Die Disziplin der Marktwirtschaft gründet sich auf knappes Geld, funktionsfähigen Wettbewerb, rechtsstaatliche Regeln, verlässliche Behörden und Gerichte. Vereinfacht gesagt: Milton Friedman + Kartellamt + Konkursrecht. Gerhard Fels, *1939, ehem. Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln

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Gegen Subventionen helfen keine Subventionen

Es bestehen kaum Zweifel: Ohne Speichermöglichkeiten für Ökostrom wird es in Zukunft kaum möglich sein, dass erneuerbare Energien die konventionelle Stromerzeugung komplett ablösen. Mit dem ab Anfang März geplanten Förderprogramm für Solar-Speicher verläuft sich die Bundesregierung aber immer tiefer im Subventionsdschungel für erneuerbare Energien.

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Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass vor allem die Überförderung von Photovoltaikanlagen die Kosten der Energiewende explodieren ließen. Auch die massiven Förderkürzungen konnten die Büchse der Pandora nicht wieder schließen. Im vergangenen Jahr erlebten wir einen erneuten Zubau Rekord: 7.630 Megawatt an Photovoltaikanlagen wurden zugebaut. Rund 8 Milliarden Euro werden den Verbrauchern dadurch zusätzlich auf die Stromrechnung aufgeschlagen. Insgesamt haben die Verbraucher für alle bis Ende 2012 installierten Anlagen zur Solarstromerzeugung rund 108 Milliarden Euro an Subventionen zu bezahlen.

In Anbetracht dieser Zahlen ist es nur schwer zu begründen, weshalb ausgerechnet Photovoltaik nun weitere 50 Millionen Euro Bundesförderung erhalten soll. Zwar werden Speichermöglichkeiten dringend benötigt, doch braucht es keine weiteren Subventionen – und schon gar keine technologiespezifischen. Falls der Markt nicht allein für genügend Speichermöglichkeiten sorgen kann, wäre allenfalls eine technologieneutrale Förderung von Forschung und Entwicklung angebracht.

Das EEG birgt jedoch keinerlei Anreize, in Speichertechnologien zu investieren, da der produzierte Strom zu jeder Zeit abgenommen wird – gesetzlich garantiert. Der Erzeuger muss sich keine Gedanken darüber machen, wann er seinen Strom ins Netz einspeist. Speicher sind bei einem solch marktfernen Fördermechanismus irrelevant, zumindest aus der Sicht der Produzenten von grünem Strom.

In einem Quotenmodell mit integriertem Grünstromhandel wäre dies anders: Die Produzenten von grünem Strom erzielen zu einem Teil Einnahmen aus dem Verkauf von grünem Strom zum jeweiligen Marktpreis. So entstehen Anreize, das Angebot an der Nachfrage auszurichten. Gleichzeitig werden Investitionen in Speichertechnologien attraktiv, um den gewinnmaximalen Einspeisezeitpunkt selbst bestimmen zu können.

Obendrein spart eine Förderung von Ökostrom durch ein Quotenmodell auch eine erhebliche Menge Geld: Bis zu 52 Milliarden Euro hätten auf diesem Weg zur Erreichung des Regierungsziels, den Anteil der Erneuerbaren bis 2020 auf 35% zu steigern, eingespart werden können, hätte man Anfang des Jahres ein Quotenmodell eingeführt, so wie es in Schweden erfolgreich seit längerem praktiziert wird. Doch statt einen Systemwechsel zu forcieren, versucht man das Feuer mit weiteren Subventionen zu löschen.

  • Autor

    Prof. Dr. Manuel Frondel

    ist außerplanmäßiger Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum und Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI.

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