Inflationen sind wie Diktaturen. Wenn sie erst einmal an der Macht sind, wird es um so schwieriger, gegen sie anzukämpfen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

3 Steuern und Finanzen

Die Hälfte schluckt der Staat

So entwickeln sich die Steuern und Abgaben.Die Abgabenlast wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Durchschnittsverdiener und Beschäftigte mit geringem Einkommen sind besonders betroffen. Heimliche Steuererhöhungen sind ein wesentlicher Grund dafür.

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Arbeitnehmer müssen sich auf höhere Belastungen durch Sozialversicherungsbeiträge und durch die Lohnsteuer einstellen: Der Beitragssatz für die soziale Pflegeversicherung steigt im kommenden Jahr sowie im Jahr 2017. Für die gesetzliche Krankenversicherung wird voraussichtlich in den Jahren 2016 und 2017 mehr Geld fällig. Und weil die große Koalition darauf verzichten will, die sogenannte kalte Progression abzumildern, steigt mit Lohnerhöhungen die Lohnsteuerschuld überproportional.

Insgesamt müssen deshalb alle Einkommensklassen künftig einen höheren Anteil ihres Einkommens an den Staat abführen. Besonders stark betroffen sind Normalverdiener und Beschäftigte mit niedrigem Einkommen. Ein Single, der im vergangenen Jahr laut Berechnungen der OECD einen durchschnittlichen Verdienst von reichlich 45.000 Euro brutto im Jahr erzielte, musste einschließlich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung 49,3 Prozent abgeben. Im Jahr 2017 werden über 50 Prozent fällig. Bei einem Bruttoeinkommen von gut 16.000 Euro im Jahr 2013 steigt die Abgabenlast sogar noch stärker, von 37,6 auf 38,9 Prozent. Damit werden die Arbeitsanreize geschwächt. Die steigenden Lohnnebenkosten gefährden zudem sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.

Wirtschaftspolitisch sinnvoll wäre es, bei der Kranken- und der Pflegeversicherung auf ineffiziente Umverteilung zu verzichten und einheitliche Beiträge einzuführen. Außerdem sollte der Einkommensteuertarif jedes Jahr an die Entwicklung der Nominaleinkommen angepasst werden, um die durchschnittliche Steuerbelastung konstant zu halten.

Einwenden könnte man dagegen, dass eine Mehrbelastung hinnehmbar sei, weil sie dazu diene, die Defizite im Staatshaushalt abzubauen. Das Argument wäre überzeugend, würde die Politik in diesem Fall tatsächlich weniger Schulden machen und dadurch künftige Generationen entlasten. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass bei überproportional steigenden Steuereinnahmen zusätzliche Ausgaben beschlossen würden.

Die Belastung der Bürger durch die Einkommensteuer und durch die Sozialabgaben ist spätestens dann sehr schmerzhaft, wenn von deren erarbeiteten Einkommen nur die Hälfte übrig bleibt. Dies wird selbst bei einem Durchschnittsverdiener im Jahr 2017 der Fall sein. Die Regierung tut aber nichts dagegen. Im Gegenteil: Mit Wahlgeschenken wie dem Rentenpaket wird die Situation sogar noch verschlimmert.


Wie entwickeln sich die Steuern und Abgaben? Lesen Sie dazu den aktuellen ifw Policy Brief “Die Lohnsteuer- und die Sozialabgabenbelastung ausgewählter Arbeitnehmerhaushalte in Deutschland” von Dr. Alfred Boss.

  • Autor

    Dr. Alfred Boss

    war langjähriger Wissenschaftler im Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind öffentliche Haushalte, Sozialversicherung, Steuerpolitik, Subventionswesen und Sozialpolitik.

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  • Helmuth Schrickel

    Die Penner ,die heute arbeiten ,sind nicht in der Lage eine Lohnabrechnung nachzurechnen !!! Es ist ja auch kein Wunder ,denn eine Berechnung ist ohne Hilfsmittel nicht möglich . Das haben die Verbrochen die ich als Akademiker bezeichne . Eine Bildung brauche ich nicht, um das berechnen diese Lohnabrechnung zu beschreiben . Die Begriffe für eine Berechnung muss ich schon wissen !! Der Bruttolohn ist eine freie Erfindung der Bezahlung von Arbeitsleistungen pro Stunde arbeit ,denn das ist die Größe der Berechnung wo von sich die Anderen ernähren !!! Der Zwischenbetrag von dem Bruttolohn, und den immer wiederkehrenden Prozentsätzen der nichtbeteidigten Bevölkerungsschicht hat zu einer Nettolohnverkürzung geführt . Und nun zu den anderen Bestandteile einer Berechnung der Reallohnfindung sind folgende Bestandteile : Sozialversicherungsvorsorge für Staatsdiener und Helfer der Gesundheit und Altenführsorge für die Bevölkerung die eigentlich überhaupt nicht arbeitet . Aber das sich nicht die einzigen die von dieser Berechnungsart einen Vorteil haben , denn da sind noch die die darüber wachen !! Die Weisen der Ämter die das alles Erfinden haben und genau wissen das das eine Riesige Arbeit ist denn Leuten das beizubringen . Denn es ist nicht so einfach , den auch schon die Bundeskanzlerin hat damit ein Problem gehabt , mit dieser Brutto und Netto- Geschichte . Aber vielleicht ist es an der Zeit das Europäische Haus einmal zu befragen was eigentlich gemeint ist mit diesem ” Bruttolohn ohne Wert ” einen guten Nacht Trunk muss bei so einer Aufgabe so über sein .

  • “Die Hälfte schluckt der Staat”

    Nein tut er nicht. Sie zeigen es in ihren falschen Statistiken selbst auf. Der Durchschnittslohn ist höher als der Medianlohn. Das heißt die Mehrheit der Menschen zahlt weniger als 50% an Steuern und Sozialabgaben. Die Sozialabgaben sind Versicherungsbeiträge. D.h. es ist zwar eine gesetzliche Versicherung

    “die Organisation erfolgt durch selbstverwaltete Versicherungsträger.”

    “Das heißt, dass die Träger der Sozialversicherung als
    öffentlich-rechtliche Körperschaft alle Steuerungsaufgaben in
    Eigenverantwortung unter Rechtsaufsicht des Staates erfüllen. Damit sind sie organisatorisch und finanziell selbstständig. ”
    http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/wegweiser/grundprinzipien.html

    Da sich die Leistungen aus Beiträgen und nicht aus Steuern speisen, sind es Versicherungen. Niemand käme auf die Idee einen privaten Versicherungsbeitrag in die Abgabenlast an den Staat mit einzurechnen, selbst es eine Versicherungspflicht gäbe. Floglich sollten in der Darstellung Steuern + Soli stehen.

    Noch ein paar Punkte die widersprüchlich sind.
    “Wirtschaftspolitisch sinnvoll wäre es, bei der Kranken- und der Pflegeversicherung auf ineffiziente Umverteilung zu verzichten und einheitliche Beiträge einzuführen”

    Im Text schreiben sie, dass die unteren Einkommen stärker belastet werden. Was passiert wohl, wenn man Einheitsbeiträge einführt? Bei der gleichen Zahl von Personen und gleichem Bedarf muss der Beitragssatz für die niedrigen Einkommen steigen. Der Witz ist, dass wirtschaftsliberale Ökonomen meinen, dass die unteren Löhne zu niedrig sind und die Anreize zum Arbeiten verloren gehen. Gleichzeitig fordern sie implizit deren Senkung.

    “Damit werden die Arbeitsanreize geschwächt.”
    Diese Aussage ist lächerlich. Das sieht man daran, dass auf der einen Seite die Zahl der Erwerbstätigen steigen und auf der anderen die Reallöhne sinken. Die Aussage ist folglich nicht haltbar.

    “spätestens dann sehr schmerzhaft”
    Warum? Springt die Belastung plötzlich von Null auf 50%? Natürlich nicht. Der Nettobetrag wird höher sein als 2014. Weiterhin ist die Belastung eine Frage der Lohnentwicklung. Steigen die Löhne, steigen die Einnahmen der Sozialversicherungen und die Beitragssätze werden, sinnvoll oder auch nicht, gesenkt (siehe aktuell bei der Rente).

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