Individuelles Zockertum ist jedem unbenommen, aber es darf nicht sein, dass der Staat diesen Zockern bei Verlusten unter die Arme greift: Der Markt kann Gier belohnen, der Staat darf es nicht. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

3 Europa

Lernt die Währungsunion ihre Lektion?

Die Euo-Zone ist in Schieflage geraten. Vor dem Neustart brauchen wir eine umfassende Fehleranalyse. Klar ist: Die institutionelle Ausgestaltung der Währungsunion war mangelhaft. Aber welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Welche Fehler waren besonders schwerwiegend?

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Am Beginn jedes erfolgreichen Neustarts steht die Fehleranalyse. Um die aktuelle Krise der Währungsunion nachhaltig zu überwinden müssen deren strukturellen Probleme beseitigt werden. Es stellt sich die Frage: Wie konnte das Projekt „Euro“ in eine so dramatische Schieflage geraten?

Zurecht wird die schlechte institutionelle Ausgestaltung kritisiert. Vier Schwachpunkte sind besonders schwerwiegend. Erstens, die Auswahlkriterien für Mitglieder der Währungsunion wurden nicht strikt eingehalten, nicht nur bei Griechenland. In vielen weitern Ländern wurden in den 90er Jahren die Kriterien zurechtgebogen. Zweitens, der gemeinsamen Währung stand keine Koordination der Wirtschaftspolitiken gegenüber. Drittens, der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde in der Praxis nicht konsequent durchgesetzt. Fahrlässig ignoriert wurde insbesondere die Gesamtverschuldungsgrenze von 60%, die für eine langfristige Stabilitätspolitik von zentraler Bedeutung ist. Es ist bezeichnend, dass zu keinem Zeitpunkt der öffentliche Schuldenstand im gesamten Euro-Raum unter 60% lag. Viertens, fehlende Wechselkurse im Euroraum führten dazu, dass Anreize für fiskalische Disziplin und strukturelle ökonomischen Reformen reduziert wurden. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Schlüsselindustrien wurde so in einigen europäischen Ländern entscheidend geschwächt.

Allein diese kurze, überblicksartige Fehleranalyse zeigt den Bedarf für eine umfassende Reform der Währungsunion. Will man die gemeinsame Währung nicht aufs Spiel setzen müssen nachhaltige Lösungen und strikte institutionelle Regeln geschaffen werden.


Dieser Blogbeitrag basiert auf dem Aufsatz „EMU at Crossroads“, von Prof. Dr. Bodo Herzog, erscheint 2012 in: CESifo Forum, Sonderausgabe zur Krise der Europäischen Währungsunion.

  • Autor

    Prof. Dr. Bodo Herzog

    ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere für Geldpolitik und Makroökonomik an der ESB Business School, Hochschule Reutlingen.

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