Das Gut Freizeit hat den Vorteil, daß es steuerfrei ist - noch! Clemens August Andreae, 1929-1991, österreichischer Nationalökonom

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Strompreisentwicklung: Auch die Industrie leidet

StrompreisentwicklungDie Energiewende gilt als eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Projekte in Deutschland. Doch trotz aller Reformen: Die Stromrechnung der privaten Haushalte steigt und steigt. Und auch die Wirtschaft leidet zunehmend unter der Abgabenlast. Bedroht die Energiewende die Industrie in Deutschland?

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Klar ist schon seit längerem: Die steigenden Strompreise werden für die privaten Verbraucher eine zunehmende Belastung. Alleine die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EEG Umlage) hat sich binnen fünf Jahren verfünffacht. Steigende Strompreise belasten aber auch zunehmend die deutsche Industrie.

Schließlich stemmt die deutsche Industrie – trotz EEG-Ausnahmeregelungen – einen erheblichen Teil der Kosten der Energiewende. Zwar sorgt zunehmende Ausbau von Wind- und Sonnenkraft in Deutschland für sinkende Preise an den Strombörsen und dämpft damit die Mehrkosten ein wenig. Davon profitieren nicht nur die hiesigen Unternehmen, sondern auch die Stromverbraucher in den Nachbarländern. So sorgt die Förderung der Erneuerbaren Energien in Deutschland dafür, dass für heimische Unternehmen Strom teurer wird, im Ausland die Industriestrompreise aber sinken. Im Durchschnitt lag der Strompreis für deutsche Großkunden (Jahresverbrauch 20.000 bis 70.000 Megawattstunden) im vergangenen Jahr bei 10,4 Cent je Kilowattstunde und damit rund 3 Cent höher als in Frankreich und gut 1,2 Cent höher als im europäischen Durchschnitt.

Für energieintensive Branchen ist die Situation ohnehin schon schwierig. Das zeigt die ausgesprochen schwache Investitionstätigkeit, die seit über 10 Jahren fast durchgängig unter dem Niveau liegt, das notwendig gewesen wäre, um die Abnutzung der Betriebsstätten auszugleichen. Steigt der Strompreis weiter, könnte sich dieser schleichende Desinvestitionsprozess weiter fortsetzen, was nicht nur die Zukunftsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen selbst gefährdet, sondern auch die übrige Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Denn rund 80 Prozent des Verarbeitenden Gewerbes haben enge Lieferbeziehungen mit der energieintensiven Industrie oder arbeiten in Netzwerken zusammen.

Die Energiewende will keiner zurückdrehen. Richtig umgesetzt bietet sie große Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Doch die aktuelle Förderlogik macht die Energiewende teurer als unbedingt notwendig. Wir brauchen vor allem mehr Wettbewerb. Das schafft Innovationen, senkt die Kosten und käme am Ende Privatverbrauchern und der Wirtschaft zu Gute.


Weitere Informationen zu den Belastungswirkungen hoher Strompreise auf die deutsche Industrie finden Sie hier.
Weitere Informationen zur Energiewende und zum EEG finden Sie hier.

  • Autor

    Dr. Hubertus Bardt

    ist Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereiches am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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