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19.11.2012 Soziales

Die Vollpflege ist ungerecht

Die Ausweitung der Pflegeversicherung von einer Teilkasko in eine Vollversicherung soll den Betroffenen die Sorge vor der Finanzierung der Pflegebedürdtigkeit im Alter nehmen. Die Kehrseite der Medaille: Leistungensversprechen müssen finanziert werden. Und dabei verursacht die Vollversicherung erhebliche Ungerechtigkeiten.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Dies gilt bei nichts mehr, als beim Wohlfahrtsstaat. Leistungen können heute leicht versprochen werden, denn bezahlt werden muss erst in der Zukunft. Auf diese Weise sind bei der Pflege-, Renten- und Krankenversicherung Verbindlichkeiten in Höhe von 147 Prozent der Wirtschaftsleistung entstanden – zu zahlen von den nachfolgenden Generationen.

Wer denkt, dass die Schuldenkrise die Sozialversprecher geläutert hat, der irrt. Denn statt die Sozialsysteme demografiefest zu machen, reißen die Forderungen nach mehr Leistungen nicht ab. Aktuelles Beispiel: Die Pflegevollversicherung.

Trotz der schon heute absehbaren Unterfinanzierung, soll die Pflegevollversicherung sämtliche anfallenden Leistungen übernehmen. Nur um die heutigen Leistungen der GPV bis 2050 zu finanzieren, müsste – unter Fortschreibung der demografischen Entwicklung – der Beitrag für Versicherte mit Kindern auf rund 4,4 Prozent steigen. Die durch die Vollkaskopflege notwendigen Beitragserhöhungen hätten eine erhebliche Mehrbelastung, vor allem der kommenden Erwerbsgenerationen zur Folge. Nicht nur dass den Arbeitnehmern damit unterm Strich weniger Lohn übrig bliebe, hohe Lohnnebenkosten gefährden zudem noch Arbeitsplätze. Es droht ein Teufelskreis.

Der Vorschlag der Vollpflege verkennt die soziale Brisanz. Denn volle Erstattung der Pflegekosten entlastet nicht die Armen, sondern hilft vor allem den wohlhabenden Schichten in unserer Gesellschaft. Im bestehenden System müssen Pflegeleistungen zum Teil selbst bezahlt werden. Wessen Vermögen dafür nicht ausreicht, dem greift der Staat unter die Arme. Mit der Vollkaskopflege müssen auch die Wohlhabenderen nichts mehr selbst schultern. Die Vollkaskopflege ist nichts anderes als ein Erbschaftsbewahrungsprogramm für die Wohlhabenden. Die Zeche zahlen die, die sich nicht wehren können.

  • Kammerjäger

    Wäre ein System gerechter, bei dem der eigene Wohlstand davon abhängt, ob die Eltern zum Pflegefall werden?

    Wäre ein System gerechter, bei der die Qualität der Pflege von den Einkommen der eigenen Kinder abhängt?

    Wäre ein System gerechter, bei dem Kinderlose bevorteilt werden, wenn sie hohe Beiträge für eine private Absicherung aufbringen können, während erziehende das nicht können?

    Wäre ein System gerechter, in dem Kinder einen monetären Anreiz haben, ihren Eltern die notwendige Pflege nicht zukommen zu lassen?

  • Surp

    BGE von 2k (im Alter muss man halt davon den Heimplatz, wenn er denn überhaupt noch nötig ist, bezahlen) und Abbau aller überflüssigen Arbeitsplätze, vorallem den von Mister (ich hab keine Ahnung von nix, aber ich greif gute Kohle ab) Raffelhüschen (was ist das überhaupt fürn shice Name?).

    Entschuldigung für die Beleidigung, muss man ja inzwischen immer sagen, sonst wir man ja verklagt (wo sind wir eigentlich angekommen?)

  • http://pflegeversicherung-test.net Pflegeversicherungs-Berater Sieverth

    Ich finde die Aussage des Artikels greift etwas kurz, insbesondere weil sie selbst in der Kritik verharrt, aber keine Alternativen nennt. Kernaussagen ist ja nur: eine Pflege-Vollversicherung würde deutlich mehr Geld kosten als jetzt, also sollten wir das nicht machen. Das gleiche Argument führte dazu, dass tausende Kinder vor einigen Monaten schelchte Erdbeeren aus China im Schulessen hatten und krank wurden. Eben weil wir ja nur 1,50 Euro pro Essen ausgeben können, mehr Geld ist nicht da. Gut, es ist Geld da die Mehrwertsteuer für die Hotelkonzerne zu senken oder den Energiebetreibern Geschenke zu machen oder der Automobilindustrie. Aber für Kinder und Pflegebedürftige … ne, da ist natürlich kein Geld da. Und als Argument wird dann vorgeschoben, dass mit einer gesetzlichen Versicherung nur Wohlhabende entlastet würden. Alles etwas absurd aus meiner Sicht.

  • Surp

    Django läuft gerade im ZDF, ich glaube es ist genauso relevant wie all das was für Wissenschaft halten.

    Ich mag in Teilen Naturwissenschaftler, die kann man immerhin noch einwenig Ernst nehmen, solange man weiß, vom wem sie bezahlt werden.

  • LiFe

    Auch noch Werbung für Gebührpflichtige Fernsehprogramme machen….:-)

Der Autor:

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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