Was wir dringend brauchen, um ökonomische Stabilität und Wirtschaftswachstum zu erreichen, ist eine Rückführung des staatlichen Einflusses. Milton Friedman, 1912-2006, amerik. Ökonom, Nobelpreisträger

- Soziales

Mythen statt Fakten: Replik auf SPIEGEL-Online-Artikel

„Endlich verständlich – Die wichtigsten Daten und Fakten zur Rente“: Mit dieser Reihe möchte SPIEGEL Online seinen Lesern erklären, wie die Rente funktioniert, und fällt neben einigen anderen Fehlern dabei auf einen weit verbreiteten Irrtum rein.

(mehr …)

Der Autor des Artikels „Angst um die Rente“ schreibt im ersten Satz: „Eins ist sicher: Die Rente verliert künftig an Kaufkraft.“ Fakt ist aber das Gegenteil: Die Kaufkraft der Renten steigt: Laut dem offiziellen Rentenversicherungsbericht wird die Bruttostandardrente von heute 1.372 Euro auf 1.824 Euro im Jahr 2029 steigen. Damit liegt die Kaufkraft des Durchschnittsrentners der Zukunft selbst bei einer Inflation von zwei Prozent kaufkraftbereinigt über dem heutigen Niveau.

Das sinkende Rentenniveau mit sinkenden Renten gleichzusetzen ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Auch der DGB rechnet in seiner aktuellen Kampagnenbroschüre vor, wie die Renten aus diesem Grund zusammenschrumpfen. Das Rentenniveau ist aber eine relative Größe. Es beschreibt das prozentuale Verhältnis der Nettorente eines Standardrentners (das ist ein Rentner mit 45 Beitragsjahren als Durchschnittsverdiener) gegenüber dem jeweils aktuellen Nettoarbeitsentgelt eines Durchschnittsverdieners. Anders formuliert: Ein sinkendes Rentenniveau heißt, dass die Kaufkraft der Renten steigt, aber eben langsamer als die der Löhne. Experten gehen von einer Kaufkraftsteigerung von durchschnittlich rund einem Prozent pro Jahr aus.

Der zweite große Fehler: Das Armutsrisiko ist keine geeignete Messgröße zur Bestimmung von Altersarmut. Denn, wie der Autor des SPON-Artikels richtig schreibt, werden nur Haushaltseinkommen verglichen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Rentner weniger Einkommen haben als Erwerbstätige. Dafür verfügen sie über deutlich höhere Vermögen und sonstige Einkommen. Nur wenn man dies mit in die Berechnung einbezieht, lassen sich Aussagen über Altersarmut treffen. Daher ist die Schätzung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung, wonach der Anteil der Grundsicherungsbezieher auf 5,4 Prozent steigen wird, deutlich aussagekräftiger. Wer grundsicherungsberechtigt ist, hat nämlich vorher sein Einkommen UND Vermögen offengelegt.

Drittens: Auch die Prognose, dass die Zunahme unsteter Erwerbsbiografien und prekärer Beschäftigungsverhältnisse Altersarmut vergrößert, ist nicht richtig. Viele Menschen, die in diesen Sektoren arbeiten, waren zuvor arbeitslos und hatten dementsprechend weniger bzw. gar keine Altersvorsorge. Richtig ist dagegen: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt.

Keinen Ökonomen-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, und abonnieren Sie unseren Whats-App-Nachrichtenkanal, RSS-Feed oder unseren Newsletter.

  • Autor

    Hubertus Pellengahr

    ist Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge