Die moderne Gesellschaft mit marktwirtschaftlicher Ordnung ist ein Positivsummenspiel, was Eigennutzstreben rechtfertigt. Karl Homann, *19. April 1943, deutscher Ökonom

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Europa 2020: Bildung als Wachstumsstrategie

Die Wachstumsstrategie „Europa 2020“ der EU setzt auf Bildung und Forschung. Die Industrie soll in Zukunft vor allem wissensbasiert und innovativ sein. Dafür ist Bildung die Voraussetzung. Kann in diesen Bereichen die Qualität in Europa verbessert werden, hat das nicht nur für die Mitgliedstaaten, sondern für ganz Europa eine stabilisierende Wirkung.

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Ist es Zufall, dass  gerade die krisengebeutelten südeuropäischen Länder in Forschung und Entwicklung schlecht sind? In den drei von der EU ausgewiesenen Indikatoren ihrer Wachstumsstrategie „Europa 2020“ schneiden Spanien, Portugal, Griechenland und Italien unterdurchschnittlich ab. Lediglich beim Anteil der Hochschulabsolventen schert Spanien aus der Gruppe aus und zeigt mit rund 40% einen ausgesprochen hohen und die Zielvorgaben der EU erfüllenden Ausbildungsstand an. Bei einer Arbeitslosigkeit von derzeit über 20% sind aber selbst für die Akademiker im Land die Perspektiven düster.

Mit der Wachstumsstrategie „Europa 2020“ will die EU vor allem in drei Punkten das Bildungsniveau in Europa erhöhen und die Unterschiede nivellieren:

  • Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen 2020 einen Umfang von 3 % des BIP erreicht haben.
  • Die Schulabbrecherquote soll von derzeit 15% auf unter 10 % reduziert werden.
  • Der Anteil der Hochschulabsolventen an der Gesamtbevölkerung soll von 31% auf 40 % erhöht werden.

Diese Ziele sind von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa. Schließlich hängt die Fähigkeit, Strukturwandel und Krisen möglichst unbeschadet zu überstehen, auch maßgeblich von guter Forschung und einem guten Bildungssystem, bzw. einem guten Bildungsstand der Bevölkerung ab.

Die Leitlinien für Industriepolitik der Wachstumsstrategie „Europa 2020“ teilen die Mitgliedsstaaten in vier Ländergruppen ein. Die Gruppe mit der Bezeichnung „arbeitsintensive Industrie mit niedriger Wissensintensität“ besteht aus den südeuropäischen Mitgliedsländern und spiegelt eines ihrer grundlegenden Probleme wider. Aufgrund ihrer schwachen Innovationsfähigkeit sind Strukturwandel und Krisen für diese Industrien problematischer. Wissensbasierte und technologisch fortgeschrittene Industrien, wie sie vor allem in Mittel- und Nordeuropa bestehen, sind hingegen krisenresistenter. Der Unterschied besteht in der Innovationskraft. Innovationen sind nicht nur Wachstumstreiber und damit Verursacher von Strukturwandel, sondern dienen auch als vorwärts gerichtete Entwicklungspfade. Der Wechsel zu mehrheitlich innovativen, wissensbasierten Industrien ist daher auch Teil der Wachstumsstrategie der EU.

Innovationsstarke Industrien benötigen gut ausgebildete Fachkräfte und ein hohes wissenschaftliches Potential. Die schnellstmögliche Erreichung der Zielvorgaben der EU-Wachstumsstrategie im Bereich Forschung und Bildung stärkt also die Stabilität der Mitgliedsstaaten und ist ein wichtiger Baustein für ein zukunftsfähiges und wohlhabendes Europa. Investitionen in Forschung und Bildung steigern in erster Linie die Lebensqualität der Menschen, indem ihnen eine gute Ausbildung mehr Chancen für eine freie Lebensentfaltung bietet. Außerdem ist eine wissensbasierte Industrie die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und die Bewältigung bevorstehender Krisen.


Mehr Informationen zur Wachstumsstrategie „Europa 2020 – Die Wachstumsstrategie Europas“.

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe „WachstumsBlog“. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

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  • Autor

    Markus Mill

    ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Direktors beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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