Wieso soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat? Angela Merkel, *1954, erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

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Börsenumsatzsteuer: Liquidität in Gefahr

Eine Finanztransaktionssteuer würde zu enormen Einahmen für den Staat führen. Dennoch würde die Belastung vermutlich auf die Invetoren abgewälzt.Bankenabgabe ja oder nein und in welcher Form? Die Finanzminister der G20 werden am Freitag in Washington versuchen Antworten auf diese Fragen zu finden. Diskutiert wird auch eine Börsenumsatzsteuer. Das wäre aber der falsche Weg, denn die Kosten einer solchen Steuer schultern die Falschen, meint Prof. Kaserer.

James Tobin ist in der Krise wieder angesagt. Der Amerikaner schlug 1972 vor, Devisentransaktionen mit einer Abgabe zu belegen. Die Tobin-Steuer war geboren. Nun wird in einigen Ländern – als Redaktion auf die Turbolenzen auf den Finanzmärkten – über ein neues Instrument nachgedacht: Eine Börsenumsatzsteuer, oder allgemeiner eine Finanztransaktionssteuer, soll Spekulationen auf dem Finanzmarkt eindämmen. Warum allerdings sollte der Staat über eine neue Steuer allgemein „Spekulationen“ beschränken?

Tatsächlich stellen sich die Fragen: Wen trifft eine solche Steuer? Und was bewirkt sie? Sofern keine Ausnahmetatbestände definiert werden, was in der Vergangenheit bei Einführung einer solchen Steuer meist geschehen ist, würde vor allem der Handel der institutionellen Investoren bestraft. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese sich vom Markt zurückziehen – mit erheblichen Auswirkungen. Denn damit würde die Liquidität der Märkte sinken und die Volatilität steigen. Die daraus entstehenden Kosten tragen letztlich die privaten Anleger in Form höherer Risiken. Nicht auszuschließen ist, dass institutionelle Investoren einen Teil der wirtschaftlichen Kosten der Steuern auf die Kunden abwälzen können (dazu gehören auch die privaten Sparer), was dann aber deren Nettorendite deutlich schmälert. So oder so: Auf eine zusätzliche Steuer, die so massiv ins das Marktgeschehen eingreift und dabei den Wettbewerb verzerrt, sollten die Länder besser verzichten.

  • Autor

    Prof. Dr. Christoph Kaserer

    ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München.

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  • “institutionellen Investoren bestraft”

    Warum Herr Professor werden gerade diese Anleger gestraft? Legen sie langfristig an und spekulieren nicht kurzfristig werden sie nach meinem Verständnis einer Börsenumsatzsteuer nicht gestraft. Der kurzfristige Handel auf kleine Preisschwankungen wird unterbunden und lohnt sich nicht mehr. Dieser hat keinerlei volkswirtschaftliche Vorteile, sondern bringt nur wenigen Geld und treiben Preise nach oben. Hinzu kommt, dass gerade die Banken und Versicherungen, das heißt die Großanleger, die Krise angefeuert haben mit ihrem Geld. Nun können sie dafür Zahlen. Das der Kapitalmarkt an Geld verliert ist zu hoffen. Da es nicht verschwindet wird es eben andersweitig angelegt, bzw. ausgegeben.

  • bommel

    Ihre Argumente können zutreffen, Sie müssen es aber nicht – die Empirie ist dafür einfach zu dünn.
    Aber abgesehen davon: Die Tobin Tax kann keine Krisen verhindern, wahrscheinlich nicht mal dämpfen. Um die volkswirtschaftlichen Schäden einer Bankenkrise zu verhindern, sind Größenbeschränkungen von MFI’s in Form von z.B. progressiven EK-Anforderungen oder direktem downsizing die effektivsten Mittel. Die too-big-to-fail Problematik ist die Mutter aller finanzpolitischen Gefangenendilemmata, die es nicht nur, aber insbesondere aus der ordoliberalen Perspektive heraus ohne wenn und aber zu verhindern gilt.

  • Eine hohe Tobinsteuer wäre durchaus vernünftig wenn die daraus erzielten Einnahmen dann einem Grundeinkommen zugute kommen würden dann würde dies den Konsum stützen und somit auch wieder dem ganzen Markt zugute kommen mit der Folge das sich investitionen wieder lohnen.

    Ich denke schon das man den Spekulanten und anderen Leuten die ihr Geld nur mit dem hin und herschieben von Geld verdienen etwas abnehmen kann. Wenn das Geld dann an anderer stelle wieder sinvoll verwendet wird schließt sich der Wirtschaftskreislauf wieder.
    Allerdings sollte man natürlich solche Masnahmen masvoll einsetzen um ein gesundes Gleichgewicht zu wahren. Es ist jedoch auch klar das der Neoliberalismus dieses Gleichgewicht zu gunsten einer kleinen superreichen Elite verschoben hat. Dieses gleichgewicht muss endlich wieder hergestellt werden, hierfür wäre meiner Ansicht nach eine Tobin steuer ein geeignetes instrument.

    Private sparer wären davon ohnehin kaum betroffen da diese steuer in einem sehr niedrigen bereich von weiter unter 1% liegt. Lediglich spekulanten und Zocker die ihr vermögen alle par tage hin und herschieben würde diese Form der Besteuerung voll zum Tragen kommen. Derjenige der privat Aktien kauft um die Rente abzusichern, d.h langfristige Anleger hätten keinen Nachteil.

    Den Spekulanten auf diesem Wege steine in den Weg zu legen würde viel gutes für die Menschen bedeuten. z.B. stabilere Preise für Nahrung, resourcen etc. Diese steuer wäre kein schwerwiegenderer eingriff in das markgeschehen als schon bereits vorhandene Steuern z.B. Mehrwertsteuer die vom Bürger gezahlt werden muss. Da ist es für mich schon sehr fragwürdig warum die spekulanten und Eliten führ ihre Geschäfte bisher keine Steuern zahlen müssen.

    Aber auf die G20 mache ich mir keine Hoffnung, gewissen “Lobbyorganisationen” werden schon dafür sorgen das keine Entscheidungen gegen die Interessen derjenigen getroffen werden die den großteil des Weltweiten vermögens besitzen und nicht bereit sind ein par millionen von ihren Milliarden für das wohl der Menscheit abzugeben.

  • Kammerjäger

    “Nicht auszuschließen ist, dass institutionelle Investoren einen Teil der wirtschaftlichen Kosten der Steuern auf die Kunden abwälzen können (dazu gehören auch die privaten Sparer), was dann aber deren Nettorendite deutlich schmälert. ”

    Was wollen Sie uns hiermit sagen? Es ist auch nicht auszuschließen, dass morgen Dieter Bohlen, Lothar Matthäus und Eva Hermann bekanntgeben, dass sie gemeinsam an der nächste Staffel Big Brother teilnehmen werden.

    Inhaltlich finde das Leiden der Privatanleger unter mangelnder Liquidität der Finanzmärkte ebenfalls ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

  • Keynesianer

    Die Tobinsteuer ist niedrig anzusetzen und sie macht dann vor allem kurzfristige Spekulationen unrentabel. Das trifft genau das Geschäft was man nicht braucht! Wetten, die sogar die Realwirtschaft schädigen! Aber wer das noch nicht begriffen hat, dem ist nicht mehr zu helfen!

    Man sollte ein Finanztransaktionsteuer allerdings auf börsliche und ausserbörsliche Umsätze einführen. Es gibt dringenden Handlungsbedarf!