Geld fällt nicht vom Himmel. Man muss es sich hier auf Erden verdienen. Margaret Thatcher, *1925, ehem. Premierministerin von Großbritannien

3 Europa

Deutschlands Exportstärke schadet niemandem – und gibt dennoch Grund zur Sorge

Handelsbilanz Deutschland: Überschüsse steigen weiter.Die Kritik an Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist verfehlt – und offenbart mangelnde Sachkenntnis in der Zahlungsbilanztheorie. Die steigenden Ausfuhren sind kein Zeichen deutscher Stärke.

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Von allen Seiten wird Deutschland angegriffen: Die Bundesrepublik sei zu exportstark, bemängeln die Kritiker. Das Land müsse sein Handelsbilanzüberschuss unbedingt abbauen. Nur so könne die schwächere Industrie der europäischen Partner wieder auf die Beine kommen.

Die Kritiker offenbaren dabei jedoch eine Schwäche bei den Grundlagen volkswirtschaftlicher Zahlungsbilanztheorie. Aus simpler Zahlungsbilanzarithmetik ergibt sich: Länder mit einem hohen Exportüberschuss bauen Ersparnisse im Ausland auf. Ein Land mit positiver Leistungsbilanz ist also ein Netto-Kapitalexporteur. Andersherum gilt: Kauft ein Land mehr Dienstleistungen und Güter als es verkauft, steigen dessen Verbindlichkeiten im Ausland. Das ist ein volkswirtschaftliches Naturgesetz.

Warum ist das so? Ein Land muss seine Importe irgendwie finanzieren. Es kann also entweder selbst mehr verkaufen, oder aber mehr Schulden aufnehmen. Dabei kann es durchaus so sein, dass die Kapitalströme die Güterströme bestimmen. Dann gilt: Bei gleichbleibenden Netto-Kapitalströmen bedeutet das: Exportiert ein Land weniger, kann es sich weniger Importe leisten – und so die Nachfrage und Konjunktur anderer Staaten nicht weiter ankurbeln. Die Forderungen an Deutschland, seine Exporte einzuschränken, könnten deswegen ein Schuss nach hinten sein.

Dennoch ist der Exportüberschuss Deutschlands nicht unproblematisch und gibt Grund zu Sorge. Die wachsenden Ausfuhren sind nicht Zeichen von großer Wettbewerbsfähigkeit, sondern das genaue Gegenteil. Offensichtlich wird Kapital nicht zu Hause in der Bundesrepublik investiert, sondern fließt ins Ausland ab. Der Heimatmarkt ist nicht lukrativ genug. Die Gründe sind schon lange bekannt: Ein undurchsichtiges Steuersystem und Überregulierung im Dienstleistungssektor – um nur zwei Punkte zu nennen. Hier sollte die neue Regierung ansetzen. Ein starkes Deutschland, das im Inland wieder mehr investiert, würde auch den europäischen Partnern helfen, die Krise zu überwinden.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung auf wiwo.de erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Andreas Freytag

    ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

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  • großkotz

    sie haben da aber anscheinend auch nicht alles verstanden…

    beispiel irland.. hier mussten die steuerzahler einspringen weil die banken sich verspekuliert hatten… eine der grössten gläubiger hier war die deutsche bank. die rettung irlands war vorallem eine rettung der deutschen bank, denn hätte diese auf ihre ausstände in irland verzichten müssen hätte sie warscheinlich selbst hilfe in anspruch nehmen müssen.

    die deutsche bank hat in irland eine investitionsblase gefüttert die irgendwann nichtmehr tragbar war.. genau wie bei den anderen kriesenstandorten im grunde.

    in deutschland wird nicht investiert weil sich banken natürlich die lukrativsten investitionen aussuchen, mit den höchsten renditen… und die gibt es eben im blasengeschäft.

    deutschland arbeitet heir im form seiner privatbanken und investoren auf der ganzen welt an verschiedenen blasengeschäften und wenn irgendwo etwas schief geht weil man sich in unseriöse spekulationen verirrt hat schiebt man die schuld auf die haushaltslage des entsprechenden landes und bittet deren steuerzahler zur tasche.. un im nachhinein empört sich dann der dice deutsche wieder darüber das er die faulen ausländer “retten” muss, weil er ählich wie sie die zusammenhänge und dynamiken in unseren systemen nicht ganz versteht.

  • Ralph Krachen

    Deutschlands Exportstärke schadet niemandem- und wenn doch, wen juckts?
    Wenn deutsche Güter im Ausland mehr nachgefragt werden als die der EU-Nachbarn, so hat das seine Gründe.
    Warum werden deutsche Autos eher gekauft als französische oder englische ? Dann sollen sich doch unsere Nachbarn mehr anstrengen. Es ist doch nicht die Aufgabe der deutschen Politiker oder der Industrie dafür zu sorgen, dass die europäischen Mitbewerber ihre Produkte verkaufen können. Nur ist diese Exportstärke kein Selbstläufer. Wir haben weitestgehend in Europa gesättigte Märkte.

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