Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegenkommen. Aristoteles Onassis, 1906-1975, griechischer Reeder

- Steuern und Finanzen

Stromanbieter-Wechsel als Antwort auf steigende Strompreise?

Mit dem Wechsel der Stromanbieter können die Kunden adäquat auf den Anstieg der EEG-Umlage reagieren, schreibt die Wirtschaftswoche. Doch der Gedanke greift zu kurz. Eine Erwiderung. (mehr …)

In der aktuellen WirtschaftsWoche (WiWo) findet sich ein interessanter Artikel zu den steigenden Kosten durch die Energiewende. Anlass ist die seit Jahren steigende EEG-Umlage. 6,35 Cent pro Kilowattstunde sind es nun – allein für die EEG-Umlage versteht sich. In dem Artikel heißt es: „Denn nicht der Staat entscheidet über den Strompreis, den Haushalte zahlen müssen, sondern Angebot und Nachfrage.“

Das ist eine gewagte Aussage in Anbetracht der Tatsache, dass über die Hälfte des Strompreises direkt vom Staat bestimmte werden. Dazu kommen noch indirekt beeinflusste Anteile an den weiteren Bestandteilen des Strompreises (insbesondere die Netzkosten; diese steigen durch den Ausbaubedarf, der durch die Erneuerbaren verursacht wird).

Der WiWo-Autor Christian Schlesinger weist zwar zu Recht auf die Wechselmöglichkeiten hin. So ließen sich für einen Vier-Personen-Haushalt mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen. Dagegen wirke der Anstieg durch die EEG-Umlage „wie ein Witz“. Für die Verbraucher dürfte aber nicht der – zugegebenermaßen moderate – aktuelle Anstieg entscheidend sein, sondern der gesamte Strompreis und der besteht zu rund 30 Prozent aus durch die Energiewende induzierten Kosten – denn man muss noch die Mehrwertsteuer auf die EEG-Umlage, weitere Umlagen und die höheren Regelenergiekosten berücksichtigen. Für die meisten Verbraucher dürfte es also durchaus einen Unterschied machen, ob die Kilowattstunde Strom 20 oder 30 Cent kostet.

Bei einem Verbrauch von ca. 5000 Kilowattstunden pro Jahr für einen Vier-Personen-Haushalt ergibt sich durch die Energiewende eine Mehrbelastung von fast 500 Euro im Jahr. Dazu kommt die Mehrbelastung durch energieintensive Produkte, wie z.B. Backwaren. Denn bei diesen schlagen sich die steigenden Energiekosten direkt im Preis nieder.

Christian Schlesinger schreibt außerdem: „Die Strompreise könnten in den kommenden Jahren also doch noch weiter steigen. Aber nicht die EEG-Umlage ist dafür verantwortlich, sondern Investitionen in das Netz.“ Die hohen Investitionen in die Netze werden aber maßgeblich von der Energiewende beeinflusst, da der durch die Erneuerbaren Energiequellen hergestellte Strom zu den Verbrauchern transportiert werden muss. Und hierfür müssen nunmal die Netze ausgebaut werden.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich bin selbst Befürworter der Energiewende. Immerhin bringt sie eine Reihe wichtiger Vorteile mit sich. Doch es lassen sich deutlich bessere Ergebnisse mit einem wesentlich geringeren Einsatz erzielen, wenn die Förderung nur endlich auf eine sinnvolle Grundlage gestellt würde.

In einem Punkt ist Christian Schlesiger von der Wirtschaftswoche jedoch zweifelsfrei zuzustimmen: Stromkunden sollten den „Wettbewerb auf dem Energiemarkt zum eigenen Vorteil zu nutzen“. Denn durch einen Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter lässt sich tatsächlich viel Geld sparen.

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  • Autor

    Dr. Markus A. Hessler

    studierte, lehrte und forschte in Bochum, Hagen und Hamburg. Er arbeitet aktuell als Strategieberater für Digitalisierung, Strategieentwicklung, Marketing-Management, Finance und Projektmanagement und lehrt in betriebs- und volkswirtschaftlichen Schwerpunkten an verschiedenen Hochschulen.

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