Wenn ich ein Dienstmädchen einstelle, das im Jahr 2000 Franken kostet, geht das Bruttosozialprodukt hinauf - heirate ich dann das Mädchen, kommt es wieder herunter. Nello Celio, 1914-1995, schweizerischer Bundespräsident

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Rentenreform: „Großer Unfug“

Die Eckpunkte für die Rentenreform der großen Koalition stehen fest. Mütterrente, Rente mit 63 und die Lebensleistungsrente sollen bis 2020 mit über 63 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Kritik hagelt es von fast allen Seiten. Die ÖkonomenBlog-Redaktion hat einige Ökonomenstimmen zusammengetragen.

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„Rente mit 63 und Mütterrente sind rückwärtsgewandt und teuer.“

sagt der Rentenexperte und Direktor des Munich Center for the Economics of Aging (MEA), Prof. Axel Börsch-Supan. Die abschlagsfreie Rente sei nicht nur abschlagsfrei, sondern auch zuschlagsfrei. Das heißt, für die, die länger arbeiten wollen, gibt es keine höhere Rente mehr.

Als „großen Unfug“ bezeichnet der Freiburger Rentenexperte und ÖkonomenBlog Autor Prof. Bernd Raffelhüschen die Rentenpläne der großen Koalition.

„Es ist alles falsch, was gemacht wird.“

Nach Raffelhüschens Berechnungen fallen weitaus höhere Kosten an, als von der Bundesregierung veranschlagt.

„Werden all diese Wahlgeschenke realisiert und nicht wieder kassiert, entstehen Kosten in einem Gegenwartswert von etwa 500 Milliarden Euro. Auch ohne die Geschenke der Arbeitsministerin wird der Beitragssatz auf 25 Prozent steigen – mit ihnen sogar auf 28 Prozent“

prophezeit Raffelhüschen.

Prof. Klaus Zimmermann, Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) glaubt, dass die Reformen Deutschland auf lange Sicht schwächen könnten. Gegenüber dem Handelsblatt sagt er:

„Statt die Rentenbeiträge wie sonst möglich senken zu können, werden diese Entlastungen von immerhin gut 30 Milliarden Euro, die Konsum und Arbeitsnachfrage gestärkt hätten, zur Ruhigstellung der Klientel der Großkoalitionäre verpulvert. Damit wird die jüngere Generation, die das langfristig bezahlen muss, weiter belastet anstatt von einem Teil der wachsenden demographischen Herausforderungen befreit zu werden.“

Der frühere Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Prof. Bert Rürup, sieht vor allem die Rente mit 63 problematisch und fürchtet um die Rente mit 67:

„Die Rente mit 63 ist grottenfalsch. […]. Sehr viele werden in den Genuss der abschlagsfreien Frührente kommen.[…]. Die Rente mit 67 wird so zu einem Papiertiger.“