Es stimmt nicht, dass alles teurer wird; man muss nur einmal versuchen, etwas zu verkaufen. Robert Lembke, 1913-1989, deutscher Journalist

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Studiengebühren und Chancengerechtigkeit: Kein Widerspruch!

Nach der gewonnen Landtagswahl in Niedersachsen wollen SPD und Grüne dort ab dem Wintersemester 2014/15 die Studiengebühren abschaffen. Mit Bayern, ist Niedersachsen das letzte Bundesland in dem für die Uni gezahlt werden muss. Aber auch in Bayern steht das erfolgreiche Modell vor der Abwahl.

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Das Bündnis gegen Studiengebühren hat es geschafft, mehr als die erforderlichen 940.000 Wahlberechtigten für ein Volksbegehren zu mobilisieren. Stimmt der Landtag der Forderung nach dem Ende der Gebühren nicht zu, dann kommt es in den nächsten Monaten zu einem Volksentscheid.

Studiengebühren sind unsozial, ungerecht und wirken sozial selektiv – das sind die Hauptargumente der Gebührengegner. In Bayern zahlen Studentenzwischen 300 und 500 Euro pro Semester. Das ergab im Studienjahr 2011 insgesamt eine Summe von 182 Millionen Euro, die den Hochschulen zusätzlich zur Verfügung standen. Davon floss der Großteil direkt in die Lehre.

Doch welche Auswirkungen haben die Studiengebühren auf die Studentenzahlen? Haben die Gebührengegner wirklich Recht? Ein Blick in die Daten zeigt: Zwischen 2006 und 2009 hat sich der Anteil der Studenten aus den unteren Herkunftsmilieus in Bayern vergrößert. Gleichzeitig ist der Anteil an Bafög-Beziehern an allen Studenten relativ gleich geblieben. Nur bei  Studenten mit hoher sozialer Herkunft gab es Veränderungen. Ihr Anteil hat sich um 4,4 Prozentpunkte verringert.

Um die Studiengebühren sozial abzufedern, gibt es in Bayern folgende Regelungen:

  • Studenten müssen sich mit max. 15.000 Euro Bafög- und Studiengebührendarlehen verschulden. So ist gewährleistet, dass die Schulden nicht ausufern.
  • Für die Rückzahlung der Studiendarlehen haben Absolventen 25 Jahre Zeit. Gezahlt werden muss erst ab einem Nettoeinkommen von 1.670 Euro im Monat.
  • Studenten, die aus kinderreichen Familien kommen, studierende Geschwister haben, sich in einer Praxisphase befinden oder besondere Studienleistungen erbringen, erhalten einen Gebührennachlass.

Wichtig ist folglich: Wer bei der Finanzierung der Studiengebühren Hilfe braucht, der muss sie auch bekommen! Dann sind Studiengebühren kein Abschreckgespenst, sondern sorgen dafür, dass die Kosten für Bildung auch von den Hauptprofiteuren gezahlt werden.

  • Autor

    Christiane Konegen-Grenier

    ist Senior Researcher beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit den Forschungsschwerpunkten Hochschulpolitik und Arbeitsmarkt für Akademiker.

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  • Kammerjäger

    Mir soll mal jemand die ökonomische Theorie zeigen, dass ein Wirtschaftsgut mehr nachgefragt wird, dass teurer wird.

    Oder brauchen wir weniger Ausbildung?

  • Markus

    @ Kammerjäger

    das nennt man dann die Elastizität der Nachfrage in den Ausprägungen z.B. Veblen Effekt bzw. allgemein “Giffen-Güter”. Steigende Nachfrage durch steigende Preise.
    Schauen Sie einfach die Entwicklung des Goldpreises und der Nachfragemenge in den letzten 18 Monaten an.

  • Kammerjäger

    Giffen Güter sind aber immer inferiore Güter, dass dürfte auf Bildung aber kaum zutreffen.

  • Markus

    @ Kammerjäger
    Es soll auf Bildung “kaum” zutreffen? Da möchte ich Ihnen nur zum Teil recht geben, denn die Entwicklungen zeigen eben teils genau den Giffen-Gut Effekt.
    Was ich eben auch denke: Es gibt einen Hortungseffekt – man studiert ohne spezifisches Ziel, sondern einfach um den Titel zu haben – sicher ist sicher. Man “lagert” Wissen bzw. tätigt eine intellektuelle Rücklage. Auch das ist typisch für ein Giffen Gut. SIcher, das trifft nciht pauschal zu, aber aus Beobachtungen und Erfahrungen kann ich dies durchaus so erkennen, mit zunehmender Tendenz.

  • Florian Zeller

    “Dann sorgen Studiengebühren darfür, dass die Kosten für Bildung auch von den Hauptprofiteuren gezahlt werden” (letzter Satz im Artikel)

    Liebe Frau Konegen-Grenier,
    die Hauptprofiteure der Bildung, überwiegend des Studium, sind nicht die Absolventen selber, sonder die Wirtschaft und die Politik !!!!
    Man erarbeitet sich zwar einen akademischen Grad, das ist auch etwas, aber mit diesem werden die (jetztigen Studenten) in der Wirtschaft als Fachkräfte (ob nun Industrie oder Finanzwesen oder Wirtschaft) angestellt.
    Und mit deren Wissen und Fähigkeiten werden dort dann Milliardenbeträge erwirtschaftet und als Gewinne verbucht was unsere Wirtschaft stärkt und für die Politik national und international wettbewerbsfähig macht.

    Doch genau diese beiden Hauptprofiterue (Wirtschaft und Politik) leisten nur das Nötigste oder sogar überhaupt nichts!!!

    Die Politik spricht zwar davon in Bildung zu investerien, macht dies aber Stümpferhaft und will jeden Cent drei mal umdrehen und ich sehe nicht, dass sich die Unternehmen an den Kosten der Bildung (da sie ja auch Profiteure sind) beteiligen. Sie zahlen zwar Steuern, das ist richtig, aber von uns Normalos ( in diesem Fall uns Studierenden) wird verlangt, eine Extrazahlung fürs Studium zu leisten, zu den Steuern die wir in unserem späteren Berufsleben eh einbringen um somit unsere Schuld der Bildung gegenüber wieder gut zu machen. Es gibt Untersuchungen, dass Fachkräfte (das sind Studenten im späteren Berufsleben) durch ihre Steuern die sie leisten mehr dem Fiskus einbringen, als sie über bezahltes Studium finanzieren müssen!
    Aber zurück…warum kann dann dieses Prinzip nicht auch für die Unternehmen gelten? Sie zahlen zwar Steurern, können aber gerne auch von Ihren hohen Gewinnen Extrazahlungen an die Bildung leisten (wird nicht gemacht und auch nicht von Seiten der Politik oder Fachwelt verlangt). Wenn wir zweimal Zahlen sollen, sollten auch die anderen Profiteure zwei mal zahlen…dass wäre dann gerechtigkeit!

    Aber so wie Sie es sehen, gibt es nur einen Profiteur (das sind die Studenten) und die sollen zahlen…das ist eine zu enge und unrealistische Sichtweise!!!