Ja zur Machtkontrolle, zum Grundsatz gleicher Marktchancen, ja zum Wettbewerb. Helmut Kohl, *1930, dt. Bundeskanzler 1982-1998

1 Ordnungspolitik

Freier Markt, steigende Preise: Was die Stromkosten in die Höhe treibt

Die Liberalisierung von Märkten führt häufig zu günstigeren Preisen. Beim Strommarkt ist dies nicht der Fall. Die Preise steigen seit Jahren. Der Punkt ist: Die Preise steigen nicht wegen, sondern trotz der Liberalisierung. Genauer gesagt wären sie ohne Liberalisierung heute deutlich höher.

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Der Strommarkt ist insofern ein ganz besonderer, als er in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – auch vor der Liberalisierung nicht aus einem einzigen staatlichen Monopolisten bestand, sondern aus verschiedenen regionalen Versorgern wie RWE, VEBA und VIAG sowie aus zahlreichen Stadtwerken. Angesichts dieser Konstruktion war es kein Wunder, dass die Stromanbieter keinen Anreiz hatten, ihre Kosten zu senken, zu investieren und effizient zu produzieren.

Im Jahr 1998 wurde der deutsche Strommarkt liberalisiert, allerdings geschah dies maßgeblich auf Initiative der Europäischen Union. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Elektrizitätsmarktliberalisierung und zwei folgenden Revisionen wurden vor allem folgende Ziele verfolgt:

  • Die Aufspaltung der Stromwirtschaft in die drei Bereiche Erzeugung, Übertragung/Verteilung und Vertrieb;
  • die Verpflichtung der Netzbetreiber, anderen Stromerzeugern einen diskriminierungsfreien Zugang zu ihren Netzen zu gewähren;
  • die Einrichtung einer Regulierungsbehörde;
  • ein erleichterter Anbieterwechsel für die Verbraucher.

Im Gegensatz zu den Marktöffnungen in anderen Branchen führte die Liberalisierung des Strommarkts nicht zu niedrigeren Preisen – jedenfalls nicht dauerhaft. Konnten die Verbraucher anfänglich noch etwas sparen, stiegen die Preise ab dem Jahr 2000 wieder an – und setzen diesen Trend bis heute fast ununterbrochen fort.

Hauptgrund dafür sind die zahlreichen Steuern, Abgaben und Umlagen, mit denen der Staat die Preise in die Höhe treibt – neben der Stromsteuer erhebt der Fiskus die Mehrwertsteuer, die Umlage für abschaltbare Lasten, die EEG-Umlage und andere Abgaben.

Machten die staatlichen Abgaben vor der Liberalisierung im Jahr 1998 weniger als ein Viertel des Strompreises aus, sind es 2016 bereits 54 Prozent (vergleiche Grafik oben).

Absolut betrachtet hat sich der staatliche Anteil am Strompreis mittlerweile sogar fast vervierfacht – von knapp 4 Cent im Jahr 1998 auf fast 16 Cent im Jahr 2016. Da die Entgelte für die Stromerzeugung und die Netznutzung noch immer auf fast demselben Niveau sind wie 1998, geht der Anstieg der Strompreise also allein auf den Staat zurück.

Die Vorteile der Liberalisierung für die Verbraucher

Auch wenn die Marktöffnung nicht die erhofften Preissenkungen gebracht hat, ganz leer gehen die Verbraucher trotzdem nicht aus. Zu nennen sind hier vor allem die freie Wahl des Anbieters sowie der schnelle und einfache Wechsel: Die unterschiedlichen Preise und Tarifangebote mit variablen Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen und Neukundenboni lassen sich heute online leicht vergleichen, und der Wechsel ist mit ein paar Mausklicks erledigt.

Hier finden Sie alle Posts der Serie “Erfolge der Liberalisierung”.

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  • Autor

    INSM Redaktion

    Hier schreibt die Redaktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Helmuth Schrickel

    Brauchen wir noch eine staatliche Lenkung ? wird das nicht einfach zuviel für die
    Rechenkünstler der staatlichen Behörden . Es ist doch offensichtlich ,dass diese Methode sehr faul ist . Eine Energie Wende sollte doch anders aussehen ,denn eine Preis Wende für Stromerzeugung ist doch schon lange auf dem Markt . Der Betrug den Kunden keinen Strom zu verkaufen ist in aller Munde . Der Anteil von Steuereinnahmen ist eine Perverse Angelegenheit , ein Geschäftsmann oder Frau wird hier zur Eintreiberin der Finanzbehörde . Haben die eine Energie Wende falsch beschrieben in den Gesetzen dieser Tat ?