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Wie wirkt sich Corona auf den Arbeitsmarkt aus?

Unterschiedliche Gruppen auf dem Arbeitsmarkt sind unterschiedlich stark von der Corona-Krise betroffen. Das Forschungsinstitut Prognos gibt eine Vorstellung über die diversen Auswirkungen der Pandemie.

Die Corona-Krise stellt die gesamte Gesellschaft, Politik, Wirtschaft sowie jeden Einzelnen in Deutschland vor große Herausforderungen. Dabei stellt sich die Frage, wie sich die Krise auf bestimmte Teilaspekte des Arbeitsmarkts auswirkt.

Prognos hat diese Frage im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft untersucht. Anhand von Modellrechnungen haben wir abgeschätzt, wie sich die ohnehin zu erwartenden Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage durch die Corona-Krise verändern und welche Personengruppen und Teilarbeitsmärkte davon wie stark betroffen sind. Der Fokus der Analysen liegt auf den Dimensionen Qualifikation, Alter und Geschlecht. Darauf aufbauend werden Überlegungen angestellt, welche Maßnahmen dazu beitragen können, drohende Ungleichgewichte zu vermeiden.

Die Studie (Download als PDF) macht deutlich, dass bereits ohne die Corona-Pandemie in den kommenden Jahren mit teilweise deutlichen Ungleichgewichten in Teilbereichen des Arbeitsmarkts hätte gerechnet werden müssen. Dies hat demografische Gründe, spiegelt aber auch gesellschaftliche Entwicklungen wider. So zeigt unser hypothetisches Szenario ohne Krisenverlauf, dass aufgrund der zunehmenden Akademisierung der Gesellschaft in einigen Fachrichtungen mit Hochschulabschluss zukünftig mit einem Überangebot an Arbeitskräften zu rechnen ist, beispielsweise in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Für beruflich Qualifizierte ist in bestimmten Fachrichtungen hingegen ein deutlich zunehmender Arbeitskräftemangel zu erwarten. Besonders groß sind die Nachfrageüberhänge zum Beispiel im Bereich Management und Verwaltung oder der Fertigungs-/Produktionstechnik.

Die aktuelle Betroffenheit einzelner Personengruppen wird anhand von Daten der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitslosigkeit und zur Kurzarbeit abgeschätzt. Demzufolge beläuft sich der Corona-Effekt auf die Arbeitslosigkeit im Juni 2020 auf etwa 640.000 Arbeitslose. Strukturell ist die Arbeitslosigkeit um etwa 30 Prozent höher als ohne die Krise. Besonders betroffen sind junge Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren.

Die kumulierten Anzeigen der Monate März bis Juni 2020 für Personen in Kurzarbeit beliefen sich auf 12,1 Millionen. Ein auf diesen Ausgangsdaten sowie zusätzlich getroffenen Annahmen basierendes Szenario einer an Corona angepassten Arbeitsmarktentwicklung geht davon aus, dass die Arbeitskräftenachfrage in der kurzen Frist weiter sinken und sich (temporär) strukturell verändern wird.

Anhand der Gegenüberstellung der beiden Szenarien mit und ohne Corona-Krise wird der „isolierte“ Effekt der Corona-Pandemie bestimmt und gezeigt, in welcher Weise die ohnehin entstehenden Ungleichgewichte von der Corona-Krise beeinflusst werden. Dabei zeigt sich für die Personengruppe mit Hochschulabschluss, dass sich der in einigen Fachrichtungen ohnehin zu erwartende Arbeitskräfteüberhang durch die Corona-Pandemie noch verstärken könnte. Dies gilt insbesondere für die Fachrichtungen Kunst sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Bei den Personen mit beruflichem Abschluss zeigen sich hingegen überwiegend andere Tendenzen. Da bereits im Szenario ohne Krise fast ausschließlich negative Arbeitskräftesalden zu beobachten sind, ist lediglich bei sehr wenigen Fachrichtungen mit einem Angebotsüberhang zu rechnen. Stattdessen werden auch im Szenario mit Krise weiterhin Engpässe an Personen mit beruflicher Qualifikation erwartet – wenngleich sich die diesbezüglichen Ungleichgewichte aufgrund des Rückgangs der Arbeitskräftenachfrage verringern. Für Unternehmen in diesen Teilarbeitsmärkten dürfte es sich lohnen, Arbeitskräfte durch die Krise hindurch zu halten. Denn sofern die Krise nur von temporärer Dauer ist, wird sich der Wettbewerb um ebendiese Arbeitskräfte zukünftig deutlich verschärfen.

Abschließend zeigt die Studie auf, welche Maßnahmen in den jeweiligen Teilarbeitsmärkten das Potenzial haben, die entstehenden Ungleichgewichte zu reduzieren. Hierbei sind vor allem Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen interessant, da diese innerhalb der bestehenden Arbeitsverhältnisse genutzt werden können, aber auch zur Umschulung von Arbeitskräften. Hierzu nutzen wir eine Verflechtungsmatrix, die zeigt, auf welche unterschiedlichen Berufsgruppen sich Erwerbstätige einer bestimmten Qualifikation und Hauptfachrichtung verteilen. Je mehr unterschiedliche Berufsgruppen von Personen einer bestimmten Hauptfachrichtung ausgeübt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund der Corona-Krise erwerbslos gewordene Personen theoretisch/rechnerisch – mit passenden Weiterbildungsmaßnahmen – in andere Berufsgruppen wechseln können.

Als weitere Maßnahmen zum Abbau von Ungleichgewichten sind eine Anpassung der Wochenarbeitszeit, eine Erhöhung der Erwerbsquoten sowie das (temporäre) Herabsetzen formeller Einstiegshürden zu nennen. Letztere Maßnahme könnte insbesondere in der akuten Krisenzeit helfen, die Arbeitskräftenachfrage wieder zu steigern.

Der Blogbeitrag basiert auf der Prognos-Studie „Corona und der Arbeitsmarkt: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage aus

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