Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut. Bertholt Brecht, 1898-1956, deutscher Dramatiker, Lyriker

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Renteneintritt muss zur Lebenserwartung passen

Der demographische Wandel stellt die Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Um das Rentensystem langfristig zu sichern, hilft nur der steigenden Lebenserwartung Rechnung zu tragen. (mehr …)

Die Zahlen sind alarmierend: In den sechziger Jahren kamen noch fünf Beschäftigte für einen Rentner auf, heute sind es nur noch drei. Schon bald werden zwei Arbeitnehmer einen Rentner versorgen müssen.

Mit Geschenken an die alternde und mächtig werdende Wählergruppe der Babyboomer, verschärft die Regierung das Problem noch. Mit ihrem Rentenpaket hat die Koalition die Lebensarbeitszeit verkürzt und die Leistung für Rentner erhöht. Die Last für jüngere Generationen wurde so noch einmal schwerer. Sie selbst müssen wohl mit einer Mini-Rente leben und selbst genügend vorsorgen. 2040 könnte die gesetzliche Rente nur noch 40 Prozent des dann aktuellen Durchschnittsgehalts betragen.

Gleichzeitig wird die private Vorsorge wegen niedriger Zinsen immer schwieriger. Hohe Renditen können nur bei hohem Risiko erzielt werden. Das gilt auch für Mischformen, wie einen vorgeschlagenen „Deutschlandfonds“. Allerdings wären die Verwaltungskosten eines solchen Fonds vermutlich noch höher als bei einer rein privaten Vorsorge durch Finanzprofis.

Doch es gibt Lösungen. Weil wir alle viel länger leben, sollten wir auch alle länger arbeiten. Man könnte also das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung eines Jahrgangs knüpfen. Vermutlich wird sich die Lebenserwartung auch in den kommenden Dekaden weiterhin jeweils um ein Jahr erhöhen. Wenn wir jetzt mit einem Eintrittsalter von 66 Jahren starten, wären wir in zehn Jahren bei etwa 67 Jahren. 2050 würden die Menschen dann bis etwa 70 arbeiten.

Dafür müssen wir allerdings genügend Bildungsangebote schaffen: Ein Dachdecker kann mit 45 keine Ziegel mehr schleppen. Aber er kann sich weiterqualifizieren und beispielsweise die Planung und die Logistik organisieren – oder den Roboter auf dem Dach steuern. Immer wieder neue Dinge auszuprobieren und ein Leben lang zu lernen passt auch in den Lebensentwurf der jungen Leute von heute. Und ist auch tatsächlich besser als schon mit 65 nur noch zu Hause zu sitzen – und auf seine Rente zu warten.

Was die Deutschen über die Zukunft der Rente denken. -> Zur großen Deutschland-Umfrage

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  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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