Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf die Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmass an Freiheit an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

- Steuern und Finanzen

Trump kann auch klug: Wie die Steuerreform in den USA wirkt

Vor gut einem halben Jahr hat Donald Trump mit seiner Steuerreform den internationalen Steuerwettbewerb wieder angestoßen. Versprochen wurden höhere Investitionen und neue Jobs. Zwar sehen Kritiker in Trumps Steuersenkungen vor allem eine Begünstigung von Reichen und Unternehmen, doch die Reform trägt erste Früchte – mit überraschendem Ergebnis: Immer mehr Arbeitnehmer profitieren gerade von der Senkung der Unternehmenssteuern.

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Pünktlich zur Weihnachtszeit bescherte Präsident Trump den Amerikanern ein sattes Steuergeschenk. Kern der verabschiedeten Steuerreform ist die Senkung des Körperschaftsteuersatzes. Hier erfolgte ein drastischer Schritt: Der bundesweit geltende Spitzensatz wurde von 35 auf 21 Prozent gesenkt und damit um stolze 14 Prozentpunkte. Für Kritiker steht fest, die Reform ist Klientelpolitik. Statt untere und mittlere Einkommen werden vor allem Großkonzerne beschenkt.

Doch geht die Entlastung der Unternehmen wirklich zu Lasten der dortigen Arbeitnehmer? Ein genauerer Blick zeigt eher das Gegenteil. Natürlich verschafft die massive Senkung der Körperschaftsteuer zunächst einmal den Unternehmen größere Finanzspielräume. Doch die Unternehmen stehen im Wettbewerb – um Kunden, aber auch um gute Fachkräfte. Gerade der angespannte US-Arbeitsmarkt zwingt Unternehmen, vermehrt in ihre Arbeitnehmer zu investieren.

Unternehmen reichen Steuersenkung an Arbeitnehmer weiter

Und genau das passiert gerade in Amerika. Immer mehr Unternehmen reichen die Steuersenkung an ihre Mitarbeiter weiter. Der Einzelhandelsriese Walmart, der alleine in den USA rund 1,4 Millionen Menschen beschäftigt und damit der mit Abstand größte Arbeitgeber des Landes ist, hat die Löhne seiner Mitarbeiter kräftig angehoben. Seit Februar beträgt der Einstiegslohn 11 statt 9 Dollar pro Stunde. Zusätzlich plant Walmart Bonuszahlungen von 200 bis 1000 Dollar pro Mitarbeiter.

Aber auch andere Unternehmen lassen sich nicht lumpen. Der Telekommunikationsriese AT&T zahlt seinen rund 200.000 Mitarbeitern einen stattlichen Bonus von 1000 Dollar. McDonalds hat das Weiterbildungsbudget für Mitarbeiter deutlich erhöht und auch Starbucks oder die Heimwerker-Einzelhandelskette Lowe’s wollen ihre Mitarbeiter, als Reaktion auf die Steuersenkung, besserstellen. Lohnverbesserungen sind auf breiter Front zu beobachten: Alleine im ersten Quartal 2018 sind die Löhne in den USA um 0,9 Prozent gestiegen. Das ist der stärkste Zuwachs seit 2007. Auch ist Umfragen zufolge die Bereitschaft der Unternehmen hoch, weiter Löhne zu erhöhen oder neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Zwar ist die Steuerreform erst gut ein halbes Jahr in Kraft, doch schon jetzt zeigt sich, dass von den Steuererleichterungen für Unternehmen verstärkt Arbeitnehmer profitieren. Für viele mag das ein überraschendes Ergebnis sein, doch Ökonomen ist schon lange bekannt, dass Unternehmenssteuern gerade nicht allein von den Firmeninhabern getragen, sondern auf Kunden oder Arbeitnehmer überwälzt werden. So belegen einige Studien, dass erhöhte Unternehmenssteuern das Lohnwachstum, gerade von Geringverdienern, abwürgen.¹ Trumps Steuerreform könnte daher am Ende nicht nur den Wirtschaftsstandort USA stärken, sondern auch das Lohnwachstum der Arbeitnehmer.

Deutschland kann sich im Steuerwettbewerb nicht einfach wegducken. Ohne Steuerreformen droht die deutsche Wirtschaft abgehängt zu werden. Doch hierzulande werden Diskussionen über dringende Steuerreformen für Unternehmen gerne mit der Gerechtigkeitskeule abgeräumt. Wenn man Unternehmen entlastet, geht das auf Kosten der Schwachen, so die landläufige Behauptung. Doch die gegenwärtige Wirtschaftsentwicklung in den USA widerlegt das gängige Bild. Das Gegenteil ist richtig: Von einer wettbewerbsfähigen Steuerpolitik können auch Arbeitnehmer profitieren.

Daher täte die deutsche Politik gut daran, Unternehmen endlich steuerlich zu entlasten. Doch anders als die amerikanische Wirtschaft ist die deutsche Wirtschaft stark mittelständisch geprägt. Gut 80 Prozent aller Unternehmen sind Einzelunternehmer oder Personengesellschaften, die statt der Körperschaftsteuer der Einkommensteuer unterliegen. Die Unternehmenssteuer des deutschen Mittelstands ist die Einkommensteuer. Daher muss die deutsche Antwort im Steuerwettbewerb zuallererst eine deutliche Senkung der Einkommensteuer sein. Dies hätte den erfreulichen Nebeneffekt, dass Arbeitnehmer doppelt profitieren: erstens durch Lohnerhöhungen und zweitens durch mehr Netto vom Brutto.


1 Vgl. Fuest, C.; Peichl, A. und Siegloch, S. (2017): Do Higher Corporate Taxes Reduce Wages? Micro Evidence from Germany, ifo Working Paper Nr. 241, München. https://www.cesifo-group.de/DocDL/wp-2017-241-fuest-peichl-siegloch-corporate-taxes.pdf.

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  • Autor

    Mirian Fabian Breuer

    ist persönlicher Referent des Präsidenten des Bundes der Steuerzahler Deutschland e. V. sowie Referent für Haushaltspolitik beim Deutschen Steuerzahlerinstitut (DSi).

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