestag gewählt werden. Es könnte sein, dass -wie oft vor Bundestagswahlen- Rentengeschenke verteilt werden. Dann wäre bald nach der Wahl mit einer Anhebung des Beitragssatzes zu rechnen.

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  • Autor

    Dr. Alfred Boss

    war langjähriger Wissenschaftler im Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind öffentliche Haushalte, Sozialversicherung, Steuerpolitik, Subventionswesen und Sozialpolitik.

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