Wenn keine Notwendigkeit für ein Gesetz besteht, besteht die Notwendigkeit, kein Gesetz zu erlassen. Baron de Montesquieu, 1689 - 1755, französischer Schriftsteller und Staatstheoretiker

4 Steuern und Finanzen

Eigentümer und nicht Firmen sind die richtige Adresse für den Fiskus

Steuervermeidung gehört zum Geschäft: Die multinationalen Konzerne sparen jährlich auf legale Weise Milliarden Steuern. Geld, das der Staat sich bei weniger mobilen Firmen und den Beschäftigten holt. Gerechter ginge es zu, wenn nicht Firmen, sondern die Eigentümer besteuert würden.

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Ob es um die Steueroase geht oder um Bilanzierungsspielräume: Unternehmen nutzen vielfältige Schlupflöcher, um ihre Steuerlast zu mindern. Dadurch, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, bleiben jährlich 90 Milliarden Euro Gewinne deutscher Firmen unversteuert.

Für weniger verzweigte Firmen, also in der Regel die kleineren Unternehmen, bedeutet das einen Wettbewerbsnachteil. Da sie die Besteuerung nicht so leicht umgehen können, zahlen sie nicht nur die Steuern auf den eigenen Gewinn. Sie müssen auch für die (fehlenden) Steuern aufkommen, denen die Großen ausweichen können. Gleiches gilt für die Beschäftigten.

Gerechter wäre es, die Eigentümer zu besteuern. Und zwar dann, wenn die Gewinne ausgeschüttet werden. Einbehaltene Gewinne dagegen bleiben steuerfrei. Hinter dieser Forderung steht die Überlegung, dass die Firmen für eine Wertschöpfung sorgen. Den Belegschaften kommt diese in Form von Löhnen zugute, den Kapitalgebern als Zinsen. Beides kann der Staat besteuern, sobald diese Gelder an Privatpersonen gezahlt werden. Weshalb müssen Firmen auf ihre so bereits besteuerte Wertschöpfung also nochmals Steuern zahlen?

Stattdessen sollten Unternehmen nur die Gebühren und Abgaben für öffentliche Leistungen zahlen, die sie nutzen. Gewinne müssten bei den Personen, die von ihnen profitieren, besteuert werden – so wie es weitestgehend schon bei Personengesellschaften und Selbstständige gilt, würde es damit auch für Kapitalgesellschaften gelten.

Die Folge: Unternehmen würden steuerlich entlastet und damit international wettbewerbsfähiger. Deutschland würde zudem für multinationale Konzerne als Hauptsitz attraktiver. Beide Aspekte fördern hierzulande die Beschäftigung und damit die Steuereinnahmen.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung auf Welt.de erschienen

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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  • Dan Chris

    “Unternehmen würden steuerlich entlastet und damit international
    wettbewerbsfähiger.”
    Deutschland hat einen enormen Exportüberschuss (von um die 6% denke ich). Ich denke die Unternehmen sind schon recht wettbewerbsfähig.

    “Deutschland würde zudem für multinationale Konzerne
    als Hauptsitz attraktiver. Beide Aspekte fördern hierzulande die
    Beschäftigung und damit die Steuereinnahmen”
    Die Irland-Strategie ist nicht besonders nachhaltig. Konzerne nutzen die Infrastruktur eines Landes und sollten deshalb Steuern zahlen. Gebühren funktionieren nur teilweise. Welche Gebühr zahlt man für eine funktionierenden Rechtsstaat, eine funktionierende Verwaltung, saubere Luft und sauberes Wasser, etc. Die Eigentümer müssen ja nicht im Land leben. Somit käme das Unternehemen und der Eigentümer, unter Umständen, steuerfrei weg.

  • Randy Welt

    Sehr guter Artikel!! Das würde wohl auch das sinnlose Notenpressen/-Aktienpreise rauf Spiel beenden

  • $44987007

    Nun ja, der Staat bekäme von den Gewinnen des Unternehmens nichts, aber von den Löhnen, die die Beschäftigten ausbezahlt bekommen.

    Die Infrastruktur wird für den Betrieb von den Lohnsteuern bezahlt: Der Verschleiß des Straßensystems ist proportional zur Anzahl Mitarbeiter. Der Rechtsstaat kostet Geld bei Inanspruchnahme. Stromleitungen werden über den Strompreis bezahlt.

    Wasser inklusive die nötige Infrastruktur wird über den Wasserpreis bezahlt, saubere Luft kommt über die gesetzlichen Regelungen zur Emission zustande, dafür sorgen alle Betriebe durch Einhaltung der Gesetze (hoffentlich).

    Solange das Geld in einer Firma ist, ist die Besteuerung m. E. nicht nötig, irgendwann wird es ausbezahlt werden, und kann dann über die Einkommensteuer abgeholt werden. Weniger Bürokratie, und wenn das Verfahren überall angewendet wird, wird auch jedes Einkommen besteuert.

    viele Grüße,

    Klaus Blömeke

  • Dan Chris

    “wird auch jedes Einkommen besteuert”

    Das stimmt so nicht ganz. Kapitalerträge sind nicht so einfach zu besteuern. In diesem Fall sind hochautomatisierte Unternehmen deutlich zu personalintensiven bevorteilt. Die Frage ist eben was man unter Einkommen versteht.

    “Der Verschleiß des Straßensystems ist proportional zur Anzahl Mitarbeiter.”

    Das ist etwas zu einfach gehalten. Das kommt darauf an was sie produzieren, wohin sie liefern, in wieviel sie produzieren und in welcher Größe ihre Güter liegen.

    “Der Rechtsstaat kostet Geld bei Inanspruchnahme.”

    Muss man Geld in Form von Gebühren dafür zahlen, dass die Polizei da ist? Wesentliche Aspekte des Rechtsstaates werden über Steuern finanziert.

    “Wasser inklusive die nötige Infrastruktur wird über den Wasserpreis bezahlt”
    In Flüssen wird es auch nur wie die Luft durch Gesetze geregelt. Gesetze sind gut, müssen aber kontrolliert werden. Das kostet Geld und zwar Steuergeld.