Ich glaube, dass die soziale Marktwirtschaft in jeder Generation mindestens ein Mal neu verteidigt werden muss. Peter Altmaier, Wirtschaftsminister

- Bildung

INSM-Bildungsmonitor 2018: Was jetzt getan werden muss!

Der INSM-Bildungsmonitor beschreibt seit dem Jahr 2004 Defizite und Fortschritte in zwölf relevanten Handlungsfeldern aus einer wirtschaftlichen Perspektive. Es steht folglich im Fokus, welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten. Der INSM-Bildungsmonitor 2018 zeigt, dass es im diesjährigen Bildungsmonitor erstmals eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr gibt, dass Herausforderungen für die Bildungspolitik zunehmen und erste Schritte der Politik zwar in die richtige Richtung weisen, aber nicht ausreichen.

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Wie viel Bildungspunkte hat Ihr Bundesland? Die Grafik zeigt das Ranking des INSM-Bildungsmonitors 2018. In die seit 2004 jährlich erstellte Studie (mit Klick auf die Grafik gelangen Sie zur Webseite) fließen 93 Indikatoren ein. Das reicht von der Zahl der Schulabbrecher pro Bundesland bis zur Zahl der frisch gekürten Doktoren, die von einer Universität kommen.

Die besten Ergebnisse im Durchschnitt der quantitativ bewerteten zwölf Handlungsfelder erreichen im Bildungsmonitor 2018 Sachsen, Thüringen und Bayern. Mit etwas Abstand folgen dahinter Baden-Württemberg, Hamburg und das Saarland. Das Mittelfeld reicht im Bildungsmonitor von Mecklenburg-Vorpommern auf Platz 7 bis Sachsen-Anhalt auf Platz 12. Diese Bundesländer liegen in der Punktbewertung sehr eng zusammen. Mit etwas Abstand folgen am Ende das Quartett um Berlin auf Platz 13, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen auf dem 16. Rang. Spitzenplätze in den einzelnen Handlungsfeldern werden von mehreren Bundesländern erreicht, wobei auch für die besten Länder im Bildungsmonitor einzelne Schwächen feststellbar sind. (Pressemeldung zum INSM-Bildungsmonitor 2018)

Betrachtet man die Entwicklung der Studien zum Bildungsmonitor seit dem ersten Monitor im Jahr 2004, so zeigt sich, dass die Dynamik im Bildungsmonitor in den letzten Jahren deutlich nachgelassen hat. Die Verbesserungen werden nur noch von wenigen Handlungsfeldern getragen. Im Durchschnitt haben sich die Bundesländer in den letzten fünf Untersuchungen (Bildungsmonitor 2014 bis Bildungsmonitor 2018) nur noch im Jahresdurchschnitt um 0,2 Punkte verbessert. In dem Zeitraum vor 2013 bis 2010 war der jährliche Fortschritt im Durchschnitt mit plus 2,6 Punkten beträchtlich, im Zeitraum davor sogar noch größer. Im Vergleich zum Vorjahr gab es beim Bildungsmonitor 2018 sogar erstmals in der Breite der Bundesländer deutliche Rückschritte. Vor allem in den Handlungsfeldern Schulqualität, Bildungsarmut und Integration gab es eine deutliche Zunahme der Handlungsnotwendigkeiten.

Die ökonomischen Herausforderungen für das Bildungssystem werden nicht kleiner, sondern vor dem Hintergrund von Flüchtlingsmigration/Integration, demografischem Wandel und Digitalisierung/Innovation eher größer. So ist der Anteil ausländischer Schulabsolventen ohne Abschluss an allen ausländischen Schulabsolventen von 10,7 Prozent im Jahr 2013 kontinuierlich auf 14,2 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Problematisch ist, dass der Anteil junger Erwachsener ohne abgeschlossene Berufsausbildung in den letzten Jahren wieder deutlich ansteigt. Eine weitere große Herausforderung besteht im Bereich Bildung und Digitalisierung. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland bei der Computernutzung an Schulen, bei den IT-Kompetenzen der Schüler und bei der Forschung im Bereich Digitalisierung Nachholbedarf hat. Innerhalb Deutschlands zeigt sich ein qualitativ differenziertes Bild mit Stärken in Bayern und Baden-Württemberg und Schwächen in Schleswig-Holstein und den neuen Ländern mit Ausnahme Thüringens.

Um die Bedingungen für Teilhabe und Wachstum zu verbessern, wurde im Bildungsmonitor 2017 eine Bildungsreformagenda entwickelt, die vor dem Hintergrund der Beschlüsse zum Koalitionsvertrag der Bundesregierung und landespolitischer Schwerpunkt der Bildungspolitik wie folgt zu bewerten ist:

Die Durchlässigkeit weiter erhöhen. Das Ziel wird in der Politik deutlich formuliert. Zentrale Aufgabe bleibt es, Fortschritte bei der Integration zu erzielen und die Bildungsarmut zu reduzieren.

Herausforderung der Flüchtlingsmigration meistern. Die Reformagenda des Bildungsmonitors schlug in den Bereichen Kita, Schule, Berufsvorbereitung und -ausbildung und Hochschule jährliche Mehrausgaben in Höhe von 3,5 Milliarden Euro vor. Bewertung: Eine stärkere Priorisierung dieser Integrationsaufgabe durch die Politik ist wünschenswert.

Kita – Qualität stärken und zusätzliche Plätze schaffen. Für zusätzliche Plätze und eine Stärkung der Qualität wurde in der Reformagenda des Bildungsmonitors 2017 ein jährlicher Bedarf von rund 5,0 Milliarden Euro ermittelt. Bewertung: Die zusätzlichen geplanten Mittel des Bundes im Koalitionsvertrag in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die gesamte Legislatur setzen einen richtigen Impuls, erreichen aber, ­ auch ergänzt um zusätzliche Landesmittel, ­ dieses Volumen deutlich nicht und können auch wahlweise zur Reduzierung der Kita-­Gebühren verwendet werden.

Schulfrieden schaffen. Kraft und Ressourcen im bildungspolitischen Diskurs sollten weg von einer Zeitdiskussion hin zu einer Qualitätsdiskussion gelenkt werden. Bewertung: In einzelnen Bundesländern werden viel Kraft und Ressourcen investiert, um von G8 zu G9 zurückzukehren. Eine stärkere Fokussierung der Mittel auf Qualitätsfragen wäre wünschenswert.

Qualität für Digitalisierung in Schulen sichern. Der Digitalpakt der Bundesregierung mit einem Gesamtbetrag von 5 Milliarden Euro, davon 3,5 Milliarden Euro in dieser Legislatur, ist ein guter erster Schritt. Bewertung: Entscheidend sind auch die IT-Infrastruktur und eine umfassende Lehreraus- und -fortbildung zum Einsatz digitaler Medien und Vermittlung digitaler Inhalte und Kompetenzen im Unterricht.

Qualitätswettbewerb der Schulen entfachen. Um eine hohe Schulqualität zu erreichen, sind durch Vergleichsarbeiten, Bildungsstandards und mehr Schulautonomie Impulse für einen Qualitätswettbewerb der Schulen zu setzen. Dazu ist die Versorgung mit gut qualifizierten Lehrkräften zu sichern. Jährlich sollten ferner rund 2,7 Milliarden Euro für zusätzliche Ganztagsschulen aufgewendet werden. Bewertung: Bei der Versorgung mit Lehrkräften gibt es erhebliche Probleme. Rahmenbedingungen zur Stärkung von Qualität durch Vergleichsarbeiten und daraus abgeleitete Maßnahmen wie in Hamburg sollten stärker in anderen Ländern implementiert werden. Hierbei sollten auch unterstützende Ressourcen stärker über einen Sozialindex differenziert den einzelnen Schulen zugeordnet werden. Der vom Bund geplante Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen ist ein erster wichtiger Schritt, jedoch reichen die geplanten Mittel des Bundes in Höhe von 2 Milliarden Euro in der kommenden Legislatur für die Umsetzung nicht aus und müssen durch Mittel der Länder und Kommunen deutlich erhöht werden.

Um das Bildungssystem weiterzuentwickeln, ist also keine pauschale Erhöhung, sondern eine gezielte Ausweitung der Bildungsausgaben nötig. Die Politik hat im letzten Jahr viele richtige Maßnahmen angestoßen, bei der Umsetzung bleiben erhebliche Probleme der Fachkräftesicherung und -entwicklung beim Personal an Bildungseinrichtungen zu lösen. Kompetenzen der Lehrkräfte im Umgang mit Diversität und Digitalisierung sind auszubauen und seitens der öffentlichen Hand die Bildungsausgaben zur Förderung vor allem von Kindern aus bildungsfernen Haushalten zu stärken.

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  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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