Nicht alle Reformen kosten Geld, und nicht alles, was Geld kostet, ist deshalb schon eine Reform. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

5 Ordnungspolitik

Hoher Benzinpreis macht nicht mobil

Wenn in diesen Tagen in den ersten Bundesländern die Sommerferien beginnen, wird das Klagelied der deutschen Autofahrer wieder lauter: Der Spritpreis verderbe die Sommerferien. Doch wer trägt die Verantwortung für hohen Benzinpreise? Die Ölkonzerne? Der Staat? Die Tankstellenbetreiber? Das Ergebnis überrascht.

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Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Autofahrer bilden dabei keine Ausnahme. Denn trotz der nicht zu überhörenden Klagen an der Zapfsäule macht ein hoher Benzinpreis die Autofahrer nicht mobil. Die Analyse des Tankverhaltens zeigt nämlich: Der Preis ist für die Entscheidung, wo man tankt, nicht vorrangig. Nur 38 Prozent der deutschen Autofahrer fahren eine günstige Tankstelle an, um Geld zu sparen. 40 Prozent tanken stets bei derselben Tankstelle. 43 Prozent tanken nur dann, wenn der Tank fast leer ist und nicht, wenn es günstig ist.

Abhilfe könnten modernen Informationstools schaffen, die den Preisvergleich für Autofahrer erleichtern. Bisher nutzen gerade einmal rund 7% der Autofahrer Onlinesysteme für den Kraftstoffpreisvergleich, die davon leben, dass die Kunden selbst die Preise melden. Solche Systeme leiden daran, dass die Preise oft schneller wechseln als Kunden sie nachtragen können. Das könnte man allerdings dadurch beheben, dass man Tankstellen verpflichtet, aktuelle Preise in eine Datenbank zu übermitteln, die online und mobil per App für den Verbraucher erreichbar ist. Eine solche Plattform müsste auch nicht das Bundeskartellamt betreiben: Verbraucherverbände oder private Anbieter könnten das genauso gut.

Die von der Bundesregierung geplante Markttransparenzstelle schafft hier leider gerade keine Abhilfe – die Preisvergleiche sollen für die Verbraucher nicht zugänglich sein. Es ist daher zu befürchten, dass die Markttransparenzstelle in ihrer heutigen Konzeption ziemlich wirkungslos bleiben wird: Wie soll der Preiswettbewerb befördert werden, wenn die Preisvergleiche nur dem Bundeskartellamt, nicht aber den Autofahrern zugänglich sind?  Richtig wäre: Statt Markteingriffen sollte man die Verbraucher für die Preise sensibilisieren und Suchkosten reduzieren. Denn letztendlich entscheidet der Autofahrer an der Zapfsäule und nicht das Kartellamt, wo getankt wird.

  • Autor

    Prof. Dr. Justus Haucap

    Direktor des Duesseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und früherer Vorsitzender der Monopolkommission.

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