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Weekender-Themen: Schulden, Vermögensteuer, Gustav von Schmoller, The Intelligence-Podcast, Speedy Joe

Jedes Wochenende empfiehlt der Weekender fünf Vertiefungen zu wirtschaftspolitisch interessanten wie relevanten Themen.

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Was ist Aufgabe des Staates? Was die des Marktes? Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio skizziert in einem langen (aber kein Satz zu langen) FAZ-Interview seine Vorstellung über das richtige Verhältnis. Neben vielen klugen Passagen gefällt uns besonders diese hier: „Die Schuldenbremse erlaubt in außergewöhnlichen Notlagen die Überschreitung der Kreditobergrenzen. Aber Tilgungsplan und Rückführung gehören dann auch dazu. Es scheint jedoch Bestrebungen zu geben, hier zu lockern, um womöglich dauerhaftes Deficitspending als Treibmittel großer Transformationsvorhaben zu nutzen. Wenn hier nicht etwas aus den Fugen geraten soll, ist es ratsam, sehr vorsichtig bei der Änderung solcher Regeln zu sein.“ 

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Die Corona-Pandemie wird uns noch lange belasten, mindestens finanziell. Die vielen Schulden werden früher oder später zurückgezahlt werden müssen. Die Politik sucht deshalb nach neuen Einnahmequellen. Beliebt sind bei solchen Suchen regelmäßig jene, die nur relativ wenige Menschen negativ tangieren. Steuern von wenigen für viele. Eine solche Politik kostet selbige wenige Wählerstimmen, kann im Gegenteil – Stichwort Neidfaktor – sogar neue bringen. Da liegt der Versuch nahe, die seit 1997 ausgesetzte Vermögensteuer wieder in Betrieb zu nehmen. Dass dies eine überschaubar gute Idee ist, erklärt Jan Schnellenbach, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, hier überzeugend

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Kant, Voltaire, David Hume oder Max Weber – die Liste der Personen, denen posthum rassistische oder antijüdische Verfehlungen nachgesagt werden, wird länger. Auch der Ökonom Gustav von Schmoller (1838–1917) steht auf dieser Liste. Schmoller sprach sich in einem Zeitungsinterview gegen die „Mischung und Kreuzung von Rassen“ aus, „welche physisch, geistig und moralisch sehr weit voneinander abstehen“. Weil Schmoller auch einer der Gründungsväter des Vereins für Socialpolitik ist (eine Organisation deutschsprachiger Ökonominnen und Ökonomen), gibt es nun auch in der Ökonomie eine interessante Debatte. Peter Spahn, Vorsitzender des Ausschusses für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften im Verein für Socialpolitik, schlägt sich auf die „Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“-Seite. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt er diese Woche: „Es wäre bedauerlich, würde sich der Verein für Socialpolitik von seinem Gründungsvater lossagen.“  

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„A fresh perspective on the events shaping your world!“ – Der tägliche Podcast „The Intelligence“ aus dem Hause des Economist erzählt die Geschichten hinter den großen Schlagzeilen. Korrespondenten aus der ganzen Welt berichten von Entwicklungen aus der Wirtschaft, aber auch über Politik und Kultur. Ein Hörtipp, der als Nebeneffkt das eigene Englisch trainiert!

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130 Prozent Staatsverschuldung – der amerikanische Präsident Joe Biden ist weniger „Sleepy-“ und mehr „Speedy-Joe“. Mit mehreren Billionen Dollar sollen Wirtschaft und Gesellschaft umgekrempelt werden, bezahlt aus Schulden und Steuererhöhungen. Welche Risiken das birgt und mit welchen Entwicklungen zu rechnen ist, beschreiben Katharina Kort, Annett Meiritz und Jens Münchrath im Handelsblatt.


Gute Kommentare, interessante Hintergründe – jeden Freitag präsentieren wir (Link zum Archiv) fünf Vertiefungen zu den wirtschaftspolitisch interessantesten und relevantesten Themen der Woche. > Keinen Blogpost verpassen