Die soziale Marktwirtschaft funktioniert nur, wenn Eigentum geschützt und Verträge eingehalten werden. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

4 SozialesSteuern und Finanzen

Die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht zukunftsfest

Die Ausgaben der GKV steigen weiter.Mit dem demografischen Wandel werden die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung kräftig steigen. Darauf muss sich Deutschland einstellen. Nach vielen Jahren mit Überschüssen droht bereits in diesem Jahr ein Defizit.

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Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden kräftig steigen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Eine alternde Bevölkerung bedingt eine zunehmende Inanspruchnahme medizinischer Versorgung. Hinzu kommt, dass der technische Fortschritt im medizinischen Bereich die Aufwendungen deutlich erhöhen wird.

Doch die Probleme sind zum Teil politikgemacht: Die Ausgaben nehmen wegen des Wegfalls der Praxisgebühr, wegen überdurchschnittlich hoher Kosten für Krankenhausaufenthalte und infolge steigender Honorare für niedergelassene Ärzte und Zahnärzte stark zu. Im Jahr 2013 stiegen die Ausgaben der GKV allein für Krankenhausbehandlungen und ärztliche Behandlungen (ohne die Ausgaben für Medikamente) um reichlich 6,5 Mrd. Euro. Gleichzeitig wird der Bundeshaushalt auch zu Lasten der GKV konsolidiert, indem der Bundeszuschuss zur Finanzierung versicherungsfremder Leistungen kräftig gekürzt wird. Während der Rezession wurde er auf 15,7 Mrd. Euro hochgefahren, im Jahr 2014 beträgt er 10,5 Mrd. Euro.

Glücklicherweise wird das Beitragsaufkommen dank steigender Löhne und zunehmender Beschäftigung weiterhin stark zunehmen. Dennoch: Die GKV ist nicht zukunftsfest. Bereits in diesem Jahr wird der Fehlbetrag 1,6 Mrd. Euro betragen, im nächsten Jahr wird das Defizit – auch wegen der Beitragssatzsenkung – auf 6 Mrd. Euro steigen.

Noch haben die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds hohe Reserven. Mittel- und langfristig führt aber wohl kein Weg an höheren Beitragssätzen vorbei. Ab dem Jahr 2015 haben die Kassen die Möglichkeit, spezifische lohnabhängige Beiträge zu erheben. Sie werden diese Möglichkeit immer mehr nutzen

Wegen einer älter und damit zwangsläufig kränker werdenden Gesellschaft wird sich die Last auf immer weniger Schultern verteilen. Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht dar, da jetzt schon rund 15 % des Arbeitseinkommens für die gesetzliche Krankenversicherung aufgewendet werden müssen.

  • Autor

    Dr. Alfred Boss

    war langjähriger Wissenschaflter im Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Öffentliche Haushalte, Sozialversicherung, Steuerpolitik, Subventionswesen und Sozialpolitik.

  • Eckhard Bock

    Ok, haben wir verstanden, was also tun?
    Noch mehr Einkommen aus den Wirtschaftskreisläufen ziehen um damit Geld zu verdienen? Dies würde die Schuldenspirale in den Gesellschaften, zu Gunsten weniger, erhöhen.
    Was also tun?

  • Axel Sänger

    “Zukunftsfest” kann die gesetzliche Krankenversicherung mit Sicherheit nicht sein. Das zeigt aber nur an, dass grundsätzlich etwas nicht so weiter gehen kann wie bisher. Es ist notwendig, die Tatsache einzusehen, dass die Vorstellung “Arbeitsmarkt” mit dem Niedergang der Industrie in der Moderne durch andere Vorstellungen von menschlicher Arbeit ersetzt werden muss.Das wird eine sehr differenzierte Analyse der Situation erfordern, um die sich niemand herumdrücken kann. Es führt zu keinem Ziel, wenn in immerwährend andauernden Diskussionskreisläufen stets die gleichen “Symptome” des Umbruchs aufgeführt werden. Wenn dies sinnvoll wäre, dann könnte das Erzählen einer Geschichte und das gemeinsame Zuhören auf einen Ort “oberhalb” der materiellen Lebenswelt verweisen, an dem der Gemeingeist der Diskutierenden die Vision eines “neuen Paradieses” wähnt.
    Ja, es ist wahr, dass Ranke empfiehlt den Umbruch in eine “neue Epoche” erst frühestens aus einem zeitlichen Abstand von einhundert Jahren zu konstruieren. Wissenschaft kann da wohl nichts anderes tun. Das zeigt jedoch auch, dass “Wissenschaft” nur aktuelle und geschichtliche Problematiken beschreiben und systematisieren kann. Genau deshalb handelt die Politik auch anders, als es sich “die Wissenschaft” vorstellen kann und mag. Aber, keine Aufregung, dadurch wird die Wissenschaft vor Tatsachen gestellt, an denen sie sich wieder “systematisch abarbeiten” kann. auf jeden Fall wird das dann doch nicht langweilig sein.

  • Dan Chris

    Mir ist die Dramatik die hier verbreitet werden soll nicht ganz klar.
    Die Kosten steigen im Rahme der der Produktivität + Inflation. D.h.
    bezogen auf die Wirtschaftskraft in Deutschland ist das Ganze also
    machbar. Bezogen auf das BIP gibt es auch keine drastische Entwicklung
    nach oben, sondern eher ein Schwanken in den letzten 9 Jahren
    https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Gesundheitsausgaben/Gesundheitsausgaben.html

    Auch die Logik

    Eine alternde Bevölkerung bedingt eine zunehmende Inanspruchnahme medizinischer Versorgung.;

    bzw.

    Wegen
    einer älter und damit zwangsläufig kränker werdenden Gesellschaft wird
    sich die Last auf immer weniger Schultern verteilen.

    ist nicht zwingend . Warum sollte das so sein? Die höchsten Kosten im Gesunheitssystem
    entstehen in den letzten Jahren vor dem Tod. Das Alter spielt da weniger
    eine Rolle. D.h. die Menschen werden zwar älter, allerdings kosten
    heute 60 jährige weniger als vor einigen Jahrzehnten.

    “Gleichzeitig wird der Bundeshaushalt auch zu Lasten der GKV

    konsolidiert, indem der Bundeszuschuss zur Finanzierung

    versicherungsfremder Leistungen kräftig gekürzt wird.”

    bzw.

    “auch wegen der Beitragssatzsenkung”

    Genau hier kommen wir dem Problem näher.
    Die Einnahmen werden systematisch gekürzt und die Leistungen konstant
    gehalten. Die Probleme die daraus entstehen werden auf die alternde
    Bevölkerung geschoben. Wie sieht denn der Lösungsvorschlag aus? Meine
    Vermutung ist, dass wir alle privat vorsorgen sollen. Denn das ist
    billiger und viel besser. Leider zeigt die Realität ein anderes Bild.

  • Ralph Krachen

    Nein die ges.Krankenversicherung ist nicht zukunftsfest, sondern pleite. Doch sind die Lösungsvorschläge je nach politischer Couleur
    unterschiedlich. Forderungen wie alle sollten einzahlen und die Einflussnahme des Hartmannbundes ist eingrenzen, scheinen doch nicht so abwegig. Jedenfalls wird eine grössere Steuerfinanzierung der Sozialversicherung wahrscheinlich.