Als erstes im Bankgeschäft lernt man den Respekt vor der Null. Carl Fürstenberg, 1850-1933, deutscher Bankier

27 Ordnungspolitik

Trump hat recht: Leistungsbilanzüberschüsse sind Ausbeutung. Nur umgekehrt!

Die neue US-Administration unter Donald Trump kritisiert Deutschland als „Ausbeuter“. Mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen und einem niedrigen Euro bereichere sich die Bundesrepublik auf Kosten der USA und anderen Euro-Staaten. Doch das stimmt nicht. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall.

(mehr …)

Peter Navarro, Chefberater von US-Präsident Trump in Handelsfragen, hat verkündet, dass Deutschland durch seine Leistungsbilanzüberschüsse die USA ausbeute. Er verweist auf einen „stark unterbewerteten“ Wechselkurs des Euro. Navarro hat aus Sicht der Theorie unrecht. Danach spiegelt sich bei flexiblen Wechselkursen der Leistungsbilanzüberschuss von Deutschland in gleich hohen privaten Nettokapitalexporten wider. Mit anderen Worten: Deutschland exportiert zuerst seine Ersparnisse in die USA, die es dann den Amerikanern ermöglichen, deutsche Porsches, Montblanc-Füllfederhalter, Panzer oder Goldbären zu erwerben. Die USA verschulden sich hingegen, um sich mehr privaten und öffentlichen Konsum leisten zu können. Über den Zeitverlauf hinweg wachsen die Auslandsforderungen Deutschlands um den jeweiligen Leistungsbilanzüberschuss eines Jahres, z.B. um 310 Milliarden Dollar im Jahr 2016. Entsprechend ist die Auslandsverschuldung der USA 2016 allein um 480 Milliarden Dollar gewachsen.

Die Theorie besagt auch, dass die seit der Jahrtausendwende wachsenden Forderungen (Verbindlichkeiten) Deutschlands (der USA) irgendwann wieder an Deutschland (von den USA) zurückgezahlt werden. Das war beispielsweise bei der Wiedervereinigung der Fall, als Deutschland beträchtliche Auslandsanlagen für den Aufbau Ost repatriierte. Dem ist allerdings nicht so, wenn die Auslandsvermögen entwertet werden. Beispielsweise lösten sich im Verlauf der US-Hypothekenmarktkrise die Anlagen vieler deutscher Landesbanken ebenso wie die Lehmann-Zertifikate in Luft auf. In ähnlicher Weise haben große deutsche Unternehmen wie Thyssen (Brasilien), Mercedes (USA) oder BMW (Vereinigtes Königreich) spektakuläre Übernahmen mit hohen Verlusten bezahlt.

Die USA haben  im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern dieser Welt – auch ohne Krisen – die Entwertung ihrer Auslandsverbindlichkeiten selbst in der Hand. Da der Dollar die dominante Währung im Weltwährungssystem ist, sind die Auslandsverbindlichkeiten der USA überwiegend in Dollar denominiert. Verfolgen die USA eine expansive Geldpolitik und wertet der Dollar ab, dann sinkt der reale Wert der Auslandsverschuldung. Die Länder, die die Forderungen gegenüber den USA in Form von US-Staatsanleihen, Unternehmensanteilen oder forderungsbesicherten Wertpapieren etc. halten, realisieren gerechnet in ihrer Währung Verluste.

Die USA haben in der Vergangenheit immer wieder solche Entwertungswellen durch Zinssenkungen begünstigt. Es wurden entweder in den USA Finanzmarktblasen geschaffen (Dotcom-Blase, US-Hypothekenmarktboom), bei deren Platzen Forderungen entwertet wurden. Oder der Dollar wurde abgewertet. Im Ergebnis ist die Rückzahlung eines beträchtlichen Teils der Auslandsverschuldung obsolet geworden (siehe Grafik). Während sich die Leistungsbilanzdefizite (also Nettokapitalimporte) der USA seit 1980 auf 10.806 Milliarden Dollar akkumuliert haben, liegen die Nettoauslandsverbindlichkeiten heute ca. 3.000 Milliarden Dollar niedriger. Charles de Gaulle hatte schon in den 1960er Jahren dieses Phänomen als „exorbitantes Privileg“ beklagt. Ronald McKinnon sprach von einer „quasi-unbegrenzten Kreditlinie“, die der internationalen Rolle des Dollar zu verdanken sei.

Deutschland hat sein Nettoauslandsvermögen leider nicht sehr gut angelegt. Während seit der Jahrtausendwende die kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse auf 2.600 Milliarden Dollar angestiegen sind, werden in der Nettoauslandsvermögensposition noch ca. 1.600 Milliarden Euro ausgewiesen. Ein großer Teil dieser im Ausland angelegten Ersparnisse wurde im Verlauf des US-Hypothekenmarktbooms verkonsumiert und in der Krise entwertet. (Ähnliches hat sich in Südeuropa zugetragen.) Die Verluste erreichen mit ca. 1.000 Milliarden Euro fast die Kosten der deutschen Wiedervereinigung. Das sind keine Peanuts!

Mit anderen Worten: die USA beuten über die Leistungsbilanzungleichgewichte ihre Handelspartner aus, nicht umgekehrt! Neben Deutschland sind Japan und China die großen Zahlmeister. Donald Trump wäre irre, wenn er dieses Privileg durch eine ausgeglichene Leistungsbilanz aus der Hand geben würde.  Andererseits sollte sich Deutschland überlegen, ob in einer Welt hoch volatiler und spekulativer Finanzmärkte so hohe Nettokapitalexporte sinnvoll sind. Sie könnten in Deutschland wohl besser investiert werden. z. B. in neue Straßen, bessere Brücken, schnellere Zugstrecken, mehr Kindergärten oder in neue, schicke Innenstädte für Duisburg und Dortmund.  Diese Investitionen würden nach dem Platzen von Blasen wenigstens bestehen bleiben.

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  • Autor

    Prof. Dr. Gunther Schnabl

    ist Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig.

    Alle Beiträge

  • Die Aussage “Mit anderen Worten: die USA beuten über die Leistungsbilanzungleichgewichte ihre Handelspartner aus, nicht umgekehrt!” ist nur halb richtig. Wir exportieren natürlich auch Arbeitslosigkeit.
    Allerdings stimme ich in soweit zu, dass wir von den Überschüssen nichts haben. Wir müssen sie nutzen, um etwas zu kaufen. Genau deshalb gibt es auch nichts zu feiern, wenn wir mal wieder Exportüberschussweltmeister sind. Genau das gleiche gilt für die Eurozone. Es ist erstaunlich, dass auch die INSM kein Problem mit Lohndrückerei hat. Denn die gepaart mit dem für Deutschland zu niedrig bewerteten Euro führt zu diesen Überschüssen. Clever ist das tatsächlich nicht.

  • Gunther Schnabl

    Ich sehe das Argument der exportierten Arbeitslosigkeit nicht. Denn würde das Kapital nicht exportiert, dann würde es in Deutschland investiert bzw. konsumiert. Die in Deutschland produzierten Güter würden dann nur von Deutschen statt von den Amerikanern konsumiert. Es entstünde keine Arbeitslosigkeit. Allerdings wäre dann wohl eine Verschiebung der Wirtschaftsstruktur weg von der Industrie hin zum Bau- und Dienstleistungssektor zu erwarten.

  • Cooper8

    Es ist einfach immer wieder unglaublich, welchen Unsinn neoklassische Ökonomen von sich geben.

    “Navarro hat aus Sicht der Theorie unrecht.”

    Navarro ist ein neoklassischer Ökonom. Die neoklassische Lehre wurde durch Keynes widerlegt:

    http://www.flassbeck-economics.de/wie-keynes-die-orthodoxe-oekonomie-widerlegt-hat/?output=pdf

    “Die Theorie besagt auch, dass die seit der Jahrtausendwende wachsenden Forderungen (Verbindlichkeiten) Deutschlands (der USA) irgendwann wieder an Deutschland (von den USA) zurückgezahlt werden”.

    Das ist eine juristische Hoffnung, aber keine ökonomische Realität. Zahlt ein Staat Schulden an das Ausland zurück, dann fehlt das Geld im Inland und das BIP sinkt.

    “Dem ist allerdings nicht so, wenn die Auslandsvermögen entwertet werden. Beispielsweise lösten sich im Verlauf der US-Hypothekenmarktkrise die Anlagen vieler deutscher Landesbanken ebenso wie die Lehmann-Zertifikate in Luft auf.”

    Die deutschen Landesbanken haben Müll gekauft, weil die Immobilienblase durch Gier und Wirtschaftskriminalität geschaffen worden ist.

    Neoklassische Ökonomen haben dafür gesorgt, dass insbesondere in der Clinton Administration Banken und Finanz- und Kapitalmärkte dereguliert worden sind.
    Die Behauptung, dass alle Märkte effizient sind, ist falsch.
    Die Gier wurde durch einen neoklassischen Ökonomen erst gesellschaftsfähig gemacht. Der heißt Milton Friedman und hat den Unsinn des shareholder value erst in Welt gesetzt.

    Der Monetarismus der neoklassischen Lehre ist tot.

    Zwischen der Inflationsrate und der Lohnentwicklung besteht eine hohe Korrelation.

    Die deutschen Exportüberschüsse haben eine hohe Korrelation zu den zu niedrigen deutschen Löhnen.

    In einer Marktwirtschaft müssen sich die Löhne gesamtwirtschaftlich nach folgendem Prinzip entwickeln: Zielinflation 2% plus Fortschritt in der Produktivität.

    Das war seit Einführung des Euros in Deutschland nicht der Fall.

    Deutschland hat die Eurozone missbraucht, weil bis vor kurzer Zeit die Eurozone ein Handelsbilanzdefizit hatte.

    Hätte Deutschland seine D-Mark behalten, wäre der Wechselkurs angestiegen und die falsche Agenda 2010 Politik, die von neoklassischen Ökonomen stammt, hätte ihre Wirkung verloren.

    Deutschland lebt auf Kosten anderer Länder und muss schleunigst dafür sorgen, dass die realen Löhne in diesem Land steigen.

    Das ist für neoklassische Ökonomen wiederum ein Konflikt mit dem Gleichgewichtsmodell von Walras.

    Deshalb werden neoklassische Ökonomen auch weiterhin nur Unsinn reden, weil sie nicht zu geben werden, dass ihre dogmatische Lehre unbrauchbar ist.

  • Cooper8

    Was Sie sagen ist Unsinn!
    Die deutschen Lohnstückkosten sind im Euroraum zu niedrig, weil die realen Löhne nicht im notwendigem Maße gestiegen sind.
    Dadurch haben deutsche Unternehmen einen unfairen Preisvorteil gegenüber ihren Konkurrenten in der Eurozone. Die Folge ist ein Verlust an Marktanteilen. Der Verlust an Marktanteilen führt zu Entlassungen von Arbeitnehmern.
    Von der Wirkung her hat Deutschland Arbeitslosigkeit exportiert.
    Das ist ein Marktversagen, das es in der neoklassischen Lehre der Ökonomen gar nicht geben kann.

    http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/11/Abb-4-LStK-EWU.jpg

  • Gunther Schnabl

    Na, na, na….

    Lohnzurückhaltung kann durchaus ein Grund für hohe gesamtwirtschaftliche Erspanis, Nettokapitalexporte und Leistungsbilanzüberschüsse sein. Ich sehe da keinen Widerspruch.

    Dies gilt insbesondere dann, wenn sich wie in Deutschland seit der Jahrtausendwende das Unternehmenssparen ins Positive gedreht hat.

    Da seit der Jahrtausendwende die realen Lohnerhöhungen in Deutschland in der Tat hinter den Produktivitätsgewinnen zurückgeblieben sind, konnten diese im Ausland (z.B. nach Griechenland, Spanien, Portugal, USA, Baltikum) für reale Lohnerhöhungen über die Produktivitätsgewinne hinaus genutzt werden. Da war dort nicht nachhaltig und hat deshalb zu den Krisen geführt.

    Navarro wird vom Spiegel diese Woche als Freihandelsgegner eingeführt. Ein Neoklassiker würde Freihandel vertreten und nicht den Wechselkurs als Waffe im Handelskrieg ansehen.

    Die Blasen auf den Finanzmärkten werden von den Zentralbanken, also leider vom Staat befeuert. Da die Zentralbanken mit dem Zins einen zentralen Allokationsmechansimus außer Kraft setzen, kommt es zu starken Verzerrungen in der Weltwirtschaft, Finanzmarktblasen und damit den schlimmen Krisen auf den Finanzmärkten.

    Ich bin kein Neoklassiker, sondern ein Österreicher.

  • Alle Güter die in Deutschland produziert werden, müssen logischerweise nicht in den anderen Ländern produziert werden. Das was sie zum Kapitaltransfer schreiben ist richtig, widerlegt aber die Aussage nicht. Die Überschüsse entstehen, weil die Produkte zu billig sind. Das liegt an Subventionen, Lohnpolitik und / oder einer künstlich niedrig gehaltenen Währung. Es ist also für den (beispielsweise) amerikanischen Konsumenten attraktiver, deutsche Produkte zu kaufen als amerikanische. Als Resultat produziert Deutschland mehr und Amerika weniger. Als Folge gibt es mehr Arbeit in Deutschland und weniger in Amerika.
    Das Ganze ist sehr vereinfacht. Nehmen wir an die Exportüberschüsse würden zu 100% in Löhne fließen. Dann ist offensichtlich, dass dieses Geld von den USA nach Deutschland fließt.
    Beispiel: Viele Kleinbauern in afrikanischen Ländern kommen nicht gegen die subventionierten Agraprodukte aus der EU an. Also werden sie Arbeitslos, da ihre Produktion zu teuer ist. Was ist daran also nicht nachvollziehbar?

    Richtig ist allerdings, dass das niemals nachhaltig sein kann. Denn im Gegenzug müssen deutsche Banken und Unternehmen Kredite an die USA (Unternehmen, Privatpersonen, etc.) geben, damit sie die Produkte kaufen können. Das sorgt dann langfristig für Verluste, weil Kredite ausfallen. Die Güter sind aber in dem anderen Land.

  • “Deutschland lebt auf Kosten anderer Länder und muss schleunigst dafür sorgen, dass die realen Löhne in diesem Land steigen.”

    Das ist in meinen Augen nicht ganz richtig. Eher richtig ist, dass die deutsche Politik sich ihre für die Wiederwahl notwendigen Kennzahlen erschummelt. Letztenendes verschenken wir Waren ins Ausland. Dafür bekommen wir Arbeitsplätze. Wenn wir diese Waren im Inland an Arbeitslose verschenken würde, dann wäre Deutschland insgesamt wohlhabender.
    Der Kostenpunkt ist also nur im Bezug auf die Arbeitsplätze richtig. Als Ganzes verarschen wir uns selbst. Denn die Kreditausfälle und die Kosten für die dann folgenden Rettungspakete tragen dann diejenigen, die durch sinkende /stagnierende Löhne diese Instabilitäten ermöglicht haben.
    D.h. der normale Arbeitnehmer wird doppelt gestraft mit einer Politik die rein logisch auf Dauer nicht funktionieren kann.

  • Cooper8

    Die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung muss folgendes Prinzip einhalten: Zielinflation 2% plus Fortschritt in der Produktivität. Dann gibt es auch nur noch minimale Arbeitslosigkeit.

  • Ich kenn die Argumente. Nur das wir auf Kosten von anderen Leben sehe ich nicht. Es trifft eigentlich nur auf diejenigen aufwärts zu, die mindest vernünftige Löhne bekommen. Alle darunter können sich nur feiern einen Arbeitsplatz ergattert zu haben. Das mag in unserem System besser sein als keine Arbeit. Aber wie gesagt wir verschenken Güter, also Wohlstand, damit Leute arbeiten. Daher ist der Kostenbegriff für mich nicht stimmig.

  • Cooper8

    Durch die zu niedrigen Löhne ist der deutsche Binnenmarkt zu klein.
    Da die Lohnstückkosten in Deutschland gegenüber den anderen Mitgliedsländern der Eurozone zu niedrig sind, verlieren in den anderen Mitgliedsländer Unternehmen gegenüber ihren deutschen Konkurrenten Marktanteile, was dort zu Arbeitslosigkeit führt.
    Die Schulden des Auslands, die spiegelbildlich zu den Exportüberschüssen gegenüber diesem Land entstanden sind, wird das Ausland in heutiger realer Kaufkraft nicht zurück zahlen können.
    Deutschland wird einen großen Vermögensverlust erleiden und wird damit am Ende einen Teil seiner Exportüberschüsse verschenkt haben.

  • Exakt mein Punkt. Daher finde ich, dass wir nicht auf Kosten andere Leben. Wir leben eine Ideologie, welche am Ende allen schadet. Das tun wir, damit wir kurzzeitig (vielleicht in der Summe 10-15 Jahre) bessere Arbeitsmarktdaten haben als die anderen Länder in der Eurozone.

  • Cooper8

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass Deutschland eine Politik betreibt, die allen Beteiligten großen Schaden zufügt.
    Neoklassische Ökonomen leben ihre Ideologie vollkommen unreflektiert. Was außerhalb ihrer dogmatischen Lehre stattfindet, nehmen sie nicht zur Kenntnis.
    Deutschland wird seit vielen Jahren international für seine Exportüberschüsse kritisiert.
    Aber die Politik verweigert einen Dialog mit Keynesianischen Ökonomen.
    Das ist auch vor dem Hintergrund vollkommen absurd, da die Lehre von Keynes in der Nachkriegszeit der Zeitgeist war. Ohne seine Lehre hätte es die so genannten Wirtschaftswunderjahre gar nicht geben können.

  • Ich denke sie reflektieren schon. Aber eben nur innerhalb ihres Modells. Es wird eben vergessen, was die Annahmen ursprünglich waren und das die Gültigkeit nicht gegeben ist. Wenn dann etwas nicht funktioniert wird sich herausgewunden, um ja nicht die Modelle zu hinterfragen. Dann wird die Prognose “der Mindestlohn wird Deutschland zerstören” zu “die gute wirtschaftliche Lage war der Grund warum es nicht passiert ist”. Beide Aussagen nützten niemandem. Sie reichen aber scheinbar aus, um Wirtschaftsweiser zu werden.

  • Cooper8

    Ich verstehe Ihren Kommentar nicht.
    Die neoklassische Lehre der Ökonomen taugt nur dazu große Schäden anzurichten.
    Die einzige Lehre, mit der sich wissenschaftlich korrekt arbeiten lässt, ist die Lehre von Keynes und das, was andere Ökonomen weiter entwickelt oder ergänzt haben.

  • “Die einzige Lehre, mit der sich wissenschaftlich korrekt arbeiten lässt, ist die Lehre von Keynes”
    Das bezweifle ich sehr stark.
    Man kann mit jeglichem Ansatz arbeiten wissenschaftliche korrekt kann man. Es wird häufig nicht gemacht. Zudem ist es sehr schwierig seine Ergebnisse zu validieren. Keynes hat ein schlüssiges Erklärungsmodell abgeliefert. Allerdings erschlägt es eben nicht alles. Daher braucht man viele ökonomische Modelle, um viele Sichtweisen zu generieren. Genau hier krankt die Ökonomie. Jeder will die Wahrheit für sich erkannt haben.

    “taugt nur dazu große Schäden anzurichten”
    Das glaube ich eben auch nicht. Es ist ein einfaches Modell was auf bestimmten Ebenen durchaus Lösungen bietet. Nur und das ist wichtig, die Annahmen müssen erfüllt sein. Das sind sie in der Regel nicht. Wendet man dann dieses Modell an, arbeitet man nicht wissenschaftlich und bekommt Fehler. Genau das wird immer wieder gemacht.

    Nehme ich ein anderes Modell, beispielsweise von Keynes, und arbeite genauso wie die aktuellen Neoklassiker, werde ich ebenso scheitern.

    Man hat über Keynes die Abwrackprämie argumentiert. Will sagen, man kann jede Theorie missbrauchen, um Unsinn zu machen.

    Wichtig ist, dass die Forschung keine politische Agenda verfolgt.

    Wenn sie es tut, wird sie vortrefflich wie aktuelle zu sehen, genutzt um unbeliebte politische Entscheidungen zu legitimieren. Auch hier ist wieder egal welchem Modell man folgt.

    Mein Fazit ist, dass man eine sehr plurale Welt braucht. Die österreichische Schule halte ich für absurd. Dennoch sind einige Punkte nachvollziehbar (Macht des Staates begrenzen, Bevölkerung vor dem Staat schützen) und aktuell. Genau die Pluralität braucht es, um eine Sozialwissenschaft voranzutreiben.

  • Cooper8

    Die Fakten sind ganz eindeutig.
    Die einzige Lehre, mit der man wissenschaftlich korrekt arbeiten kann, ist die Lehre von Keynes und dem, was andere Ökonomen ergänzt und weiter entwickelt haben.
    Empirisch lässt sich das auch ganz eindeutig beweisen.
    Die Periode der Jahre von 1948 – 1973 wurde von der Lehre von Keynes geprägt.
    Die Zeitspanne bis heute wurde in der westlichen Welt durch die neoklassischen Ökonomen geprägt.
    Man kann lange Zeitreihen eingehend nach unterschiedlichen Merkmalen untersuchen. Die erste Periode war die stabilste Phase, die die Marktwirtschaft je erlebt hat.
    Grundlage der Lehre von Keynes sind die Identitäten, die sich rein logisch aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ableiten.

  • Max Berger

    “Die Theorie besagt auch, dass die seit der Jahrtausendwende wachsenden
    Forderungen (Verbindlichkeiten) Deutschlands (der USA) irgendwann wieder
    an Deutschland (von den USA) zurückgezahlt werden. Das war
    beispielsweise bei der Wiedervereinigung der Fall, als Deutschland
    beträchtliche Auslandsanlagen für den Aufbau Ost repatriierte. Dem ist
    allerdings nicht so, wenn die Auslandsvermögen entwertet werden.”

    Und wie kann man das Vermögen entwerten? Indem man es einzieht! Dafür
    braucht man eine (völker-)rechtliche Grundlage. Und diese besteht:

    Deutsches Vermögen kann von den Alliierten auch zukünftig
    beschlagnahmt werden:

    “Die BRD wird in Zukunft keine Einwendungen gegen die
    Maßnahmen erheben, die gegen das deutsche Auslands- oder
    sonstige Vermögen durchgeführt worden sind ODER WERDEN
    SOLLEN,…”

    Die weiter geltende vertragliche Regelung des
    Überleitungsvertrages von 1954 schließt auch Maßnahmen ein, die
    durchgeführt werden sollen, also in der Zukunft liegen (bzw.
    jetzt schon in der Gegenwart liegen können).

    “Im SECHSTEN TEIL, Artikel 3, Absätze 1 und 3 des
    Überleitungsvertrages von 1954, der ausdrücklich in Kraft
    bleibt, heißt es:

    »(1) Die Bundesrepublik wird in Zukunft keine Einwendungen
    gegen die Maßnahmen erheben, die gegen das deutsche Auslands-
    oder sonstige Vermögen durchgeführt worden sind oder werden
    sollen, das beschlagnahmt worden ist für Zwecke der Reparation
    oder Restitution oder auf Grund des Kriegszustandes oder auf
    Grund von Abkommen, die die Drei Mächte mit anderen alliierten
    Staaten, neutralen Staaten oder ehemaligen Bundesgenossen
    Deutschlands geschlossen haben oder schließen werden.«”
    aus: Bundesrepublik Deutschland: Souveräner Staat oder noch
    immer mit Besatzungsrecht? von Hans-Peter Thietz, 2001

    http://www.derfreiejournalist.de/?e=274

  • “Man kann lange Zeitreihen eingehend nach unterschiedlichen Merkmalen untersuchen.”
    Alles richtig. Nur ist es schwierig aus Korrelation, Kausalität abzuleiten. In diesen Zeitraum fallen eben auch der Korea Krieg, Wiederaufbau, das Umsetzen von Technoglogie die im Weltkrieg entwickelt wurde, das amerikanische Weltraumprogramm, usw.

    Ich will damit nicht sagen, dass Keynes falsch ist. Ich will nur warnen, genauso blind hinterherzulaufen wie es die Neoklassiker tun. Denn die Wachablösung hatte Gründe. Es gab hohe Inflationsraten, hohe Lohnsteigerungen und Arbeitslosigkeit. Es mag andere Ursachen gehabt haben, vielleicht wurde es auch hochgekocht, um einen Politikwechsel im Sinne der Wirtschaft zu realisieren. Dennoch waren die Probleme da.

    Ich denke wir haben eine ähnlich Meinung. Ich bin nur sehr skeptisch, wenn Ökonomen oder auch andere Menschen behaupten die Wahrheit zu kennen.

  • Cooper8

    Nein, die Sachlage ist ganz eindeutig.
    Die neoklassische Lehre ist mehrfach widerlegt worden. Wenn Sie weitere Nachweise benötigen, kann ich die gerne liefern.
    Die Lehre von Keynes beruht auf den Identitäten, die sich rein logisch aus den saldenmechanischen Zusammenhängen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
    ergeben.
    Dazu empfehle ich das Buch “Saldenmechanik” von Wolfgang Stützel.
    Wie die Inflation entsteht, verstehen die meisten Ökonomen unzureichend.
    Es gibt eine über lange Zeitreihen nachweisbare hohe Korrelation zwischen der Lohnentwicklung und der Inflationsrate.
    In den USA sind seit der Lehman Pleite die neoklassische Ökonomen stark diskreditiert.
    In der EU/Eurozone haben bisher (noch) neoklassische Ökonomen das Sagen.
    Diese Ökonomen haben die Eurokrise zu verantworten.
    Wenn man die wirtschaftliche Entwicklung der USA seit 2007 mit der der Eurozone vergleicht, dann hat sich die USA eindeutig besser entwickelt. Das BIP der Eurozone liegt heute unter dem Wert des Jahres 2007.
    Ökonomischer Chefberater von Barack Obama war ein Keynesianischer Ökonom namens Jason Furman.
    Die rasante wirtschaftliche Entwicklung in Asien vollzieht sich dort, weil es auch gute Ökonomen gibt, die die Lehre von Keynes anwenden.
    Als Beispiel nenne ich Frau Gosh und Herrn Koo.

  • “Die neoklassische Lehre ist mehrfach widerlegt worden.”
    Hab ich nie bezweifelt. Es ist keine allumfassende Theorie. Punktuell kann die Neoklassik Effekte erklären. Mehr habe ich nie behauptet.

    “Die Lehre von Keynes beruht auf den Identitäten, die sich rein logisch
    aus den saldenmechanischen Zusammenhängen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ergeben.”

    Gut zusammengefasst. Genau das ist der Punkt den ich kritisiere. Logik basiert auf Annahmen. In diesem Fall der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Für diie Messungen hierzu (wie man sie macht, etc.) sind wieder Annahmen und Modelle nötig. Man kann eine Menge erklären. Keine Frage. Nur wird ihnen ein Neoklassiker genau das selbe sagen. Es ist logisch, es kann so und so erklärt werden. Die Verweise in die Realität sind gut und schön. Wird ihnen jede andere Lehre ebenfalls liefern, mit den zugehörigen Erklärungshilfen.

    Ich finde Keynes auch schlüssig, warne aber trotzdem davor diese Theorie als Wahrheit oder Heilsmittel darzustellen. Es fängt damit an, dass staatlich investiertes Geld in Krisenzeiten einen größeren Hebel hat als außerhalb davon. Die Gefahr von Krisenmanagement liegt in Fehlinvestionen, welche sich erst Jahrzehnte später auszahlen. Ein Kernproblem an staatlichen Programmen. Die Atomkraft sie als Negativbeispiel genannt.

    Das heißt nicht, dass solche Programme generell abzulehnen sind. Es heißt nur, dass man immer fragen muss, wem nützt es.
    Die US Wirtschaftszahlen mögen besser sein als in der EU. Genützt hat es vielen Menschen dennoch nicht.

    Um das Ganze zu beenden. Die Welt ist komplex. Als Wissenschaftler warne ich davor, den Wahrheitsbegriff zu verwenden. Wahrheit ist etwas für Religion. Man sollte verschiedeneste Modelle versuchen und wenn möglich empirisch Prüfen. Gibt es mehrere Erklärungsmodelle, dann sind diese Modelle nutzbar. In der Ökonomie trifft das definitiv zu, da sie eine Sozialwisschaft ist. Ökonomie ist mehr als Saldenmechanik.

  • Cooper8

    In der VWL ist der Stand der Erkenntnis folgender:
    1. Klassische/ Neoklassische Lehre wurde mehrfach widerlegt
    2. Lehre von Keynes und das, was andere Ökonomen ergänzt und neu dazu beigetragen haben.

  • Hardy

    Der Chef einer deutschen Landesbank, der Geld in den USA anlegt, gehört fristlos entlassen und anschließend geteert und gefedert.

    Eine deutsche Landesbank sollte ihr Geld in Deutschland anlegen. Punkt.

  • Hallo Hardy,
    gibt es dafür irgend einen Grund? (hir)

  • Hardy

    Na sagen wir es mal so: wenn die ganzen deutschen Idioten nicht ihr Geld in den USA angelegt hätten, wäre die weltweite Sub-Prime Bankenkrise 2008/2009 nicht ausgebrochen.

    Ich lebe trotzdem noch, aber ich finde schon, daß sich eine solche Krise nicht wiederholen sollte.

    Außerdem hat es doch Charme, wenn jemand, der Geld in den USA verzockt, anschließend eine typisch amerikanische Strafe erhält: teeren und federn eben. Das ist doch absolut passend …

  • Hallo Hardy,
    so eine Krise sollte sich auf keinen Fall wiederholen. Die Anleger und Banken haben hoffentlich daraus gelernt.

  • Hardy

    “Hoffentlich”? Dieses Wort gehört in die Kirche und nicht in den Saal eines Strafgerichts.

  • Wir sind hier ja auch nicht beim Strafgericht ;) (Hir)