Wenn ich ein Dienstmädchen einstelle, das im Jahr 2000 Franken kostet, geht das Bruttosozialprodukt hinauf - heirate ich dann das Mädchen, kommt es wieder herunter. Nello Celio, 1914-1995, schweizerischer Bundespräsident

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5 vor 10: Griechenland, Austerität, Reallöhne, Managergehälter, Energie

Heute in den Linktipps: Acht Mythen zu Griechenland, die Frage, ob Austerität gefährlich ist, und die erfreuliche Entwicklung der Reallöhne. Außerdem: Warum Managergehälter als ungerecht empfunden werden und wer für den Klimakompromiss der Bundesregierung bezahlen muss. (mehr …)


1. Acht Mythen verfälschen die Sicht auf die Krise
(rolandtichy.de, Hugo Müller-Vogg)
Die Debatte über Griechenlands Zukunft in der Eurozone ist das beherrschende Thema für die Nachrichtenseiten, Fernsehtalkshows und Zeitungskommentare. Doch obwohl so viel geschrieben und geredet wird, werden viele Fakten falsch dargestellt, findet Hugo Müller-Vogg. Er identifiziert acht Mythen im Griechen-Diskurs. Zum Beispiel über die vermeintlich linke Regierung und die angeblich wahren Motive der Geldgeber.

2. Die gefährlichste Idee Europas
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
In der Eurozone steht es 18 zu 1. 18 wollen Austerität, also Sparsamkeit und Enthaltsamkeit im Staatshaushalt durchsetzen. Einer will eine Alternative. Das sind die Griechen. Sie lehnen die Idee ab, die für den Rest Europas unverzichtbar geworden ist. Constantin Seibt sieht das mit Skepsis:
“Selten haben so zahlreiche Regierungschefs quer durch Länder und Parteien so einig auf dieselbe Karte gesetzt”, schreibt er. “Für die Sparpolitik riskieren sie Milliarden, ihr Gesicht, die Zukunft ihres Landes. Und das ohne Reserve.”

3. Arbeitnehmer haben viel mehr Geld in der Tasche
(faz.net)
Die Inflation ist niedrig, die Lohnverhandlungen laufen aus Sicht der Arbeitnehmer günstig: Nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes können sich die Deutschen in der Folge über einen deutlichen Anstieg ihrer Kaufkraft freuen. Der Zuwachs bei den Reallöhnen ist sogar so stark wie zuletzt vor sieben Jahren. Besonders stark profitieren ungelernte Arbeitnehmer und geringfügig Beschäftigte.

4. Wenn Manager aus Versehen zu viel verdienen
(bloombergview.com, Noah Smith, englisch)
Hohe Managergehälter sorgen immer wieder für hitzige Debatten. Warum eigentlich? Schließlich regt sich kaum jemand darüber auf, wenn Fußballstars viel verdienen oder bekannte Musiker. Noah Smith vermutet: Es ist nicht die Ungleichheit, die Menschen stört, sondern Unfairness. Und in der Tat gibt es mehrere Studien, die belegen, dass das Einkommen von Chefs nicht immer etwas mit deren Leistung zu tun hat. In manchen Fällen ist es auch einfach nur ein Versehen.

5. Es wird teuer
(handelsblatt.com, Dana Heide)
Nach wochenlangem Gezerre haben sich CDU, CSU und SPD auf einen Kompromiss in ihrer Energiepolitik geeinigt. Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel geforderte Klimaabgabe fällt weg, dafür sollen 750 Millionen Euro jährlich in Kraft-Wärme-Kopplung investiert werden. Außerdem müssen alte Kohlekraftwerke vom Netz. “Der Verlierer ist der Stromverbraucher”, kommentiert Dana Heide. “Er muss die Zeche zahlen.”

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  • Autor

    INSM Redaktion

    Hier schreibt die Redaktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • 8 Mythen sehr verkürzt und undifferenziert von Herr Müller-Vogg.

    Griechenland folgt seit Jahren den Vorgaben der Gläubiger. Die Lohnquote ist massiv gesunken und die Wirtschaft um 25% zusammengebrochen. Egal wie man zur griechischen Regierung stehen mag, die Wirtschaftsdaten durch aus dem Austeritätsprogramm der Troika folgen sind eindeutig. Diese Programme helfen nicht, sie schaden nur.

    Auch ihre Schlussfolgerungen sind merkwürdig, z.B.: Mythos 4
    “Der Mythos, die alten Parteien hätten das Land ruiniert, soll Syriza als Alibi dienen. Ihr Land ruiniert haben die Griechen jedoch selbst.”

    Ist das so? Die hohen Auslandsschulden haben die Griechen ganz allein zu verantworten? Sie haben sich also selbst Kredite vergeben? Sie haben in Deutschland die Löhne gedrückt? Interessant, dass die Gläubiger keinerlei Verantwortung haben. Heutzutage ist jedem klar, dass Griechenland schon immer schwach war. Warum wurden dann die Kredite vergeben? Das Land ruiniert haben die Griechen und die Gläubiger.

    Mythos 2 wird nicht widerlegt. Die alte Regierung war nicht unbequem und man hätte sie gerne behalten. Die aktuelle Regierung ist unbequem, denn sie sagt, dass das “Spar”programm gescheitert ist. Sie will die schlimmsten Auswüchse verlangsamen und die Wirtschaft wieder stärken. Das mag Herr Schäuble nicht. Denn das entspricht nicht seiner Ideologie.

    “Mythos 3
    Demokratische Griechen gegen undemokratische Europäer – ein Mythos, der jedem Verständnis von internationalem Recht und politischen Anstand widerspricht.”
    Der Mythos 3 ist gar nicht so falsch. Wer sitzt denn bei der Troika im Gremium. Wer von diesen Personen ist denn demokratisch legitimiert? Laut Vertragswerk (wenn man darauf pocht) darf es keine Troika geben. Kein europäisches Gremium darf in den Haushalt eines Landes eingreifen.

    Das Fazit
    “Das Allerschlimmste: Falls Tsipras gewinnt, waren alle bisherigen Opfer der Griechen umsonst. Dann geht’s noch weiter abwärts.”
    Die Opfer waren bisher umsonst. Was haben denn die Griechen bisher geschafft. Massenarbeitslosigkeit, massive Steigerung der Suizide, Massenarmut und weiter steigende Schulden. Das ist also ein Erfolg?