An der Börse sind 2 und 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

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Die große Illusion

Immer mehr Schulden heißt auch: die jährliche Belastung durch Zinsen steigt.

Überall auf der Welt explodieren derzeit die Staatsdefizite atemberaubend. In den USA überschritt im September 2008 die Verschuldung erstmals die 10 Billionen-Dollar-Grenze. Vor acht Monaten wurde die 11 Billionen-Dollar-Grenze geknackt und aktuell schrammen die Amerikaner die 12 Billionen-Dollar-Schwelle.

Wir Deutschen sind mit von der Partie. Die aktuelle mittelfristige Finanzplanung kündet von einem Anstieg der Staatsverschuldung bis Ende 2012 um 513 Milliarden Euro. Allein für die zusätzliche Verschuldung innerhalb von vier Jahren sind rund 20 Milliarden Euro Zinsen fällig, die ab 2013 Jahr ums Jahr zusätzlich anfallen. Diese Zinsmehrausgaben entsprechen 2,5 Prozentpunkten Mehrwertsteueraufkommen.

Wer in solchen Zeiten gewaltige Steuersenkungen verspricht, nährt gigantische Illusionen. Überall auf der Welt werden in den nächsten Jahren die volkswirtschaftlichen Steuerquoten steigen, um die Lasten der Verschuldung überhaupt tragen zu können. Die Kosten der Alterung unserer Gesellschaften sind dabei noch gar nicht eingeschlossen. Sie reduzieren das Wachstumspotential zusätzlich, weil weniger Aktive mehr Rentner, Pensionäre, Kranke und Pflegebedürftige finanzieren müssen als heute.

Und von der dringend gebotenen Erhöhung der Bildungs- und Forschungsausgaben, vor allem in Deutschland, will ich gar nicht reden. Wenn die exorbitant steigenden Zinsen und die massiv wachsenden Ausgaben für die Beamtenpensionen schon die finanziellen Verteilungsspielräume schmälern: Womit sollen dann, bitteschön, die kreditfinanzierten Steuersenkungen bezahlt werden? Aus Wachstumsgewinnen, die aber schon für die Zinseszins-Ausgaben benötigt werden? Wir huldigen zur Zeit einer großen Illusionsblase. 


Der Wirtschafts- und Finanzexperte Oswald Metzger gehörte von 1994 bis 2002 dem Deutschen Bundestag an. Eine Langversion seines Blogbeitrages finden Sie in der Samstagausgabe der Fuldaer Zeitung und im Internet unter www.fuldaerzeitung.de

Zum Thema Staatsverschuldung hören Sie hier die Folge 3 des ÖkonomenBlog-Podcast „Mit Wachstum aus der Schuldenfalle“.

  • Autor

    Oswald Metzger

    ist Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an. Er ist Geschäftsführer des Konvent für Deutschland.

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  • Beobachter

    Der Autor hat vergessen, die Folgen dieser grossen Illusion noch an die Wand zu malen. Viele Staaten werden gar nicht mehr in der Lage sein, ihre horrenten Schulden je zurückzahlen zu können. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Vertrauen in den Staat total verloren geht. Sobald dies der Fall sein wird, ist ein weltweiter Wirtschaftskollaps bzw Zusammenbruch bisher ungeahnten Ausmasses die Folge. Was darauf folgt, ist auch auszumalen, Chaos, Rebellion, Aufruhr und Krieg wird ausbrechen. Wir gehen düstersten Zeiten entgegen.

  • chriwi

    “Die Kosten der Alterung unserer Gesellschaften sind dabei noch gar nicht eingeschlossen. Sie reduzieren das Wachstumspotential zusätzlich, weil weniger Aktive mehr Rentner, Pensionäre, Kranke und Pflegebedürftige finanzieren müssen als heute.”

    Warum? Man muss nur die jetzt Arbeitslosen richtig einsetzen und schon hat man überhaupt keine Probleme. Wenn 5 Millionen Menschen mehr arbeiten sollten bei steigender Produktivität keinerlei Probleme bei der Alterung entstehen Herr Metzger. Das ist sicher nicht das vordringlichste Problem. Das Hauptproblem ist, dass Steuersenkungen noch nie ein so starkes Wachstum induziert haben, dass man hinterher mehr Geld rausbekommt. Das ist auch ziemlich logisch. Wenn der Staat xx Euro weniger ausgibt und diese auf die Bevölkerung verteilt hat er sicher nicht die Garantie, dass das Geld ausgegeben wird. Somit kommt im besten Fall eine Nullrechnung raus. Lässt er (Staat) die Ausgaben gleich, dann kommen wir in die Situation das mehr ausgegeben wird, aber die Zinsen und Schuldbelastung es später wieder auffrist.

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  • Nun wie wäre es nur mal ein bisschen an den unsäglichen Subventionen zu knabbern? Warum gibt es derzeit darüber weder was im Koalitionsvertrag noch sonstwo?

  • stefan

    hallo zusammen,

    wenn wir es auf den punkt bringen haben uns die alten und noch älteren mit schulden belastet weil sie zu dumm waren und immer noch sind. ich kann mein brot erst essen wenn das getreide gewachsen und geerntet ist, dann vom müller gemahlen wurde und der bäcker mir das brot gebacken hat. Wir leben im einklang mit der natur. demnach weiß man nie wie die ernte ausfällt. also was sollen die kredite die unnatürlich sind. Diese bringen nur unheil. wir sollten da anknüpfen wo wir herkommen nämlich aus dem nichts. man kann kredite nur so vergeben wie es das wetter zulässt. darum andere allternativen als kredite schaffen.