Kann sich irgendwer erinnern, daß die Zeiten einmal nicht hart waren und das Geld nicht knapp? Ralph Waldo Emerson, 1803-1882, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph

51 BildungSoziales

Studiengebühren schaffen Chancengerechtigkeit

Wer über seinen Lebensstatus nachdenkt, vergleicht sich meist mit vermeintlich besser Gestellten. Das gilt auch für die Gesamtgesellschaft. So wähnt sich Deutschland zusehends in einer Klassengesellschaft. Mit der Realität hat das wenig zu tun: Heute geht es vielfach gerechter zu als früher. Nur im Bildungssystem steckt noch viel Potenzial – mit Studiengebühren zum Beispiel.

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Die Antwort auf die Frage, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat, hängt davon ab, womit wir die Entwicklung vergleichen. Schon ein Blick in die jüngste Vergangenheit würde reichen, um festzustellen, dass es mit der Behauptung, wir würden in einer Klassengesellschaft leben, nicht weit her ist. So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner neuesten Analyse der Einkommensentwicklung nicht nur gezeigt, dass das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte von 2005 bis 2010 gestiegen ist. Gleichzeitig hat auch die Ungleichheit in der Einkommensverteilung merklich abgenommen. Das liegt vor allem an der gestiegenen Beschäftigtenzahl, durch die mehr Menschen Teilhabe am Wohlstand und Aufstieg möglich ist. Eine gute Arbeitsmarktpolitik ist also eine wichtige Voraussetzung für mehr Gerechtigkeit. Doch ohne eine ausgewogenere Verteilung der Chancen durch Bildung stößt auch sie an ihre Grenzen.

Hier bleibt in der Tat noch viel zu tun. Wie kein anderes hat das deutsche Bildungssystem die Vererbung von Bildungschancen zementiert. Nach einer empirischen Untersuchung des DIW vom Januar 2013 bedingt der familiäre Bildungshintergrund knapp die Hälfte der Ungleichheit zwischen den Arbeitseinkommen und über die Hälfte der Unterschiede im formalen Bildungserfolg.

Wenn nun allerorts die Studiengebühren abgeschafft werden, hilft dies finanziell schwächerer Familien kaum, da deren Kinder ohnehin nur vereinzelt studieren. Andererseits, müssen sie nun, stärker als vorher über ihre Steuern das Studium vor allem von Kindern wohlhabender Eltern von ihrem spärlichen Einkommen mitfinanzieren.  Demgegenüber schaffen es die Kinder gut verdienender Akademiker mit Unterstützung des Elternhauses einfacher zum Abitur und damit an die Uni. Der Wegfall von Studiengebühren verfestigt somit die Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Ein gebührenfreies System führt dazu, dass im Vergleich der sozialen Herkunftsgruppen der Studierenden die unterste Einkommensgruppe kaum weniger belastet wird als die höchste.

Ein System aus Studiengebühren, -Krediten und Stipendien, sowie einkommensabhängigen und nicht rückzahlbaren BAföG-Zuschüssen wäre dagegen effizienter und könnte einen fairen Hochschulzugang für alle schaffen – ein entscheidender Schritt für mehr Chancengerechtigkeit.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung auf Welt.de erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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  • Bernhard K. Kopp

    Jenseits der Sachargumente ist die Politik. Dort ist unser Problem, nicht nur betreffend Studiengebühren. Unsere repräsentative Parteiendemokratie versagt immer öfter dabei, das Vernünftige gegen das Populäre durchzusetzen. Im Vergleich mit Südeuropa ist es bei uns nur partiell oder marginal besser.

  • nicht wirklich links

    Meiner Ansicht nach ist die Aussage, das die spärlichen Einkommen der ärmeren Teile der Bevölkerung durch die Finanzierung der Kinder von wohabenderen Eltern wirklich beeinträchtigt werden nicht sehr realitätsnah. Wir geben in Deutschland ca. 4,6% unseres BIPs für Forschung und Entwicklung aus. Damit befinden wir uns auf Platz 82 zwischen so aufstrebenden Bildungsnationen wie der Elfenbeinküste und Simbabwe. Und von diesen 4,6% betreffen auch nur ein Bruchteil die angsprochene Hochschulfinanzierung. Wir haben also kein wirkliches Ausgabenproblem. Dafür ist gibt es doch unsere soziale Marktwirtschaft. Gemeinschaftlich werden Aufgaben finanziert, die allen Bürgern zur Verfügung stehen.
    Wie die Einführung von Studiengebühren nun tatsächlich zur besseren Chancenverteilung führen soll, wird nach meiner Ansicht aus dem Artikel heraus nicht deutlich. Die Einführung eines, wahrscheinlich hochbürokratischen, individuellen Fördersystems würde mit großer Wahrscheinlichkeit zu höheren Kosten führen und den Einstieg von Kindern aus bildungsfernen Haushalten nur erschweren. (Man schaue bloß auf unser Sozialsystem, das rund 30 % seiner Kosten durch seine eigene Verwaltung verursacht).
    Aus meiner Sicht heraus würde die Einführung von Studiengebühren und die Kompensation dieser mit der Einführung von individualiserten Fördersystemen weder das, nicht vorhandene, Ausgabenproblem lösen noch zu erhöhter Chancengleichheit führen. Im Gegenteil, die Minimierung von Einstiegsbarien schafft die Möglichkeit für alle Teile der Bevölkerung, sich durch die eigene Leistung hervorzutun.

  • LiFe

    Wenn man die Wohnungssituation heuer für Studenten betrachtet, es studieren auch Geschwister gleichzeitig, ein jedes in unterschiedlichen Städte, da kann man froh sein, keine Studiengebühren zusätzlich zahlen zu müssen!

  • ???

    ” Andererseits, müssen sie nun, stärker als vorher über ihre Steuern das Studium vor allem von Kindern wohlhabender Eltern von ihrem spärlichen Einkommen mitfinanzieren. ”

    Wusste garnicht, dass deshalb die Steuern angehoben werden.

  • elbnacht

    Bei der ganzen Diskussion wird immer wieder eine einfache kleine Rechnung nicht gemacht: nahezu jeder Student leistet sich in seinem Leben danach, sprich Arbeitsleben, das eine oder andere Auto. Die Kosten dafür belaufen sich lt. der Studie „Autofahren in Deutschland“ auf über 300.000 Euro. Da scheint es für Politiker (und eben Studenten) unzumutbar zu sein, 20.000 – 50.000 Euro für ein erstklassiges Studium zu bezahlen. Lieber lassen sich die Studenten das Studium über die Steuern der Kassiererin bei Aldi bezahlen. Auch so funktioniert die Umverteilung von oben nach unten. Danke Politik (übrigens von Links bis FDP)!

  • Molotov

    Dieser Prof Dr. betreib nix mehr als eine CDU Politik. Dieser Beitrag hat nichts zu tun mit dem Thema “studieren”, sondern nur mit Propaganda. Es geht gar nicht um Finanzen. Die Frage lautet: wer soll überhaupt studieren, welcher Fächer, wer steuert die Bedürfnisse der Gesellschaft und wie werden die ausgebildeten Arbeitskräfte eingesetzt naher, damit wir alle davon profitieren. Studium nur für die Söhne von Dr. Kohl, für die 7 Kinder von Frau von der Layen, für die adoptierten Kindern der Schröders Herr Professor? Ja, Sie wollen nur das!

  • HaOs

    Studiengebühren schaffen mehr Chancengleichheit? Im Ernst?

    Ich musste mich bei der Wahl einer Universität stark regional einschränken, da ich mir die Studiengebühren vieler Standorte nicht hätte leisten können – und meine Eltern auch nicht. Ich habe viele Studienabbrecher kennengelernt, die sich das Studium finanziell nicht mehr leisten konnten.
    Ich verstehe ihren Ansatz nicht.
    Dieser wird auch auf Welt.de nicht ersichtlich. Ökonomischer Erfolg? Sollte ich mich verschulden und nebenbei 30h die Woche arbeiten gehen, um mein Studium zu finanzieren? Ich habe neben meinem Studium gearbeitet, musste meinen Lebensunterhalt selbst verdienen und habe all die beneidet, die von Eltern oder Staat finanziert wurden und in der Regelstudienzeit ihren Abschluss mit Bravour gemacht haben.
    Ehrlich gesagt halte ich Ihre Äußerungen für schwachsinnig. Von einem Akademiker zum anderen: Unwissenheit kennt wahrlich keine Klassen.

  • Peter Moog

    Ich habe noch höchst selten eine solch an den Haaren herbei gezogenen, gespickt mit Zynismus – Argumentation gehört

  • LiFe

    Gehen wir zurück in die 70er Jahre. Es hatte bereits große Unterschiede gegeben wer BAföG bekam und wer nicht. Viele Kinder von Angestellten und Arbeiter hatten keine Ansprüche stellen können. Die Eltern verdienten zu viel. Kinder von Unternehmer dagegen konnten BAföG beantragen und sie bekamen sie bewilligt. Zur damaligen Zeit war es so. Die Unternehmer hatten geringes Einkommen nachweisen können. Mir geht es nicht dabei die Gesellschaft zu verurteilen, daß eine Schicht Vorteile ziehen konnte und eine andere Benachteiligung hinnehmen musste. Das ist Geschichte. Dennoch meine ich, dass diese Vorgehensweise damals zu dem geführt hat, wo wir angekommen sind. Mangel an Fachkräfte. Diese Verteilung in den 70er Jahre wer BAföG bekam oder nicht hatte damals bereits Talente und Begabung erheblich geschadet. Studenten haben das Recht, gleich welcher Schicht sie angehören auf ein vollkommen störungsfreies Studium. Mir gefällt die Situation nicht, dass unsere Studenten keine vernünftige sprich zahlbare Unterkünfte bekommen. Es sollen sogar welche in Unis schlafen!

  • selten eine solche grütze gelesen.

    In welchem prekären Leiharbeitsverhältnis hat sich denn das Lohnniveau schon soweit angepasst, dass dort von einem abnehmen des ungleichen Einkommens die Rede seien könnte?! Oder meinen Sie, dass ja mittlerweile auch die Gehälter für Festangestellte so gedrückt werden, dass auch diese bei dem Lohn eines Zeit- bzw. Leiharbeiters angekommen sind?! – denn sorum hätten sie beinahe recht.

    Und wo sorgen denn Studiengebühren für Chancengleichheit, wenn ich, Kind einer alleinerziehenden Mutter, mit einem eher durchschnittlichem Einkommen, Studiengebühren zahlen muss, was jedes halbe Jahr zu einem finanziellen Loch führt, aus dem ich mich dann erstmal rausarbeiten muss – während meine Kommillitonen sich sorgen darüber machen, ob es im Winterurlaub nach Ischgl oder doch in die Südsee geht!?

    Sie können Ihre Lügen noch so oft wiederholen, um sie am ende vielleicht wenigstens selbst zu glauben – mit der realität hat ihre sichtweise nur leider nichts zu tun.
    so ist das wohl, schon erich honnecker dachte, er würde im sozialistenhimmel leben – und marie antoinette meinte auch mal, das volk solle doch kuchen essen, wenn sie kein brot hätten –

    und ich denke – unter einem solchen ereignishorizont könnte man auch sie einordnen und sie würden sich dabei noch wohl fühlen. denn sie merken nichtmal, wie unglaublich weit sie bereits von der realität abgedriftet sind.

    ich hoffe wirklich, dass leute wie sie noch erleben, wie ihnen der misthaufen, den sie produziert haben – kräftig um die ohren fliegt.

    bis dahin

  • Anon

    Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe glaube ich seit einigen Aussagen amerikanischer Fundamentalisten und Kreationisten nicht mehr so einen quatsch gelesen. Der kleine Prozentteil, der vom Einkommen schlechtverdiensender Menschen das Studieren in Deutschland finanziert ist unvergleichbar mit dem, was ein Student an Studiengebühren bezahlt. Ich finde diesen Blogpost gefährlich da dadurch nur Hetze geschürt wird. Entschuldigen Sie, aber das hätts nun wirklich nicht gebraucht.

  • Costa Concordia

    In Deutschland ist es einfach nicht mehr gewollt, dass ärmere Familien überhaupt noch Kinder auf die Welt setzen, noch dass diese eine vernünftige Bildung erhalten. Das kann man sehr deutlich an dem Geschreibsel in diesem Artikel sehen. Obwohl ich selber nach dem zweiten Bildungsweg studiert habe und dieses an einer privaten Hochschule selber finanziert, denke ich man sollte jedem die Chance zum Abitur und Hochschule geben.

  • Ist ja wohl ein Witz!

    Kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein?!

    Fakt ist doch, dass wenn man überall Studiengebühren einführt, die sozial schwächeren (ärmeren) nahezu überhaupt keine Möglichkeit mehr haben zu studieren.
    Selbst wenn viele Kinder ärmerer Familien nicht studieren gehen, sollten sie dennoch die Möglichkeit haben dies zu tun. Je nach Höhe ist der Gebühren ist das quasi nicht mehr möglich.

    Davon abgesehen ist das Problem doch nicht das die Bürger zu hohe Kosten tragen müssen um die Bildung zu finanzieren, sondern das der Staat einfach nicht bereit ist, die notwendigen Mittel in die Finanzierung zu stecken (siehe Post von nicht wirklich links)

    Für die Zukunft: Erst denken, dann schreiben!

  • Doomhammer

    Für mich als Studierender geht dieser Artikel weit an der Realität vorbei.
    Zur Information: Meine Eltern gehören nicht zu den Besserverdienenden, ich bin froh, dass sie mir das Kindergeld auszahlen können. Gleichzeitig bekomme ich aber nur so wenig BaFög, dass ich mich mit einem zusätzlichen Kredit und einem Nebenjob über Wasser halten muss.
    Aus meiner Sicht und aus der Sicht vieler meiner Freunde sind Studiengebühren ein Selektionsmechanismus, der die Armen von vornerein ausschließt. Ich für meinen Teil könnte eine Studiengebühr nicht bezahlen, sodass ich entweder gar nicht angefangen hätte zu studieren, oder nun abbrechen müsste.

    Ein Studium ist leider auch ohne diese Gebühren recht teuer, denn man braucht immer noch Lernmaterial wie Bücher, Ordner, Schreibpapier, etc.
    Eine Studiengebühr schreckt ab. Man weiß nicht, ob man das immer bezahlen kann, wie stark man sich privat einschränken muss. Kinder aus ärmeren Familien sind vielfach mit einer nicht-universitären Ausbildung besser dran, da diese in der Regel nur 3 Jahre dauert und man vor Allem einen Lohn bekommt.

    Die angesprochene Zementierung der Vererbbarkeit des Bildungsstandes ist eine Krankheit unseres Bildungssystems, die man durch einen kostenfreien (!) Zugang zu Schulen und Universitäten und kostenlosen Lernmaterialien (v.A. Büchern) bekämpfen kann. Eine Studiengebühr geht in die falsche Richtung und zementiert den Status Quo nur noch mehr.

    Eine Förderung durch ein komplexes System von Studiengebühren, BaFög und privaten Studienkrediten ist extrem Schizophren. Auf der einen Seite soll man für die Universität bezahlen, auf der anderen Seite bekommt man staatliche Gelder und muss sich zudem noch privat sehr hoch verschulden. Aus logischer Konsequenz ergibt sich daraus schließlich ein Wegfall der Studiengebühren und des BaFögs, sodass rein die private Verschuldung als einziges Finanzierungsmittel übrig bleibt.

    Wir rühmen uns als das “Land der Dichter und Denker”. Das war einmal. In unserem heutigen System leben viele, die einmal zur “Bildungselite” gehören sollen, unter dem Hartz-IV-Niveau, ohne, dass man sich einer privaten goldenen Zukunft sicher sein kann. Wir reden hier von “Elite” in dem vollen Bewusstsein, dass nur diejenigen zur “Elite” gehören werden, deren Geburtsprivileg eben jene Zugehörigkeit ist.

    Je mehr finanzielle Barrieren in unserem Bildungssystem fallen, desto mehr können wir uns wieder als das rühmen, was wir einmal waren – das “Land der Dichter und Denker”.

  • Thomas Wienecke

    Sehr geehrter Hr. Prof. Dr. Straubhaar,

    inwiefern ist es bitte sozial, abseits von neo-“liberalen”, (besser: libertären) Ideen zur Reduktion von Lohnkosten, wenn Studenten die Universitäten bezahlen sollen? Wäre es nicht vernünftiger, die Ertragssteuern für Unternehmen wieder anzuheben, die ja immer noch glänzende Gewinne erwirtschaften?
    Vielleicht wären andere als diese Ansätze hilfreicher für die allgemeine Wohlfahrt?
    Früher gab es nebem dem Markt ein Krankenhaus, ein Gericht, ein Rathaus und ein paar andere Einrichtungen. Aus gutem Grund.

    Um Montaigne zu bemühen: “Lasst Euch nicht zum Markte führen, Sie wollen Euch verkaufen”.

    Wen und was verkaufen Sie gerade? Und an wen?

  • Minerva

    Wow, es ist immer wieder erstaunlich, wie man Fakten verdrehen kann…

    Ich hab mir vor einigen Monaten die Mühe gemacht den Armutsbericht mal tatsächlich durchzulesen – nachdem es kurzzeitig zur Diskussion gekommen war, ob absichtlich Passagen geschönt wurden, ums nicht ganz so schlimm aussehen zu lassen.
    Ergebnis: umformuliert wurde nur der zusammenfassende kurze Anfang der etwa 500 Seiten. Die restlichen Erkenntnisse blieben gleich.
    Dennoch änderte sich die Beurteilung der Gesamtsituation von – die Ungleichheit führt in naher Zukunft zu Unruhen – zu – eigentlich gehts uns allen ja besser als ‘früher’.
    Nach durchackern des ganzen Berichts halte ich beide Seiten für überzogen und Politikmache, aber danach zu behaupten, dass die Arm-Reich-Schere nicht weiter auseinanderginge, nur weil die Einkommensverteilung sich bessere (auch wenns nett ist, dass die Ost/West- Unterschiede auch als “Schere” darstellbar sind), ist Augenwischerei.

    Zum eigentlichen Thema:
    Ich studiere selbst, habe kein Anspruch auf Leistungen nach dem BAföG (da u.A. die Ausbildungsvergütung meiner älteren Schwester zum Familieneinkommen gezählt wird – unabhängig davon, dass diese beinahe vollständig für den Sprit von und zur Arbeitsstelle draufgeht) und lebe nach Abzug von Miete und Nebenkosten von 175€ im Monat (mehr können sich meine Eltern nicht leisten), wovon noch 50€ monatlich für das Nahverkehrsnetz draufgehen.
    Ich kaufe Bücher, esse und kleide mich von 125€ monatlich.
    In den ersten beiden Semester versuchte ich durch Nebenjob ein bisschen Polster anzusparen, musste dann aber kündigen, da aufgrund des Zeitaufwands (52-Stunden-Woche durch Studium und Nebenjob) meine Noten in den Keller rauschten.
    Inzwischen lasse ich mich von meinem Freund aushalten um eine Chance zu haben,
    aber diese Möglichkeit hat nunmal nicht jeder!

    Und ich bin kein Einzelfall: In meinem näheren Umfeld haben bereits 2 Studenten das Studium wegen Burn-Out-Syndroms abgebrochen, da die Doppelbelastung Studium und Nebenjob zu groß war. Eine weitere Studentin ist parallel in ambulanter Behandlung und wieder ein weiterer Kommilitone hetzte sich ab den Bachelor ein Semester früher zu beenden, da das Geld kein weiteres Semester mehr für Studiengebühren reichen würde (trotz BAföG und Halbwaisenrente).
    Eine andere Freundin – glatte 1ser-Schülerin – musste auch von einem Studium absehen. Trotz Stipendium. Ihr älterer Bruder studiert bereits und die Eltern wussten von Anfang an, dass sie nur Geld für Unterkunft und Unterhalt EINES studierenden Kindes haben würden. – Sie ist nun glücklich mit einer Lehre zur Bankangestellten in der Dorfbank…

    Die Liste könnte nun beliebig lange fortgesetzt werden, aber zurück von den Geldgebern zu den Geldnehmern.

    Durch die übertriebene Höhe der Studiengebühren schwammen die Hochschulen teilweise so in Geld, dass sie sich nicht recht einig wurden wohin damit.
    Aus den Verwendungslisten der LMU-München geht beispiels weise hervor, dass sie für meinen Studiengang (Chemie und Biochemie) jährlich(!) 300-2000€ für die Neuanschaffung von 3D-Brillen (seit Einführung) ausgaben.
    Es handelt sich hierbei um diese Kartonbrillen mit grüner und roter Folie, die wir genau für diese eine Veranstaltung am Anfang des 1. Semesters ausgeteilt bekommen hatten und nach dieser Veranstaltung wieder abgeben mussten!

    Weiter gibt es in anderen Städten hohe Anschaffungskosten für neue Stühle, die dann aufgrund von Feuerschutzbestimmungen nicht aufgestellt werden durften (z.B. Erlangen),
    sowie der Bau eines neuen Parkplatzes für Dozenten, dessen Benutzung den Studenten untersagt war, obwohl die Tiefgarage der Dozenten bereits nicht voll ausgelastet war…

    Der derzeitige status quo hat also definitiv nicht zur Chancengleichheit beigetragen!

    Auch wenn angemerkt sein muss, dass “einkommensabhängige[n] und nicht rückzahlbare[n] BAföG-Zuschüsse[n]” tatsächlich – ohne Studiengebührenpflicht – hilfreich wären. Sowie ein kostenloses Ticket für Studenten um zwischen Studiumplatz und Wohnort zu pendeln und natürlich die Berechtigung zur Tafel zu gehen – den faktisch haben viele Studenten weniger als ein Hartz4-Empfänger.

  • Nico

    Hoch interessant, wie schön man Fakten verdrehen kann, ohne dass es wie billige Polemik klingt.

    Würde es Studiengebühren geben, gäbe es folgende mögliche Effekte:
    1. (der wohl hier als “gut” verkauft werden soll) nur noch die Kinder der Oberschicht kann studieren
    2. Massive Verschuldung der Studenten (wie aktuell in den USA zu sehen)

    Oder um es etwas einfacher zu formulieren:
    Sprach der Pfaff’ zum König:
    “Halt Du sie arm, ich halt sie dumm.”

    Chancengerechtigkeit heißt im Gegenteil: Abschaffung von Studiengebühren (wo es sie noch gibt) und die Möglichkeit, Studium allen geeigneten potentiellen Studenten zu ermöglichen, unabhänging von der aktuellen Schicht und Bildungsangebote für alle.

    Ebenso ist es zwingend notwendig (dies wird bei der aktiven Vorwärtsverteidigung des Status Quo nicht passieren, da die, die unsere eiserne Kanzlerin und ihren Finanzminister, der seine “schwarzen Koffer” vergessen hat, finanzieren, dies nicht wollen.)

    Abschaffung der Beitragskappungen, Gleichbehandlung aller Einkommensarten (Vergleich zwischen §19 und §20 EStG als sofort erkennbares Beispiel), Rückführung aller Einkommensbezieher in die Sozialkassen (PKV als ZUSATZ-Option) und Einführung weiterer Progressionsstufen bei gleichzeitiger Abschaffung der kalten Progression (durch Kopplung an die Inflation) würde zur Senkung von Steuersätzen führen und eine effektive Umverteilung bedeuten.

  • Andreas

    “Wenn nun allerorts die Studiengebühren abgeschafft werden, hilft dies finanziell schwächerer Familien kaum, da deren Kinder ohnehin nur vereinzelt studieren. Andererseits, müssen sie nun, stärker als vorher über ihre Steuern das Studium vor allem von Kindern wohlhabender Eltern von ihrem spärlichen Einkommen mitfinanzieren.”

    Das ist imho mit Abstand das “dümmlichste”, was ich jemals zum Thema gehört habe. Unabhängig davon, welche Interessen Sie vertreten, das war nun wirklich keine Glanzleistung.

    Auf welche Statistiken stützen Sie sich im Bezug auf die Studierendenzahlen? Selbst eine Statistik, welche so ausgestaltet ist, dass sie dies signifikant anzeigt, müsste doch eher die Frage aufwerfen, warum das so ist. Vermutlich, da sich diese Familien das Studium ihrer Kinder nicht leisten können.

    Wo genau ist dann die logische Konsequenz, diesen Familien die Zugangsvoraussetzungen zum Studium zu erschweren? Arme Familien zahlen auch nicht vermehrt Steuern, wenn die Bildungsausgaben nicht sinken. Deutschland kann es sich nicht leisten, auf die interlektuellen Ressourcen zu verzichten, welche dadurch verloren gehen, dass sich ein Grossteil der ärmeren Familien das Studium ihrer Kinder nicht leisten können. Mit unseren Bodenschätzen können wir ja schlecht handeln, oder? ;)

    Hier noch ein netter Vergleich:
    http://www.jjahnke.net/index_files/13004.gif

  • rldml

    Sorry, mit diesem Artikel sagen Sie im Grunde nur eines: Sie möchten Unis, an denen sozial Schwächere nichts zu suchen haben.

    Die sogenannten schwächeren Haushalte zahlen auch heute schon kaum/keine Steuern, finanzieren die “Reichen” in Punkto Bildung also nicht mit. Damit stimmt schon Ihre Grundannahme nicht, die Sie in diesem Artikel äußern.

    Gleichzeitig müssten die Studiengebühren von finanziell Schwächeren Familien erst mal erwirtschaftet werden: Das, verehrter Herr Author ist in vielen Fällen schlicht nicht leistbar.

    Und irgendwelche Stipendien oder andere Sonderregelungen wollen sicher nicht für jeden x-beliebigen, sondern garantiert nur für potentielle Spitzenleute, oder? Wenn jeder mit Studienwunsch ein Stipendium kriegen könnte, warum dann überhaupt erst Studiengebühren einführen?

    Bitte verziehen sie sich mit Ihren elitären Wunschvorstellungen bitte in eine Ecke weit weg von Deutschland – damit wäre allen geholfen.

    Gruß, rldml

  • Robert Bienert

    Ist es nicht schön, wie sich Geschichte immer wiederholt? Genau diese Diskussion über den Sinn und Unsinn von Studiengebühren hatten wir 2006 in Hessen, und wie ich sehe, werden auch sieben Jahre später immer noch gleichen falschen Argumente angeführt. Deshalb: http://www.uni-kassel.de/~bienert/studiengebuehren/

  • Alexander Haak

    Korrigierte Fassung (mit Zusatzinhalt):

    Und ich dachte, dass sich Leistung lohnen sollte.

    Anscheinend wird dieser Grundsatz schon anders gewertet. Hier geht es wohl nicht mehr um die Leistung der Studenten, sondern der Eltern-Elite, die sich es auch leisten kann ihren Kindern ein Studium finanzieren zu können.

    Zum Thema:

    “Andererseits, müssen sie nun, stärker als vorher über ihre Steuern das Studium vor allem von Kindern wohlhabender Eltern von ihrem spärlichen Einkommen mitfinanzieren. ”

    Die Kinder WOHLHABENDER Eltern VON IHREM SPÄRLICHEN EINKOMMEN?

    Man sieht, wie die Eltern bei Aldi und Co. die auf der Straße gesammelten Pfandflaschen abgeben, nur um ein Hochschulsystem finanzieren zu können.

    Wenn ein Professor solche Aussagen tätigt, frage ich mich wirklich, ob es die eigene “faule” Meinung ist, oder der Standard in der Wissenschaft.

    Es geht doch darum das beste Ergebnis zu erzielen und mehr gut ausgebildete Menschen aus dem Schulsystem zu entlassen, die ihr Können und ihre Fähigkeiten auf dem Markt einbringen können. Wenn man schon vorab, fern der Leistungen, die Masse verkleinert, kann es sehr gut passieren, dass man Talente nicht ausschöpft.

    (Ich bitte meinen Kommentar, denn ich davor verfasst habe, zu streichen.)

  • LiFe

    Sorry, mit diesem Artikel sagen Sie im Grunde nur eines: Sie möchten Unis, an denen sozial Schwächere nichts zu suchen haben.

    Mein Vater war Hochschulprofessor und er war stets beeindruckt wie Studenten gerade aus dem sogenannten einfachen Milieu (total lächerlich!) wissenschaftlich begabt und weit denken konnten. Es waren leider nicht viele! Das ist lange her. Früher ertrug ich sein Schimpfen nicht, doch heute erinnere ich mich an alle Details. Ich muss manchmal sogar lachen! Er hatte tatsächlich früh in den 60er Jahre prognostiziert, dass Eitelkeit und Arroganz allen schaden wird und vorwiegend der Wissenschaft! Wie Recht er hatte! Merci papa! pardon, dass ich mich von ihr entfernt habe.

    Und hier der Beweis!

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45547784.html

    Ich wünsche allen Studenten viel Glück und vor allem keine steinigen Wege!

  • ich

    Aus dem von Ihnen verlinkten Artikel:
    “Die Einkommenszuwächse am unteren Ende haben jedoch nicht zu einer deutlichen Verringerung der Armutsquote geführt. Sie blieb zwischen 2005 und 2010 im Westen mit ungefähr 14 Prozent und im Osten Deutschlands mit rund 19 Prozent auf dem gleichen Niveau.”
    Soso, 1/5 in Armut ist also okay.

    Und:
    “Markus Grabka will wohl deshalb vorsichtig bleiben, er spricht von einer “ersten Bewegung in die andere Richtung”, man komme von einem historischen Höchstniveau. Die neue Gegenbewegung habe die vorangegangene Entwicklung nicht gleich wieder rückgängig gemacht.”
    Soviel zum Thema jetzt ist alles viel gerechter… wir sind dabei, den Humbug, der verbockt wurde, wieder rückgängig zu machen…

  • MaxSchu

    Wow, das ist ja mal ein Artikel, bei dem die Kommentarschreiber profundere Argumente haben und anständigere Leute sind als der Autor. Prof. Dr. Straubhaar, meine Fresse, wer heutzutage alles Titel spazieren führen darf. Dieser Herr Professor wird übrigens auch im Wesentlichen vom Steuerzahler finanziert….

    Was ich eigentlich bei diesem neoliberalen Lohnschreiber immer besonders lustig finde, ist, dass Sie sich dann auch noch in ihrer eingeschränkten Gedankenwelt selbst widersprechen. Dazu nur zwei Punkte (und es gäbe noch viel mehr aufzuzählen):
    1. Hallo, ihr betet doch immer den Markt an als sei er das goldene Kalb. Dann wird ein Produkt sinnlos verteuert (hier: das Studium), ja was passiert denn dann in einem Markt? Selbstverständlich geht die Nachfrage zurück. Und wessen Nachfrage geht zurück? Von denen, die sich das Produkt nicht leisten können. Jaja, immer schön den Markt preisen, nur wenn es gerade nicht in den Kram passt, dann ist natürlich alles anders. Erbärmlich.
    2. Soso, die Armen finanzieren über Steuern die Bildung der Reichen. Aber sonst heißt es doch immer, dass die Reichen soviel Steuern zahlen (und übrigens auf keinen Fall mehr Steuer zahlen könnten). Ist halt dann eine andere Diskussion und dann benutzt man halt die umgekehrten Argumente. Wie es gerade passt. Genauso erbärmlich.

  • Markus

    Shitstrom?

    Ich denke, der Artikel hat erreicht, was er kann. Reaktionen hervorrufen! Egal welche!

  • LiFe

    @ Markus Tippfehler sie meinten Shitstorm Zufällig ist das Wort 2012 in der Schweiz zum Wort des Jahres gewählt worden. Genau wie der Autor! Ich kann die Entrüstung verstehen, denn die Kommentarschreiber berichten aus ihre Erfahrungen. Es waren alles Studenten, die sich gemeldet haben. Sie müssen bedenken, dass wissenschaftliches Studium 10 Jahre umfasst. Das bedeutet 10 Jahre in voller Abhängigkeit. Das ist für viele (ganz gleich wie sie gesellschaftlich gestellt sind!) abschreckend. Und wenn sie den Spiegelbericht von 1969 lesen, da bestand das Problem bereits sich für wissenschaftliche Fächer zu entscheiden. Ich erinnere mich heute genau, wie Studenten sich für “Laberfächer” entschieden hatten. Für die Mehrheit galt so früh wie möglich Geld verdienen und auf eigene Beine stehen, wobei nichts dagegen gesprochen hätte länger zu studieren. Die Zeiten waren nicht schlecht. Heute wäre es dringlich! Darum: Wissenschaft kann niemals ausschließlich einer elitären Schicht vorbehalten sein/werden können. Wissenschaft ist und war immer Berufung. Eine Sache des Charakters. Vollkommen Herkunftsunabhängig. Auf Herkunft wird geritten, wenn Neid im Spiel ist (Kollegen). Wehe, wenn einer besser ist, als sein Vorgesetzter! That’s true! Alles erlebt!

  • Thomas

    Markus: “Ich denke, der Artikel hat erreicht, was er kann. Reaktionen hervorrufen! Egal welche!”

    Also, ich lese zwar auch einen Shitstorm, aber die Richtung ist aus meiner Sicht eher einseitig.

  • Meinen Sie das ernst? Glauben sie das, was sie schreiben wirklich?
    In der Unterschicht studieren eh schon nur so wenige, dass man es denen wenigen die es doch geschafft haben die Chance in Zukunft besser gleich verwehrt?

    Das Problem, dass die Armen das Studium der Reichen mitfinanzieren, koennte man doch vielleicht damit loesen, dass man Reiche einfach mehr Steuern zahlen laesst?
    Ach, da war ja was….

  • Platsch

    Na klar, Studiengebühren, damit die Neo-Feudalisierung (auch) der westlichen Gesellschaft wieder und mehr an Fahrt gewinnen kann (Ziel der INSM).

    Echte Sauerei, dass auch Hausmeister Meiers Sohn studieren kann, und den vornehmen Söhnen und Töchter der “Von und Zu Junkerbergs” nicht nur die Studienplätze streitig machen und mit seiner ‘gemeinen’ Anwesenheit im Vorlesungsaal und Seminar belästigt, sondern vielleicht sogar noch mit besseren Noten und Forschungsarbeiten brüskiert, und hinterher vielleicht auch noch an und in die guten Jobs kommt.

    Eine echte Schmach, für echte Sozialdarwinisten.

    Wäre doch viel schöner, wenn Hausmeister Sohn sich erstmal schön in die Kreditsklaverei und Schuldenfalle begeben muss (anders als Anwalts Tochter, der Papa das Geld fürs Studium locker zahlt), oder am besten besser gleich ganz von einer akademischen Laufbahn absieht und eine Lehre bei McDonalds beginnt,
    …und seine schmales Gehalt als Burgerbrater dann für bunten Plunder aus der Werbung ausgibt, und die “Tagesschau” und BILD-“Meinungsbildung” für die Wahrheit hält und brav Kapitalismus-Parteien wählt – statt Gefallen an Lesen und Bildung zu finden, und vielleicht sogar auch noch kritische Fragen zu stellen.

  • More

    Wieso bitte durch 20 Reifen springen wenn es doch viel leichter geht?

    Anstatt die “armen” durch 20 Reifen springen zu lassen damit sie irgendwie die Studiengebühr vom Staat zurückerstattet bekommen, einfach eine Steuer für Bildung für alle Haushalte mit einem Einkommen über 100.000€ im Jahr nehmen.
    Fertig, selber effekt aber um ein vielfaches effizienter.

    Oh, und wie Herr Straubhaar an einer Universität unterrichten kann, mit seiner doch anscheinend etwas begrenzten Fähigkeit zur deduktion ist bemerkenswert.

  • Mirko

    Schwachfug!!!

    Warum?
    Studiengebuehren abschaffen und gleichzeitig BafoeG und Bildungskredite ausreichend befuellt (kein Student muss jobben, denn das ist das ineffizienteste ueberhaupt, denn es verlaengert das Studium und bringt Hilfsarbeiterlohn).
    Sinnvoll waere es das Studenten vor Studienantritt einen Businessplan schreiben muessen, der aber nicht darueber entscheidet, ob man was bekommt, und wieviel, sondern der als “Leistungsvereinbarung” mit dem Kreditgeber dient, um den Studenten anzuspornen: Es werden Boni ausgezahlt, wenn Ziele erreicht werden.

    Das waere wirklich gerecht, denn auch Unterschichtkinder koennen intelligent sein, warum sollen sie nicht studieren koennen? Ein System, das nur durchschnittlich begabten Kindern reicher Eltern hilft, siehe z.B. ex-US-Praesident Busch jun, brindt der Volkswirtschaft wenig. Es hilft nur, Klassendenken zu verfestigen, und Klientel-FDP-Politik zu machen.

    Daher meine Forderung:
    +Weg mit Studiengebueren
    +Lasst Studenten “Businessplaene” schreiben, damit keiner z.B. nach 20 Semestern Germanistik und Komparistik Taxi fahren muss.
    +Her mit billigen Bildungskrediten
    +Her mit einem Anreizsystem (Boni fuer Laptops, Literatur) etc, wenn Studenten die Leistungsvereinbarungen einhalten

    Auf gute Besserung!

  • Platsch

    Der Witz (und die ideologisch-motivierte Verar***e) an dem Argument, “die Armen würden mit ihren Steuern ja quasi den Reichen das Studium finanzieren”, ist ja der Umstand, dass mit der Einführung von Studiengebühren die Steuerbelastung bei den Haushalten der “Armen” ja nicht etwa sinken dürfte und wird:

    Also es ja nicht etwa so ist, daß die “Armen” das Geld für die akademische Ausbildung ihrer Kinder dann ja, wegen z.B. adequater Lohnsteuersenkung (bei dann auch noch gleichbleibendem Gehalt/Lohn!), sich eben vorher privat zur Seite legen und ansparen können.
    Das Geld “für das Studium der Reichen” also wieder zurück, erlassen, geschenkt bekommen würden, und so privat für das Studium der eigenen Kinder sorgen könnten.

    Sondern die Steuerbelastung genauso hoch bleibt, und die “Armen-Familien” dann mit ihren gleichbleibenden Steuern eben nur etwas anderes finanzieren werden, nämlich z.B. (und sehr warscheinlich) Dinge, von denen sie noch weniger haben, als staatliche Ausgaben für Bildung.

    Z.B. Bankenrettungspakete, Abwrackprämien, oder neue Waffengeschenke ans Ausland, – die dann auch wieder mehr den “Reichen-Familien” nützt, ihnen selbst allerdings gar nichts mehr, und noch viel weniger Eigennutzen bringt, als “kostenfreie Bildung für Alle”, von der sie selbst ja auch Gebrauch machen können.

  • Bob Kalsow

    Reden wir doch mal Tacheles Herr Kollege, solches Gesindel wollen wir ganz einfach nicht zusammen mit unseren Kindern an den Universitäten haben. Wo kämen wir denn da hin wenn “deren Kinder” die gleichen Chancen bekämen wie die unseren? Zu einer Herrschaft des Pöbels, da kämen wir doch hin. und das kann doch keiner wollen. Nein, es ist unsere Aufgabe darauf zu achten das die unteren Klassen bleiben wo sie hingehören. Und für diese neue Art sozialer Gerechtigkeit, da haben Sie völlig recht Herr Kollege, da sind Studiengebühren wahrhaftig die gerechtere Lösung!

  • LiFe

    Kinder der sogenannten Unterschicht sind teilweise längst im Ausland. Und sie können Sprachen! Intelligenzija wandert aus! Cambridge University arbeitet mit einer Universität in Riad zusammen, war schon im Fernsehen zu sehen, sehr interessant und gegen alle Clichees. Während wir Klassentrennungen bestreben wird uns eine Elite erscheinen, die uns regelrecht überzeugen wird, dass wir vollkommen Irrwege gegangen sind. Du siehst wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden! An sich ist der Autor ein Schweizer. Die Schweiz war immer eine gute Adresse für Studierende und Unternehmer aus dem Ausland. Die meisten Investoren aus dem Ausland siedeln sich gerne in der Schweiz. Max Frisch war auch ein Schweizer. Sein Studium musste er nach dem Tod seines Vaters abbrechen. So gesehen war er auch ein Beispiel, wie Schicksale brutal im Leben eines Menschen einstürzen können. Und? Er war sein Weg gegangen und wurde ein berühmter Schriftsteller. Sein schönster Satz im Homo Faber: In eure Geselschaft kann man sterben, ihr würdet es nicht einmal bemerken. So würde ich ich diesen Satz auf diejenigen begabten in unserem Breitengrad übertragen, die schlichtweg abbestraft würden: Hier kommst du nicht rein! Ich empfehle das Buch von Julia Friedrichs zu lesen. Titel: Gestatten Elite!
    Mein Vorschlag ist: Gedanken weg von Schichtdenken! Bevor es too late ist. Je vous en prie! Merci.

  • Derksen, Herbert

    Die Dummheit stirbt einfach nicht aus – gerade bei den deutschen Ökonomen nicht.
    Es ist durch mehrere Studien nachgewiesen, dass die Behauptung, die Krankenschwester würde das Studium des Arztes mitbezahlen, schlicht falsch ist!
    Es ist so, dass die Krankenschwester, der Elektrohandwerktrechniker oder der Schlosser davon profitieren, dass Ingenieure und Wissenschaftler an unseren Hochschulen und Universitäten ausgebildet werden. Denn ohne den Ingenieur hätten einige Handwerker und Dienstleister oder die Krankenschwester und der Krankenpfleger keinen Job.

  • Markus

    …naja, für die sog. Oberschicht gibt es schliesslich auch Privatunis, welche den elitären Zirkel stets erweitern.

  • LiFe

    Der Soziologe Richard Sennett sagte in seinem Vortrag: “Empathy is the only way. The more confident you are in yourself the more you can stand diversity”

    Diversity = Vielfalt

  • Laszlo Mitsch

    Herr Dr. Thomas Straubhaar, sie haben Ihr Studium ja in der Tasche, gebührenfrei, nehme ich an.

  • LiFe

    Ihr werdet lachen, bin gleich weg. Ich bin zu einer Feier eingeladen. Ein Freund Komponist und Musikwissenschaftler feiert Geburtstag! Dort trifft sich die “Elite”. :-) Habe meine Noten eingepackt (Victor und Fritz Holländer, geniale Komponisten von Eliten vertrieben….drum geh mir weg mit Elite) und sitze gleich am Flügel. Jeder wird etwas spielen, aber es sind äußerst normale Menschen ohne Dünkel. Vollkommen entspannt und elastisch!

  • Platsch

    Das Argument, “die Armen würden mit ihren Steuern ja den Reichen das Studium finanzieren” ist auch schon deswegen und rein empirisch großer Quatsch und eine einzige auf Manipulation abzielende Lüge, weil ja nach der Vermögensverteilung in Deutschland es leider sehr viel mehr “Arme” gibt, als Reiche.

    Und zwar grob so etwa im Verhältnis 90:10 bis 66:34 – je nachdem ob man Reichtum relativ bewerten will oder anhand einer konkreten Vermögensgröße / konkreten Kriteriums – , d.h. also die Familien der (Masse der) “Armen” mit ihren Steuern ja in erster Linie und viel mehr die Studienlaufbahn der Kinder der anderen “Armen” finanzieren und ermöglichen, wenn wir mal davon ausgehen, dass die Kinder der “Armen” nicht alle nur bis zur Hauptschule kommen, oder nach dem Abitur nicht weiter wollen.

    Vielmehr ist es also wohl so, dass eher “die Reichen” das Studium “der Armen” finanzieren.
    Was aus (echter) sozialdemokratisch-gemeinschaftlicher Sicht (“Eigentum verpflichtet”) völlig OK ist, aber den “Reichen” natürlich nicht schmeckt, und die genau deshalb hier solche verlogenen Manipulationskampagnen abziehen.

    Und WissenschaftlerInnen die sich für solche Ideologieprojekte einspannen lassen und handlangern, beschmutzen einfach nur schäbigst die Ehre und Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Forschung, und zeigen, dass diese ihnen auch längst schon abhanden gekommen, und piepegal ist.

    Noch mehr solche Aktionen in den nächsten 20 Jahren (also gekaufte Lügen mit “Wissenschafts”-Glaubwürdigkeitssiegel), und das Thema “Wissenschaft” ist gegessen und die Leute können sich ihre akademischen Titel bald sonstwohin stecken, weil kaum noch wer Wissenschaftler mehr ernst nehmen wird, akademische Titel den Wert einer Diamant-Brosche bekommen werden (also einen käuflichen) und die Frage immer gleich heißen wird: “Wer hat dir denn wieviel für deine “Erkenntnisse” und “Wahrheit” und zurechtgebogenen Charts bezahlt?”

  • Patrick

    Ich dachte zuerst “Das ist ja lustig, Prof. Dr. Straubhaar, ein Pseudonym, das die unsinnigen aber typischen Argumentationsschemata bestimmter Gruppen ins Lächerliche ziehen will. Haarsträubende Annahmen, die zu noch arbiträreren Schlussfolgerungen führen”. Dann habe ich den Autor gegoogled und rausgefunden, dass es diesen Professor wirklich gibt.
    Vermisst habe ich dann den Trickle-Down-Effekt. Dafür gibt es aber diesen Knaller: “Andererseits, müssen sie nun, stärker als vorher über ihre Steuern das Studium vor allem von Kindern wohlhabender Eltern von ihrem spärlichen Einkommen mitfinanzieren.”
    Auch wenn ich mit meinem Physikstudium nicht soviel von Zahlen mit € dahinter verstehe, wie Sie, komme ich zu dem Schluss, dass unser progressives Steuersystem und die durchschnittlich höhere Anzahl an Kindern in Arbeiterfamilien gegenüber Akademikerfamilien, das Gegenteil ihrer Aussage impliziert. Würden die Studiengebühren zur Senkung der Steuern verwendet (was ja schon falsch ist, das Geld geht derzeit an die Unis), dann wäre die Entlastung bei den Steuerzahlern mit hohem Steuersatz am höchsten. Hinzu kommt noch, dass die Studiengebühren proportional zur Anzahl der studierenden Kinder ist. Auch das spricht dafür, dass Einkommensschwächere mehr von einer Studiengebühr belastet werden.
    “Wenn nun allerorts die Studiengebühren abgeschafft werden, hilft dies finanziell schwächerer Familien kaum, da deren Kinder ohnehin nur vereinzelt studieren.” Dieses Argument ist der pure Hohn. “Wenn körperlich hart Arbeitende die Renten aufgestockt bekommen, hilft ihnen das kaum, da sie ohnehin eine niedrigere Lebenserwartung haben”, ähnliches Argument, etwas drastischer zur Verdeutlichung.

    “Ein System aus Studiengebühren, -Krediten und Stipendien, sowie einkommensabhängigen und nicht rückzahlbaren BAföG-Zuschüssen wäre dagegen effizienter und könnte einen fairen Hochschulzugang für alle schaffen – ein entscheidender Schritt für mehr Chancengerechtigkeit.”
    Dieses Argument ist besonders schlimm, da Sie es höchstwahrscheinlich besser wissen. Es ist sehr häufig so, dass einkommensschwache und bildungsferne Familien viel schlechter über solche Förderungen informiert sind (und werden). Von dem unsinnigen Verwaltungsaufwand der dahinter steckt mal ganz abgesehen.

    Als Wissenschaftler wird es Ihnen sicher leicht fallen, eine Rechnung vorzulegen, die ihre Behauptungen belegt.

  • Platsch

    “Als Wissenschaftler wird es Ihnen sicher leicht fallen, eine Rechnung vorzulegen, die ihre Behauptungen belegt.”

    Das hier ist aber keine Wissenschaft, sondern nur als solche getarnte Neofeudalisten-PR.

    Und jedem, dem halbwegs klar ist, wie die Definition von “Gleichheit” lautet, oder das “=”-Zeichen und dessen mathematische Aussage bekannt ist, der bemerkt, dass zwischen einem Studierenden, der die Kohle dafür problemlos von der Familie bekommt, und einem Studierenden, dessen Familie sich dafür fünfstellig verschulden muss, nicht der Hauch von Chancengleichheit besteht, sondern das glatte und absolute Gegenteil der Fall ist.

  • LiFe

    Es war anscheinend Fügung, als ich “mal so eben” kommentiert habe, dass ich den gestrigen Abend mit Freunde Geburtstag verbringen werde. Ein musikalischer Vortrag, als Geschenk wurde gespielt und gesungen. Das Blumenduett von Léo Delibes. Ha, Léo Delibes Vater war Postbote! Welch ein Glück, welch ein Segen, dass uns seine Kompositionen erreichen konnten und niemand sein schöpferisches Schaffen abgewürgt hatte!

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  • Manager

    Bei so einer Verdrehung der Fakten stehen einem die Haare zu Berge. Da man ja weiss, wer die INSM bezahlt, ist diese Propaganda zwar verständlich, aber dennoch ein Schlag ins Gesicht jedes Bürgers. “Wohlhabenden” Menschen ist es komplett egal, ob deutsche öffentliche Unis Studiengebühren verlangen oder nicht, da die Sprößlinge an internationalen Privatunis studieren. Wem es nicht egal ist, ist neben den “Armen” (die durch Bafög unterstützt werden) die sog. Mittelklasse, für die bei mehreren Kindern eine Finanzierung der Studien eine extrem große Belastung darstellt und die auch größtenteils von der Hand in den Mund lebt, zumindest, wenn die “Besserverdiener” Kinder haben.

  • hydroxide

    Die Datenlage in Großbritannien war doch recht eindeutig, dass Studiengebühren insbesondere sozial Schwache vom Studium fernhalten. Insofern ist die Argumentation von Prof. Straubhaar ein Armutszeugnis für ihn selbst und sein Institut. Wer derart empirische Daten ausblendet, weil sie in die eigene Ideologie nicht passen, disqualifiziert sich als Akademiker und sollte von seiner Alma Mater wegen Rufschädigung abgemahnt werden.

  • Der Duderich

    Nachdem nun in Bayern und in Niedersachsen die Studiengebühren auch noch abschaffen wollen und die Republik bald ein „mautfreies“ Studieren wieder herstellt, bläst die sich selbst so nennende „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ zum Gegenangriff und spannt dazu den Präsidenten des von der Wirtschaft gesponserten HWWI als Mietmaul ein. Er packt dazu die längst widerlegte Behauptung wieder aus, dass Studiengebühren mehr Verteilungsgerechtigkeit schafften. Aus dem zynischen Argument, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien ohnehin nur vereinzelt studierten, folgert er, dass man deswegen ruhig auch Studiengebühren erheben könne. Sie seien ja – so die Schlussfolgerung – nur vereinzelt betroffen.
    Was es heißt, wenn Neoliberale das Wort „Chancengerechtigkeit“ im Munde führen, habe ich erst unlängst dargelegt, siehe „Fluchtpunkt „Chancengerechtigkeit“ – Oder: Wie die INSM über die Einkommens- und Verteilungsungerechtigkeit hinwegzutäuschen versucht“. „Chancengerechtigkeit“ ist das Tarnwort für die Parole „Jeder ist seines Glückes Schmied“.
    Genauso manipulativ sind auch die Behauptungen Straubhaars, dass die Ungleichheit in der Einkommensverteilung abgenommen habe. Der Chef des DIW, dessen Studie Straubhaar zitiert, kommentiert die Studie seines Hauses wie folgt: “Die Veränderungen seit 2005 sind so gering, dass man nicht sicher sagen kann, ob Ungleichheit und Armutsgefährdung wachsen oder sinken“.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=16393#h16

  • Die Vermögensverteilung ist übrigens nicht gerechter geworden. Und bei der Einkommensverteilung ist es auch auf fehlende Einkommen aus Pleite-Fonds zurückführbar. i.Ü. führt auch ein nicht ruckzahlungspflichtiges BAFÖG nicht zu mehr Kindern einkommenschwacher Familien an Unis – im Gegenteil: Wenn man im Studium zurückliegt oder mehrfach das Studium wechselt hat man KEINEN anspruch auf Bafög mehr. Und: Welche Daseinsberechtigung hat ein Propagandainstitut wie die INSM in einer Demokratie???

  • M.Germer

    Ich lebe wegen einer psychischen Erkrankung von HartzIV. Meine Tochter die ich mit 16 bekam und komplett alleine erzogen habe hat ein gutes Abitur gemacht und studiert nun. Wenn ich sowas lese, Herr Straubhaar, würde ich Ihnen gerne persönlich eine gepfefferte Ohrfeige verpassen! “Wenn nun allerorts die Studiengebühren abgeschafft werden, hilft dies finanziell schwächerer Familien kaum, da deren Kinder ohnehin nur vereinzelt studieren. ” Sie haben wohl Ihren Doktor auch gekauft, sonst würden Sie solche unqualifizierten Aussagen wohl kaum machen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • SandySandra

    Also darüber wie gercht die Gebühren nun waren oder sind, kann man ich ja wirklich streiten. Nun isses sowieso beschlossene Sach und ich persönlich finds super, dass das Volksbegehren gegen Studiengebühren Erfolg hatte. Sorry, aber für die Finanzierung unserer Bildung wären öffentliche Gelder ja mal wohl wirklich sinnvoll investiert!