Verfüge nie über Geld, ehe du es hast. Thomas Jefferson, 1743-1826, US-amerikanischer Politiker

- Bildung

Ökonomische Bildung macht Bürger mündig: Warum wir das Schulfach Wirtschaft brauchen

Fundiertes ökonomisches Wissen lässt sich nur in einem eigenständigen Schulfach vermitteln, sind Thomas Köster und Justus Lenz überzeugt Dieses Wissen sei notwendig für eine Gesellschaft, deren Basis der mündige Bürger ist.

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Unsere Wirtschaftsordnung setzt auf mündige, eigenverantwortliche Bürger. Nur mündige Bürger können auch selbstständige Wähler, Arbeitnehmer, Verbraucher und/oder Anbieter sein. Um diese Rollen auszufüllen, brauchen sie ein Mindestmaß an ökonomischer Grundbildung: Wer zum Beispiel weiß, wie und warum Zinsen erhoben werden, der versteht, dass ein Konsumkredit durch die Abzahlungen das Haushaltsbudget in Zukunft schmälert. Und dass es einen Zusammenhang von öffentlichen Schulden und Zinszahlungen im laufenden Haushalt gibt.

Die ökonomische Grundbildung sollte deshalb bereits in den Schulen vermittelt werden, am besten in einem eigenständigen Schulfach Wirtschaft. Dies gibt es auch bereits in einigen Bundesländern, so beispielsweise in Baden-Württemberg seit dem Schuljahr 2016/2017. Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Einführung geplant. Wirtschaftliche Themen werden aber auch in vielen Mischfächern wie Wirtschaft und Recht, Wirtschaft-Recht-Technik, Wirtschaft-Arbeit-Technik oder Politik und Wirtschaft unterrichtet. Und auch in Fächern wie Erdkunde, Geschichte und Sozialwissenschaften gibt es viele Wirtschaftsthemen.

Wer die ökonomische Bildung in Deutschland verbessern will, darf also nicht nur auf das Etikett sehen. Es kommt auf die gelehrten Inhalte an und wie die Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden (Tipps hierzu finden sich beispielsweise hier). Leider ist das Bild hierbei sehr gemischt.

So kommt eine Studie des Zöbis (Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen) im Auftrag von „Die Familienunternehmer“ aus dem Jahr 2017 zum Schluss, dass insbesondere die Darstellung von ökonomischen Themen und Zusammenhängen in Erdkundebüchern häufig von einem marktskeptischen Ton geprägt ist.[i] Gerade Globalisierung und Freihandel werden häufig sehr negativ beschrieben. Die Wohlstand schaffende Wirkung des Freihandels kommt in vielen Schulbüchern zu kurz. Um nur ein Beispiel zu zitieren:

„Der Großteil der Bevölkerung hat aber keinen Vorteil vom Welthandel.“ (Terra Erdkunde 3, Differenzierende Ausgabe, S. 12).

Die untersuchten Geschichtsbücher zeigen ein ähnliches Bild: Hier ist es häufig die Beschreibung der Industrialisierung, die zur plumpen Kapitalismuskritik genutzt wird. So schlimm die Arbeits- und Lebensbedingungen der Industriearbeiter auch waren – Armut grassierte schon vor der Industrialisierung. Die Industrialisierung war vielmehr die Voraussetzung, dass sich die Situation mittelfristig verbesserte. Etwas ausgewogener werden wirtschaftliche Themen in den untersuchten Politik- und Sozialkundebüchern dargestellt. Gut schlagen sich nur Wirtschaftskundebücher.

Die Studie lässt den Schluss zu, dass Wirtschaftsunterricht in einem eigenständigen Schulfach Wirtschaft immer noch am besten geeignet ist, um fundiertes ökonomisches Wissen zu vermitteln.

Dies macht auch insofern Sinn, da das Bildungssystem in Deutschland tendenziell darauf ausgelegt ist, dass Lehrinhalte mit Fächern verknüpft werden. Denn ohne Fach, keine ausgebildeten Lehrer, ohne Lehrerausbildung keine Forschung. Ohne die Lehrerausbildung und Forschung zur Vermittlung ökonomischer Bildung, kann das Ziel ökonomischer Grundbildung in den Schulen schlicht nicht erreicht werden.

Wie sollen Studenten die Didaktik der Volkswirtschaftslehre erlernen, wenn Sie dafür keine Veranstaltungen an den Universitäten vorfinden? Dann bleibt es dabei, dass in der Lehrerausbildung für die sozialwissenschaftlichen Fächer falsche Inhalte vermittelt werden. Derzeit sitzen angehende Wirtschaftslehrer neben BWLern und VWLern und hören deren Kurse. Sie lernen Bilanzierungs- und Eigenkapitalvorschriften von Banken und können die dritte Ableitung einer Produktionsfunktion bilden. Die Kernkompetenz von Wirtschaftslehrern, ökonomische Grundlagen zu vermitteln, müssen sie sich später selbst aneignen.

Eine Folge der fehlenden Lehrerausbildung ist es wahrscheinlich, dass oft an den falschen Stellen moralisierend auf die Schüler eingewirkt wird. So lassen sich dann auch die Ergebnisse der Schulbuchstudie erklären und die Tendenz von Erdkunde- und Geschichtsschulbüchern zu einseitiger Marktskepsis. Doch wirtschaftliches Verständnis ist ein Handwerkszeug, das möglichst wertfrei vermittelt werden sollte. Erst dieses Handwerkzeug bietet die Grundlage, später auch ethische Fragen zur konkreten Wirtschaftsverfassung zu diskutieren. Dieser erste Schritt findet in der aktuellen Schulbildung aber kaum statt.

Deshalb überwiegen die Vorteile eines eigenständigen Faches Wirtschaft mit einem guten Lehrplan. Ökonomische Bildung ist Allgemeinbildung. Wirtschaft muss und kann verständlich vermittelt werden, aber das ist eine eigene Profession.

[i] Schlösser, H. J., Schuhen, M. (2017): Marktwirtschaft und Unternehmertum in Deutschen Schulbüchern. Studie im Auftrag von DIE FAMILIENUNTERNEHMER/DIE JUNGEN UNTERNEHMER.

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  • Autor

    Thomas Köster und Justus Lenz

    Thomas Köster ist Koordinator Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Justus Lenz ist Leiter Haushaltspolitik bei "Die Familienunternehmer".

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