Verfüge nie über Geld, ehe du es hast. Thomas Jefferson, 1743-1826, US-amerikanischer Politiker

7 Steuern und Finanzen

Ölpreis gibt den Takt an

Den Bundesbürgern wird traditionell eine besonders enge Bindung zu ihrem Gefährt nachgesagt. Daran können auch hohe Benzinpreise nichts ändern. Im März 2012 erreichte der Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland seine bisherige Rekordhöhe. Schuld sind die nimmersatten Mineralölkonzerne, oder?

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Pünktlich zu Ostern dieses Jahres hat der Preis für einen Liter Superbenzin die Marke von 1,70 Euro geknackt. Der Schuldige war schnell gefunden: Die Mineralölkonzerne, die vor Ostern die starre Nachfrage zu ihren Gunsten nutzen. Schaut man genau hin, entsteht aber ein anderes Bild.

Denn die Benzinpreise folgen ziemlich genau der Entwicklung der Rohölpreise. Dieser stieg zur gleichen Zeit ebenfalls auf einen Höchstwert von 95 Euro je Barrel. Die Beobachtung deckt sich mit den Erfahrungen in der Weltwirtschaftskrise 2008. Da sank der Ölpreis und mit ihm wurde auch die Tankfüllung wieder günstiger.

Beim jüngsten Anstieg kommt jedoch ein anderer Effekt hinzu: Öl wird größtenteils in Dollar bezahlt. Steigt der Dollarkurs gegenüber dem Euro, wird der Import von Öl teurer und somit auch das Benzin.  Umgekehrt gilt auch: sinkt der Dollarkurs, sinkt ebenso der Ölpreis. So führt die Eurokrise zu leicht steigenden Benzinpreisen.

Die Mineralölkonzerne geben also nur die gestiegenen Rohstoffkosten an ihre Kunden weiter. Am meisten kassiert beim Benzin ohnehin der Staat ab. Bei einem Preis von beispielsweise  1,63, was dem Durchschnittspreis im Juli entspricht, entfielen fast 92 Cent auf die Mineralöl- und Mehrwertsteuer.

Vielleicht können die Prognosen die aufgebrachten Autofahrer beruhigen: Mittelfristig wird die gefürchtete 2-Euro Marke nicht überschritten. Dazu müsste der Ölpreis auf 175 Euro je Barrel steigen. Diese Marke wird nur geknackt, wenn es aufgrund der Unruhen dort, kurzfristig zu Lieferausfällen in den Förderstaaten kommt.


Eine ausführliche Analsyse des Benzinpreises finden Sie hier.

  • Autor

    Dr. Hubertus Bardt

    ist Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereiches am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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