Diejenigen, die mit Blick auf die Finanzkrise voreilig von Licht am Ende des Tunnels gesprochen haben, müssen nun feststellen, dass das in Wirklichkeit der entgegenkommende Zug war. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

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5 vor 10: Grundsteuer, Meetings, Zölle, Lohnlücke, Banken

Heute in den Linktipps: Ist das Ende der Grundsteuer gekommen? Wie sollte man reagieren, wenn man vom Chef ins Rampenlicht gestellt wird? Wieso schrumpft die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern so langsam? Zudem beschäftigen uns eine mögliche Reaktion auf Trumps Strafzölle und die Ungleichheit, die die Eurokrise anheizte.

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1. Das Ende der Grundsteuer ist gekommen
(welt.de, Michael Fabricius)
Die Höhe der Grundsteuer wird in Deutschland mit Einheitswerten ermittelt, die im Westen im Jahr 1964 festgelegt wurden, im Osten sogar vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1935. Da scheint es kaum verwunderlich, dass die Haupteinnahmequelle der Gemeinden umstritten ist. Michael Fabricius hat angesichts des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes die unterschiedlichen Positionen betrachtet und beschreibt, welche Alternativen es gibt.

2. Wie reagieren, wenn der Chef einen ins Rampenlicht stellt?
(hbr.org, Paul Axtell, englisch)
Wer in einem Meeting vom Chef um seine Meinung gefragt wird, empfindet das möglicherweise vor allem als unangenehm und peinlich. Wieso sich die Aufmerksamkeit der Kollegen aber für sich nutzen lässt und welche Vorbereitung das erfordert, erklärt Paul Axtell in der Harvard Business Review. Auch der Spruch „Meine Gedanken wurden bereits von jemandem anderen ausgedrückt“, kommt vor.

3. „Deutschland sollte seine Zölle auf Autos senken“
(wiwo.de, Thomas Schmelzer)
Dass die EU mit ihrer aktuellen Strategie – Donald Trump davon zu überzeugen, dass seine Pläne für Strafzölle ziemlich teuer werden könnten – Erfolg haben könnte, bezweifelt Welthandel-Experte Rolf Langhammer im Interview mit Thomas Schmelzer. Stattdessen schlägt der Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel vor, dass Deutschland seine Zölle senken sollte.

4. Achtung, Lohnlücke
(npr.org, Stacey Vanek Smith und Cardiff Garcia, englisch, Podcast)
20 Prozent weniger verdienen Frauen – so lautet die Zahl für die Lohnlücke in den USA. Warum bekommen Frauen noch immer weniger Gehalt? Stacey Vanek Smith und Cardiff Garcia gehen dieser Frage in ihrem Podcast nach und stellen dabei neue Erkenntnisse vor. Etwa dass die Löhne der Frauen in den hoch lukrativen Jobs am langsamsten an die der Männer heranwüchsen.

5. Ungleichheit hat die Eurokrise angeheizt
(project-syndicate.org, Benedicta Marzinotto, englisch)
Mit der Liberalisierung der Banken in der Europäischen Union hätten vor allem die Geringverdiener in den Peripherie-Staaten Zugang zu Krediten bekommen, schreibt Benedicta Marzinotto, Gastprofessorin für „EU Macroeconomic Policies and Governance“ am College of Europe im belgischen Brügge. Zugleich verbesserte sich in den kerneuropäischen Staaten das Angebot der Kreditinstitute. Wieso diese Ungleichheit die Eurokrise angeheizt hat, beschreibt die Autorin auf Project Syndicate.

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  • Autor

    INSM Redaktion

    Hier schreibt die Redaktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Cooper8

    ad 5. Was ist eine wichtige Ursache für die Entwicklung bei der Ungleichheit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung?
    Wie kann eine Währungsgemeinschaft langfristig stabil funktionieren?
    Neoklassische Ökonomen können auf beide Fragen keine plausiblen Antworten liefern.
    In einer Währungsgemeinschaft müssen sich alle Mitgliedsländern ihren eigenen Verhältnissen anpassen.
    Das geschieht, wenn gesamtwirtschaftlich folgendes Prinzip bei der regelmäßigen Lohnentwicklung eingehalten wird: Zielinflation 2% plus Fortschritt in der nationalen Produktivität (Entwicklung des BIP).
    An dieses Prinzip einer Währungsgemeinschaft hat sich seit der Einführung des Euros nur Frankreich gehalten.
    Deutschland hat unter seinen Verhältnissen gelebt, weil die Entwicklung der realen Löhne viel zu niedrig war.
    Deutschland hat von der Wirkung her intern in der Währungsgemeinschaft abgewertet und damit mit unfairen Methoden seine Wettbewerbsfähigkeit gesteigert.
    Logischerweise ist die Ungleichheit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland in den letzten Jahren enorm angestiegen.
    Es ist ein weiterer schwerer Konstruktionsfehler der Eurozone, dass die Kommissare für die Währung, die Beschäftigung oder die Wirtschaft der EU nicht verpflichtet werden, darauf zu achten, dass in den Mitgliedsländern eine angemessene Lohnentwicklung vollzogen wird.
    Die Eurokrise kann u.a. auch nur dann gelöst werden, wenn die realen Löhne in Deutschland solange über das geschilderte Prinzip hinaus gesteigert werden, bis der unfaire Vorteil bei den zu niedrigen deutschen Lohnstückkosten gegenüber den anderen Mitgliedsländern wieder ausgeglichen worden ist.
    Frau Marzinotto müsste somit eigentlich jeden Tag deutliche Lohnerhöhungen in Deutschland fordern, damit die italienische Wirtschaft überhaupt eine Chance auf eine wirtschaftliche Erholung haben kann.