Jede Ausgabe des Staates beruht auf einem Verzicht des Volkes. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

5 FinanzmarktSteuern und Finanzen

Eigenkapital fördern statt Kreditklemme beklagen

Anträge für KFW-KrediteWie kann in Deutschland eine Kreditklemme verhindert werden? ÖkonomenBlog-Autor Prof. van Suntum sieht in speziellen Konjunkturkrediten mit negativen Kreditzinsen eine mögliche Lösung. Für den Abgeordneten des Bundestags Frank Schäffler  ist dagegen die steuerliche Ungleichbehandlung von Fremd- und Eigenkapital ursächlich für die drohende Kreditklemme.

Derzeit wird viel über die Kreditversorgung der Wirtschaft diskutiert. Die „Kreditklemme“ sei das Hauptproblem, heißt es. Zur Lösung des Problems sollen die Notenbanken direkt Kredite vergeben oder die Banken sollen bei mangelndem Eigenkapital „zwangskapitalisiert“ werden. Auch die KFW als „Allzweckwaffe“ wird wieder ins Spiel gebracht. Die „totschlagende“ Hand des Staates ist allgegenwärtig.

Krisenursache ist die extensive Geldpolitik der Notenbanken. Dies hat eine Kredit- und Investitionsblase produziert, weil Kredite vergeben wurden, die nicht aus Erspartem, sondern aus purer Geldschöpfung bestanden haben. Ein auf Pump finanzierter Aufschwung war die Folge. Seit dem Jahr 2008 wird dieser künstliche Boom nun korrigiert. Die sich derzeit ankündigende Kreditklemme ist nur ein Bestandteil dieser Korrektur.

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Vergeben Banken Kredite an Unternehmen, prüfen sie das Eigenkapital sowie die laufenden Einnahmen und Ausgaben. Bricht der Zahlungsfluss ab, ist die Bank nach dem Kreditwesengesetz verpflichtet, mehr Sicherheiten, also Eigenkapital vom Kunden einzufordern. Geschieht dies nicht, muss die Bank entweder das Kreditvolumen reduzieren oder im schlimmsten Fall sogar den Kredit fällig stellen. Deshalb sind die Appelle von Steinbrück und Co. zur verstärkten Kreditvergabe durch die Banken ein Aufruf zum Rechtsbruch.

Wenn Umsätze um 40 Prozent und mehr einbrechen, sind vor allem Reserven wichtig. Wer in der aktuellen Krise darüber verfügt, ist gut dran. Dies gilt auch für die Banken, denn Krise der Banken ist eine Eigenkapitalkrise. Im Verhältnis zur Bilanzsumme gingen die privaten Geschäftsbanken mit einer Eigenkapitalquote von unter 2 Prozent im Jahr 2007 in die Krise, die gesamte Branche mit unter 5 Prozent. Künftige Kreditausfälle oder Wertberichtigungen auf das Vermögen lassen das Eigenkapital dann sehr schnell abschmelzen.

Elemente der Substanzbesteuerung sind pures Gift für die Unternehmen. Ob sie „Zinsschranke“ oder „Hinzurechnung bei der Gewerbesteuer“ heißen, am Ende zahlen Unternehmen auf Kosten Steuern und vermindern daher die ohnehin schwache Eigenkapitalbasis. Das Gegenteil ist notwendig.

Wer heute als Unternehmer eine neue Maschine kauft und diese Investition mit einem Bankkredit finanziert, kann die Schuldzinsen als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Finanziert er sie dagegen mit Eigenkapital, ist dies nicht möglich. Die Fremdfinanzierung ist daher bereits aus steuerlichen Gründen verlockender, wird aber in Krisenzeiten zum Damoklesschwert. Die Unternehmensbesteuerung in Deutschland ist nicht finanzierungsneutral. Ganz im Gegenteil, sie fördert die Fremdfinanzierung zu Lasten der Innenfinanzierung und schädigt daher den Substanzerhalt von Unternehmen und gefährdet Arbeitsplätze. Viel besser ist es, gerade die Selbstfinanzierungskräfte der Unternehmen zu stärken.

Eine steuerliche Gleichstellung von Kreditfinanzierung und der Finanzierung aus Eigenkapital nicht nur ein wichtiger Schritt für die Neutralität des Steuerrechts, sondern auch ein große Hilfe für die Wirtschaft in der aktuellen Situation.

Diese Gleichstellung kann durch den steuerlichen Abzug der Verzinsung des Eigenkapitals, wie sie der Heidelberger Steuerökonom Manfred Rose in seinem Konzept der „Einfachsteuer“ vorschlägt, erreicht werden. Dies würde direkt die Eigenkapitalbildung anregen und damit auch die Kreditfähigkeit der Unternehmen verbessern.

Der Zeitpunkt ist auch steuerpolitisch ideal: Der wirtschaftliche Einbruch wird das Aufkommen der Körperschaftsteuer und die veranlagte Einkommensteuer ohnehin einbrechen lassen. Gegenüber 2008 werden nach der aktuellen Steuerschätzung diese Steuern im Jahr 2010 um 40 Prozent auf rund 29 Milliarden Euro zurückgehen. Eine Reform der Unternehmensbesteuerung ist daher jetzt viel leichter möglich.


Zum Thema Kreditklemme veröffentlichte der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler einen Gastbeitrag in der FTD.

Zur Grafik: Um einem möglichen Kreditengpass vorzubeugen vergibt die Förderbank KFW Kredite im Rahmen eines Sonderprogramms. Die Zahl der Anträge ist im laufenden Jahr kontinuierlich angestiegen. 

  • Autor

    Frank Schäffler

    war bis 2013 Abgeordneter der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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