Alle Bemühungen, eine Wettbewerbsordnung zu verwirklichen, sind umsonst, solange eine gewisse Stabilität des Geldwertes nicht gesichert ist. Walter Eucken, 1891-1950, deutscher Ökonom

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Letzter Ausweg Eurobonds?

Unter den meisten Staaten Europas scheint es Konsens zu sein: Nur mit Eurobonds kann die Schuldenkrise in Europa bewältigt werden. Tatsächlich könnten sie kurzfristig auch den Markt beruhigen. Mittel- und langfristig aber gehen von Eurobonds völlig falsche Signale. Warum sollten die verschuldeten Staaten in Europa ihre Strukturreformen mit gleicher Intensität fortsetzen, wenn sie sich plötzlich über Eurobonds wieder günstig verschulden können? Warum sollen Länder wie Deutschland und Frankreich für die mangelnde Haushaltsdisziplin anderer Staaten mit in Haftung genommen werden?

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Außerdem muss man die Frage stellen: Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Italien sechs oder sieben Prozent Zinsen zahlen muss? Vor der Währungsunion war das Zinsniveau bei gleicher Schuldenquote ähnlich hoch. Eurobonds haben im Gegensatz zur bisherigen Krisenpolitik eine ganz andere Substanz. Hier geht es nicht mehr um kurzfristige Interventionen, sondern sie justieren die Finanzordnung in der Eurozone neu. Sie würden aber die bisher erreichten Sparanstrengungen und Reformen konterkarieren – und mit ihnen der Ausweg aus der Schuldenfalle.


Dieser Beitrag basiert auf einem Interview mit Prof. Dr. Michael Hüther im Deutschlandfunk.

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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