Jeder sollte wissen: Je kleiner die Schritte, desto mehr Schritte muss er machen. Horst Köhler, *1943, Bundespräsident AD

14 Ordnungspolitik

Warum die Energiewende nachhaltig auf dem Holzweg ist

Erneuerbare Energien verursachen rund 30 Prozent der Stromkosten bei Privatkunden in Deutschland. Ein Großteil davon entfällt auf die EEG-Umlage. Dazu kommen weitere Umlagen sowie der entsprechende Anteil der Mehrwertsteuer und ein Anteil am Netzentgelt, welches aufgrund der Volatilität von Wind- und Sonnenstrom steigt. Steuern und Abgaben sind mittlerweile für über 50 Prozent des Strompreises verantwortlich. Dieser Anteil steigt von Jahr zu Jahr. Und das alles bei einem Klimaeffekt von Null. 

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Allein die EEG-Umlage belastet die deutschen Verbraucher im laufenden Jahr mit 22 Milliarden Euro. Berücksichtigen wir die oben genannten Preisanteile, so betragen die jährlichen Kosten rund 30 Milliarden Euro – 30 Milliarden Euro, die den Verbrauchern, der Volkswirtschaft an anderer Stelle fehlen.

Dazu kommt, dass die Netzstabilität immer dann, wenn besonders viel Solar- oder Windstrom produziert wird, in Gefahr ist. Steht wenig erneuerbare Energie zur Verfügung, ist Deutschland zur Bedarfsdeckung jedoch massiv auf teure Stromimporte aus dem Ausland (oft aus Atomkraftwerken) angewiesen. Die Volatilität der erneuerbaren Stromerzeugung destabilisiert also nicht nur den Netzbetrieb, sondern kostet die Verbraucher auch noch Millionen.

Deutschland hat europaweit mit die höchsten Stromkosten. Dies hat negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Nebenbei sorgt das EEG für einen unerwünschten Umverteilungseffekt zwischen den Bundesländern und Eigenheimbesitzer mit Solarzellen auf dem Dach werden von den weniger Wohlhabenden quersubventioniert.

Die Klimawirkung des EEG ist bekanntermaßen gleich null. Für die volatile Stromerzeugung müssen genug Backupkapazitäten durch konventionelle Kraftwerke bereitgestellt werden. Durch die zunehmende Ungleichverteilung der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs müssen die Stromnetze erheblich ausgebaut und Stromtrassen quer durch das Land geschlagen werden. Die ehedem erfolgreichen Energiekonzerne wie RWE und Eon kämpfen mittlerweile um ihr Überleben und haben mit hohen Verlusten umzugehen.

Der Vorrang der erneuerbaren Energien hat zusätzlich den absurden Effekt, dass sich eigentlich dringend benötigte Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr rechnen und daher stillgelegt werden. Auch moderne Gaskraftwerke ereilt dieses Schicksal, da sie nicht mehr rentabel sind.

Keine Frage: Die Energiewende kann Vorteile haben, aber der eingeschlagene Weg bleibt ineffizient und schädlich. Die Politik sollte aus der vielfach geäußerten Kritik lernen und die Energiewende auf ein gesundes Fundament stellen.

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  • Autor

    Dr. Markus A. Hessler

    studierte, lehrte und forschte in Bochum, Hagen und Hamburg. Er arbeitet aktuell als Strategieberater für Digitalisierung, Strategieentwicklung, Marketing-Management, Finance und Projektmanagement und lehrt in betriebs- und volkswirtschaftlichen Schwerpunkten an verschiedenen Hochschulen.

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  • “30 Milliarden Euro, die den Verbrauchern, der Volkswirtschaft an anderer Stelle fehlen.”

    ??? Das Geld ist doch nicht weg. Irgendwer bekommt das Geld doch. Die Betreiber bekommen Geld, der Staat und auch die Hersteller z.B. von Windenergieanlagen.

    Hohe Preise für eine Kilowattstunde Strom sorgen dafür, dass sich Energieeffizienz auf einmal auszahlt. Das ist doch etwas gutes. Es werden neue Technologien entwickelt.

    “Deutschland hat europaweit mit die höchsten Stromkosten. Dies hat
    negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.”
    Die deutsche Wirtschaft hat wohl keine Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit. Aus mehreren Gründen ist diese Aussage sinnlos. Die höchsten Stromkosten sagen nichts darüber aus, wie
    die Energiekosten insgesamt aussehen, wieviel Kosten daraus entstehen (niedriger Verbrauch und hohe Kosten sorgen für keinen negativen Effekt), wie die Preise für die Industrie aussehen (es gibt viele Ausnahmeregelungen).

    “Die Energiewende kann Vorteile haben, aber der eingeschlagene Weg bleibt ineffizient und schädlich. ”
    Eine Behauptung ohne Beleg, bleibt eine Behauptung. Die Energiewende wird Vorteile haben, weil sie passieren muss. Öl ist eine endliche Ressource. Somit stellt sich nicht die Frage ob sondern wie. Die Inneffizienz muss man erst einmal zeigen, hier wurde es nicht gemacht. Vor allem stehen Kosten für den Rückbau der Altreaktoren noch an. RWE meint, dass die Rücklagen dafür nicht existieren.

  • Hubert Daubmeier
  • Eine Kolumnistin wird sich natürlich mit den wissenschaftlichen Untersuchungen im Bereich des Klimawandels fundiert auskennen. Harte Quellen sehen anders aus. Die Befürworter der Atomkraft blenden die Umweltschäden und die Folgekosten bei der Förderung von Uran komplett aus. In Deutschland sind das mehrere Milliarden Euro für das Abbaugebiet Wismut. Die Rückbaukosten der Anlagen und die Endlagerung werden wohl auch zu großen Teilen vom Staat getragen werden müssen. Wer Atomkraft befürwortet soll ein Konzept vorstellen wie man diese Kosten den Verursachern aufbürdet. Davon abgesehen ist Atomkraft teurer als Windenergie. Das zeigen die Strompreisgarantien für Neuatomkraftwerke aus Großbritannien. Wenn Atomkraft wettbewerbsfähig wäre, dann bräuchte man diese Garantien nicht.

  • krasser Terror

    Korrekt, die Energiewende läuft komplett aus dem Ruder. Schuld daran sind schmierige Lobbyisten, denen das Wohl der Bevölkerung in Form einer gesunden Umwelt am Arsch vorbeigeht. Die Lösung ist extrem simpel: alle Förderungen, Anreize und Ausnahmeregeln abschaffen und stattdessen CO2 besteuern.
    Dass die Klimawirkung des EEG gleich null ist, sehe ich nicht so. Das EEG hat dazu geführt das Solar- und Windkraftanlagen wesentlich weiterentwickelt wurden und heute konkurrenzfähige Energiequellen geworden sind. Diese Industrien tragen nicht unwesentlich zum Inlandsprodukt Deutschlands bei.

  • Hubert Daubmeier

    Nun “Die Befürworter der Atomkraft blenden die Umweltschäden und die Folgekosten bei der Förderung von Uran komplett aus” ist eine unbelegte und unbegründete Unterstellung. Mir macht es z.B. Sorgen wie der schon lange vorhandene Müll (also die Brennstäbe) für Jahrmillionen gelagert werden soll. Wenn sich dann die Chance auftut, dass man die Mengen gewaltig reduzieren kann indem die alten Brennstäbe in neuen Kraftwerken nutzt, dann sollte man dem Gehör schenken und idealerweise die Möglichkeit geben seine Theorie auszuprobieren.

  • steinweg

    Energie-Aufwendungen sind Teil der Produktion. Die Ammoniak-Synthese ist nach Texas gegangen, Carbon-Fasern stellt man auch lieber anderen Ortes her. Dass man den Brüter fallengelassen hat war politisch, MOX-Stäbe durften in Hanau auch nicht erzeugt werden; Fischers Werk. Es ist geradezu albern, wenn weltweit man Atom-Kraftwerke nutzt und baut, so zu tun, als wenn die ganze Welt wie die depperten Deutschen auf die Atom-Energie schauen. Selbst der Thorium-Reaktor, ein wirkliches Zukunfts-Projekt, ist von den Politikern geschlachtet worden. Wegen der Endlichkeit: es gibt solche ungeheueren Mengen Methan, dass es jedem Oeko grausen sollte.

  • “wenn weltweit man Atom-Kraftwerke nutzt und baut”
    Einen wirklich großangelegten Ausbau gibt es aktuell nicht. Die Frage bleibt bestehen. Wenn Atomkraft so billig ist, warum muss sie dann massiv subventioniert werden? Ich sehe keine Vorteile in diesen Kraftwerken. Uran ist eine endliche Ressource, der Abbau erzeugt massive Umweltschäden und die Lagerung ist ungeklärt. Technologien wie der Thorium Reaktor sind offensichtlich noch nicht einsatzfähig, denn sonst würden sie gebaut werden. Die Technologie ist hochkomplex und teuer. Demgegenüber hat man eine Technologie, welche funktioniert und preiswert ist. Auch hier gibt es Probleme wie Recycling, etc.

  • steinweg

    Man muss sich bei Betrachtung von Technologien frei machen von Ideologie, sonst hört es sich wie im Altenheim an. Man brauch nicht lagern, wenn man MOX oder schnell Brüter zulässt. Man muss Technik, wie Hochtemperatur ( Thorium gibt reichlicher ) zulassen. Welche zitierte Technik funktioniert und ist preiswert ohne Speicherung ? Der Artikel gleich nebenan, Nordafrika und Solarthermie gibt zu, dass die Erzeugung selbst dort teuer und diskontinuierlich ist.

  • “Man muss sich bei Betrachtung von Technologien frei machen von Ideologie,”
    Da bin ich ganz bei ihnen. Alles was ich bisher über die hier geforderten Reaktortypen gelesen habe ist, dass diese zu teuer sind. Thorium gibt es reichlich und kann in jedem Reaktortyp genutzt werden. Bisher wurde das nicht gemacht.

    “Welche zitierte Technik funktioniert und ist preiswert ohne Speicherung”

    Windenergie funktioniert und ist preiswert. Die Kosten sinken weiter stetig. Das Hauptproblem in meinen Augen ist, dass man sich langfristig auf eine Strategie einlassen muss. Wenn träge Kraftwerke wie Kohle und Atom weiterhin gebaut werden, dann bringen Windenergieanlagen nichts. In Kombination mit Gasturbinen sieht das Ganze schon wieder anders aus. Es ist eine Frage des Konzepts.

    Bei Atomkraftwerken sieht es ähnlich aus. Wenn man sich dafür entscheidet, dann muss man sie intensiv weiter entwickeln, bauen, etc. Hierfür müssen Sicherheiten von Seiten des Staates bereit gestellt werden falls es zu Unfällen kommt und der Rückbau verlässlich geklärt sein.

    So oder so ist Thorium ebenfalls eine endliche Ressource. Man verschiebt das Problem also nur nach hinten. Ich halte daher Atomkraft für nicht nachhaltig und notwendig. Es gibt Alternativen zu einer hochkomplexen und teuren Technolgie.

    Hier mal ein Link zum Thorium Reaktor
    http://scienceblogs.de/wasgeht/2015/05/19/was-geht-mit-thorium-und-was-nicht/
    Es werden im Netz scheinbar jede Menge Mythen verbreitet. Ich sehe das Ganze marktwirtschaftlich. Wenn die Technologie so überlegen wäre, würde sie massenweise weltweit gebaut werden. Das ist nicht der Fall.

  • steinweg

    Als vor wenigen Jahren das Wal-Oel der Beleuchtung diente, hätte man auch lamentieren können das Wal-Oel ist nur begrenzt verfügbar. Dennoch habe ich über meinem Schreibtisch 1000 W. Es gibt für unseren Wohlstand nur die Frage Kosten. Aber bei der Energie geht es nur noch heilig, aber nicht kostenbewusst zu. Zu dem Th möchte ich, es ufert sonst aus, was auch das Zitat zeigt, nur betonen der Reaktor hat den Namen “Hoch-Temperatur-Reaktor”. Das wohl nicht unbegründeter Weise.

  • Man hätte das tun können. Wird diese Technologie noch genutzt? Also ist es ein schlechtes Beispiel.

    Der genannte Reaktor Typ ist im Versuchstadium und soll die Probleme jetzt lösen. Wie soll das gehen?

    “kostenbewusst” Genaud das spricht ja gegen Atomkraft. Sie ist teuer. Irgendwer muss die Kosten für den Bau der Anlagen, den Rückbau und die Forschung zu einer funktionierenden Technologie finanzieren. Die Kosten für Unfälle sind dabei noch nicht berücksichtigt.

  • steinweg

    Die gleiche Probleme stellen sich beim Bau einer Werft auch. Die Sachen werden bei der Deutschen Atom-Energie nur politisch aufgebauscht und vorsätzlich Lösungen behindert. Zu anstehender “Forschung” z.Zt. oft verwechselt mit Entwicklung von Forschungs-Ergebnissen, kann man bei der Speicherung von Energie allen Beteiligten Glück wünschen.

  • “vorsätzlich Lösungen behindert.”
    Darum meinte ich auch. Wenn man für Atomkraft ist, dann

    “Bei Atomkraftwerken sieht es ähnlich aus. Wenn man sich dafür
    entscheidet, dann muss man sie intensiv weiter entwickeln, bauen, etc.
    Hierfür müssen Sicherheiten von Seiten des Staates bereit gestellt
    werden falls es zu Unfällen kommt und der Rückbau verlässlich geklärt
    sein.”

    Man muss es langfristig angehen. Ich sehe die Notwendigkeit einer teuren komplexen Technologie nicht. Die Speicherung wird so oder so auf uns zukommen, wenn man die Elektromobilität treiben möchte.

    So oder so, wird die Welt nicht untergehen. Energie ist immer noch sehr billig. Das sieht man jeden Tag, wenn Stand By Leuchten glimmen, wenn tausende Menschen einzeln in Autos sitzen, etc.

  • steinweg

    Atomkraft? Ja bitte!
    (faz.net, Winand von Petersdorff) meine Empfehlung, hier am 22. zitiert.