Konsumprodukte erlöschen durch ihre Verwendung. Sie sind da, um nicht mehr da zu sein. Günther Anders, (eigentlich: Günther Stern), 1902-1992, deutscher Schriftsteller, Kulturphilosoph

33 UmweltWachstum

Umweltschutz braucht Wachstum

Durch Wachstum in den Schwellenländer beschleunigt sich das globale Wachstum. Damit steigt aber auch der Bedarf an endlichen Ressourcen und die Belastung der Umwelt. Den Aufholprozess der Schwellenländer können und wollen wir nicht unterbinden. Doch es zeigt sich: mit steigendem Wohlstand wächst auf das Umweltbewusstsein.

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Wer Wohlstand ohne Wachstum fordert, irrt. Zumindest wenn wir unsere eurozentristische Perspektive einmal verlassen. Die Schwellenländer dennoch einfach gewähren lassen, wäre auch falsch. Ein Weg der Mitte ist notwendig.

Zunächst zur Wachstumsentwicklung: Geht es nach einer Studie vom Bankhaus HSBC Trinkhaus werden vor allem die Schwellenländer das globale Wachstum beschleunigen. Verglichen mit dem durchschnittlichen Wachstum von zwei Prozent in den 2000er Jahren erwarten die Trendforscher in den nächsten Jahrzehnten ein durchschnittliches Wachstum von drei Prozent. Die Schwellenländer werden im Jahr 2050 doppelt so viel zum globalen Wachstum der Weltwirtschaft beitragen wie die entwickelten Länder. China wird die größte und Indien – nach den USA – die drittgrößte Volkswirtschaft sein. Deutschland liegt auf Platz fünf hinter Japan. Und das ist noch lange nicht das Ende der Wachstumsorgie in den Schwellenländern. Laut der Studie wird 2050 das Einkommen in China, trotz eines siebenfachen Anstiegs zu heute, immer noch nur 32 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens in den USA betragen. Natürliche Ressourcen verknappen und verteuern sich und die Umweltbelastung steigt.

Was können wir Europäer tun? Natürlich brauchen wir Geduld. Wir können den Schwellenländern nicht vorwerfen, dass sie Wohlstand erreichen wollen. Doch müssen wir hoffen, dass sie – schneller als die Europäer – einen Bewusstseinswandel erleben und Umweltschutz schon während ihres Wachsens ernst nehmen. Bis dahin müssen wir China mit einem Mix aus politischem Druck und technologischen Innovationen fordern und fördern.

Um einen Wandel – auch als Vorbild für die Schwellenländer einzuleiten, brauchen wir nach wie vor ein ressourcenschonendes Wachstum, das der Endlichkeit unseres Planten gerecht wird. Wir brauchen zudem einen veränderten Umgang mit unseren Produkten und unserem Konsum. Nicht völliger Verzicht! Aber Veränderung. Und wir müssen uns daran gewöhnen, zu lernen, dass wir zukünftig mit einem veränderten Konsum glücklich sein müssen. Die notwendigen Veränderungen betreffen unsere Art zu wirtschaften ebenso wie unser individuelles Handeln. Wir brauchen eine neue Kultur der Nachhaltigkeit im Beruf, in der Schule und in unserem Alltag. Wir sollten jeder für sich schon heute damit anfangen – für die nachfolgenden Generationen.


Wie können wir Wachstum mit Umweltschutz vereinbaren. Ein Positionspapier der INSM finden Sie hier.

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe „WachstumsBlog“. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

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  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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