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Vom Luxusgut zum Flug für jedermann: Die Liberalisierung des Luftverkehrs

Der gewerbliche Luftverkehr – gemeint ist hier ausschließlich die Beförderung von Personen – war bis Ende der 1980er Jahre streng reglementiert. Die Folgen dieser nationalen Abschottungsstrategien waren ein geringes Angebot an Flügen und hohe Preise, so dass das Fliegen hauptsächlich der wohlhabenden Bevölkerung und Geschäftsreisenden vorbehalten war.

In der Europäischen Gemeinschaft waren die Fluggesellschaften lange vor ausländischer Konkurrenz geschützt. So war es zum Beispiel für eine deutsche Fluggesellschaft nicht möglich, Flüge innerhalb von Frankreich anzubieten, und die Flugverbindung zwischen London und Berlin durfte ausschließlich von britischen und deutschen Gesellschaften angeboten werden. Zudem gab es strenge Auflagen in der Preisgestaltung.

Die Folgen dieser nationalen Abschottungsstrategien waren ein geringes Angebot an Flügen und hohe Preise, so dass das Fliegen hauptsächlich der wohlhabenden Bevölkerung und Geschäftsreisenden vorbehalten war.

Beginn der Liberalisierung

Von 1987 an wurde der europäische Luftverkehrsmarkt in drei Schritten liberalisiert, der Prozess dauerte insgesamt zehn Jahre. Die schrittweise Öffnung des Marktes umfasste die Vereinheitlichung der Zulassungsbedingungen von Fluggesellschaften, die Aufhebung der Kapazitätsbeschränkungen und die freie Preisgestaltung. Seit der vollständigen Liberalisierung zum 1. April 1997 haben alle Airlines in der EU einen freien Zugang in den Mitgliedsländern.


Wenn von Liberalisierung die Rede ist, hagelt es in der öffentlichen Diskussion häufig Kritik. Am Beispiel der fünf Branchen Post, Telekommunikation, Luftverkehr, Fernbuslinienverkehr und Strom zeigen wir in einer Serie, dass die Öffnung dieser Märkte den Verbrauchern fast ausnahmslos große Vorteile gebracht hat. Die Serie basiert auf der Studie „Erfolge der Liberalisierung“ des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE).


Anfangs kam der – durch die Marktöffnung beabsichtigte – Wettbewerb nur schleppend in Gang. Hauptgrund dafür war die mangelnde Infrastruktur. So beharrten die alteingesessenen Fluggesellschaften auf ihren Start- und Landerechten zu den attraktiven Flugzeiten am Morgen und am Abend – auch wenn sie diese nicht nutzen – und hielten sich so die junge Konkurrenz vom Leib. Zudem wurde die Organisation von mehr An- und Abflügen durch ein ineffizientes Luftraumüberwachungssystem behindert.

Nach und nach traten jedoch viele neue Airlines in den Markt und schreckten die etablierten Gesellschaften auf. Das galt und gilt insbesondere für die sogenannten Billig-Airlines wie Easyjet oder Ryanair, die mit niedrigen Personal- und Verwaltungskosten, einem abgespeckten Bordservice und einfachen Tarifstrukturen immer mehr Kunden anlocken. Das wiederum hat dazu geführt, dass auch die großen Fluggesellschaften auf die Niedrigpreispolitik der Low-Cost-Carrier reagieren und versuchen, selbst entsprechende Angebote zu machen.

Die Vorteile der Liberalisierung für die Verbraucher

Auch wenn die Marktöffnung zunächst nur langsam vorankam: Letztlich brachte sie den Verbrauchern die typischen Vorteile, vor allem ein größeres Angebot und niedrigere Preise. So stieg die Zahl der Flüge innerhalb der EU von 1990 bis 2013 um 80 Prozent, die Zahl der Flugrouten sogar um fast 140 Prozent. Zur Preisentwicklung gibt es in Deutschland zwar kaum repräsentative Statistiken, einer Studie aus dem Jahr 2004 zufolge sollen die Preise infolge der Liberalisierung aber um rund 35 Prozent gesunken sein. Und jeder, der in den vergangenen Jahren einmal einen Flug gebucht hat, weiß: Flugreisen sind heute sogar oft günstiger als die Reise mit der Bahn oder dem Auto. Ein Ticket von Köln nach Berlin zum Beispiel ist mit etwas zeitlicher Flexibilität schon mal für weniger als 20 Euro zu haben, für denselben Preis gibt es mit etwas Glück aber auch einen Flug nach Mallorca.

Das Fliegen ist also durch die Liberalisierung vom Luxusgut zum Massenprodukt geworden. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2004 – wenige Jahre nach der Marktöffnung – zeigte zum Beispiel, dass damals 60 Prozent der Kunden von Billig-Airlines vorher noch nie geflogen waren.

Hier finden Sie alle Posts der Serie „Erfolge der Liberalisierung“.

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